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Der Kugelblitz.
Von H. Bredrow.
—— (Nachdruck verboten.)
Es giebt eine ganze Anzahl prächtiger Naturerscheinungen, die den meisten Menschen Zeit ihres Lebens unbekannt und unzugänglich bleiben, sei es well sie höchst selten auftreten, sei es weil Ort und Zeit ihres Erscheinens die Beobachtung erschweren- Wie Wenigen ist in nordischer Winternacht der unvergeßliche Anblick der Aurora borealis, dieser Königin aller terrestrischen Lichterscheinungen zu Theil geworden; wie Wenige haben auf dem wogenden Nebelmeer einer Herbstnacht das bleiche Thor des Mondregenbogens schi umern sehen; wie Vielen sind die Phänomene des St. Elmsfeuers, der Nebensonnen, des Zodiakallichtes, jder Fata Morgana tönende Worte geblieben und nie durch die Pforte des Auges dem innern Sinne geoffenbart worden' Nureinzelne Auserwählte, die der Natur nicht nur in Frühlingswonne und Sommerglanz, sondern auch in allem Sturm und Wetter der trüben Jahreszeiten treu bleiben, werden von ihr mit dem Anblick ihrer geheimsten Schätze belohnt und entzückt. Entzücken mit Schrecken vermischt aber verbreitet sie, wenn sie ihrer Werkstatt eines ihrer seltensten Geschenke entnimmt und dem erstaunten Sterblichen die Erscheinung des Kugelblitzes vor das geblendete Auge zaubert.
Man hat zu Zeiten geglaubt, die Existenz des Kugelblitz's überhaupt bestreiten zu müssen, und noch heutzutage ist die Zahl der etwa seit Mitte des vorigen Jahrhunderts be» obachteten und zuverlässig beschriebenen Fälle eine beschränkte. Unter meinen zahlreichen Bekannten hat ein einziger die Erscheinung selbst beobachtet, und ich bin überzeugt, daß viele Leser in ihrem Umgangskreise vergebliche Umfrage danach halten werden. Es erscheint daher angebracht, zuerst einige Beispiele sür das Auftreten des Kugelblitzes anzuführen.
Einer überaus heftigen elektrischen Entladung unter gleichzeitigem starkem Schneegestöber und wunderbar schönem Elmsfeuer wohnte der russische Topograph Pastuchow am 6. und 7. September 1891 im Kaukasus bei. Er nächtigte an beiden Tagen auf dem Gipfel des fast 4000 m hohen Chalaza. Am zweiten Abende hatte er sich bei einer Temperatur von 0,5° R. mit seinen Begleitern, acht Kosacken, kaum zum Schlafe niedergelegt, als ein Donnerschlag, so furchtbar, daß der Berg buchstäblich erdröhnte, sie wieder erweckte. Unter seinem Filzmantel hervorschauend sah Pastuchow die St. Elmsfeuer wie am vorigen Abend ihre Tänze beginnen, mit jedem Donnerschlage erlöschen und ebenso plötzlich wieder aufleuchten. Plötzlich flimmerte mit schrecklichem Summen etwas an seinen Augen vorüber. Nach einigen Minuten wiederholte sich die Erscheinung, ohne daß er sie aufzufassen vermochte. Er bereitete sich aus die genaue Beobachtung vor und brauchte nicht lange zu warten. Von neuem begann es in derselben Richtung zu summen und aufzuleuchten, und diesmal sah et deutlich eine in 3/< m Entfernung von ihm vorüberfliegende kleine Feuerkugel, etwas größer als eine Walnuß. Sie flog wellenförmig, scheinbar rikochettierckd, und gab ein Summen von sich, ähnlich dem einer Biene, die an ein Glas stößt. Dies wiederholte sich mehrmals, und bisweilen flog die Feuerkugel so nahe an Pastuchows Gesicht vorbei, daß er unwillkürlich die Augen schloß. Die electrische Spannung wurde immer größer; manchmal klapperte bei den Donnerschlägen die ganze Oberfläche des Berges, als ob man von ihr ein Dach aus Eisenblech abrisse. Dann vergingen Minuten, und es ertönte kein Schlag; nur das Summen ward stärker, und ein Erdhügel auf dem Berge zischte buchstäblich wie eine gigantische Theemaschine. Alle Kosacken erwarteten, wie sich nachher herausstellte, etwas Außerordentliches, Schreckliches. Der Schnee fiel stark wie zuvor, der Wind ward stiller; Flammen gab es unzählige. Plötzlich leuchtete eine Kugel auf, dann eine andere, noch eine dritte und schließlich — schneller als Worte beschreiben können, blitzte ein schreckliches Licht auf, erschallte ein betäubender Donner, und es riß den Beobachter an den Füßen, zog
ihn vom Platze fort und warf ihn auf den Rücken. Alle fühlten sich an den Beinen getroffen, Manche so stark, daß sie dieselben abgerissen glaubten; doch war Niemand getödtet. Dieser Schlag bildete das Ende der Erscheinung.
