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Lambrecht, indem er ihr zu dem Tische folgte, und als er ihr )as gewünschte Bild reichte, legte er das Billet daraus. Er ah, wie sie zögerte und im Begriff war, es bei Seite zu werfen.Um Ihrer selbst, um Ihres Gatten willen," flüsterte er ihr zu nnd sie nahm es.

So geschickt Lambrecht es gemacht zu haben glaubte, so satte die Gräfin-Mutter doch leider das kleine Manöver be­obachtet. Ihr erster Gedanke war, aufzustehen und die Aus- jändigung des Billets zu fordern; in der nächsten Minute mußte sie aber über ihre eigene Idee lachen. Es konnte ja rgend eine Notiz, der Titel eines neuen Buches sein wie konnte sie auch nur eine Secunde etwas Unrechtes argwöhnen.

Hätte sie gesehen, wie Marthas Züge sich beim Lesen der wenigen Zeilen mit tiefer Zornesröthe übergoffen, so würde ie dieselbe später gewiß milder beurtheilt haben. Nein und ausendmal nein! Nimmermehr würde sie diesem Fremden, der hr noch vor vier kurzen Wochen unbekannt gewesen, eine Unterredung unter vier Augen gewähren. Wozu auch? Wenn er etwas über ihre Eltern wußte, so mochte er es ihrem Gatten mittheilen; dann wäre endlich der Bann gelöst war ihr wch schon seit einiger Zeit, wie wenn ein flammendes Schwert drohend über ihrem Haupte hing.

Verächtlich riß sie das Billet in kleine Stücke und streute es in alle Winde.

An dem Abend saß Lambrecht lange, lange in dem Lese­zimmer, aber er wartete vergebens auf Martha.

Ich muß sie sprechen," dachte er,sie kann mich ver- rathen wie wahnsinnig habe ich gehandelt! Sie muß er­fahren, wer ich bin."

Das war leichter gesagt als gethan; denn am folgenden Tage ging die junge Gräfin ihm sorgfältig aus dem Wege. Noch war sie nicht entschloffen, was sie thun sollte; sie hätte ihrem Gatten so gern davon gesagt und doch wagte sie es nicht. Da schrieb Lambrecht ihr ein zweites Billet; aber auch diesmal war das Glück ihm nicht günstig; stunden« und stundenlang suchte er vergebens, es der Gräfin zuzustecken. Endlich begegnete er auf der breiten Treppe derselben mit ihrer Schwiegermutter. Während er mit ein paar scherzenden Worten dicht an ihnen vorüberstreifte, schob er der jungen Gräfin das Briefchen in dis Hand, unbemerkt, wie er meinte, aber in Wirklichkeit war es dem scharfen Blick der Gräfin so wenig entgangen, wie das erste Mal.

Sie sagte kein Wort darüber, war aber fest entschlossen, bald zu ergründen, was diese geheime Correspondenz eigentlich zu bedeuten habe.

Als die junge Gräfin dies zweite Billet las, war sie fast der Verzweiflung nahe. Was konnte er nur von ihren Eltern wissen, dieser Fremde, bett sie fürchtete? Warum nur mochte er sie um ihrer tobten Mutter willen bitten? Was half es? Sie mußte gehen.

Dem wachsamen Auge bet Gräfin-Mutter entging es nicht, baß ein neuer Schatten Marthas schöne Züge trübte, daß sie traurig mK unruhig war.

Curt hatte an bem Tage einen weiten Ritt gemacht, er war müde und zog sich frühzeitig zurück. Noch ein paar Minuten verweilte er neben seiner Gattin und beobachtete ihre zarten, schlanken Finger, die sich eifrig mit einer feinen Hand- arbeit beschäftigten. Das Schicksal wollte, daß ihm das Arm­band auffiel, das ihren rechten Arm umschloß: ein breites, goldenes Band, reich mit Perlen verziert, das er ihr kurz nach der Hochzeit geschenkt hatte.

Dieses Armband ist wirklich das schönste, das Du besitzt, Martha," bemerkte er,meinst Du nicht auch, Mutter?"

Diese trat hinzu und betrachtete das Band.

Ja, es ist sehr schön," entgegnete sie in kühlem Tone- Sie vermochte nicht eher wieder freundlich gegen die Gattin ihres Sohnes zu fein, bis sie wußte, was diese veranlaßte, von einem ihr fast Fremden Billete entgegenzunehmen.

(Fortsetzung folgt.)

laben und doch nicht daranfassen zu dürfen, brachte ihn halb von Sinnen.

