139

Roman blieb noch eine Weile mit finsteren Blicken vor

weit.

Inzwischen war der Mond amWmmel heraufgezogen uno breitete seinen Zauberglanz über Flur und Wald und auch über den einsamen Gottesacker. Von den Feldern wehte ein frischer Wind und brachte einen würzigen Kräuterduft mit von Thymian, Wachholder und Rosmarin. Ueber dem Sumpffee schwebten weißliche Nebelschleier und ballten sich in phantastische Formen zusammen. Unheimlich murmelte und gurgelte da»

ihren ganzen Körper. Sie sank auf die Kniet, vergrub ihre Stirn in das hohe, regenfeuchte Blättergewirr und weinte

weinte bitterlich.

Da unten in der Erde lag ja das einzige Wesen, an das natürliche Banden sie knüpften, von dessen Dasein sie heute erst erfahren. Dort unten lag ihr eigenes, liebes Mütterlein.

Jadwiga weinte immer heftiger. Ach, warum war man nicht barmherzig gegen sie gewesen und hatte sie mit ihr zu» sammen sterben lassen?Ach, warum nicht, warum nicht?" so flüsterte sie mit den zuckenden Lippen. Und dann betete sie hastig ein Vaterunser nach dem andern, während sie die Perlen ihres Rosenkranzes krampfhaft zwischen den fieberhaft bebenden Fingern hindurchgleiten ließ.

Wie lange Zeit fo vergangen war, sie wußte es nicht, denn eine dumpfe Betäubung hielt sie Minuten, Stunden ge­fangen. In ihrem übergroßen Schmerzyvergaß sie die Außen-

ihr stehen. In seiner Seele stritten alle möglichen Empfindungen. Er liebte seine Mutter und ertrug ihre Launen mit himmlicher Geduld. Aber diesmal konnte er nicht gehorsam sein. Eine Verbindung mit der Comteß war ihm unmöglich. Auf seiner tiefen Neigung zu Jadwiga wurzelte sein ganze» Lebensglück, er wußte, daß er ohne sie ein elender Mensch sein und bleiben | würde. Eine heiße Sehnsucht nach ihr ergriff ihn und zugleich packte ihn eine furchtbare Angst. E» war allmältg dunkel ge­worden und die höchste Zeit, um die Geliebte auf den Eaelhof zurückzuführen. Er verließ rasch da» Zimmer, eilte die Treppe hinab und in den dämmerigen Garten hinaus.

Feuchter Nebel lag über Bäumen und Büschen. Der Regen hatte aufgehört und der Abendwind flüsterte in den Blättern. Ringsum war es still, kein Menschenlaut zu hören, auch die Vöglein waren bereits zu Neste gegangen. In der Veranda kauerte die alte Michalina auf der harten Holzbank und nickte und wackelte im Halbschlummer mit dem greisen Haupte hin und her und die graue Hauskatze schnurrte auf ihrem Schooße. Draußen über der Landschaft schwebte ein rosiger Schein, der vom westlichen Himmel kam, wo die Sonne untergegangen war, in Wolken von Purpur und Gold.

Roman schritt hastig weiter. An der kleinen Gitterpforte, die auf die Landstraße hinausführte, blieb er einen Moment stehen und blickte spähend über das weite Feld. Es war ein- I tiefe, grünliche Gewässer.

sam und öde, nur ein Käuzchen flog mit schrillem Schrei da- I Jadwiga hatte sich endlich müde und matt geweint und

rüber hinweg. Nun sah er nach seiner Uhr. Halb zehnl I gebetet. Ganz verwirrt hob sie den Kopf empor und bückte

MNLUkr S'ÄVÄ Um8M d-m «MM M* M- D-'

ber * "*°8

Die Rochuscapelle, ein kleines, düsteres Gebäude, liegt | fahl und gefpensterhaft in dem bleichen Mondlicht erschienen, etwa eine Viertelstunde von Czenstochau entfernt, am Ufer I Eine heiße Angst legte sich auf des Mävchens Gemüth, eines halbversumpften, trüben Sees. Hinter ihr dehnt sich eine I auf ihr laut aufgeregtes, klopfende» Herz. Wasfolltenun bäum-und schattenlose Haide aus, auf welcher tiefe, unergründ- I werden, wohin sollten ihre kleinen Füße nun wandern?

liche Moore mit kleinen, fchlammigen Waffertümpeln wechseln. I Sie mußte einen Entschluß fassen und doch kannte sie die Welt Das verwitterte, fast ruinenhafte Bauwerk umgeben eine An- I nicht, die weite, große, fremde Erdenwelt.

.M melancholisch im Winde rauschender Zitterpappeln und I Und lauter drang das dumpf^ geheimnißvolle Rauschen

gerade vor dem Portal desselben strecken ein paar halb ab- der Wellen durch die Stille der Nacht. Sie schienen zu rufe«,

gestorbene Kiefern ihre kahlen, struppigen Neste gen Himmel, zu winken, zu locken:Komm doch, o, komm doch nur, hier

Da» Vlätschern und dumpfe Rauschen des Sees, der unheim- I findest Du Ruhe, hier findest Du Frieden wir waschen

ijmai, b.

ttX*«W** -»hi

**4«*ltebira8

Sbe«berStWö ein' Ifetnec Kirchhof,' auf Spanne Zeit von gestern bis heute durchlebt, durchkämpft und dem ftne bunalEichen beerdigt werden" Ser Go^-acker ist durchlittm, sie mußte es überwinden.

ein unendlich trauriger unb3 vernachlässigter Ort. Einzelne eigene Kraft wollte sie fortan bauen und muthtg ein neues

ÄS ÄZÄbSÄÄÄS»g

der Abgeschiedenen Zwiesprache miteinander hielten. Hinten im der Capelle vorbeischlüpfen, als ein eiliger un fst Winkel des Friedhofes, unter einem großen Weißdornbusch, | von der Landstraße hörbarwurde.

befand sich die letzte Ruhestätte von Jadwigas Mutter^ Em Da» MädchenlauschtLjÄerfamtl. Rothkehlchen hatte in dem dichten Laubwerk sein Nestchen ge- I zusammen, batte Romans Sch

baut und sang früh und spät sein Lied über dem einsamen stürmte ihr heiß in da» arme gequälte Herz htnem.

Grabe, auf welchem Immortellen und Haideblumen einen bunten "fL"'^d7r tt°aurigen Nacht,^sie zu ttösten in ihrem

Mutter zu beten und ihr Lebewohl zu sagen, ehe sie m die Mal^s» « beide Hände auf ihre ungestüm wogende Brust,

°°r dem ihr wohlbekannten blumigen Hügel stand es war ihr, als ob der«JA rankte.

- sie hatte die Pflegemutter als Kind so ahnungslos dorthrn (Fortsetzung fotgt.)

begleitet da überlief sie ein heftiges Zittern, es schüttelte