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stein außer sich, »ich gab mein Wort, abzureisen, und muß 85 ^Lanae, lange starrte Baron Hohenthal den weißen Rauch» wölken des dahin brausenden Zuges nach, dann wandte er fich seufzend ab und ging zu dem kranken Liebling.

Nora lag erschöpft im unruhigen Fieberschlummer, die trockenen beißen Lippen murmelten allerlei unzusammen» WA Worte, die Hand griff sehnsüchtig in's Leere.

Tbränen standen in des Barons Augen, als er das aoldene Medaillon seines Lieblings an fich nahm, um es auf» zubewahren. Die Wärterin hatte es abgenommen, profane Augen sollten diesen Talisman eines keuschen Madchenherzens nicht sehen!

Und dann kam der Frühling, der Sommer. Goldig wogten die reifen Felder, duftend öffneten die Rosen ihre Blüthenkelche, umschwirrt von eifrigen Bienen, aber Nora war noch immer krank. Sie konnte fich nicht erholen und kräftigen, sie siechte dahin wie eine welke Blume, matt lächelnd, sanft und resignirt- Stetten wär mit ihr schon seit Anfang Juli in Hohenthal zum Besuch, der Baron gab sich die erdenklichste Mühe, seinen Liebling zu erheitern, doch Nora blieb krank und traurig. ,

Wildenstein war seit einem Vierteljahre fort; nur Hohen» thal wußte um seinen Aufenthalt, denn er mußte dem Freunde immer genau über Noras Befinden berichten. Wenn er früh Morgens ihr blaffes, liebliches Gesichtchen sah, welches täglich schmäler zu werden schien, dann wurden seine Züge immer ernster und endlich meinte er, die Zeit sei gekommen, wo er mit ihrem Vater reden müffe. , ~

Bei einem gemeinsamen Spaziergang blieb er im Felde stehen und begann ernst:Stetten, Sie wissen, daß ich es gut mit Ihnen und Nora meine und deshalb sage ich Ihnen gerade heraus, so geht es nicht länger, Sie müssen nachgeben, sonst geht Nora elend zu Grunde."

Der finstere Stetten blieb stehen, er sah bedrückt und sorgenvoll aus und entgegnete seufzend:Was soll ich thun, Baron; ich weiß, daß mein Kind dem Grabe entgegensteht!

Sie sollten Graf Wildenstein zurückrufen; dann wird Nora gesund werden."

Eine Weile wanderte Stetten schweigend vorwärts, es kostete dem starren Sinne des Mannes furchtbar viel, seinen Principien untreu zu werden, dennoch siegte schließlich die »Bdtcrfißbßi

So soll er in Gottes Namen kommen," murmelte er, ich gebe nach."

Gott segne Sie dafür, mein Freund!" rief Hohenthal- In Theresens Namen lassen Sie mich Ihnen vielmals danken. Sie sollen sehen, wie rasch Nora gesund sein wird."

Der Graf kam schon zwei Tage nach der Unterredung.

Wunderbarer Weise weigerte sich Stetten nicht, den Grafen aufzusuchen und fuhr schon am selben Nachmittage hinüber nach dem Wildenstein, natürlich ohne Wissen Noras. Bewegt standen sich die beiden Schwäger gegenüber, ihre Hände und Blicke hatten sich gefunden!

Kannst Du mir vergeben, Rudolf? Ich war ein harter Mann, der noch immer Dich zu Haffen meinte, als ich inner» lich schon längst Dich bewundern mußte," sagte Stetten.

Ich kann's, Friedrich, und das aus vollem Herzen. Laß uns Freunde von nun an sein, richte nicht wieder jene Scheide» wand auf, dis uns bisher trennte, die Liebe hat sie nieder» gerissen."

Mache meine Nora glücklich; sie siecht dahin wie eine Blume, der die Sonne fehlt."

Sie soll gesunden und von Neuem erblühen in meiner Liebe," rief der Graf bewegt, Stetten an sein Herz ziehend.

Bald darauf rasselte der Wagen mit den beiden Herren auf die Rampe von Hohenthal. Der Baron, welcher neben Nora gesessen, stand auf.

Es werden doch nicht Gäste sein? Liebling, bist Du im Stande, Besuch zu empfangen?"

Wenn Du willst, Onkel," lächelte sie matt,lieber frei» lich bliebe ich mit Dir allein!"

