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Der Aal gehört, wie Dr. Bayer! erforscht hat, zu den furchtbarsten Feinden der künstlichen Fischzucht Bayer! setzte gesunde Forellenbrut in einem vollkommen geschloffenen Teiche aus, allein ein zweisömmeriger, ca. ein halb Pfund schwerer Aal fand den Weg über die thaufrische Wiese, und ihm fielen etwa tausend von diesen Edelfischen zum Opfer. Den Eingang in den Aufzuchtteich fand der Aal durch den Ablaßgraben.
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Morland starrte den Detectiv an und fuhr sich mit der Hand über die Stirne.
„Entschuldigen Sie — ich bin ganz außer mir," murmelte er und setzte sich wieder. „Wolski ermordet? Er war frisch und gesund, als ich ihn vor zehn Tagen verließ."
„Haben Sie denn keine Zeitungen gelesen?" fragte Adarnek, „Seit zehn Tagen nicht, ich war tief unten in Ungarn und erst heute bei meiner Rückkehr hörte ich von dem seltsamen Mord. Meine Quartierfrau lieferte mir einen ausführlichen Bericht darüber, aber ich hatte keine Ahnung, daß der Ermordete Wolski sei. Ich wollte ihn eben besuchen, wie wir es besprochen hatten?' Und ganz faffungslos bedeckte er das Gesicht mit den Händen. Dann aber rief er schmerzerfüllt : „Sagen Sie mir Alles, was Sie darüber wiffen — Alles I" Er stützte seine Ellenbogen auf den Tisch und vergrub abermals das Gesicht in die Hände, während der Detectiv erzählte. Als dieser zu Ende war, schaute Herr Morland traurig auf.
„Wenn ich in Wien gewesen wäre, hätte das nicht geschehen können; wir waren immer beisammen."
„Sie kannten ihn sehr gut?" fragte der Detectiv höflich.
„Wir waren wie Brüder. Ich leistete ihm sogar wenige Stunden vor seinem Tode Gesellschaft."
Frau Scheringer schrie auf und bedeckte ihr Gesicht mit der Schürze. Herr Adarnek aber blieb unbeweglich, obgleich ihn die letzte Bemerkung sehr interessirte.
„Was haben Sie, Frau Scheringer?" rief Morland. „Erschrecken Sie nicht, ich habe ihn nicht umgebracht. Ich traf ihn am Donnerstag der vorigen Woche und reiste am Freitag um halb sieben Früh ab."
„Um wie viel Uhr sahen Sie Herrn Wolski?" fragte der Detectiv, immer sehr liebenswürdig und ohne in den Ton eines Mannes zu fallen, der Jemand einem Verhör unterzieht.
„Warten Sie —" Morland legte die Beine übereinander und sah nachdenklich zum Plafond empor, — „es war nach halb zehn Uhr. Ich war im Theater an der Wien gewesen und traf ihn auf dem Kohlmarkt. Wir gingen zusammen soupiren, dann in ein Restaurant, wo es lustige Gesellschaft gab und Champagner —"
„Sie sind Alle schlecht — der Eine trinkt Bier — der Andere Champagner," flüsterte Frau Scheringer.
„Ja," gab Adamek ruhig zurück, —. .„weiter."
„Run, es wird mir schwer, es einzugestehen," fuhr Morland fort, lächelnd erst die Frau, dann den Detectiv anschauend, „aber in diesem Falle halte ich es für meine Pflicht, alle Rücksichten bei Seite zu setzen — ich gestehe, daß wir Beide schließlich ein wenig — hm--Im Uebrigen war Wolski
wirklich unwohl —"
„Daß Wolski nicht ganz bei sich gewesen, als er in den Fiaker stieg," unterbrach Adamek, „weiß ich schon. Also Sie waren berauscht?"
„Das nicht," antwortete Morland ärgerlich, „ich war vollkommen bei Sinnen. Ich glaube, er verließ das Restaurant Freitag ungefähr um ein Uhr Morgens."
„Und was thaten Sie?"
