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Man glaubt es gar nicht, wie viele elegante Frauen es in Paris gibt, die sich die kosibarsten Roben bestellen, eine verhältnißmäßig geringe Anzahlung leisten und dann plötzlich auf Nimmerwiedersehen verschwinden-

s' Es gibt auck Andere, die außer Stande sind, Paris zu verlaflen, keinen Credit mehr bei einem Schneider finden und sich dann vor Verzweiflung das Leben nehmen So hängte sich vor einigen Wochen eine Pariser Schönheit an der <e;benen Klingelschnur ihres Boudoirs auf, weil der Gerichtsvollzieher alle ihre kostbaren Roben gepfändet hatte. Auf einem Zettel hinterließ sie die Worte:Ich will sterocn, wie ich gelebt: In Seide."

Es hat sich übrigens auch eine Legende Herausgebildet, die da sagt, daß ein großer Kleiderkünstler diese oder jene Dame von besonders elegantem Auftreten und tadelloser Figur bei Seite nimmt und ihr folgenden Vorschlag macht:Meine Verehrteste, ich will Ihnen die Kleider umsonst unfertigen. Sie müssen sich aber verpflichten, sich an allen öffentlichen Orten, wo modernes Leben herrscht, zu zeigen: Bei großen Premlören, bei den Rennen, zwischen fünf und sechs in der avenue des Acacias, im bois de Boulogne u. s w- Sie werden bet der Gelegenheit meine neuen Modelle tragen, die Extravaganz einzelner derselben darf Sie nicht schrecken, im Gegentheil. Sie müssen für dieselbe einstehen und jeder ihrer Freundinnen und Bekannten sagen: Finden Sie das Kleid nicht reizend? Es ist von £. - - Niemand kann doch so ent» zückende Toiletten componiren wie X ... u. s- w."

Die Legende besagt weiter, daß diese Reclame-Damen Lanceuses genannt werden und daß sich unter ihnen Frauen aus der Aristokratie, aus dem Bürgerstande, sowie Abenteuerinnen befinden.

Das Alles ist eben nichts weiter, als eine Legende. Einer der ersten Schneider, den ich über diesen Punkt aus» fragte, erklärte mir auf das Bestimmteste, daß dieLan- ceuse nichts anderes, als ein Gebilde der Phantafie ist.

Wir verlieren schon gerade genug bei Jenen, die ihre Rechnungen nicht zahlen können oder wollen. Die bekannten Schauspielerinnen sind die Einzigen, denen wir gewisse Be­günstigungen gewähren; dieselbe besteht darin, daß wir ihnen die Bühnentoiletten zum Selbstkostenpreis liefern, da ja in der Thal eilt neues Modell von der Bühne aus ziemlich rasch in's Publikum bringt."

Mir selbst ist es während meiner Thätigkeit am Pariser Odeon-Theater pasftrt, daß eine kleine, unbekannte Collegin von einem Vorstadttheater sich mir Abends in meiner Theater­garderobe vorstellte, nur um nach dem Namen meines Schnei­ders zu fragen,qui habille en femme comme il faut.

Dieses beim Schneider entlehnte comme il faut hat mich lange Zeit amüsirt und selbst in dem Schnsideratelier eine große Heiterkeit hervorgerufen.

Ein ganzes Buch könnte man schreiben über die Anproben bei den Pariser Schneidern. Man muß sie nur sehen, die schönen, eleganten Damen, die authentischen Prinzessinnen und Gräfinnen, die nervösen Künstlerinnen sowohl wie die Damen aus der gemischten Gesellschaft wie sie Alle um die Gunst des großen Mannes betteln, wie sie sich bei den Effayeuses einzuschmeicheln suchen! Jede Dame hat ihre Lieblings- Essayeuse, der sie alle Augenblicke große und kleine Geschenke mitbringt, bald eine Bonbonniere, dann wieder ein paar hübsche Perlen, einen Ring, ein Armband und Anderes. Es gibt Anprobedamen, die mit Schmuck förmlich überladen sind, den sie von ihren Kunden erhalten. Nun bedenke man erst den Aufwand von Liebenswürdigkeit dem Chef gegenüber! Da wird unbarmherzig gelächelt, koketiirt, gebeten ... bis zu dem Augenblick, da die Rechnung präsentirt wird. Ein harter Moment! Die Harmonie scheint plötzlich gestört. Das Lächeln wird bitter, die Züge verzerren sich zu einer Grimasse.

Ich begreife gar nicht!" ruft z. B. eine Dame.Ich bat Sie doch, mir ein Kleid für dreihundert Francs zu machen und nun präfentiren Sie mir eine Rechnung von über vier- hundertfünfzig Francs!'

