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war jetzt von Berlin nach hier übergefiedelt, wie sie sorg« los und glückselig in Hof und Garten spielten oder dem dank­baren Blick ihrer Mutter begegnete, die still und treu im Hause ihres Amtes wartete, dann zog ein zufriedenes Gefühl durch sein Herz:Gottlob, das ist doch wenigstens ein Erfolg!"

Dann war auch noch der alte Walter da und dessen Häuslichkeit wurde ihm oft der Zufluchtsort, wenn es ihm in Hof und Feld fchwül geworden war. Das Ehepaar sah auf ihn wie auf seinen Sohn, so sehr sie den Herrn in ihm respee« tirten. Und wenn's ihm einmal muthlos werden wollte, so war gerade fein Förster der Mann, welcher das erste Recht hatte, ihm mit erfreulichen Zahlen zu widersprechen, der Erste, welcher int Laufe des Winters nicht unbedeutende Summen au» dem Holzverkauf abliefern konnte. Mit der Arbeit wuchs dann aber auch die Lust an der Arbeit. Scheffler ging nicht mehr wie früher als ein Fremder über fein Feld. Er hatte Alles da werden sehen und Müller war ihm ein guter und getreuer Lehrmeister gewesen. Seine Gutsnachbarn, welche ihn im Anfänge mit Mißtrauen angesehen, hinter seinem Rücken auch wohl die Achseln über ihn gezuckt hatten, änderten bald ihre Meinung. Ehrliche Arbeit wird zuletzt immer ge- achtet und daß der Besitzer von Tannenhof es sich sauer wer­den ließ, mußten sie Alle anerkennen, wenn auch nicht Alle wie er und fein Verwalter regelmäßige Besucher des Gotteshauses waren. Scheffler aber hatte in jener Gewitternacht im Thier­garten und an der Leiche seines betrügerischen Verwalters doch etwas gelernt von Jenem, ohne dessen Schutz der Festeste ein schwankendes Rohr ist; und er suchte ihn.

So vergingen zwei Jahre. Tannenhof zeigte ein anderes Aussehen als an jenem trüben Sommertage, wo der neue Herr seinen Einzug gehalten hatte, das neue Regiment seinen Ansang nahm. Es standen noch dieselben Gebäude, einzelne auch heute noch eines Neubaues bedürftig- Aber man sah, es war eine bessernde Hand über sie gegangen, der alte Schmutz, die alte Unordnung waren gewichen- Die Fenster im Wohn­hause waren blank und hell, der int ersten Frühjahre ange­pflanzte Weinstock reckte schon an manchen Stellen seine grünen Ranken hoch hinauf.

Wieder war's ein Sommertag, ein Sonntagnachmittag mit der ganzen schönen Sonntagsstille, die nur das Land, nicht die Stadt kennt. Scheffler saß hinter dem Hause in der grün­belaubten Veranda. Die Mittagscigarre war geraucht, das Zeitungsblatt eben aus der Hand gelegt. Drüben am See hinter dem Garten, der jetzt nicht mehr verwildert war, son­dern einen freundlichen Anblick gewährte, spielten die Mücken int Sonnenglanz und aus dem Walde herüber klang das Gurren der wilden Taube. Ein Zug der Zufriedenheit lag auf dem Antlitze des auf das freundliche Bild Hinschauenden. Es war ja nicht das einzige Erfreuliche, was ihm da vor Augen sich ausbreitet?. Seine Arbeit hatte etwas geschafft. Zwar, es war lange nicht alles Ueble beseitigt, weiteres, unausgesetz­tes Mühen lag vor ihm. Aber er brauchte jetzt nicht mehr zu fürchten, daß ihm die Last zu schwer werden, daß er von der Arbeit, einer nutzlosen Arbeit überwältigt werden würde. Er durfte sich sagen, daß er von Jahr zu Jahr weiter kommen würde. Das füllte ihm die Brust mit stolzer Freude. Hatte doch auch er seinen Antheil an diesem Erfolge, wenn er ihm auch ohne seine Getreuen, den Alten im Walde und Müller nicht zu Theil geworden wäre. Ja, wenn er sein Leben ver­glich mit seinem früheren, er würde nicht tauschen. Jetzt hatte er wirklich einen Zweck, für welchen er arbeitete, ein Ziel, nach dem er strebte. Ein glücklicher Mann erschien er sich-

Ein Jauchzen ließ ihn aufsehen. Auf einer Bank am See saß Müller mit seiner Familie, sein jüngstes Töchterchen, das in Tannenhof geboren war, auf dem Arme. Das Kind griff nach einer Blume, welche die Mutter ihm vorhielt und jauchzte hell auf, wenn es sie erfaßt hatte. Die beiden andern Kinder standen an Vater und Mutter gelehnt und blickten lachend auf die kleine Schwester.

