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Das werde ich sogleich besorgen, Herr Commiffar, und Ihnen Bericht abstatten. Ich dürfte dann doch sofort ab­reisen?"

Ja, haben Sie Reisegeld? Rehmen Sie lieber eine Summe für Extra-Ausgaben."

Er öffnete seinen Schreibtisch und überreichte ihm einige Banknoten, welche Wolfiu« unbesehen in seine Brieftasche legte.

Sind Sie über Ihre Reiseroute schon im Klaren?" fuhr der Commiffar fort.

Dann hätte ich den Musje schon beim Kragen," versetzte der Detectiv achselzuckend.Sie kennen mich, Herr Commiffar, und wisien, daß ich nicht unnöthig Geld ausgebe, hier aber"

Schon gut, lieber Wolfius, Sie haben mein ganzes Ver­trauen, unterrichten Sie mich von Zeit zu Zeit über Ihren Aufenthalt, es könnte sich hier etwas ereignen, was Ihre Weiterreise unnöthig machen würde."

Soll prompt geschehen, Herr Commiffar!"

Wolfius ging. Er sah sehr finster aus, als er die Straße wieder betrat und murmelte eine Verwünschung in den Bart,

welche den Polier Schulze betraf, der soeben vergnügt pfeifend um eine Ecke bog.

Sieh' da, Schulze, wenn man den Wolf nennt, kommt er gerennt. Komm', alter Freund, haben uns lange nicht ge­sehen, wollen ein Gläschen mit einander trinken."

Ra, bett Wolf könntest Du schon eher vorstellen, mein Junge," meinte der Polier, ihn verschmitzt anblinzelnd,hast denn wirklich an mich gedacht?"

Versteht sich, bist doch bei dem Attentat im Gebirge ein Hauptheld gewesen."

Ein schöner Held, der mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Habt Ihr denn noch immer keine Ahnung von dem Attentäter?"

Still," gebot der Detectiv mit einer so herrischen Ge­berde, daß Schulze erschreckt zurückfuhr.Du bist ein unver- befferlicher Schwätzer, aber Gnade Dir Gott, wenn Du jemals von mir sprichst."

Bist ja ein wahrer Wärwolf," grollte der Polier,will mein Bier lieber allein trinken. Bin ein ehrlicher Kerl, dem die Polizei nichts anhaben kann. Gott befohlen, Herr Wolfius I"

Dummes Zeug, komm' mit, ich bin heut' verdammt schlechter Laune und muß mich ein halbes Stündchen unter­halten. Ra, altes Haus, nimm's nicht übel."

Wolfius hatte bei diesen Worten seinen Arm ergriffen und ihn halb gewaltsam fortgezogen.

Laß' man, ich geh' schon freiwillig, hält' bald wieder ein Verbrechen geschwatzt. Sage lieber gar nichts mehr in Deiner hohen Gegenwart."

Sie gingen schweigend durch die Straße. Wolfius ärgerte sich, einen Fehler begangen und den Freund sozusagen mund- todt gemacht zu haben. Er dachte darüber nach, ihn wieder vollständig zu versöhnen.

Herr Marbach wird wohl darauf gehen," begann er nach einer Weile,thut mir leid um den armen jungen Mann."

Polier Schulze stieß einen grunzenden Ton aus.

Wir können auch einmal hier beim Robbing einkehren," setzte Wolfius hinzu,eine Flasche Wein mit einem kleinen Imbiß wirst Du nicht verschmähen, Alter, und da ich in einer Stunde abreise"

Ach, Du willst reifen? Ra, denn man zu," sagte Schulze, seinen Groll bei der Aussicht auf den Wein vergeffend, wenn ich man fein genug für Robbing bin"

Unsinn, nur immer rein in's Vergnügen," rief der De­tectiv,wir haben Moses und die Propheten in der Tasche, das genügt."

Robbing war ein respektabler Weinkeller für Kaufleute, Studenten und den sonstigen wohlsttuirten Mittelstand, wohin der Polier Schulze seinen Fuß nicht zu setzen gewagt hätte. So aber folgte er, wenn auch ziemlich schüchtern, seinem Freunde, deffen sicheres Auftreten er int Stillen bewunderte. Dieser führte ihn in ein kleines Separat-Cabinet und ließ so nobel auftischen, daß Schulze ganz gerührt wurde und ihm wieder­holt die Hand drückte. Er stieß mit ihm an und wurde wieder

gesprächig, worauf er sofort von seinem Lieblingsthema, dem Attentat, erzählte.