Ganz verschieden von diesem Falle ist die folgende Mittheilung, die Herr Babinet im Jahre 1852 der französischen Akademie der Wissenschaften machte. Nach einem sehr starken Donnerschlage, jedoch nicht unmittelbar darauf, sah ein Hand, werter in einem Hause der Straße Saint-Jacques, von Pro- feffion ein Schneider, einen Kugelblitz in seiner Stube erscheinen, als er nach beendigter Mahlzeit seitwärts am Tische saß. Ein mit Papier beklebter Rahmen, der den Kamin verschloß, fiel plötzlich wie von einem mäßigen Windstoß umgeworfen, und aus dem Kamin kam eine feurige Kugel von der Größe eines Kinderkopfes ganz langsam hervor und wandelte in geringer Höhe über den Ziegelsteinen des Fußbodens langsam dahin. Ihr Aussehen war nach der Aussage des Handwerkers wie das einer Katze von mittlerer Größe, die sich zusammenqekugelt hat und sich sortbewegt, jedoch ohne sich auf ihre Pfoten zu stützen. Die Feuerkugel erschien mehr glänzend und leuchtend als heiß und entzündet; der Beobachter hatte keine Empfindumg von Wärme. Die Kugel näherte sich seinen Füßen wie eine junge Katze, die spielen und sich nach Katzengewohnheit an den Füßen reiben will. Der Schneider zog jedoch die Füße zurück und vermied durch mehrere vorsichtige, aber, wie er sagte, stets langsame, sanfte Bewegungen die Berührung mit dem Meteore. Dieses schien mehrere Minuten (?) neben den Füßen des sitzenden Schneiders, der es vornüber geneigt aufmerksam betrachtete, zu verweilen. Nachdem es noch einige Bewegnngen in verschiedenen Richtungen aurgeführt hatte, ohne die Mitte des Zimmers zu verlassen, erhob es sich vertikal bis zur Kopfhöhe des Schneiders, der sich wieder aufrichtete und auf seinem Stuhle zurückbog. Als die feurige Kugel sich etwa 3 Fuß vom Boden erhoben hatte, verlängerte sie sich etwas und richtete sich schief gegen ein Loch, das etwa 3 Fuß hoch über dem oberen Gesimse der Kamins angebracht war. Dieses Loch diente dazu, das Rohr eines Ofens aufzunehmen, den der Schneider während des Winters gebrauchte. Doch konnte der Blitz, wie jener sich ausdrückte, das Loch nicht sehen, weil es mit Papier verklebt war. Die feurige Kugel ging jedoch gerade auf dieses Loch zu, schälte das Papier ab, ohne es zu verletzen, und stieg in dem Kamin empor. Am Ansgange des Schornsteins, der wenigstens 20 m über dem Boden des Hauses lag, angelangt, brachte sie eine entsetzliche Explosion hervor, die einen Theil vom Ende des Schornsteins zerstörte und die Trümmer in den Hof warf.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
Erkennungszeichen. Neffe (der seinen schwerkranken Onkel besucht hat, zur Wärterin): „Ob er mich noch erkennt?" — Wärterin: „Natürlich; er sah doch gleich nach dem Geld- schrank hinüber!" * ,
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Kurz und bündig. A.: „Nun, was ist aus den zwanzigtausend Mark geworden, die Deine Schwester geerbt hat?" — B.: „Ein Schwager!" * ♦ ♦
Gerechte Abscheu. Ladnerin: „Wünschen Sie vielleicht die Strümpfe fleischfarbig?" — Käufer: „Um Gotteswillen! Ich bin Vegetarianer!" e * ♦
Anderen Grund. „Sehen Sie nur, der Herr Baron ■ hat schon eine gewaltige Platte, er ist doch noch nicht so alt!' = — „Ja, vorn Alter hat er sie anch nicht, er hat sie von der 1 Jugend!" __
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Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


