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sprechen über die Sache weiter, sobald wir die Beichte gelesen haben."

Gut," brummte Doctor Friedrich unwillig.Aber wozu der Detectiv?"

Damit er zur Ueberzeugung komme, daß er einen Un­schuldigen verfolgt, damit die Angelegenheit ein Ende habe für immer."

Nicht eher, als bis ich ihn verhaftet habe," sagte Kilian, ohne eine Miene zu verziehen.

Aber er ist ja tobt I"

Hm," meinte der Detectiv, offenbar gut gelaunt,ich meine eben einen Lebenden, das ist und bleibt Robert Mor­land. Der und kein Anderer hat Wolski aus der Welt ge­schafft/-

Das läßt sich eher hören," stimmte Doctor Friedrich bei-

Aber verkennen Sie doch nicht die Sachlage, meine Herren," rief der Advocat dazwischen.Gott weiß, wie gern Jvanyi und ich Webers Namen makellos sähen deshalb habe ich Sie ja zu mir gebeten, daß wir Alle tiefes Schweigen bewahren über das, was wir hören werben."

Nach diesen Worten wandte er sich an den Detectiv.

Sie glauben nicht daran, Herr Kilian. Ihr Ehrgeiz duldet das nicht, meine ich. Was werden Sie aber 'sagen, wenn Sie erfahren, daß Anton Weber die Papiere, um derent­willen Wolski getödtet wurde, in der Hand hielt, als er vom Herzschlage getroffen, tobt in's Kiffen zurücksank?"

Und was für Papiere sollten dies sein?" fragte der An­gesprochene mit seiner unerschütterlichen Ruhe.

Die Papiere, welche den Beweis liefern, daß Anton Weber mit derKönigin" verheirathet gewesen. Und noch mehr! Wiffen Sie, daß Morland einen Tag vor der Kata­strophe bei Weber gewesen ist, um von ihm Geld zu erpressen?"

So!" Der Detectiv nickte langsam mit dem Kopfe und überlegte eine Weile.Wofür?" sprach er endlich.

Sie scheinen heute ein wenig schwer von Begriff zu fein, Herr Kilian, offenbar war Morland Zeuge der Unthat und wollte sein Schweigen sich abkaufen lassen."

Hm, sonderbar," murmelte Kilian verbissen.Und glau­ben Sie, daß ein Morland, ein Mensch, von dem ich weiß, daß er seit Monaten ohne jeden Verdienst ist, so lange ge­schwiegen hätte? Ich nicht."

Nun, darüber wirb wohl die Beichte Aufschluß geben," rief der Advocat ungeduldig.

Dann um's Himmelswillen fangen wir an," drängte Doctor Friedrich.

Einen Augenblick, meine Herren," unterbrach Kilian, in­dem er ein Bündel unter dem Stuhl hervorzog und dasselbe öffnete. Im Zimmer verbreitete sich der Geruch von Chloro­form.

Was? Ist das Wolskis Ueberzieher?" schrie Doctor Mark erstaunt.

Ich meine wohl," entgegnete Kilian befriedigt.Wie ich Ihnen seinerzeit sagte: Ich fand den Rock unter einem Strauch im städtischen Reservegarten. Er sieht infolge dessen recht be­schmutzt aus."

Dann hat Anton Weber damals diesen Weg genommen," sagte Mark bestimmt.

Kilian lächelte skeptisch, antwortete aber nicht, sondern griff in die Tasche des Ueberrockes und brachte ein kleines Fläschchen zum Vorschein.

Chloroform," rief Doctor Friedrich,ohne Zweifel Chloroform."

Hm. Ist auch meine Ansicht. Aber hören Sie weiter. Da aus der Etiquette des Fläschchens die Apotheke genannt ist, in der es gekauft wurde, habe ich dort nachgefragt. Und wer, denken Sie, war der Käufer?"

Weber," sagte der Advocat,Morland," Doctor Friedrich.

Nein. Wolski. Er selbst. Niemand anders," fuhr Kilian fort.Wie Ihnen, Herr Doctor, bekannt fein dürste, muß der Apotheker, wenn er Gift ausfolgt, den Namen des Käufers notiren- Run, das ist auch damals geschehen. Ich

nannte den Tag vor jenem Verbrechen und erfuhr, was Sie soeben vernommen haben."

Und wozu hat er es gekauft?" fragte Doctor Friedrich.

