Nntevhaltrrngsblatt jum Gieszenev Anzeige (Geneval-Anzeig-vj
1893,
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Dienstag, den 10. Oktober.
KeröstKkänge.
(Ein Lebensbild.)
Hoch am Himmel jagen Wetter, Dämmerung zieht durch Wald und Flur, In den Bäumen rascheln Blätter, Kalt und starr liegt die Natur!
Und die Abendsonnen sinken, Spiegeln sich im Weltenmeer; Ihre letzten Strahlen winken Uns so bang und sorgenschwer.
Abgeblüht und längst erblichen Ist des Leben« gold'ner Mai, All' die Freuden sind gewichen, Alles, Alles ist vorbei!
Alles ist dahingeschwunden Wie ein märchenhafter Traum, All' der Jugend frohe Stunden Sind dahin, — wir ahnen's kaum!
Wo sind all' die frohen Lieder, Die einst deine Welt beglückt? Wo die Liebe, treu und bieder, Oft von dir an's Herz gedrückt? Ach! die Saiten sind zersprungen, Und die Klänge sind verhallt, Und die Brust, die einst gesungen, Ist verstummt, — ist tobt und kalt.
Wo sind all' die schönen Sterne, Die in Hoffnung dir gelacht?
Und aus ungetrübter Ferne Dich so glücklich einst gemacht? Längst schon ist in Nacht versunken Deiner Träume süßes Bild, Das dich einst so wonnetrunken, Einst mit Seligkeit erfüllt!
Daß das Glück so schnell vergangen, Alle Lust so rasch entflieht, Und die Rosen auf den Wangen Oft so flüchtig abgeblüht!
Daß der Jugend heit're Bilder Unaufhaltsam untergeh'«, Und das Schicksal wild und wilder Braust heran mit Sturmesweh'n!
Daß so oft im Morgenrothe Schon des Friedens Stern erlischt, Und des Unglücks dunkler Bote Tückisch seine Gifte mischt;
Daß das ganze Menschenleben Dornen ost statt Rosen streut, All' das Ringen, all' das Streben Selten nur mit Glück erfreut! —
Stiller wird's im Lebensgange, Träume durch die Seele zieh'«, Und das Herz schlägt schwer und bange, ™ Still die Abendsonnen glüh'n!--
Und der dunkle Herrscher senket Manches Leben in das Grab; Seine Hand, die Alles lenket, Knickt so manche Blüthe ab!
Und so wechseln die Gestalten, Endlos drängt sich Bild an Bild; Alles beugt sich den Gewalten, Die kein Sterblicher enthüllt! Ja, in ew'ge Nacht gewoben Bleibt das große Weltgeschick; In den Plan der Götter droben Dringt-kein Mensch, kein Geistesblick!
_____ Th. Look
Dunkle Mächte.
Novelle von B. Corony.
(Fortsetzung.)
Frau v. Waldau stand lange regungslos da. Ein furchtbarer Sturm erhob sich in ihrem Innern. War sie ungerecht gewesen? Konnten die Dinge anders liegen, als wie sie sich fast unzweifelhaft darstellten?---
„Nein, nein, nein!" mußte sie rufen. „Ich handelte recht! Ich durfte nicht schwach werden! Um meines Kindes willen durfte ich es nicht. „Besser ein kurzer Schmerz, als eine lange Reue!" so sagte Frank, und ich muß ihm beipflichten."