Ein Stich ging dem Zuschauer durch'« Herz-Ein glück­licher Marm" und doch so einsam? Nicht Weib nicht Kind

stand bei ihm. Und dabei hatte er jenes Bild nicht aus seinem Herzen verloren, das ihm einst vorgeschwebt, das er hatte fassen wollen und es war ihm entglitten. In der ersten Zeit der schweren Arbeit hatte er dann Frieda Mone fast vergessen und wenn ihr Bild in den langen Wintertagen vor ihm aufgetaucht war, so hatte er es zu bannen gesucht- Damals durfte er nicht zu ihr treten, sie nicht an seine ungewisse Zukunft ketten. Aber nun? So weit Menschen rechnen konnten, war seine Zu­kunft eine sichere, durste er jetzt nicht wieder die Hand aus- strecken? Sollte er einsam bleiben? Er brauchte es nicht, er wußte, es gab in der Umgegend manches Mädchen, das ihm auf seine Frage keinNein" geantwortet hätte. Aber er wußte, einsam würde er doch bleiben, wenn nicht jener Mund, der ihm einst seinNein" entgegengerufen hatte, jetzt da» Nein" inJa" wandelte- Allein, war sie auch noch frei, hatte sie nicht vielleicht ihr Leben lange an das eines anderen Mannes gebunden? Er hatte keinen brieflichen Verkehr mit Hartmann gepflogen, der nicht mit ihm. In der Zeitung hatte er zwar keine Verlobungsanzeige gefunden, aber das bewies nichts. Ihm wurde es unruhig. Wenn er heute zu ihr träte, würde sie dasselbe sagen wie damals? Und wo war sie jetzt und wo sollte er sie suchen?

Lange saß Scheffler in tiefem Sinnen; da sprang er plötz­lich auf und ein Zug des alten Uebermuthes glitt über sein Antlitz. Eben kam sein Verwalter mit seiner Familie den Gartenweg herauf-

Müller, ich reise heute mit dem Abendzuge nach Berlin, komme in einigen Tagen zurück."

Frieda Mone war alleirr im Wohnzimmer, demselben, in welchem einst Scheffler aus ihrem Munde die abweisende Ant­wort empfangen hatte. Ein Klopfen an der Thür ließ sie von ihrer Handarbeit aussehen. Es war doch freudiges Er- schrecken, als sie den Eintretenden erkannte, wenn auch das Senken ihrer Blicke das freudige Aufleuchten des Auges ver­barg. Er trat schnell auf sie zu, nicht mehr der Mann von früher; jede Schlaffheit war aus seinen Zügen gewichen. Wohl sah man ihm an, daß das Leben an ihm gearbeitet hatte, ein Zug des Ernstes lag auf seinem Gesichte, den man sonst vergebens suchte. Aber man sah auch, daß er selber in der Arbeit des Lebens gestanden, selber gearbeitet hatte. Und das stand ihm gut, besser als die Blasirtheit von früher.

Sie haben mir einst gesagt, so ziemlich an derselben Stelle, wo wir heute stehen, Sie fühlten so etwas wie Liebe für mich, aber mir fehle der Beruf, die rechte Arbeit, darum könnten Sie nicht die Meine werden. Sie hatten Recht damals, ich habe es jetzt erfahren. Heute steht's anders mit mir, ich habe einen Beruf und habe ihn lieb, habe Arbeit, ja so viel Arbeit, daß ich allein sie nicht bewältigen kann. Wollen Sie mir helfen? Der reiche Mann von früher bin ich nicht mehr, aber bescheidenes Brot für uns Beide kann ich schaffen? Frieda, wollen Sie Arbeit und Ruhe, Freude und Leid mit mir theilen, wie's uns Gott befcheert?"

Er hatte ihr die Hand hingestreckt, sie legte fest die Ihre hinein, nachdem sie ihm ins Auge gesehen hatte.

Ich will." -

Als die Mutter eintrat, fand sie ein Brautpaar.Ihre Bewilligung, liebe Frau Schwiegermama, zur Werbung hatte ich noch von früher. So dürfen Sie auch heute nichtnein" sagen, wenn dieser harte Kopf seine Meinung geändert hat."

Bewegt schloß die alte Frau ihr Kind in die Arme und schüttelte dem neuerworbenen Schwiegersöhne die Hand.Be­hüten Sie mein Kind, wie Gott Sie Beide behüte!"

Scheffler, Du hier?" rief Hartmann dem Freunde ent­gegen, als jener bald darauf seinen Kopf in die Thür steckte.

Nicht allein, lieber Schwager. Deine Schwägerin ist es satt, sich mit den liebenswürdigen Rangen in der Schule herumzubalgen. Sie will sich jetzt auf das Erziehen eines bejahrten Mannes legen damit meine ich mich nämlich. Jahrelang bereits hat sie eine unauslöschliche Neigung für mich hi Herzen getragen, wie ich daraus schließe, daß ich