Adelskrone verloren hatte. Frau Falkners Geständniß hatte ihn über Vieles, das er für einen verrätherifchen Undank von Seiten Cora« gehalten hatte, aufgeklärt.' Jetzt war es klar, daß Cora und er die unschuldigen Opfer einer schändlichen Jntrigue gewesen waren.
„Mylord," erwiderte er mit ehrerbietiger, aber vielleicht ein wenig erzwungener Zärtlichkeit, „es steht mir nicht zu, Ihre Handlungsweise ohne genauere Kunde der Beweggründe zu beurtheilen, aber wenigstens möchte ich Sie bitten, das ge- fchehene Unrecht an dieser jungen Dame wieder gut zu machen, die, glaube ich, von uns Allen am schwersten gekränkt worden ist. Miß Cora sollte doch wohl sofort ihre Freiheit wieder- erhalten, sich nach eigenem Wunsch ihren Wohnort wählen dürfen und ihr dazu genügende Mittel zur Verfügung gestellt werden."
Da fing Netta leise an zu schluchzen.
„Es ist doch zu sonderbar, daß mich Jeder dieses Mädchens wegen vernachläsfigt- Ich sollte doch meinen, daß Du, Rupert, erst an mich denken solltest, statt Dir gerade jetzt Sorge um sie zu machen."
Unwillkürlich zuckte es spöttisch um Trevilles Lippen, aber sein besseres Gefühl sagte ihm, daß die Klage seiner Nichte zum ersten Mal vielleicht nicht ganz ungerecht sei und ernst sagte er: „Netta hat vollständig Recht. Rupert, sie nahm Dich aus Liebe und es ist nicht Recht von Dir, sie zu vernachlässigen, nun es sich herausgestellt hat, daß Ihr Euch gleichgestellt seid."
Der junge Mann wandte sich freundlich zu der schönen, schmollenden Braut: „Netta, kannst Du mir nicht verzeihen, daß mich für den Augenblick andere Dinge beschäftigen? Kannst Du nicht begreifen, daß ein so seltsamer Schicksals- wechsel mich für den Augenblick von Dir abzieht? Jetzt kann ich Dir doch wenigstens Rang und Reichthum bieten, wovon wir Beide uns nichts träumen ließen, als Du mir Deine Hand reichtest."
„Ich bin froh, sehr froh, daß wir gleichgestellt sind, Rupert," sprach Netta sanft, „aber nicht wahr, Du vergißt nicht, daß ich, lange bevor ich eine Ahnung davon hatte, Dich wählte? Und ich verlange nichts, als daß Du gut und liebevoll gegen mich bist und Dich nicht durch das listige Mädchen von mir abziehen läßt, das an Allem, was mich in den letzten
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HnterhaltMgMatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).
Die Tochter des Meeres.
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»Aber was gibt mir dix Gewißhett, baß Sie nicht einen zweiten Betrug auWbeN?" sagte der-Graf, indem er sich be- .mühte, jein» Hange Freude über die Hoffnungen, die sich ihm eröffneten, zu verbergen.
„Auf sehr leichte Weise," antwortete Frau Falkner in kaltem Ton. „In der englischen Kirche zu Bremen befindet sich ein Taufregister, in welchem die Geburt dieses Knaben in demselben Jahre verzeichnet ist, in welchem Ihre verstoßene Frau vor Kummer starb. Und für mein Kind, meine Adele," fuhr sie mit einem innigen Blick auf da« junge Mädchen fort, „trug ich reichlich Sorge, daß Niemand verächtlich, als sei sie von zweifelhafter Herkunft, auf sie blicken kann.. Die Wärterin, die mir bei ihrer Geburt beistand, und ber* Geistliche, ber sie taufte, sind Beide noch am Leben und können, wenn Sie es wünschen, meine Aussage bestätigen. ES ist ein seltener Triumph, Mylord: Die Entdeckung, daß Sie einen natürlichen Sohn besitzen und ihm «die Erbin Ihres Bruders zur Frau gegeben haben."
„Still, Frau! Still!" sagte Graf Treville ernst. „Glau- den Sie, ich würde mich bemüht haben, einen Unglücklichen aus der Dunkelheit-zu ziehen? Nein, erst als ein glücklicher Zufall .mir die Thatfache offenbarte, daß meine Sünden weniger traurige Folgen gehabt hatten, als ich glaubte: erst da wünschte ich die Wahrheit zu erfahren- Die heimliche Trauung, durch welche ich beabsichtigt hatte, eine nicht standes- gemäße Verbindung geheim zu halten, wurde durch ein gün- Mges Geschick eine wirkliche, gesetzliche. Rupert, mein Sohn," fügte er mit einem halb traurigen, doch innig liebevollen Blick M dem lungen Mann gewendet fort, „kannst Du das Deiner Mutter und Dir selbst angethane Unrecht mir verzeihen?"
Man« war durch den schnellen Wechsel seiner Verhältnisse aufs Höchste verwirrt. Allerdings eröffnete sich ihm 616 den Sohn und anerkannten Erben de» reichen Grafen ^Eville eine glänzende Zukunft, aber doch hatte er das bittere " in der Verurtheilung feiner einstigen Liebe grausam gefehlt und dadurch den schönsten Edelstein seiner


