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wärts in« Zimmer hinein. Götz hatte diese Wirkung nicht beabsichtigt, sondern nur im jähen Aerger den rechten Stiefel­absatz hart gegen den Boden gestemmt. Er zog den Stuhl mit einer unverständlich gemurmelten Entschuldigung wieder näher, hielt sich übrigens heute nicht halb so lange auf als sonst und war nicht halb so lustig. Der Oberst erklärte sich verdrießlich sein schnelles Aufbrechen durch die Abwesenheit seiner Fran- Wie hätte er ahnen sollen, was dem kleinen Lieutenant die Stimmung verdorben? Götz hatte nie ein tieferes Jnteresie für Asta durchschimmern laffen. Er hatte geplant, dereinst mit der Erfüllung seiner Hoffnungen alle Welt, selbst seine besten Freunde zu überraschen. Nun waren seine Lustschlöffer in nichts zusammengesunken, denn wen anders konnte der Oberst gemeint haben als Ruler von Steffeck, der Strehlens thrtsächlich ein einziges Mal in der Friedrichstraße eine Visite abgestattet hatte, wie Götz wußte. Auf den Maler konnte er nicht muthmaßen, da Paul und Asta in reger Cor- respondenz gestanden. Er hatte ihn letzthin verschiedene Male in seiner Wohnung wie im Atelier ausgesucht, aber ihn nicht angetroffen. t p . r m.

Viel Zeit zum Nachdenken Über das sonderbare Wesen des Lieutenants fand Strehlen übrigens nicht- ,

Vom Fenster ihres Bouvoirs aus hatte Erna Gütz in den Präsidentenpark einbiegen sehen. Da es sie schon seit gerau­mer Zeit sehnlichst danach verlangte, ihm bezüglich Asta» alle Illusionen zu nehmen und er nicht zu Hans kam und sichi tu Gesellschaften mit schlangenartiger Geschmeidigkeit ihrer An­näherung zu entziehen wußte, schien ihr die Gelegenheit heute äußerst günstig, mit ihm anzubinden. Sie ließ sich eilig von Minna zum Ausgehen rüsten, fing aber dabei an, sich über das schlecht sitzende Stirnhaar zu ärgern. Mmna zog die Löckchen rasch noch über die Brennscheere und kämmte sie nach­her von frischem auf. Bei alledem ging jedoch Zeit verloren und als Erna mit vortrefflich geheuchelter Unbefangenheit bei i Strehlen den Kopf zur Thür hereinsteckte das Anmelden hatte sie sich verbeten, war ihr, der kleine Lieutenant schon wieder entwischt und Strehlen befand sich allein. Daß sie Leonore nicht antreffen würde, wußte sie. Auf der Landstraße rechter Hand am Gitter des Parkes hatte sie einen Herrn stehen sehen und trotz der Entfernung in ihm den Maler er- kannt- Er hatte den Arm auf das trennende Gitter gelehnt | und sinnend den Kopf in die Hand gestützt. Die ihm eigene lässige und doch graziöse Haltung hatte ihr sofort offenbart, wer es sei. Die im Park weilende Person vermochte sie wegen des Buschwerks nicht zu sehen, doch konnte es nur eine Dame fein, sonst hätte sich die Unterhaltung nicht tn bte Länge ge­zogen, und welche andere Dame hätte es denn sein sollen, als

meiner Erkrankung I" ,

Der Sessel mit dem Lieutenant flog ein Stuck nach ruck-

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Bei Ernas Gruß erhaschte der Oberst blitzschnell Astas Brief und versteckte ihn unter die Decke.

Ganz allein, Onkel Strehlen? Mutterseelenallein?^ be­mitleidete sie ihn, um dann mit Entrüstung auszurufen:Nein, es ist unglaublich egoistisch von Ihrer Frau, den Besuchern Audienz an der Landstraße zu ertheilen, während Ihnen hier die Stunden lang werden!"

Götz verließ mich vor kaum fünf Minuten," schlug der Oberst den hämischen Angriff ab,und ich habe ihn zur Unter­haltung mit meiner Frau nach dem Park geschickt.

Ich meine nicht Götz," unterbrach sie ihn,Gott sei Dank bin ich nicht blind und vermag noch Civtl von der Um­form zu unterscheiden. Der Lieutenant hätte sich auch nicht mit halbem Leibe über das Gitter gehängt. Der trägt doch auch kein Spazierstöckchen und kritzelt Figuren in den Sand- Von dem Maler spreche ich! Asta ist weg, nun fehlt ihm ein Zeitvertreib. Er wird wohl den fließenden goldenen Manm haben durchs Gebüsch leuchten sehen. Für eine goldschimmernde i Lockenfluth sind die Leute vom Pinsel zu allen Zeiten sehr I empfänglich gewesen." _ _

| Strehlens Faust ballte sich unter der Decke. Erna kam i ihm unsäglich verächtlich vor, wie ein ekles Reptil, das em > schönes Götterbild begeifern möchte, und doch lieh sein arg ! wöhnisches Herz ihren Worten Gehör. Ein Körnchen Wahr

das heißt, ich laffe mich auf ein paar Mittagsstunden hinaus ! 1 fahren!" '

