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Als ich meinem Vetter das Jawort gab, hatte ich noch keine Ahnung von der mächtigen Kraft und der wunderbaren Macht, die im Innern eines Menschen wohnt. Ich fühlte damals noch kein Bedürfniß zu einer Verbindung, weder mit ihm noch mit einem anderen Manne. Ich war so glücklich und zufrieden hier in dieser Stille an der Seite meines Vaters. Wenn ich von der Höhe hinab in's Thal schaute oder auf dem Weiher in meinem Kahne fuhr, dann fühlte ich mich als der glücklichste Mensch unter Gottes Sonne und hatte

sein

Es soll mir eine große Freude sein, und gern würde ich dasselbe thun, wenn Sie es mögen!"

O gewiß, es wird mir das Liebste sein, was Ske mir zur Erinnerung geben könnten!"

Heyd griff in seine Brusttasche und übergab ihr sein Bild, das er in Danzig hatte machen laffen, an jenem Tage vor dem Duell.

Mit inniger Freude betrachtete sieles, aber nur schwer konnte sie ihre Erregung beherrschen.

Heyd bemerkte es; er ging an's Ufer und pflückte Ver­gißmeinnicht, die er mit Schilf zusammenband.

Noch immer sah sie auf das Bild.

Schweigend überreichte er ihr die Blumen, die sie dank­erfüllt, mit Thränen im Auge, annahm und an ihren Busen steckte, schweigend reichte sie ihm die Hand, die er lange in der seinen hielt.

Ruhig hatte Heyd zugehört; es war also das Werk jener Alten, sagte er sich, wie ich mir's auch gleich gedacht habe.

Aber nun ist die Sache anders geworden. Sie sind nun reich und werden nur den Mann zu Ihrem Gatten machen, der Ihrer würdig ist und den Ihr edles Herz auch liebt!"

Hertha seufzte.

Auch Sie, Herr Baumeister," entgegnete sie und ihre Stimme klang wie ein leiser Vorwurf,auch Sie täuschen sich in unseren Verhältniffen. Ich bin ein armes Mädchen. Zwar weiß ich nicht, was mein guter Vater erspart hat, doch dürfte es nicht allzuviel fein. Aber gleichviel, der Himmel wird mich nicht verlassen, ich traue mir auch zu, allezeit durch die Welt zu kommen, doch erhalte er mir meinen lieben Vater noch recht lange."

Der Himmel gebe es," wiederholte H-yd.Verzagen Sie nicht und feien Sie auch nie muthlos. Nach Lindenheim kommen viele Herren und auch mancher brave Mann; zetzt, wo Sie wieder frei sind, wird es Ihnen an Bewerbern nicht mehr fehlen."

Ruhig schüttelte sie ihr Haupt.

Sie werden Alle gehen, wie sie gekommen nur einen Mann habe ich im Leben achten und lieben gelernt und mit diesem Manne ginge ich bis an's Ende der Welt," sagte sie mit bewegter, kaum hörbarer Stimme.

Und dieser Mann hat wohl keine Ahnung von alledem, was in Ihrem Innern vorgeht und was Ihr Irenes Herz für ihn empfindet; denn sonst wäre er wohl zu Ihnen geeilt und hätte gern die Rose genommen, die dem Veilchen gleich im Verborgenen blüht," sagte Heyd.

Wohl ist es möglich, daß er sah und nicht sah, daß er hörte und nicht hörte, aber es mögen auch andere Gründe fein, die ihn abhalten, jemals ein Mädchen zu beglücken; wer mag es wissen?"

Aber ich würde es ihm sagen, ehe es zu spät ist, daß ihm ein treues Herz schlägt, das ihn glücklich machen wird für's ganze Leben!"

In Herthas Innerem arbeitete es mächtig. Thränen fielen auf die Blumen, die sie am Busen trug und mit leiser Stimme sagte sie:Der Mann, der mir Tag und Nacht vor der Seele schwebt, den ich von ganzem Herzen und über Alles liebe, sind sind Sie!"

(Fortsetzung folgt.)

Wellest zu. Die Sonnenstrahlen, die nur spärlich durch das dichte Laub fielen, ließen den klaren Grund des Baches er­kennen. Muntere Fischchen schnellten über die Oberfläche und schwammen der Strömmung zu.

