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Allerdings," versetzte ich, diese Idee schnell ergreifend. Ich würde gern noch einige Zeit bei Euch bleiben, aber nur, wenn dieser Mensch geht "

Sprich, wieso hat er Dich beleidigt?"

Lassen wir die Sache ruhen," entgegnete ichIch bitte Dich um das Eine, gib ihm durch einen leisen Wink zu ver- stehen, daß er hier überflüssig ist."

Darf ich Deinen Namen dabei nennen?"

O nein! Es wäre mir natürlich sehr unlieb, wenn er erführe, daß ich Klage über ihn geführt habe."

Als Guido uns am folgenden Morgen mittheilte, der Lord sei mit dem Frühzugs abgersist, ergoß sich eine dunkle Gluth über Ediths Züge, die ebenso schnell wieder einer plötz-

lichen Blässe wich.

Eine Stunde später kam sie zu mir in mein Zimmer.

Ist es wahr, Madeleine," Hub sie gähnend an, während sie sich mir gegenüber in einen Armstuhl sinken ließ;Guido erzählt mir, der Lord habe Dir in lästiger Weise den Hof gemacht?"

Das habe ich nicht gesagt," antwortete ich ruhig,Dein Mann hat mich mißverstanden."

Wieso?"

Hasewood hat allerdings den Hof hier gemacht, aber nicht mir," sprach ich und sah ihr dabei fest in die Augen. Ich sage Dir, dieser Mann ist ganz unwürdig, Guidos Schwelle zu übertreten; ich an seiner Stelle hätte diesen Menschen einfach aus dem Hause geworfen."

Du drückst Dich ja sehr zart aus," versetzte Edith sar­kastisch.Vielleicht erklärst Du mir näher, weshalb Lord Hasewood Dir so unsympathisch ist und wodurch er das Un­glück hatte, sich Dein allerhöchstes Mißfallen zuzuziehen?"

Erstens, weil er ein Schurke ist."

Was soll das heißen?" rief Edith erregt.

Edith I" sprach ich vorwurfsvoll.

Einen Moment starrte sie mich mit ihren großen Mgen an; alle Farbe wich aus ihrem Gesicht; sie sprang auf und faßte mich krampfhaft am Arm.Schweig' still, um Gottes willen, schweig' stillt" hauchte sie;Madeleine, welch' wahn­sinnigen Verdacht hegst Du?"

Mich kannst Du nicht täuschen, Edith," versetzte ich

traurig.Der Zufall machte mich zum Zeugen Eurer Unter­redung nach dem Balle. Edith, Edith! Willst Du Deines Mannes Ehre und Deine eigene so unbarmherzig zerstören?"

Flehend hob sie die Hände zu mir empor.

O, Du wirst es ihm nicht sagen!" rief sie mit heiserer Stimme.Du wirst Guido nicht sagen, daß der Lord von Liebe zu mir sprach? Wenn Du wüßtest, wie ich es bereue!"

Ich fürchte, was Du Guido angethan, läßt sich über­haupt nicht wieder gut machen," sprach ich bitter.

Wie kannst Du so reden, Madeleine!" sagte sie mit vor Entrüstung glühenden Wangen.Meinst Du, ich sei des Namens unwerth, den ich trage? O nein! Ich habe mich keiner anderen Sünde schuldig gemacht, als daß ich Arthurs Schwüren Gehör schenkte. Ich liebte ihn, bevor ich Guido kannte, aber ich will diese Liebe aus meinem Herzen reißen."

Sie ließ den Kopf sinken und brach in bittere Thrä-

nen aus.

Wie konntest Du Guido heirathen, während Du einen Anderen liebtest?" fragte ich mit angsterfüllter Stimme.

Ich hielt ihn für tobt es wurde mir gesagt aber es war nicht wahr. Erst an meinem Hochzeitstage sah ich ihn wieder. Wäre er eine Stunde früher gekommen, so hätte ich Guido nie geheirathet."

Du darfst diesen Lord dennoch nie wiedersehen, versprich mir das, Edith," schloß ich.

Ich verspreche es Dir," entgegnete sie.Ach, ich fühle mich in diesem Augenblick so stark, daß ich glaube, wenn er jetzt vor mir stände, ich könnte ihm befehlen, mir aus den Augen zu gehe». Ja, ich verspreche Dir, ihn niemals Wieder­sehen zu wollen."

