Nnterchaltrrirgsblatt zunr Gietzenev Anzeigen (Gsneval-Anzeig-p)
Nr. 11.
1894.
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WZ
Samstag, den 27. Januar.
Das Glück des Lebens.
Novelle von U. Deis.
(Fortsetzung.)
„Ich sehe mich daher veranlaßt, noch heute Abend abzu« reisen und muß mich den Herren empfehlen, um die nöthigen Vorbereitungen zu treffen," fuhr Scheffler fort.
„Aber unser Zauberfest heute Abend, Scheffler! Bedenken Sie doch, wie viel schöne Augen vergebens nach Ihnen spähen werden."
„Bedaure, die Sache läßt sich nicht aufschieben. Ich bitte die Herren, mich entschuldigen zu wollen. Addio l"
Er grüßte und ging.
„Was mag er nur haben?" ältzßerte Jemand. „Sehr angenehm kann die Geschichte nicht sein. Ein Glückspilz übrigens und für uns im rechten Augenblicke abgereist. Denn alle einigermaßen gute Parthien, um dererwillen mich meine sorgende Frau Mama hierher geschickt hatte, waren so lange nicht zu machen, wie er hier war. Alle die allerliebsten kleinen Gänse drehten nur den Hals nach ihm."
„Von jetzt ab, meine Herren, werden wir es also erleben, daß Herr von Fresen derjenige ist, um welchen die Damenwelt sich gruppirt, bis er sich einen Goldfisch aus der Mitte derselben geangelt hat und uns überlassen wird, aus dem Ueber- rest zu wählen," bemerkte ironisch ein Anderer.
„Wenn Sie, Malten, mir diesen Goldfisch nicht schon vorher weggeschnappt haben," replicirte von Fresen.
„Qui vivra, verra,“ war die selbstgefällig gegebene Antwort. „Uebrigens scheint die Sonne heiß auch durch das Blätterdach über uns. Ich glaube, wir lassen Scheffler reisen und erfrischen uns zu den Ballanstrengungen des heutigen Abends durch eine Siesta, Jeder auf seinem Sopha. Ich habe die Ehre!"
Er lüftete grüßend seinen Hut und ging seiner Wohnung zu, die andern folgten seinem Beispiel.
Unterdessen war Scheffler bereits in seinem Quartiere beschäftigt gewesen, Alles zur Abreise zu ordnen. Während der Diener packte, las er noch einmal das Telegramm von seinem Berliner Bankier.
„Fabriken Hohenhaus fallirt, große Unterbilanze, umgehend kommen."
Er hatte sich, wie er Hartmann gegenüber äußerte, nie recht um die Verwaltung seines enormen Vermögens gekümmert, sondern sorglos die hohen Dividenden eingestrichen, welche ihm
die Actien der vom Vater verkauften Fabriken eintrugen. In diesen Actien aber, wußte er, bestand sein ganzes Vermögen. Waren die Fabriken insolvent, so hatten seine Actien keinen oder wenigstens sehr geringen Werth. Dann war sein Leben auf einen Schlag ein anderes, er aus einem reichen ein armer Mann geworden. Was dann? Er war zu alt, um noch etwas in der Welt zu beginnen und mit den Resten feines Vermögens, die sehr kümmerlich sein würden, weiter leben, war eine Aufsicht, die jedenfalls wenig rosig blieb. Das war doch der einzige Reiz des Lebens bisher gewesen, er brauchte um nichts zu sorgen, konnte jede seiner Launen befriedigen. In Zukunft galt es zu rechnen, hier und da ängstlich zu knausern vielleicht. Vor solchem Leben schauderte ihm. Freilich, von seiner Mutter her besaß er noch ein Landgut. Aber der Gedanke, dorihm überzusiedeln, war ihm erst recht unerträglich. In der Mark gelegen, bestand es seiner Meinung nach nur aus Sand und Tannen, in deren Mitte ein schmutziges Dorf mit verfallenen Katen, ein Hof mit ruinenhaftem Herrenhause und nicht viel anders aussehenden Hofgebäuden einen kläglichen Anblick boten. Gern hätte er das Ding verkauft; denn der es bewirthschaf- tende Inspektor verlangte in jedem Herbste, wenn der Gutsherr auf ein paar Tage zur Jagd sich dort aufhielt, unter Vorlage der Rechnungsbüa er — welche der Herr nie einsah — Zuschüsse und die schmutzigen Tagelöhner hatte jeder eine andere Bitte, welche er, ohne sie zu prüfen, gewöhnlich durch ein größeres oder kleineres Geldgeschenk verstummen machte. Also gerne hätte er die Groschen, welche der Verkauf doch immer noch einbringen mußte, jetzt genommen. Ader das Testament seiner verstorbenen Mutter hatte ihn verpflichtet, von einem Verkaufe abzusehen. Sie war dort herangewachsen und hing mit ganzer Liebe am Heimathsorte.
Tiübe Gedanken waren es, welche den Mann an jenem Nachmittage beschäftigten, ihn auch, als er im Zuge durch die stille Nacht fuhr, nicht zum Schlafe kommen ließen, so viel er sich auch vorredete, die ganze Sache werde so schlimm nicht sein. Seine Befürchtungen wurden ihm bei seinem Bankier alle bestätigt. Die Fabriken, deren Actien zum größten Theile in seinen Händen waren, hatten schon seit längerer Zeit nur durch allerhand gewagte Experimente die hohen Dividenden vertheilen können. Dazu waren Veruntreuungen einzelner Beamten getreten, welche bedeutende Dimensionen angenommen hatten. Jetzt stand einer großen Schuldenmaffe nur ein geringes an Activen gegenüber, da der Betrieb der Fabriken eingestellt war, zudem dieselben in so schlechtem Zustande sich befanden, daß Bedeutendes dazu gehörte, um sie wieder leistungsfähig zu machen.
Wenn man den günstigsten Fall annahm, erhielt Scheffler


