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Donnerstag den 1 März

Nr. »S

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ler.cner

Untechaltmgsdlalt jiim Gießener Aiyeiger (Grneral-Z. '-erger).

Der Einbrecher.

Humoreske von Gebh. Schätzler-Perafini.

lNachdruck verboten.!

1. Des Morgens um vier Uhr.

Prinz Carneval hatte sein Scepter lange genug ge­schwungen; ein grauer, grämlicher Geselle im Büßergewande trat auf die Stufen seines Throne» und stieß den stttter» funkelnden Prinzen vom Stuhle.

Aschermittwoch I Und in dem kleinen Städtchen B-, nahe der Residenz, war der letzte Ball verrauscht.

E» ist Morgens gegen vier Uhr; wir führen den Leser in ein elegantes und trauliches Boudoir zweier jungen, reizen­den Damen; gewiß eine lockende Ankündigung!

Eine halve Stunde etwa von dem Städtchen entfernt liegt inmitten eines großen Gartens ein von Weinreben felbstveiständlich zu gehöriger Zeit umgrenzte» Hau». Ein älterer Herr, Bnkendorf, Hauptmann a. D-, bewohnt es mit feinen beiden Töchterchen, Martha, den Zwanzig nahe, und Ella, sech»>ehn Jahre alt.

Der alte Herr verbringt Sommer und Winter in seinem Tusculum und es braucht jedesmal große Anstrengungen, ihn einmal in das Städtchen zu bringen, etwa wie gestern, wo er mit feinen Töchtern den Bürgerball im Goldenen Hirschen besuchte. Er pflegt einen großen Hühnerhof, streichelt de» Tage« wohl zwei Dutzendmal einige Minuten seinem Nero die Nase wohlwollend, füttert seine Tauben, auf die er be­sonders hält, und sorgt sodann mit Hilfe de« alten Gärtners, daß der Garten stet» in musterhafter Ordnung prangt.

Auch da» Geringste muß mit militärischer Genauigkeit niet* und nagelfest sich präsentiren und die Rebleitern, welche die Wände bi» über die Fenster de» ersten Stocke» umklettern, zeigen sich leer, wie sie jetzt sind, trotzdem so dauerhaft, als müßten sie einem Heer von Feuerwehrmännern zumKraxeln" dienen.

Die Witterung ist sehr mild in dieser Nacht, fast warm- Vom ersten Stock zwischen den Rebleitern blinkt ein erhellte» Fenster leuchtend in den Garten hinab; auch unten zur Seite ist noch Licht.

Oben residiren Ella und Martha, parterre führt Papa Birkendorf da» Regiment.

Also nach oben!

Eine von einem Rosaschirm überdeckte Lampe wirst natur­gemäß auch einen rosigen Schein über da» Zimmer. Ella und Martha, beide noch im Ballanzuge, sitzen link» und recht» vor dem großen Wandspiegel und ihr Mädchen ist ihnen be­hilflich, die Ballblumen au» dem Haar, hochgolden und tief­braun, zu lösen-

Die beiden Damen scheinen noch nicht viel Lust zum Schlafengehen zu haben; ungetrübt leuchten noch die hübschen Augen. Besonder» die jüngere, deren Sterne wie kleine Blitze umherhüpften, denkt keineswegs an's Schlafen.

Daß die beiden Da.Ä<-n allen Ernstes hübsch sind, darf der Leser glauben; wenn ich lustige Geschichten erzähle, so muß ich hübsche Damen dazu haben. Ein kleine» Stumpf­näschen, lachender, auch manchmal verschweigender Mund, helle klare Augen, ein frische«, lebensprühendes Gemülh da» sind so ungefähr die R^msiten, mit denen ich gern arbeite.

Da» Boudoir rst nicht groß, aber gerade dies verschafft den wohlthuenden Eindruck. E« erhält de» Tages nur durch ein einzige« Fenster Licht; gegenwärtig ist dieses einzige Fenster geschloffen und eine dichte Gardine hängt von oben bis zum teppichbelegten Fußboden herunter.

Ella drehte eine künstliche weiße Rose in den weichen Fingern und wurde etwa» unruhig.

Marie, öffne doch da» Fenster!"

Aber, Ellchen, Du wirst Dich erkälten! Die Nacht­luft -"

O nein, Schwesterchen, sei ohne Sorge. Aber freilich, Du wirst e« nicht gerne haben"

So öffne, Marie! Marie! E» ist ja auch eine wunder­volle Nacht, trotz der frühen Jahreszeit."

Das Mädchen that, wie ihm geheißen; e» öffnete den einen Fensterflügel, die Gardinen etwas bei Seite schiebend.

Ist noch Licht in Papas Zimmer, Marie?" fragte Ella.

'Marie beugte stch hinaus.

Ja, Fräulein!" sagte sie dann.

Ella machte ein mitleidiges Gesichtchen.

Der arme Papa! Wie plagte er stch ab die verfloffene Nacht auf dem Balle!" Sie lachte hell.Aber er tanzte