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Schaustellungen des Dänenf Hansen das Interesse für den Hypnotismus von Neuen! wachgerufen und Untersuchungen durch Weinhold, Heidenhain, Berger, Preyer veranlaßt. Gleichzeitig und unabhängig beschäftigte sich in Paris Charcot mit dem Hypnotismus und in Nancy im Anschluß an Sie* beault die Professoren Bernheim und Liegeois. Die Nancyer zeigten besonders den großen Einfluß der Suggestion in der Hypnose. Sie sind der Ansicht, daß alle Erscheinungen der Hypnose durch Suggestion zu Stande kommen, d. h. dadurch, daß man in der Versuchsperson die Vorstellung und die Neber- zeugung von dem Eintritt der betreffenden Erscheinungen erweckt.
Man theilt die hypnotischen Zustände nach Dessoir in zwei Gruppen. Die eine ist durch Herabsetzung oder Verlust der willkürlichen Bewegungen characterisiert; auch in der zweiten Gruppe findet sich diese Erscheinung, doch kommen noch Abweichungen in der Funktion der Sinnesorgane, besonders die Sinnestäuschungen, hinzu. Zur H y p n o s i g e n e s e, d. h. zur Erzeugung der Hypnose, bedient man sich zahlreicher, anscheinend verschieden wirkender, die man am besten in somatische (körperliche) und psychische eintheilt Während man früher jene für wesentlich hielt, schreibt man jetzt den psychischen Mitteln die Hauptwirkung zu. Früher bediente man sich z. B- vielfach der länger« Fixation eines glänzenden Punktes, um Hypnose herbeizuführen, wie es auch Braid that. Heute erzeugt man die Hypnose gewöhnlich so, daß man die Vorstellung von derselben möglichst lebhaft der Versuchsperson einpflanzt, etwa durch Worte wie: „Denken Sie nur an den Schlaf! Versuchen Sie zu schlafen! Ihre Augen werden immer müder; die Augenlider schließen sich rc." Nach Ansicht Vieler erzeugen die somatischen Mittel nur dann Hypnose, wenn sie eine Ermüdung und die Vorstellung von der Hypnose herbeisühren. Dies geschieht am leichtesten dann, wenn die Versuchsperson glaubt, daß sie durch jenes Mittel hypno- tisterbar sei. Es handelt sich dann nur scheinbar um eine bloße Einwirkung auf den Körper, während in Wirklichkeit in diesem Falle auch eine psychische Beeinflussung stattfindet. Daß übrigens eine lebhafte Vorstellung von dem Bilde der Hypnose deren Eintritt begünstigt, dies gibt man allgemein zu; nur ist es noch fraglich, ob diese Vorstellung eine conditio sine qua non ist. Das Erwecken geschieht entweder durch starke Sinnesreize, z. B. Anblasen, electrische Reizung, oder durch einfachen Befehl, zu erwachen. Zur Herbeiführung der Hypnose und zu deren Beendigung ist nicht immer ein Experimentator nothwendig, da manche fich selbst in Hypnose versetzen (Autohypnose), ebenso wie sie spontan aus ihr erwachen. Was die Empfänglichkeit anlangt, so wird der Procentsotz der hypnotisirbaren Personen verschieden angegeben (zwischen 10 bis 98 Procent). Unter günstigen Umständen, besonders nach mehrfacher Wiederholung der Versuche, kann mehr als die Hälfte der Menschen in Hypnose versetzt werden- Geistig beschränkte und geisteskranke Personen find schwer, Kinder unter sieben Jahren fast gar nicht zu hypno- tiestren. Daß Nervöse oder Hysterische besonders empfänglich seien, ist ein Jrrthum. Personen, die die feste Ueberzeugung haben, daß sie nicht hypnotisirbar sind, sowie solche, die ihren Willen dahin richten, nicht in Hypnose zu kommen, sind in der Regel unempfänglich.