War denn Herr Steindorf nicht auch dabei?" fragte Wolfius.Ich meine doch, feinen Namen dabei gehört zu haben."

I bewahre, der war nicht zugegen, den hatte ich am Pfingstmorgen früh, so um viere, schon dort oben getroffen und den beiden Herren davon erzählt."

Siehst Du, mein Junge, so entstehen Gerüchte aus halben Worten und Steuerungen," sagte Wolfius, lächelnd sein Glas erhebend.Man erzählte mir, daß jener Steindorf ebenfalls von der Exploston getroffen und am Kinn verwundet worden sei. Auf Dein Wohl!" setzte er hinzu, ihm sein Glas ent­gegenhaltend.

Schulze stieß kräftig mit ihm an und leerte das feine mit einem verklärten Gesicht. Dann nickte er dem Freunde ver­gnügt zu-

Das ist spaßhaft, weißt Du, diese Wunde am Kinn ist richtig, aber man blos ein Bischen alt, weil« schon lange eine Narbe geworden ist."

Ach, was Du sagst, woher weißt denn Du das, alter Schwede?"

Schulze erzählte ziemlich umständlich, woher er diese Wissen­schaft habe, und lachte dann unbändig darüber.

Na, es kann dem Herrn am Ende nicht ganz lieb sein, in diese Geschichte mit hineingezogen zu werden," bemerkte Wolfius nach einer Welle,könnte die Sache auch verdunkeln. Sprich lieber nicht weiter darüber, Schulze, mit dem Steindorf soll nicht zu spassen fein."

O, ich will mich hüten, mein Junge, weiß wohl, daß mit solchen Herren nicht gut Kirschen essen ist."

Zumal er nächstens die Herrin von Ebenheim heirathen und bei Marbachs Tode voraussichtlich auch wieder in den Besitz von Rotenhof kommen wird. Es wäre unklug, einen solchen Mann zu beleidigen."

Gewiß, gewiß, will mir nicht den Mund damit ver­brennen."

Wolfius sah nach seiner Uhr.Es wird leider Zeit für mich, muß noch erst nach Hause und dann im Sturmschritt nach dem Bahnhofe."

Er winkte dem Kellner, zahlte und verließ mit dem ani- wirten Polier das Local, um sich auf der Straße sofort mit einem Händedruck von ihm zu trennen.

Unterwegs traf er den ihm bekannten Landbriefträger.

Sie wissen wohl nicht, Herr Wolfius, ob Herr Marbach schon wieder in Rotenhof ist?"

Nein, mein Lieber, der liegt noch todtkrank oben im Försterhause."

Aber Herr Reinhardt, Sie wissen wohl, der Maler?" Der ist wieder in seiner Wohnung hier in der Stadt." Daß Dich, nun haben sie mir die Briefe für ihn richtig wieder mitgegeben," knurrte der alte Briefträger,es ist doch die Möglichkeit! Muß auch ein Packet für ihn mitschleppen. Will man lieber gleich nach der Post zurück."

Wollen Sie's mir anvertrauen? Ich muß gleich nach dem Bahnhofe und komme am Hause des Malers vorbei."

Der Briefträger griff in seine Umhängetasche und zog ein Päckchen zusammengebundener Briefe hervor.

Nee, das ist für Ebenheim," brummte er, nachdenklich vor sich hin blickend,will doch lieber selbst zu Herrn Rein- Hardt gehen," setzte er dann seufzend hinzu,es iS mir frei­lich aus der Kehr, aber doch immer noch näher als nach der Post. Nehmen Sie's nicht übel, Herr Wolfius, es könnt' mir eine Nase und das eine gehörige einbringen."

Haben ganz recht," sagte Wolfius beistimmend,die Pfltchi geht über Alles, mein lieber Herr Fischer!" .

Er schritt eiligst weiter, während auch der Brresträger seinen Weg rasch fortsetzte. Das Gesicht des Detectivs hatte sich merkwürdig erhellt. Er war ein findiger Kopf, aber auch seine Augen waren sehr scharf und findig, und diese hatten mit einem Blick eine sehr wichtige Entdeckung gemacht.

(Fortsetzung folgt.)