bis er kommt. Das ist hübsch von Ihnen. So kann ich Ihnen noch einmal für die schöne Fahrt von gestern danken."
„Sehr liebenswürdig, gnädige Frau, doch führt mich heute Morgen mein Weg direct zu Ihnen."
„Zu mir?"
„Allerdings und dabei komme ich mit einer großen Bitte."
Die alte Frau sah ihn gespannt an. „Wenn es in meinen Kräften steht, Ihnen zu dienen, so ist Ihre Bitte von vornherein erfüllt."
„Gering ist mein Anliegen allerdings nicht, sondern sehr weitgehend und unbescheiden. Lasten Sie mich kurz sein, ich erbitte nicht mehr und nicht weniger, als die Hand Ihrer Aräulein Tochter."
„Meiner Frieda? — Lieber Herr Scheffler, in solchen Dingen soll man nicht scherzen. Aber freilich, Sie sehen auch nicht so aus, als wollten Sie das. Verzeihen Sie mir, wenn mich Ihre ganz unerwartete Werbung verwirrt macht. Weiß denn meine Tochter schon um Ihre Neigung und Ihre Unterredung mit mir?"
Scheffler schüttelte den Kopf, schweigend saßen Beide eine Zeit lang einander gegenüber-
„Darf ich mein Urtheil hören, gnädige Frau?"
„Es würden viele Mütter mit tausend Freuden auf Ihr Wort hin ihre Töchter Ihnen geben. Denn wie ich durch meinen Schwiegersohn weiß und aus Ihrer Lebensweise gesehen habe, sind Sie ein sehr vermögender Mann- Und da Sie unsere Verhältniffe auch genügend kennen, kann es nur die Person meiner Tochter sein, welche Sie anzog, nicht äußerliche Dinge. Aber — ich muß ganz offen mit Ihnen reden — Sie sind ein Mann, welcher das Leben nur von der Seite des Genießen- kennt- Ich weiß nicht, wie weit Sie in erlaubten und unerlaubten Genüssen gegangen sind, traue Ihnen gerne zu, daß Sie mit allen Ihren Kräften suchen würden, meine Tochter glücklich zu machen. Werden Sie es können? Doch, ich höre Frieda kommen. Sie sollen meine Zustimmung haben, wenn sie die ihrige gibt und ich werde sie in keiner Weise be- einfluffen. Sie werden damit einverstanden sein, nicht wahr?"
Eine stumme Verbeugung gab die Antwort.
„Bitte, bleiben Sie hier. Frieda wird gleich eintreten, dann reden Sie mit ihr; ich weiß, sie wird entscheiden, wie sie ihrem Gewiflen nach entscheiden muß."
Die eine Thür hatte sich kaum hinter der Mutter geschloffen, als die Tochter durch die andere eintrat.
„Guten Morgen, Herr Scheffler I Das Mädchen sagte mir, Sie seien bei Mama. Aber die hat Sie allein gelaflen."
„Ihre Frau Mama ist eben hinausgegangen, mein gnädiges Fräulein, um uns allein zu lasten."
„Wie feierlich Sie das sagen I" lachte das junge Mädchen.
„Das entspricht vielleicht der Sachlage. Ja, mein gnädiges Fräulein, ich bin um wichtiger Dinge willen hier. Ich kam Ihretwegen."
Tiefes Erröthen ergoß sich über das Gesicht der bis dahin ganz Unbefangenen.
„Aus Ihrem Erröthen — verzeihen Sie — darf ich wohl schließen, daß Sie mich verstanden haben. Ich habe mich gewehrt gegen die Liebe, welche ich für Sie im Herzen trug und trage. Darf ich nun zu Ihnen treten und Sie bitten: nehmen Sie, was Ihnen gehört, mein Herz, und geben Sie mir wieder, was ich ersehne, das Ihrige! — Frieda," fuhr er dringender fort, „darf ich hoffen, daß Sie Ja sagen?"
Wartend stand er vor ihr, die den Blick zu Boden geschlagen hatte, und blickte gespannt auf sie. Sie schüttelte leise den Kopf. Er griff nach dem Hute. „Nun, da kann ich ja gehen, hoffte freilich etwas Anderes," rief er bitter.
„Richt so, nicht so!" bat sie, die weinenden Augen zu ihm ausschlagend. „Gönnen Sie mir einen Augenblick der Sammlung."
Er setzte sich gehorsam, den Hut in der Hand, sie hatte einen Stuhl neben dem Tische genommen und stützte ihr Haupt- So verflossen einige Minuten.