Habe doch Geduld, Du wirst bald ganz hergestellt fein," sprach ihm Leonore tröstend zu.Der Geheimrath ist nur be- i

sorgt, er will Dich vor einem Rückfall bewahren- Der eine i

Nachmittag hier draußen bei der häßlichen Witterung in den ! ungeheizten Räumen hat Dir den Gelenkrheumatismus gebracht. > Wir wollen lieber aus Vorsicht eine halbe Woche für den Stubenarrest zugeben! Vielleicht macht es Dir Spaß, Astas :

Bries zu lesen? Ich gehe und pflücke Dir unterbeffen einen i

Veilchenstrauß I" , i

Der Oberst nahm bankend den Bries in Empfang. Sehn­süchtig folgte fein Blick der schlanken, jugendschönen Gestalt, die elastischen Schrittes aus dem Zimmer schwebte. In den letzten Wochen war sie magerer geworden, fiel ihm dabei auf. Er fenfzte. Diese letzten Wochen hatten auch ihn verändert- Viel magerer hatte er freilich nicht werden können, weil er nie Fülle besessen; aber er hatte sich mit Schrecken recht gealtert gesunden, als er sich zum ersten Mal, nachdem er das Bett verlassen, längere Zeit int Glase beobachtete. Der Doctor hatte seine Frau auf eine halbe Stunde an die Luft geschickt und da war es ihm eingefallen, sich von Franz einen Hand­spiegel reichen zu laffen. Ob er wohl seine vorherige Frische zurückerlangen würde? Er wollte den Brief lesen und nicht I länger grübeln, gebeffert wurde dadurch doch nichts!

Du handelst recht unfreundlich," las er halblaut,es ist geradezu barbarisch grausam von Dir, mir keinen Brief an Pauline' befördern zu wollen- Du bist ein Kieselherz, Leonie, kannst Du mir denn absolut nichts zu Liebe thun?" Der Oberst legte das Schreiben auf die Decke nieder.Nun soll mich noch Einer glauben machen, sie liebe den Maler nicht! I Das schwärmt in allen Tonarten von ihm. Wenn das keine Liebe ist, ist Feuer Waffer und Wasser Feuer!"

Sein Monolog wurde durch die Meldung des Dieners unterbrochen, Herr von Götz lasse anfragen, ob er sich persön­lich von dem Besserbefinden des Herrn Oberst überzeugen dürfe-

Gewiß, fehr angenehm, ich lasse bitten!"

Götz trat ein. Nach rascher, herzlicher Begrüßung rollte er sich einen Sessel an Strehlens Fahrstuhl heran. Der kleme Lieutenant war in den schlechten Tagen ein lieber, gerngesehener Gast im Hause des Obersten geworden. Er hatte ihm durch seine Gesellschaft über manche böse, langweilige Stunde hinweg« geholfen. , r r

Das ist schön von Ihnen, daß Ste heute schon so früh kommen," freute sich Strehlen.Sie sind wie geschaffen, uns mit Ihrer munteren Laune die quecksilberige Kleine zu ersetzen. Werde gleich Franz schicken, meine Frau im Garten ausfindig zu machen und sie herein zu bitten, damit sie auch von Ihrer Anwesenheit profitirt; sie ist merklich still geworden seit Astas Wbtcifc"

Nein, Herr Oberst," bat Götz,lassen Sie meinetwegen die gnädige Frau nicht vom Spaziergang abrufen! Werde mtr mit Ihrer gütigen Erlaubniß nachher das Vergnügen machen, sie draußen aufzusuchen. Das gnädige Fräulein hat tmeber geschrieben?" erkundigte er sich, auf die äußerste Stuhlkante vorrückend, mit langem Halse.Sie ist hoffentlich bei guter ©efunbgert? ^^hheit und schlechter Laune," gab der Oberst in feiner ehrlichen Weise Auskunft.Möchte gern einen Briefwechsel mit einer Freundin entriren, für welchen sie bei ihren Anverwandten keine Gnade findet. Meine Frau sollte den Parlamentär abgeben, läßt sich aber damit nicht ein.

Götz rückte den Stuhl schief, doch es half ihm nichts. Trotz feiner Luchsaugen vermochte er bte krause Handschrift E AerkehE Sie viel mit dieser Freundin?" forschte er, um mehr zu hören. ~ ., , . .

Gar nicht, Herr von Götz! Dte Freundin hat uns tn der Friedrichstraße einen einzigen Besuch gemacht, kurz vor