Mein eigenes, einziges Kind!" Diese Worte hallten immer und immer in seinem Innern wieder. Er hatte allen Hinder- niffen getrotzt und sie besiegt, eins aber hatte sich ihm unbemerkt genähert und das war die Liebe zu der schönen, edlen Dame, seiner eigenen Tochter. Er beschloß, zu fliehen und so bald nicht wieder in diese Gegend zu kommen; aber der junge Gras wollte nichts von einem so baldigen Abschied hören und schließ­lich gab Lambrecht seinen Bitten nach und versprach, noch einige Tage zu verweilen.

Die Natur verlangte ihr Recht; er fing an, Liebe für Martha zu empfinden; es gab Zeiten, wo der falsche, treulose Mann sich nach einem Wort von den Lippen seiner Tochter sehnte, wo es ihn darnach verlangte, sie, in seine Arme zu schließen und ihr zu sagen, daß sie sein, sein eigen Kind sei. Er hätte sich selbst um dieser Regung willen hassen können! Sollte er einer momentanen Schwäche halber des guten Rufes, den er sich so mühsam erworben hatte, wieder verlustig werden? Nein, nein, das durfte nicht fein!

An demselben Tage geschah es, daß er mit Gräfin Martha und Melanie von Selten eine Promenade durch den Park machte und sich beim Blumenschneiden eine tiefe Schnittwunde beibrachte, daß es heftig blutete und Melanie in das Haus eilte, um etwas englisches Pflaster zu holen.

Lambrecht aber gehörte zu den Menschen, die kein Blut sehen können, und blaß und matt lehnte er gegen das Eisen­gitter.

Ich will Ihnen den Finger einstweilen mit dem Taschen­tuch verbinden," sagte Martha mit einem theilnehmenden Blick auf sein Gesicht.

Sie nahm seine Hand in die ihrige, und indem sie sich herabbeugte, um den Finger zu verbinden, streifte ihn ihr gol­denes Haar diese Berührung durchzuckte ihn wie ein elec- trischer Schlag; ihre warmen, weichen Finger hielten die seinen so sanft, ihr schönes Gesicht mit dem mitleidigen Ausdruck war so reizend und sie war ja sein, sein Kind! Und für einen Moment vergaß er alle Gefahr, dachte er an nichts in der Welt, als daß sie Die wäre, die er als kleines Kind in den Armen gehalten hatte; er beugte sich über sie und preßte einen Kuß auf das goldene Haar. Dann aber, als er sah, was er gethan hatte, stockte ihm plötzlich der Äthern.

Die junge Gräfin prallte zurück, eine dunkle, flammende Röthe übergoß ihr Gesicht, aus ihren Augen schoß tiefste Ent- rüstung. Sie war eben im Begriff, einen heftigen Ausruf zu thun, als er ihr mit tiefer Trauer im Antlitz zuvorkam.

Still, Gräfin!" sagte er.Wenn Ihr eigenes Glück Ihnen lieb ist, so schweigen Sie still. Ich - ich kannte einst Ihre Mutter und Sie sehen ihr so ähnlich."

Ehe Martha Zeit blieb, etwas zu erwidern, war Melanie zurückgekehrt und voll Erstaunen bemerkte sie den seltsamen Ausdruck auf dem schönen Gesicht, aber sie sagte nichts.

Lambrecht wünschte sehnlichst, er wäre seiner Absicht ge­folgt und abgereist; jetzt blieb ihm nur noch ein Ausweg, er muhte dis junge Gräfin sehen, ihr Alles sagen und es ihr an­heimstellen, sein Geheimniß zu bewahren. Und er schrieb ihr folgendes Billet:Ich bitte Sie, über das heute Geschehene tiefes Schweigen zu beobachten, bis ich Sie gesprochen habe. Ich werde Ihnen Alles erklären. Die Ehre einer Familie ja, mein Leben hängt von Ihrem Stillschweigen ab. Wollen Sie mir eine Unterredung gewähren? Ich kannte Ihre Eltern und habe Ihnen viel zu sagen. Wollen Sie mich heute Abend nach dem Thee int Lesezimmer treffen? Ich werde Sie nicht lange zurückhalten." , M

Leider fand er nicht so bald Gelegenheit, thr das Brief­chen zukommen zu taffen; doch endlich glaubte er den geeigneten Moment dazu gekommen.

Es war von einer Photographie die Rede und Martha trat an einen großen runden Tisch, aus dem eine Menge Bücher und Bilder lagen, um die besprochene Photographie herbeizu­holen.

Erlauben Sie, daß ich Ihnen suchen helfe," sagte Herr