Mit ihrem Sonnenschirm hatte Hertha in Gedanken im Sande gemalt. Schwer nur ließ sich ihr Sinnen enträthseln, das sie dem Erdreich anvertraute. Es schien wie der Rauch der Locomotive, der stark entströmt, dann immer schwächer WM. 618 er unsichtbar verschwindet. Aber Jenes da, das gleichsam als Schornstein erscheint, sieht dem gebrochenen Herzen ähnlich, das ein Pfeil durchbohrt.

Hertha erschrack, sie hörte Schritte und eilig scharrte sie die Erde auseinander, die zu ihren Füßen lag, dann stand sie aus und trat dem Baumeister entgegen, der sie hier richtig vermuthet hatte.

xx "Sie verließen uns so schnell, Fräulein, und nun möchte lF Sie bitten, zurückzukehren, wenn es Ihnen beliebt. Ich singe Ihnen auch dafürDes Seemanns Abschied von seinem Lieb oderDas theure Vaterhaus", wenn es Ihnen recht fein sollte."

Das Verschwinden des Barons von Walten," begast» Heyd nach einigem Nachdenken,war ein trauriges Ereigniß, das Ihnen und Ihrem Herrn Vater viel Kummer und Schmerz bereitet hat, und dennoch pries ich damals den Zufall glück­lich, der Ihnen die Freiheit wiedergab. Aus tiefstem Innern habe ich Sie bedauert, als ich erfuhr, daß Sie die Braut dieses Mannes waren, den ich bereits kannte; nie und nimmer hätte Ihnen diese Verbindung zum Segen gereicht."

Nie und nimmer zum Segen," wiederholte sie,und dennoch hätte ich mein Wort gehalten, wohl wissend, daß es mein Ende bedeutete.

fnitr/Ä.A T- ^ulein Steuer ich singe oder es einst anders ^^nle, daß ich ES Mädchen spiele Ihnen auch ebenso gern ein anderes Lied!" | sei und Vetter Curt so unermeßlich reich ist und als einstiger

Ne.n, nein, Herr Baumeister, dann bitte nichtDes I Erbe des Vermögens und der großen Güter von Walten mich

S8 Nicht Das theure Vaterhaus", vor aller Noth und GefahrnürbeÄenfönnT ®n

bitte, noch einmal Ihr LiedWas sich das Meer I schwerer Kampf war es damals für mich, bis ich endlich

»zählt und was die Welle sagt, erwiderte sie und ihre § meine Einwilligung gab, die ich aber sehr bald bitterlich

Stunme klang so traurig, als wollte sie sagen:Ach, sing' bereute." $

auch dieses nicht - bleib' aber bei uns."

Still vergingen einige Secundeu.

Hertha sah nach den Wellen, die hurtig vorüberschossen.

Sehen Sie nur die kleinen Fischlein," sagte sie.

Wie sie dem Strome entgegenschwimmen," ergänzte Heyd,sie bringen es zu Wege, diese kleinen Geschöpfe, und der viel stärkere Mensch kann dem Strome nur wenig Stand halten und gegen ihn zu schwimmen vermag er gar nicht!"

Beide ließen sich auf die Bank nieder.

Fräulein Steuer," begann der Baumeister nach einer ^eile,was ich heute früh unter Ihrer Tanne empfunden, das empfinde ich zu dieser Stunde mehr denn jemals denn vielleicht Du niemals siehst dieses Plätzchen wieder. Von Herzen gern hätte ich Ihnen ein Andenken gebracht zur Er« fnnerung und aus Dankbarkeit an die schönen Stunden, die ich hier bei Ihnen auf dem freundlichen und gastlichen Linden­heim verlebte. So viel ich aber auch darüber nachgedacht, so fand ich dennoch nicht das Richtige, was mir Ihrer würdig erscheint, und lieb wäre es mir, wenn Sie die Güte hätten, mir eine Andeutung zu geben.

Mit dankbarem Herzen werde ich immer hier weilen, und i° oft es mir möglich ist, nach dieser Stelle eilen."

Auch ich, Herr Baumeister, habe viel daran gedacht, Ihnen eine Erinnerung mitzugeben, aber es ging mir so wie Ihnen. Käme ich nach Danzig, so möchte ich Ihnen mein Bild senden wenn es Ihnen recht ist wenn Sie es mögen!"