Stets zeigen die willkürlichen Bewegungen in der Hypnose Veränderungen. Durch Befehl wird der Hypnotische gezwungen, Bewegungen gegen seinen Willen auszuführen, z. B. seinen Arm zu heben, vom Stuhl aufzustehen, fich dreimal im Kreise zu drehen, zu lachen. Ganz ebenso kann man Bewegungen verhindern; man verbietet dem Hypno- tisirten, sein Bein, seinen Arm zu bewegen — sofort erscheint das betreffende Glied gelähmt. Man ist auch im Stande, eine bestimmte Funktion gewisser Muskeln zu bekämpfen, während sie sonst normal sunktioniren; wenn e» ihm verdaten wird, kann der Hypnotisirte nicht schreiben, obwohl sein Arm sonst frei beweglich ist. Wie der Experimentator die Sugge
stion ausdrückt, ist gleichgültig; nöthig ist nur, daß der Hypnotische versteht, was jener will. Gewöhnlich bedient man sich, um eine Suggestion zu geben, der Sprache (Verbal, suggestion); doch kann diese durch Gesten ersetzt werden. Gerade in dieser Beziehung hat in neuerer Zeit eine andere Auffassung Boden gewonnen als früher. Während man früher mit Charcot und Hetdenhain annahm, daß bei der Reizung der Haut die darunter liegenden Muskeln sich reflectorisch zusammenziehen, ist es jetzt wahrscheinlich geworben, daß die Zusammenziehung nur dann eintritt, wenn die Suggestion mitwirkt, und wenn der Hypnotische jene Hautreizung für den Befehl auffaßt, die Muskeln zu contrahiren. Abgesehen von den suggestiven Veränderungen der willkürlichen Be- wegungen findet sich in der Hypnose noch eine zweite Eigen- thümlichkeit derselben. Jede Muskelthätigkeit hat nämlich die Neigung, sich einige Zeit fortzusetzen, so daß eine willkürliche oder suggestive Unterbrechung oft Schwierigkeiten begegnet. Diese Neigung zeigt sich 1) darin, daß ein Contractionszustand eines oder mehrerer Muskeln leicht zur Contractur, d. h. dauernd wird, 2) darin, daß bestimmte Bewegungen längere Zeit anhalten, wodurch die sogen, fortgesetzten Bewegungen zu Stande kommen: dreht man die Hände eines Hypnotischen umeinander, so setzt er diese Bewegungen längere Zeit fort; macht man mit seinem Kopf Nickbewegungen, so findet dar gleiche statt-
Nächst der willkürlichen Muskulatur zeigen sich häufig Veränderungen in der Sinneswahrnehmung. Während es aber keine Hypnose gibt, wo nicht die erstere, wenn auch nur theilweise, abnorm functionirt, sind die Sinneswahrnehmungen nur in etwa 15 bis 30 Procent der Fälle deutlich beeinflußt Es können Täuschungen für alle Sinne geschaffen werden Man läßt durch Suggestion den Hypnotischen glauben, ditz er Bäume, Berge, Thiere, Menschen sehe, die nicht vorhanden sind; er hört Melodien, Concerte, Schüsse; mit Leichtigkeit ruft man einen ekelhaften Geruch, einen süßen Geschmack suggestiv hervor. Die Sinnestäuschungen treten zuweilen als Hallu- cinationen auf, d. h. sie finden statt, ohne daß überhaupt ein äußeres Object wahrgenommen wird; der Hypnotische glaubt einen Hund da zu sehen, wo nichts ist. Viel häufiger aber treten die Täuschungen als Jllufionen auf, d. h. es werden äußere Gegenstände wahrgenommen, aber falsch gebeutet: efo Buch wird für einen Hund gehalten, ein Kratzen auf dem Tisch für Musik. Sind die Sinnestäuschungen vollkommen, so zeigt sich das ganze Verhalten, das Aussehen der Person entsprechend verändert. Lebhafter Schrecken malt sich in dem Gesicht der Person, die einen Tiger auf sich zu stürzen glaubt, ein Feinschmecker kann kein zufriedeneres Gesicht zeigen, als der Hypnotische, wenn er eine Delicateffe zu verzehren glaubt. Derartige Wirkungen der Sinnestäuschung können sich selbst in Veränderungen zeigen, die vom Willen unabhängig sind- Einer Person, der man suggestirt, sie rieche eine Zwiebel, thränen die Augen; bet einer andern, der man einen ekelhaften Geschmack suggestirt, tritt Erbrechen auf. Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Sinnestäuschungen, bei denen ein nicht vorhandenes Object wahrgenommen wird und die man als positive bezeichnet, stehen die negativen, bei denen vorhandene Objecte nicht wahrgenommen werden. So werden auf suggestivem Wege Personen und Gegenstände unsichtbar gemacht, ein bestimmtes Musikstück wird unhörbar. Endlich vermag nia» nicht nur die Wahrnehmung einzelner Objecte, sondern auch die Wahrnehmung aller Gegenstände durch ein oder mehrere Sinnesorgane zu verhindern. Eines oder beide Augen werden auf Suggestion blind, bestimmte Theile der Haut gefühllos. In ähnlicher Weise, wie die Sinneswahrnehmungen durch Suggestion beeinflußt werden, stehen unter deren Einwirkung die Gemeingefühle und die Stimmung: Hunger, Durst, Wohlbefinden, Trauer, Freude werden in dieser Weise hervorgerufen.
(Schluß folgt.)
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