Wer könnte die Scene beschreiben, die nun folgte! Nora lag schluchzend und jauchzend zugleich im Arm des geliebten Mannes. Hohenthal und Stetten hatten sich zurückgezogen, um das erste Wiedersehen nicht zu stören. -

Und wenn mein Lieb wieder wohler ist," flüsterte Grat Rudolf, sich über sie neigend,dann hole ich sie heim, daß der Wildenstein wieder eine junge Herrin hat!"

Sie blickte ihn zärtlich lächelnd an und sagte:Denk an Dein Wappenschild, Rudolf! Es hat einen Fleck bekommen durch mich."

Nein," entgegnete er ernst,vielmehr durch mich, als ich damals Thereses, Deiner Mutter, Namen ausstrich aus der Geschlechtstafel; nun aber ist jener Fleck getilgt durch unsere Liebe! Meinst Du nicht, mein Herz?"

Und wirklich blühte das junge Mädchen neu auf durch das Glück und als der Herbst einzog, stand vor dem Mare der Hohenthaler Kirche eine fchöne, blühende Braut im fchim» mernden Atlasgewande und grünem Myrthenkranz.

Eine glänzende Gesellschaft wohnte der Feier bei; auch kein Mitglied derselben fand etwas an der Braut auszusetzrn, die vom Baron Hohenthal wie seine eigene Tochter behandelt wurde.

Als die Vermählungsanzeige wenige Tage später in den angesehenste»! Zeitungen der Residenz veröffentlicht wurde, stand ziemlich dicht darunter eine andere:Bankier Hugo Neumann, Melanie von Porscu, Verehelichte."

Ob auch bei diesen Beiden die Engel des Glückes und der Liebe am Mare gestanden?

Von der Zinne des Wildensteins aber flatterte die Fahne in den Farben des Hauses und durch den Ahnensaal schritt der letzte Gras mit seiner Gemahlin, um derselben all' die steifen, vornehmen Bilder an den Wänden zu zeigen.

Und diese schienen lächelnd, beifällig zu nicken, denn so viel Glück, Schönheit, Sanstmuth und demüthige Hingabe hatten sie bis dahin noch nie gesehen.-

Hypnotismus.*)

Mit dem Wort Hypnose faßt man eine Anzahl Zu» stände zusammen, bei denen die Willensthätigkeit eine Hemmung erfährt und ost eine deutliche Störung des Bewußtseins be­steht. Hypnotismus heißt die Wissenschaft, die sich mit diesen Zuständen beschäftigt. Hypnotische Zustände wußten bereite die alten indischen Fakire und mittelalterliche religiöse Ex» tatiker durch Concentration ihres Blickes oder ihrer Gedanken zu erzeugen. Der durch gewisse Striche erzeugte magnetische Schlaf sowie der Somnambulismus mit dem angeblichen Hell» sehen (Clairvoyance), stellen analoge Erscheinungen dar. Aber erst der englische Arzt James Braid machte seit 1841 den Hypnotisnius zum Gegenstand eines genauem Studiums und schrieb eine Reihe von Werken über ihn. Seine Be» obachtungen geriethen fast in völlige Vergessenheit, obwohl einige Chirurgen die Hypnose, um Schmerzlosigkeit bei Operationen zu erzeugen, verwertheten. Ebensowenig wurden die Unter« suchunaen Liübeaults, eines Arztes in Nancy, genauer be­kannt. Erst in neuerer Zeit haben die auffallenden öffentlichen

*) Den vorstehenden interessanten Artikel veröffentlichen wir mit Genehmigung der Verlagshandlung aus der fünften Auflage von Meyers Conversations-Lexicon. Das monumentale Werk zeigt sich in dieser neuen Auflage in einer Vollkommenheit, die keinem Wunsch mehr Raum gibt, kein berechtigtes Verlangen unerfüllt läßt. Wissen- schaftliche Vertiefung, prägnante Kürze, Gemeinverständlichkeit und Schönheit der Sprache erheben auch den kleinsten Artikel zu einer lexiko- graphischen Musterleistung, der ebenbürtig die künstlerisch-illustrative Ausstattung gegenübevsteht, während die Anwendung aller practischen Neuerungen auf dem Gebiete der modernen Buchtechnik außerordentlich verbessernd und verschönernd auf die äußere Erscheinung des Werkes eingewirkt hat.