Das weiß ich nicht."

Es entstand eine Pause.

Begab sich Wolski allein in den Apothekerlaben?" begann Doctor Mark von Neuem. Er war sehr nachdenklich ge­worden.

Nein," lautete die langsame Antwort Kilians,nein, Morland war mit ihm."

Und Sie schließen daraus?"

Ich schließe daraus, daß die Beichte nichts Anderes ent­halten wirb, wenn sie sich überhaupt mit dieser Sache besaßt, als bas, was meine Vermuthungen bestätigt. Davon bin ich überzeugt"

Was sollen biefe müßigen Combinationen," rief ber Arzt ungeduldig;beginnen Sie endlich mit ber Verlesung."

Doctor Mark begann.

XXXI.

Solltest Du, meine innigstgeliebte Tochter, meine theure Margarethe, jemals Kenntniß erhalten von dem Inhalte biefet Blätter, welchen ich meine Beichte anvertrauen will," las Doctor Mark,so urtheile nachsichtig über Deinen Vater und denke seiner als eines Mannes, der unendlich viel gelitten in feinem Leben, unendlich viel gekämpft gegen das Unheil, das böse Menschen über uns heraufbeschworen. Wisse, indem ich diese Zeilen niederschreibe, befreie ich mein Gewissen von einer Last, die mich schwer niedergedrückt hat.

Wer immer diese Aufzeichnungen liest, kann ich nicht wissen. Und so liegt es auch nicht in meiner Macht, ihre Ver­öffentlichung zu verhindern. Um des Namens willen, welchen meine Tochter Margarethe trägt, wäre dies schon nicht mein Wunsch, aber ich möchte es auch nicht hindern, da meine Beichte Ausschlüsse über ein Verbrechen enthält, dessen Herr Destder Jvanyi fälschlich beschuldigt worben ist. Diesem bin ich meine Mittheilungen schuldig.

Ich muß weit ausholen, um die folgenden Ereignisse er­klärlich zu machen: Ich war dreiundzwanzig Jahre alt, als ich gezwungen war, mein Vater war ein kleiner Beamter gewesen und eben gestorben meine Universitätsstudien zu unterbrechen und mich dem kaufmännischen Berufe zu widmen. Bei meinem Fleiße und meinen Talenten gelang es mir bald, vorwärts zu kommen und eine für jene Zeit schöne Stellung zu erringen. Dies aber genügte meinem Ehrgeize nicht. Ich wollte reich werden und trug mich mit dem Gedanken, in die neue Welt zu gehen, wo damals das Geld auf der Straße lag. Eine kleine Erbschaft von einigen Tausend Gulden sollte mich in den Stand setzen, meine Absicht auszuführen. Meins Eltern waren tobt, Geschwister besaß ich nicht und so hielt mich nichts zurück nichts, als die leibenschaftliche Neigung zu einer hübschen, lebenslustigen Sängerin, Rosina Mort. Auch sie schien mich zu lieben, so heiß, baß es ihr leicht ge­lingen konnte, mich zu überreden, ich möchte sie in die neue Welt mitnehmen dort wollte sie meine Frau werden. Hier durste sie diesen Schritt nicht wagen, da ihre Mutter mit ihr hoch hinauswolle u. s. w. u. s. w. Ich lebte damals in dem thörichten Wahn, ohne sie nicht leben zu können, und so reiften wir gemeinsam ab. In New-Aork ließen wir uns kurze Zeit nach unserer Ankunft trauen. So lange meine Geldmittel reichten, lebten wir verhältnißmäßig glücklich als sie aber zu Ende gingen und ich ein wenig sparsamer zu werden an« ing, gab es fortwährend Streit und Hader. Ich will ber »»glücklichen ©eenen, bie sich abspielten, nicht erwähnen. Ich lenke jetzt ganz ruhig daran und mein Blut geräth nicht in Wallung, wie damals, da ich anfangen mußte, dieses Weib zu verachten. Das Ende war, baß sie mich verließ und ein Engagement bei einer ganz untergeordneten Bühne New-Parks annahm. Einige Zeit darauf hörte ich, daß sie in Begleitung eines englischen Theateragenten nach London abgereist fei kurz vorher hatte sie einem Kinde das Leben gegeben. Sie nahm e« mit, um sich an mir zu rächen, da sie wußte, daß