„Herr Scheffler," begann das junge Mädchen, ihm ihr Gesicht voll zuwendend, „ich muß ganz ehrlich sein. Ich darf
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es nicht leugnen, nie habe ich für einen Mann gefühlt, was ich für Sie gefühlt habe. Möglich, daß es die Liebe ist," fuhr sie leiser fort.
„Nun, dann folgen Sie doch diesem Zuge Ihres Herzens," rief er, schnell aufspringend. „Zweifeln Sie etwa, daß es mir ernst ist mit meinem Worte? Sie können versichert sein, was Sie so schön gedruckt lesen von dem „auf Händen tragen" und dergleichen schönen Dingen, es wird wirklich bei uns so sein. Geben Sie mir die Hand!" bat er weich.
Sie wehrte wieder ab. „Es fehlt eins, mir fehlt die volle Achtung vor Ihnen."
„Womit habe ich das verdient? Habe ich irgend etwas Ehrenrühriges gethan, besten Sie mich beschuldigen können?" fuhr er auf.
„O nein, nein! Aber Sie haben keinen Beruf; Alles ist für Sie nur ein Spielzeug, ein Gegenstand, um das Leben bester genießen zu können. Ich würde es auch sein- Sie würden meiner satt werden und ich würde Ihnen nicht genügen auf die Dauer. So würde das Ende unserer Ehe sein, daß wir kalt und gelangweilt neben einander hergingen, vielleicht, noch immer eine Musterehe für die Welt, aber nicht für uns' und für Den, vor dem wir auch über unsere Ehe Rechenschaft ablegen sollen. Wo es eine rechte Ehe geben soll, da müflen Mann und Weib sich verbinden zu treuer Arbeit und die — wir würden sie nicht haben. Und — glauben Sie mir, ich würde den besseren Kauf machen; denn das Weib hat ihr Haus und im Hause ihre Welt, der Mann kann ihr Alles fein. Der Mann muß mehr haben, als das, und wird es stets entbehren und unglücklich werden, wenn es ihm fehlt. Darum, weil ich Sie liebe, darf ich nicht Ja sagen, so wehe ich mir selber thue."
„Ist das Ihr letztes Wort?" fragte er leise.
Sie nickte.
„So leben Sie wohl! Es mag manches Richtige in Ihren Worten sein, wenn ich sie auch nicht ganz verstehe."
Er wandte sich zum Gehen, da reichte ihm das Mädchen weinend die Hand hin: „Nicht wahr, Sie zürnen mir nicht?"
Er ergriff die Hand und küßte sie. „Nein, so sauer es mir wird. Ich gehe nun einen einsamen und freudlosen Weg."
Die Thür hatte sich hinter ihm geschloffen. Frieda hatte einen Schritt auf dieselbe zugethan, als wollte sie ihn zurückrufen. Aber sie zog den Fuß zurück. Der eintretenden Mutter eilte sie weinend entgegen. „Mutter, zürne mir nicht, ich konnte nicht Ja sagen, ich hätte ihn unglücklich gemacht, mehr als ich es jetzt bin." —
In der Hausthür traf Scheffler mit dem heimkehrenden Hartmann zusammen. Der sah an der verstörten Miene sofort, was gefchehen war.
„Abgeblitzt, lieber Junge! Abgeblitzt! Die Alte und die Junge haben mir Predigten gehalten, daß ich zuletzt blos noch Amen zu sagen brauchte. Lebe wohl, nun gehe ich wirklich auf Reisen. Das kann ich Dir aber sagen, so gut hat mir noch kein Frauenzimmer gefallen, wie die Kleine da oben, als sie mir einen Korb in bester Form off ernte. Vielleicht schreibe ich Dir einmal aus China, Australien oder — Leipzig, je nachdem. Grüße Deine Frau und Jungen, auch die Frau Mama und sage der Kleinen — ja, was denn? Nun, sage ihr — nein, sage ihr nichts! Adieu!"
Er stürmte davon. Am nächsten Tage stand seine Villa leer, er war verreist, wohin? wußte Niemand zu sagen-
Doch war er nicht ganz bis zu dem Nordpol gekommen. Nach einigen Monaten saß er in einem vornehmen Bade Süddeutschlands mit mehreren eleganten Herren des Nachmittags beim Kaffee, als ihm ein Telegramm überreicht wurde- Lässig erbrach er dasselbe, doch erbleichte er, während er die kurze Meldung überlas.
„Etwas Fatales?" fragte einer der Herren.
„Geschäftliche Angelegenheiten, nicht gerade angenehmer Natur, die meine Anwesenheit in Berlin unbedingt nothwendig machen," war feine kühle Antwort-
• (Fortsetzung folgt.)


