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Vevnrischtes

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

Die deutsche Sprache besitzt keinen Ausdruck, der nur annähernd als Uebersetzung dieses Wortes dienen könnte, was sehr natürlich, well Wes, was es in sich saßt, dem Character und Wesen des Deutschen vollständig sern liegt. Selbst bei unseren französischen Nachbarn kann man keine Anleihe machen, denn wollte man das amerllanische Wort Humbug mll »Re» datne", worin die Pariser Meister sind, übersetzen, so wäre dies nur eine einseitige, keineswegs den ganzen Sinn er» schöpfende Definition. Der practische Nordamerikaner, der mll Allem zu speculiren, jede Geschicklichkeit wie jedes Gefühl lucrativ zu machen versteht und, was eben so merkwürdig ist, dafür immer sein Publikum findet, weiß allein Humbug zu machen; zu begreifen versteht ihn aber nur Der, welcher selbst in Amerika gelebt, selbst Augenzeuge und Opfer derartiger

Der Herr, welcher zuerst den Dollar auf den Tisch legte, ist ihr Helfershelfer und hat seinen Antheil am Gewinn."

Warum aber traten Sie nicht hervor und deckten das falsche Spiel auf?" »Ei nicht doch, wer wird den Leuten das Geschäft verderben, so lange ste leichtgläubige und freigebige Zuschauer finden, es ist ganz guter Humbug," versetzte der Amerllaner-

©eenen geworden ist.

Statt aller weiteren Auseinandersetzungen wollen rott hier ein Beispiel erzählen, das sich jüngst im Weltausstellungs- Parks in Chicago zugetragen hat. Der Augenzeuge berichtet darüber wie solgt: Ich befand mich in der Nähe des Sees, als plötzlich ein junger Mann an mir vorüberstürzte, der sich durchaus nicht um die auf der Dampfer-Anlegebrücke befind, lichen Menschen zu bekümmern schien. Er hob die Augen gen Himmel, schlug die Hände zusammen, murmelte unverständliche Worte wie im Uebermaße des Schmerzes und stürzte sich dann, ehe Jemand es verhindern konnte, in den See. Noch standen alle Zuschauer wie gelähmt vor Schrecken, als ein zweiter junger Mann sich durch die Menschenmenge Bahn brach, sich überall ängstlich umsah und fragte, ob Niemand seinen Bruder gesehen. Sein Blick überflog den See, er stieß einen herz, zerreißenden Schrei aus und rief:Da ist er, ich will ihn retten oder mit ihm sterben!" Im nächsten Augenblick hatte er bereits die Barriere überstiegen und stürzte sich in den See. Mit kräftigen Armen theilte er die Wogen, bald hatte er den Bruder erreicht, ergriff den bereits Sinkenden bei den Haaren I und schwamm unter dem Jauchzen der Zuschauer mit ihm an das Ufer. Der Retter war erschöpft, der Gerettete ohnmäch. tig. Begleitet von einer großen Menschenmenge wurden sie nach dem nächsten Beamtenhause gebracht, mehr als ein Dutzend Hände waren bereit, ihnen Stärkungsmittel zu reichen, und vermittelst dieser erholten sie sich bald wieder. Während der Gerettete schweigend und dumpf vor sich hinstarrte, begann der andere Bruder jetzt, mehr für sich als zu den Umstehenden, eine Schilderung der Noth und des Elends, dem sie Beide, den falschen Vorspiegelungen gewiffenloser Agenten folgend, hier auf fremder Erde preisgegeben.Die Verzweiflung trieb meinen Bruder in die Fluthen!" rief er laut, hielt aber plötz- ! lich inne, wie erschreckt von dem Tone seiner Stimme, sah sich scheu um und sagte:Verzeihen Sie, meine Herren, ich ver- gaß, daß ich nicht allein war, es lag nicht in meiner Absicht, Sie mit der Erzählung unseres Elends zu belästigen." Sprechen Sie, sprechen Sie," riefen mehrere Stimmen; ein Herr aber trat vor und legte, indem er um Entschuldigung bat, einen Dollar auf den Tisch. Das Beispiel sand Nach, ahmung. Ein Anderer gab zwei, ein Dritter fünf Dollars und in kurzer Zeit war eine ansehnliche Summe zusammengebracht für den edlen Jüngling, der das Leben seines Bruders mit Gefahr des eigenen errettet und ihn in keiner Noth verlassen wollte.