„Ich blieb dort. Wolski hatte seinen Ueberrock vergessen, ich nahm ihn zu mir und wollte ihm nachgehen, um ihm denselben zu geben. Ich wußte aber nicht, nach welcher Seite er gegangen war und blieb, den Rock über die Lehne eines der vor dem Restaurant stehenden Stühle werfend, einen Moment stehen, rechts und links die Gasse hinabspähend. Da kam Jemand, nahm, ehe ich mich versah, den Rock und rannte davon. Ich rief nach einem Sicherheitswachmann, aber es ließ sich Niemand sehen. Schließlich meinten einige Freunde, daß Wolski den Verlust leicht verschmerzen könne, — ich solle keinen Lärm machen wegen eines Rockes. Ich ließ mich überreden und ging nach Hause. Gegen sechs Uhr reiste ich fort, und zwar nach Ungarn. Daher kommt es, daß ich nichts von dem Morde hörte, bis ich heute nach Wien zurückkehrte. — Das ist Alles."
„Und Sie hatten nicht den Eindruck, daß Herr Wolski in jener Nacht beobachtet wurde?"
'.Nein, durchaus nicht," entgegnete Morland mit Entschiedenheit, „er selbst schien sehr aufgeregt und trank viel — wie gesagt, er war nicht ganz wohl."
„Warum hat er so viel getrunken?"
Morland stand auf, nahm ein Album von einem Tisch« chen und schlug es auf; es enthielt zumeist Photographieen von Opernsängerinnen. Morland schlug die Seiten bedächtig um und erst, als er fast zu Ende war, ließ er es offen. Er schob es dann Adamek hin und wies auf ein Cabinetbild: „Darum — er--"
„ war das Bild eines reizenden Mädchens in aller- liebster Toilette. Adamek betrachtete das Bild sehr aufmerksam. Dann sagte er ganz ruhig: „Ich sah die Dame gelegentlich eines Besuchs, es handelte sich damals um einen kleinen Diebstahl, der im Hause des bekannten Millionärs Weber be« gangen wurde- Und dies ist Fräulein Weber. Woher kannte Herr Wolski die junge Dame?"
„Er war an ihren Vater empfohlen und dieser führte ihn in sein Haus ein."
„So — so," gab Adamek langsam zur Antwort, „also Herr Wolski kannte den Millionär Weber; aber wie gelangte er in den Besitz dieser Photographie?"
„Das Fräulein hat sie ihm vielleicht selbst gegeben ober er hat ben Photographen veranlaßt, ihm eine Copie herzustellen. Wolski war wahnsinnig verliebt in das Mädchen. Er hatte aber einen Nebenbuhler — einen begünstigten — er heißt Jvanyi."
Adamek hätte aufschreien können. Aber er nahm sich zusammen und fragte ruhig weiter: „So. Kennen Sie diesen Jvanyi?"
„Nein," erwiderte Morland kühl, „Wolkis Freunde waren nicht die meinen. Wolski war reich und hatte allerhand Empfehlungen — ich bin nur ein armer Teufel, der sehen muß, wie er sich durchschlägt . . ."
„Aber Sie kennen Jvanyi vom Sehen?"
„O ja, das wohl, er soll int Ganzen etwas Aehnlichkeit mit mir haben; er ist groß, blond, spricht ein wenig langsam und ist im Ganzen eine angenehme Erscheinung, — aber," sich zu Frau Scheringer wendend, „Sie müssen ihn ja gesehen haben. War er nicht vor einigen Wochen hier?"
„Ah, das war Herr Joany," rief Frau Scheringer sehr erstaunt, „es ist wahr, dieser Herr sah Ihnen ähnlich--
und die Dame, um die sie sich zankten, war Fräulein Weber?"
„Sehr wahrscheinlich," erwiderte Morland und erhob sich. „Nun, ich gehe. Hier ist meine Karte; ich werde mich freuen, wenn ich Ihnen in irgend einer Weise beistehen kann. Wolski war mein bester Freund ich werde Alles thun, was in meinen Kräften steht, um bei der Entdeckung seines Mörders behilflich zu sein."
„Diese Entdeckung wird leicht zu machen fein," meinte Adamek lächelnd.
„Haben Sie einen Verdacht?"
„Ja."
„Wen? — Sie denken doch nicht an Jvanyi?!
Herr Wendelin Adamek zog die Augenbrauen in die Höhe und zuckte geheimnißvoll die Achseln.
Er war mit dem Ergebniß dieses Tages außerordentlich zufrieden und — nicht minder mit sich selbst.
(Fortsetzung folgt.)
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