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Hauptmann Edgar von Bach war erst vor Kurzem aus I dem Regiments einer Provinzialstadt, demselben, in dem auch I Oberst von Linden gedient, in die Garde der Hauptstadt ver- I setzt worden. War er srüher schon mit dem Obersten gut be- I kannt gewesen, so gedieh diese Bekanntschaft nach des Obersten I Penstonirung und Übersiedelung in die Hauptstadt bis zur I wahren, treuesten Freundschaft. Edgar aber, seit langem ein I eifriger Ingenieur und Mathematiker, fand nur wenig freie I Zeit, Besuche zu machen, ließ sich deshalb auch nur selten bei I Lindens sehen, obwohl er dort stets ein gern empfangener I Gast war. Allerdings scheuchte sein stetiger Ernst nicht so leicht I die Geister des Unmuthes von des Obersten Stirn, wo sie I leider nur zu oft feit dessen Penstonirung thronten, weg, wie I das die jovialen Redensarten des Professors vermochten; hatte I aber Herr von Linden einmal eine Jdeenanregung von dem I Hauptmann empfangen, so konnte er stundenlang mit ihm über I eine wissenschaftliche Angelegenheit reden, was dem Professor I trotz feiner akademischen Bildung nicht möglich war. Des I Professors Unterhaltung war leichtes Rieselwafler, aber des Hauptmanns Worte, wenn er lebhaft wurde, ein unergründ­licher, Alles mit sich fortreißender Strom!

Diese Wahrnehmungen machte auch Ruth, als sie den Hauptmann einige Male gesprochen.

Es war merkwürdig, wie diese beiden Menschenkinder gleich auf den ersten Blick für einander sympathisirten! Der große Philosoph Platon weist in einem seiner Dialoge nach, wie der Mensch so lange ein einseitig sich entwickelndes Wesen bleibe, bis er in der Geliebten die ergänzende Hälfte seines Wesens finde; erst dann sei der Mensch ein harmonisches Ganzes.

Diese Bemerkung machte auch Edgar von Bach, je mehr er bei seinen jetzt häufigen Besuchen im Hause des Obersten in das Wesen Ruths eindrang. Rur dem Umstande, daß er trotz seines männlichen Alters sehr bescheiden und jungen Mäd­chen gegenüber fast schüchtern geblieben war, durste man es zuschreiben, daß eine Verlobung zwischen ihm und Ruth noch keine Thatsache geworden war. , , t

Der Professor sah dies mit steigender Eifersucht, denn er gönnte Ruth dem Hauptmann nicht. Zwar hatte Ruth den Professor Pfeil, den Gast ihrer Eltern, so oft sie mit ihm zu- sammentraf, stets höflich behandelt, aber ihr innerstes Wesen gegen ihn waren Kälte und Abneigung. Das fühlte auch Pfeil heraus; trotzdem gab er feine Absicht, Ruth noch als Gattin zu besitzen, nicht auf.

Es war nicht zu bezweifeln, daß des Professors Schicksal an einem Wendepunkte stand und daß die Erwiderung seiner Neigung seitens Ruths ihn vielleicht aus dem Sumpft leicht­fertigen Lebens befreit hätte. Da sie ihn nicht mochte, so for- derte ihre ablehnende Haltung alle gehässigen Seiten seines Characters heraus und sein Ziel hieß Rache, Rache an ihr und Hauptmann Bach, den sie ihm vorgezogen, wenn der Pro- feffor nicht selbst noch den Hauptmann verdrängen und in die Gunst Ruths gelangen sollte.

Es lag in Pfeils Charaeter, feine wahren Absichten unter der Maske der Freundschaft zu verbergen und zu warten, bis die Beiden sich eine Blöße gaben, die ihm erlaubte, eine In- trigue anzuspinnen und mit Sicherheit auszubeuten.

Wie es um Herrn von Bach stand, das hatte der Pro­fessor bald ergründet, denn in Bezug auf Offenherzigkeit war ja der Hauptmann das reine Kind! Run aber galt es, den Gegner und Nebenbuhler um die Hand Ruths nicht in die eigenen Karten blicken zu lassen. Pfeil wußte dafür bald

Der Professor hatte sich am selbigen Tage nicht wieder in der Linden'schen Familie sehen lassen, doch war er früh heimgekommen und schien sich dann schufen gelegt zu haben, wenigstens sah man unten kein Licht. In Wirklichkeit aber saß der Weiberverächter Ernst Pfeil im Kanapee und horchte auf Ruths Gesang, bis oben Alles ruhig ward. Dann seufzte er über sein heutiges Mißgeschick der schönen Ruth gegenüber und beschloß, mit allen nur erdenklichen Mitteln ihre Gunst zu gewinnen und dann um ihre Hand zu werben.