Ja, meine Gnädige, da sind Sie selbst mit Schuld daran.

Sie fanden das Kleid zu einfach gehalten. Sie riefen mir immer zu: Geben Sie noch das darauf und Jenes ich habe Ihre Wünsche erfüllen müssen. Sie sind in Morgen­toilette vor den Spiegel getr eu und haben ihn in Ballrobe verlassen."

Man stellt uns ofttr ',raue Speculanten dar, welche die Frauen zu immt. *mben verleiten,"

sagte kürzlich ein großer Parise. 'ber da thut

man uns wirklich Unrecht. Es lieg. -mferem

eigenen Interesse, unsere Kundinnen vor as,'en

zu warnen. Es vergeht beinahe kein Tag, a>.

der einen oder anderen Dame sagen:Ihre sJu.

schon eine beträchtliche Höhe erreicht und wir haben noch

die kleinste Anzahlung erhalten. Statt dessen bestellen Sie immer neue Sachen. W>r müssen Ihnen erklären, daß Ihr Credit erschöpft ist " Das sind doch recht unliebenswürdige Worte, nicht wahr? Worte, die jede feinfühlige Frau verletzen müßten! Aber die eitlen, putzsüchtigen Frauen, die nur Toi­letten und immer wieder Toiletten haben wollen, sind nicht feinfühlig. Sie bitten, sie demüthigen sich mit Thiänen im Auge ... und wenn sie sehen, daß wir bei unserer Weige­rung beharren, ihnen Neues anzuschaffen, bevor nicht wenig­stens ein Theil der fälligen Rechnung beglichen ist, dann schlagen sie plötzlich um, werden impertinent, ja sogar grob, je nach dem Grad ihres Temperaments und ihrer Erziehung. Hier, diesen Morgen, erhielt ich von einer Dame aus der besten Gesellschaft als Antwort auf eins Rechnung von meh­reren Taufend Francs, die schon seit Monaten fällig, folgende Zeilen:Wenn ich meine Rechnung haben will, dann werde ich sie schon selbst verlangen."

Es kommen aber auch Briefe von Frauen, die ganz den Kopf verloren haben, die einen in den dsmüthigsten Ausdrücken um Geduld bitten, die einen beschwören, die Zihlung nicht auf einmal zu verlangen. . - -

Aber doch wird es uns leichter, als Sie glauben mögen, uns gegen diese Bitten zu wappnen. Wir lieben die Frau im Allgemeinen das bringt so unser Beruf mit sich, weit weniger aber diejenigen, die bei uns ein« und ausgehsn. Wir sehen sie ebenso ungern, wenn sie ihre Wahl treffen, ihre Roben anprobiren, wie wenn sie am Spieltisch in Monte Carlo stehen und auf rouge ober noir lauern."

So weit die Bekenntnisse des großen Pariser Schneiders, der aus ihnen man mag sagen, was man will beinahe als ein Frauenfeind hervorgeht- Um aber die Damen mit den Pariser Schneidern auszusöhnen, möchte ich noch eine kleine Episode mittheilen, die einen characteristischen Beitrag zur Auf­fassung von Pflicht und Ehre eines großen Couturiers bildet.

In Havre sollte ein großer Ball stattfinden, zu dem-ein großer Schneider einer vornehmen Dame ein Kleid versprochen mit der Zusage, es ihr selbst zu bringen. Die Robe wird im letzten Augenblick fertig. In rasendem Tempo führt das Coupe jeder große Schneider hat natürlich fein Coups den Couturier und den mit einem umfangreichen Carton be» \ ladenen Diener zum Bahnhof. Vor wenigen Minuten ist der

Zug abgedampft. Tableau- Vatel stieß sich, als seine Koch­ehre engagirt war, den Bratenspieß in's Herz; nun müßte man annehmen, daß sich. der Schneider mit seiner Scheere das Leben nimmt. Weit gefehlt! Er bestellt einen Extrazug, der ihm 2500 Francs kostet, und trifft mit der Robe pünktlich zur festgesetzten Zeit, zwei Stunden vor Beginn des Balles, in Havre ein.

Etwas nun hätte ich sehen mögen: Die Rechnung für die Balltoileite! ______________

GsMsiMiMtziges«

Auf die Gemüse in den Ueberwinterungsgruben und in den Kellern muß man jetzt große Sorgfalt verwenden, eifrig lüften und alle faulenden Blätter entfernen. Gemüse, welches im Sand eingeschlagen ist und welk werden will,