Gott stehe Dir in dieser schweren Zeit bei!" sagte ich,

überzeugt, daß sie es in diesem Augenblicke mit ihrem Ver­sprechen aufrichtig meinte.Du weißt, Edith, wo Du Kraft findest, wenn Du Dich schwach fühlen solltest, denke an Deinen edlen Onkel Walter."

Und Du versprichst mir, gegen Niemand ein Wort davon zu sagen?" sragte sie zitternd.

Ja, das verspreche ich Dir."

Darauf küßte sie mich zärtlich, es schien ihr eine schwere Last vom Herzen genommen.'

*

Wenige Tage darauf reiste ich nach meiner Heimath zurück. Bald darauf kam Edith rosig und glänzend wie ein Sonnenstrahl, von Guido begleitet, vor meinem Häuschen an.

Ich nahm ihr Hut und Mantel ab, drückte sie in den bequemen Schaukelstuhl, ihrem früheren Lieblingsplätzchen am Fenster, und machte es ihr in alter Weise behaglich.

Während wir schon im lebhaften Gespräch mit einander waren, trat Guido ein.

Steh' nur, Guido, wie gut Madeleine zu mir ist!" sprach Edith.Ist sie nicht das beste, liebste Geschöpf auf der Welt? Sage ihr nur selbst, wie gut sie ist meine Madeleine."

Da schaute er zu mir hin. Nie zuvor hatte ich den ernsten, verklärten Blick in seinem Auge gesehen, wie er in dem Moment auf mir haftete. Seine ganze Seele lag darin als Erwiderung auf ihre Worte: Bewunderung, Ehrerbietung und unaussprechliches Bedauern-

Ich bewunderte meine eigene Ruhe, mit welcher ich diesem Blicke begegnete. Mein Gesicht zeigte keine Verlegenheit, au» meiner Stimme klang kein Schmerz, denn ich empfand keinen als ich erwiderte:Thörichtes Kind, wie kannst Du verlangen, daß er auch nur das kleinste Wort des Lobes für mich habe, während seine Augen von Deiner eigenen kleinen Person geblendet sind?"

Die Tage strichen ruhig und gleichmäßig hin. Mir schien, als verfehle das einfache Leben in unserem Städtchen und Walters beständige Gesellschaft nicht ihren guten Einfluß auf Edith» leichtfertiges Wesen. Ich gab mich der stillen Hoffnung hin, die Erinnerung an Hasewood» gefährlich schönes Gesicht schwinde aus ihrem Gedächtniß, ohne einen unauslöschlichen Eindruck in ihrem Herzen zurückzulassen.

Endlich war die schöne Zeit unseres Beisammenseins wieder zu Ende. Nachdem uns Edith wieder verlassen, er­schien mein Leben mir einsamer denn je, obwohl der Rector Walter Alles that, mir die Trennung so wenig als möglich fühlbar zu machen.

Nach kurzer Zeit schrieb Guido mir, daß Lady Ponsonby ihn und Edith überredet habe, mit ihr nach Parts zu gehen.

Wie bekümmerte mich diese Nachricht! Wie gern hätte ich geschrieben, das sollten sie nicht thun, aber was hätte ich als Grund dafür angeben können? Darauf hörte ich lange nichts von ihnen, bis sie mir endlich ihre Rückkehr meldeten.

Ungefähr vier Wochen mochten sie in Paris sein, da er­hielt ich eines Nachmittags eine Depesche von Guido. Die­selbe enthielt die wenigen Worte:Komm' sofort ohne Zögern sie hat mich verlassen."

Ich war wie betäubt von dieser Schreckensbotschaft. Alles Andere vergessend, raffte ich die nothwendigsten Sachen zusammen, reiste mit dem nächsten Zuge ab und war binnen wenigen Stunden in Paris.

Guido kam mir im Hausflur entgegen. Ich erschrak fast bei seinem Anblick, so bleich und verstört sah er aus. Er sprach kein Wort; schweigend folgte ich ihm in das Zimmer. Hier wies er auf einen Stuhl. Al» er in die Fensternische trat, die Arme übereinanderschlug und den stolzen Kopf auf die Brust finken ließ, da brach der ganze Kummer meine» Herzens in einem unbezwinglichen Schrei hervor-

Rede, Guido, was ist zu thun?"

Was geschehen kann, ist schon geschehen," erwiderte er. Sie hat vor zwei Tagen mit dem Lord Hasewood, mit dem wir hier gar keinen Verkehr hatten, die Stadt verlassen- Sie