III.

Der Oberst nickte dazu befriedigend und sagte:Der Professor spielt vorzüglich Schach!"

Ja, sehr gut!" setzte die Mutter hinzu.

Er weiß stets Rath!" fuhr der Oberst fort.

Und ist immer unterhaltend!" erklärte dessen Gattin.

Das empfiehlt ihn ja sehr zu seinen Gunsten!" meinte Ruth lächelnd.Papa, auf Deine Gesundheit; Mama, auf Dein Wohl!" sagte dann Ruth und trank den Eltern zu.

Die Frau Oberst, welche Ruths Stiefmutter war, bemerkte darauf:Liebe Ruth, Fräulein Wendheim, Eure Pension«- Vorsteherin, hat wirklich nicht zu viel an Dir gelobt! Kind, ich habe Dich so lieb, als wärst Du mein leibliches Töchterchen !

Das freut mich unendlich, Mama," entgegnete Ruth, und nicht wahr, Papa, wir Drei wollen ein so recht glück­liches, behagliches Stillleben führen!"

Das wollen wir!" bestätigte der Oberst.

Rath- ,

Ein wundervoller Junimorgen war heraufgezogen. Der Himmel prangte saphirblau über der blühenden Erde und am Himmelsdome strahlte die goldene Sonne, Leben und Fröhlich­keit über die Erdgeborenen gießend! Thautropfen hingen an den Blumenkelchen, die Rosen erfüllten die Luft mit Wohl- geruch, und Jasmin und Flieder athmeten geradezu berauschende Düfte aus. Das Alles sah und hörte der brütende Professor nicht. Er sah nur Edgar von Bach des Weges daherkommen und sein Plan war sofort gefaßt. Er eilte in's Haus und als Jener eintrat, trug Pfeil seinen rechten Arm in einer Binde. Er begrüßte denFreund" gedrückt.

Nun, was ist Ihnen, Professor; was haben Sie mit Ihrem Arm angefangen?"' frug der Hauptmann theilnehmend.

Habe Unglück gehabt, wie es eben nur mir zustoßen kann!"

Sie übertreiben!" , L .,, u.

Ohne Scherz I Habe mir die rechte Hand mit der schärf­sten Säure verbrannt und kann von Glück sagen, wenn keine Blutvergiftung eintritt!"

Bewahre Gott!" , , ,

Wie ich sage! Apropos, da kommen'Sie mir eben recht, Hauptmann!"

Wieso?"

Wollen Sie für mich ein Billet schreiben?"

Wenn's weiter nichts ist!"

So setzen Sie sich an den Schreibtisch!"

Ist alles Nöthige dort?"

Ja? Nun, bitte!"

Und der Professor bictirte: Liebste Camilla!

So leid es mir thut, kann ich heute Abend nicht zu I Dir kommen, ich bin anderweitig gefesselt. Jndeß sendet Dir tausend Küsse Dein E.

Edgar von Bach lachte und frug:Und die Adresse?'

Na, Sie verrathen mich doch nicht!" entgegnete Pfeil I lächelnd.Fräulein Camilla Manzillo, Breitenbachs Hotel, I biet!"

I Edgar legte die Feder hin und meinte lächelnd:Die I arme Camilla!" , _ .

Sie wird fich trösten mit einem Andern! So eine | Mädchenseele ist das wahrhafte Wirthshaus!" IWie Sie das leicht nehmen!"

Nur keine schwere Bagage auf dem Lebenswege nut» 1 schleppen!"

Edgar von Bach erröthete wie ein Schulbube.

Wissen Sie," lenkte Professor Pfeil nun auf einmal ad, Idaß ich die Jmprägnir-Mafle jetzt wirklich erfunden habe? I Mir wird das Geld in Strömen zufließen, wenn nur die tzanv I erst wieder hergestellt wäre!" ,

: I Er hielt plötzlich inne und der Hauptmann sprang aus, i I denn Ruth ließ sich im Garten sehen.

Ich muß fort!" erklärte der Offizier.