Die haben heute ein ganz gutes Geschäft gemacht," sagte einer der Zuschauer, dessen Tonfall den geborenen Amerikaner erkennen ließ, als die Brüder sich unter den Beweisen der leb» Hastesten Teilnahme entfernt hatten.Kennen Sie die jungen Leute?" fragte der Gewährsmann-Gewiß kenne ich sie. Es sind zwei der geschicktesten Schwimmer aus Mil« waukee, sie führen das hier dargestellte Stück wenigstens zwei- bis dreimal in der Woche an verschiedenen Orten auf, indem sie mit den Rollen des Retters und des Geretteten abwechseln.

Edelsteine. Bei dem großen Jntereffe, das bekannt- lich die Damenwelt für Juwelen hegt, dürfen vielleicht folgende Notizen über einige seltene Stücke und deren gewiß viel be« neidete Besitzerinnen gern gelesen werden. Die reiche Ameri­kanerin Frau Makay besitzt mehr werthvolle Schmucksachen, als die meisten Fürstinnen Europas. Eine Schnur, Riviera, von Brillanten, von zwei Meter Länge trägt sie als Gürtel und ei« Perlenhalsbandcollier enchute enthält mehrere Reihen sehr großer Perlen, deren jede einzelne 30,000 Francs werth ist. Eine andere Amerikanerin kaufte ein Perlenhalsband aus der Auction der berühmten Kronjuwelen in Paris für 180,000 Francs. Die Königin Victoria besitzt die seltensten Perlen, nämlich rosenfarbene. Die Kaiserin Eugenie verkaufte bei ihrer Flucht aus Paris ein köstliches Perlenhalsband an die Marquise von Paiva, die erste Ge mahlin des Grafen Guido Henkel von Donnersmark. Dies Unicum von Schönheit be­findet sich also jetzt in Berlin. Die Kaiserin-Königin von Oesterreich-Ungarn trägt ein überaus kostbares Halsband von schwarzen Perlen. Das schönste Diadem besaß die Herzogin von Osuna, nachherige Herzogin von Croy-Dülmen, welche erst ganz kürzlich gestorben ist. Es bestand aus großen Rubmen und Manien. Dieses große Prachtstück kann man jetzt in einem kleinen Schloß Westfalens bewundern. Die reichsten I Juwelenbesitzer sind der Kaiser von Rußland, der Schah von Persien und der türkische Sultan. Die Krone der KöniK von England gilt mit Recht als das herrlichste Besitzthum von seltenen Juwelen und künstlicher Goldarbeit; es find mW Tausend rosenrothe Diamanten, über hundert riesige, birnen­förmige Perlen und ebensoviel große runde Perlen, mehrere Dutzend Rubinen der größten Sorte dazu verwendet. Die Faffung von Gold ist so schwer, daß die Königin jedesmal an Kopsweh leidet, wenn sie diese Krone tragen muß. Die groß- artigste Verwendung von Juwelen und Perlen fand bet her berühmten Monstranz statt, welche noch jetzt im Kapuzmerkloster zu Prag gezeigt wird. Der Werth derselben läßt sich nicht nach Millionen, sondern nur nach Milliarden berechnen. Etne Fürstin Lobkowitz, welche vor hundert Jahren starb, hat ihm reichen Familienschmuck dem Kloster vermacht. Der Glanz I und das Farbenspiel der 6660 Brillanten gewähren eiwn wahrhaft bezaubernden Anblick. Der Pater Guardian, welch« den Touristen dies Kunstwerk gern vorzeigt, gibt sich, ste» Mühe, die Monstranz hin und her zu bewegen, um die Wirkung des wunderbaren Feuers der Steine zu erhöhen. Man W sich wirklich zeitweise im Bann des unterirdischen Erdgeistes, der die Edelsteine zu Tage gefördert hat.

Wer ist zufriedener, der Besitzer einer Million oder der Mann mit sieben Töchtern? Offenbar der letztere, denn er hat genug, während Jener noch mehr haben mochte.

Wozu das Vermögen da ist.. . Verlassen Sst mich jetzt, Herr Baron sparen Sie Ihre Worte! 3$ wetoe ; überhaupt nie heirathen!"Aber was wollen gnädige : j Fräulein denn mit Ihrem kolossalen Vermögen anfangen? Ein Störenfried. Bureaubeamter zu seinen Eolle^ro iUnser neuer Chef ist ein strenger Patron; der hat uns sch manchen schlaflosen Tag bereitet!"

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