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Samstag, den 21. April.
Wein Lahnthak.
Sei mir gegrüßt, du theures Heimathland, Dein denk' ich sehnsuchtsvoll ost in der Fern!
Du liebes Heim, wo meine Wiege stand, Sei mir gegrüßt, möcht' weilen dort so gern!
Wie bist du schön, o heimisch Thal der Lahn, Wo ich beglückt einst spielt' auf grüner Flur Und träumend schaukelte im kleinen Kahn;
Sei mir gegrüßt, du sel'ger Kindheit Spur!
Dich kränzen Wälder stolz und reiche Au'n, Der Rebe Blut gedeiht an deinen Höh'n;
Ehrwürd'ge Dome sind dort anzuschau'n, Dort sagumwob'ne hohe Burgen steh'n.
Es blühen Ackerbau und frei Gewerb', Aus Berges Schacht ertönt der Fäustelschlag;
Es findet Jeder reichlichen Erwerb, Wie irgend er Natur und Fleiß vermag.
Mit Perlen bist du Silberband der Lahn Besetzt: von Städten schön und mannigfalt, Großstädte nicht, wo auf der Hetzjagd Bahn Genuß- und Selbstsucht lasien Herzen kalt.
Nein, Städte, deren stolzer Ort und Nam' Gegraben ist mit markigfestem Zug Für jed' Geschlecht, das rastlos ging und kam, Für alle Zeit in's Weltgeschtchtenbuch.
Nein, Städte, wo die Muse traulich wohnt, Wo froh sich labt am Born der Wissenschaft Alldeutschlands stolze Jugend langgewohnt In frischer, echter deutscher Schaffenskraft.
Sei tausendmal gegrüßt, du Heimaththal, Ihr theuren Plätze all' der Lieb' und Lust!
Die Sehnsucht weckt der erste Lenzesstrahl Und höher schwillt die hoffnungsvolle Brust.
Ludwig Eichler.
Vergißmeinnicht.
Novelle von H. v. Ziegler.
(Fortsetzung.)
Am folgenden Morgen, als Thekla, ein übermüthiges Liedchen trällernd, in's Frühstückszimmer trat, fand sie ihren Bruder schon mit finsterer Miene vor. Er erwiderte nur kurz ihren Gruß und entgegnete auf die erstaunte Frage Theklas: „Was hast Du, lieber Bruder? Bist Du krank oder nur ver- stimmt?"
„Das letztere eher," entgegnete er düster, „ich warte schon seit einer Weile auf Dich, um mit Dir zu reden."
„Hu, das klingt ja sehr drohend," rief sie spöttisch lächelnd; doch der Scherz wollte nicht recht natürlich erscheinen. „Was habe ich Aermste denn verbrochen?"
„Thekla," entgegnete Albrecht und blieb erregt vor dem schönen Mädchen stehen, „ich werde nun und nimmer leiden, daß dieses Spiel mit dem Italiener weitergeht und wenn Du nicht Dein Wort gibst, die Koketterie mit ihm zu lasten, so wird die Affaire noch heute sehr ernst zwischen ihm und mir enden."
„Bester Bruder, ich muß doch sehr bitten, mich nicht gar zu vormundsmäßig zu behandeln," erwiderte jetzt Thekla ver- letzt. „Ich bin alt genug, um zu bemessen, wie weit meine Handlungsweise gehen darf oder nicht. Eine Verantwortung für dieselbe brauchst Du nicht zu tragen. Die trage ich ganz allein!" , t
„Doch der Ruf meines Hauses und unserer Namens ist zugleich auch meine Ehre und mir heilig; wer denselben nicht zu wahren weiß, muß es lernen und zwar in diesem Falle durch furchtbare Strenge." t .
Thekla erbebte innerlich bei den Worten des Bruders, so hatte sie ihn noch nie gesehen, aber ihr Starrsinn und Stolz empörte sich doch auch wieder, sie wollte nicht nachgeben und so hob sie energisch den schönen Kopf und erwiderte: „Oho, lieber Albrecht, Deine Ehre wird es wohl nicht verletzen, wenn fremben ®ei9er« wird - fi-l «b-,cht ihr schneidend in's Wort. »Oder was beabsichtigt denn Herr Bellarino? Er kann doch nicht Luc.e und Dich auch heirathen
Lucie," meinte Thekla gedehnt und mitleidig die Achseln ruckend „wer spricht von dem stillen Mädchen." z Der Lerr Italiener sucht sie aber ebenso mit Wort und Blick "ru berücken wie Dich, und die reichste von Euch Beiden möchte er sich jedenfalls aussuchen. Doch lassen wir diese


