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1894.

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Dienstag, den 3. April.

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Die Wallfahrt nach Czenstochau.

Roman von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

Der Lieutenant hatte gebückt, mit fast klangloser Stimme, zuweilen ganz stockend, seinen langen Bericht zu Ende gebracht. Nun erhob er sich und reichte dem Grafen das kleine Herz. Dieser griff hastig danach und riß es mit fiebernden Fingern an sich.

Er war schon während der Erzählung des Alten in große Aufregung gerathen, die immer größer wurde; schließlich nahm sein Gesicht einen Ausdruck an, der alle Anwesenden erschreckte. Sein Blick hing mit wahrem Entsetzen an dem goldenen Kleinod, das seine Hand umkrampfte. Ja, dieses Herz war einst sein Eigenthum gewesen, aber wie fern, wie weit lag jene Zeit! Und doch tauchte sie plötzlich in leuchtenden Farben vor ihm auf und ein Erinnern an Jugend, Wonne und Freude, an sonniges Glück und süßen Mädchengesang, an noch süßere Mädchenliebe durchströmte seine Brust aber auch ein Er­innern an Leiden, Scheiden und Sterben.

Es flimmerte vor seinen Augen und doch starrten diesel­ben mit einem unheimlichen Forschen und Suchen auf das Schmuckstück hin. Darauf flog sein Blick angstvoll zu dem alten Wytek hinüber, der schon wieder in seinem Sessel zu- sammengesunken war. Und immer von Neuem irrte er hin und her, immer angstvoller, unruhiger fragten die dunklen, suchenden Augen und dabei wuchs in des Grafen Innern etwas zu einer namenlos quälenden Vermuthung heran zu einer furchtbaren Gewißheit.

War sie es, konnte sie es sein? Margarethe die hier elend gestorben? Mit jagenden Pulsen dachte er diesen Gedanken aus. Und doch er hielt das Porträt in der Hand, das sein eigenes war, den vergilbten Papierfetzen, der seine Handschrift trug. Konnte er noch zweifeln? - Nein, gewiß nicht. Und nun ging es wie ein brausender Sturm durch seine Seele, denn sie ließ sich nicht fortleugnen, die schreckliche Wahrheit, alle Umstände trafen zu. Und wenn er doch noch ungläubig war, so war die Aehnlichkeit vorhanden, die wunderbare Aehnlichksit Jadwigas mit Margarethe. So viel verwandte Züge fand man nur bei zwei Menschen, die das Blut miteinander gemein hatten. Nun wußte er auch, wa­rum ihn der erste Anblick des fremden Mädchens so heftig er­schüttert hatte. Ach, Alles an ihr rief ihm ja die Jugend­geliebte in'S Gedächtniß zurück.

Seine Brust hob sich krampfhaft, Leichenbläffe überzog

fein Gesicht und es packte ihn ein Schwindel. Mit verlöschen­den Augen suchte er noch nach einer Stütze, dann knickte er kraftlos zusammen.

Die so unerwartet eingetretene Katastrophe hatte alle An­wesenden heftig erschreckt. Gräfin Antonia stieß einen Angst­schrei aus und eilte dem Grasen rasch zur Hilfe. Mit Micha­linas Beistand hob sie den Ohnmächtigen vom Boden auf und brachte ihn auf einen Divan in bequeme Lage. Sie rieb ihm Stirn und Schläfen mit einer belebenden Essenz, die sie stets in einem Flacon bei sich führte. Mit ihrer gewohnten Um­sicht und Energie wendete sie alle verfügbaren Mittel an, um ihn wieder zum Bewußtsein zu bringen, während Frau von Bielinska in ihrer Unbeholfenheit nichts weiter zu thun ver­mochte, als jammernd im Zimmer umherzurennen und die Hände zu ringen.

Allmällig erholte sich der Graf, doch noch immer flog ein nervöses Zucken über fein blasses Gesicht. Sein erster, noch matter und unsicherer Blick suchte fchon wieder das kleine Schmuckstück auf, das seine Finger krampfhaft umschlossen hielten. Die Augen starrten so beharrlich darauf, als könne ihm das­selbe ein wunderbares Geheimniß offenbaren.

Und mit einem Male fast wie durch Zauber sprangen alle Thore der Vergangenheit vor ihm aus, und vor feines Geistes Auge reihte sich Bild an Bild. Immer greif­barer, immer deutlicher sah er das Letzte vor sich das todestraurige, letzte Bild. Seine Lippen öffneten sich, er wollte sprechen, aber wie im Krampf schlossen sie sich wieder. Un- fäglicher Schmerz zerriß ihm das Herz und eiskalte Schauer durchrieselten ihn. Sein Kopf sank wieder dumpf und schwer in die Polster zurück.

Gräfin Antonia sprach kein Wort, nur das heftige Wogen ihres Bufens verrieth ihre tiefe Erregung. Sie beugte sich über ihren Gatten herab und küßte ihm sanft die Stirn.

Im Zimmer war es still, ganz still, selbst Frau Casimira war endlich zur Ruhe gekommen. Sie wiegte sich schon wieder im Schaukelstuhl und blinzelte mit den beweglichen Aeuglein halb scheu zu den Kwileckis hinüber. Michalina kauerte vor dem Kamin und versuchte die sinkenden Flammen mit frischem Material von neuem anzufachen. Zuweilen fuhr sie mit dem Kopse zur Seite und streifte mit zornigem Blick das gelbe, verwitterte Soldatengesicht dort an der Thür - und dann wieder die großen, nassen Flecken auf dem Teppich, dem neuen Smyrnateppich, der so viel Rubel gekostet hatte.

Und draußen schlug der Schnee an die Fenster das unaufhörliche Gewirbel und Gestöber; die kalten, weißen Flocken setzten sich an die Scheiben fest und hüllten den Salon in