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er die Hände vor sich. Galt diese Bewegung Malte oder Erich, der auf der Schwelle stand? Niemand hat es je erfahren, denn er fiel mit einem Schrei zurück auf das Bett. Todesschweiß bedeckte das zuckende Gesicht, und die Lider sanken über die gebrochenen Augen. Ob er es noch bemerkte, daß Erich am Lager niedersank, ob er die flehende Stimme hörte: „Vater, ich bin unschuldig, segne mich!" Es war, als ob die Finger, welche Erich gefaßt hatte, sich leise um die seinen schlöffen, aber kein Wort fand mehr den Weg zu dem Herzen des Sohnes. Laute Athemzüge tönten schnell und gepreßt durch die Stille des Zimmers. Dann wurden sie langsamer und leiser, Erich fühlte ein leichtes, mehrmaliges Zucken der schweren Hand, gegen die er seine Lippen gepreßt hatte „Er hat vollendet," sagte der Pastor, indem er das Zeichen des Kreuzes über der bleichen Stirn machte. Erich erhob sich langsam; das Antlitz des Vaters lag vor ihm in den Kiffen, von der Ruhe des Todes übergossen und mit dem Frieden der Ewigkeit in den Zügen (Fortsetzung folgt.)
Die Kochzeitsreise.
Die Braut hatte sich nur schwer den Armen ihrer Angehörigen entrungen und nahm im Wagen Platz. An ihrer Seite war nur noch ein knapper Raum für den Bräutigam, denn überall hatte man Gepäck in den verschiedensten Formen aufgestapelt. Der Kutscher gab das Signal zur Abfahrt, als ihm plötzlich ein „Halt!" entgegenschallte. Athemlos keuchte die Mutter herbei, gerade im letzten Augenblicke waren ihr diverse Gegenstände in den Sinn gekommen, die man daheim vergessen und die ihr unentbehrlich für das Wohl ihrer Tochter erschienen. Stück um Stück wurde hinaufgereicht. Endlich hieb der Kutscher in die Pferde und, Dank der größten Eile, gelangte« die Neuvermählten kaum eine halbe Stunde — nach« dem der Zug abgegangen war, auf den Bahnhof. Der nächste Zug ging erst mehrere Stunden später. Der Portier, welcher die Situation rasch erfaßt hatte, gab den Reisenden den guten Rath, statt in Wien, im Gedränge und der Unruhe des Bahnhofes zu warten, mit dem Localzuge in eine der nächsten Stationen zu fahren, und dann von dort die Reise anzutreten.
In kurzer Zett fanden sich die Neuvermählten im Grünen. Eine unbändige Wanderlust war in ihnen rege geworden- Arm in Arm ging's hinunter in's Dorf, dessen Dächer neugierig unter den Bäumen hervorlugten. Der Fußpfad, der herabführte, war so schmal und enge, daß man sich fest aneinander« schmiegen mußte, um durchzukommen; es war eine Straße, so recht dazu angelegt, daß junge Gatten auf ihr den ersten ge« meinschaftlichen Weg antreten.
Die junge Frau war sicherlich keine gute Wirthin, denn sie hatte in leichtfertiger Weise all' die Mundvorräthe vergessen, die auf dem Bahnhofe beim Gepäcke lagerten. Und hier forderte sie den Gatten auf, noch in dieser Stunde seine Pflicht als Ernährer zu erfüllen, ihr in dem Häuschen dort mit den kleinen, spiegelblanken Fenstern eine Erfrischung zu besorgen. Gleich beim Eingänge standen Tische und Bänke. Die Bäuerin brachte Butter, Brot und Milch; das kleine Bübchen, das an ihrer Schürze hing, guckte neugierig nach den Gästen. Das war eigentlich das richtige Hochzeitsmahl für die Neuvermählten. Rings im Grase sprossen liebliche Blumen, und Schwarzblattel oben im Baume mußte unbedingt eine Hochzeitseinladung erhalten haben, denn es schmetterte unermüdlich jubelnde Glückwünsche hinab auf die Beiden.
Die Schatten des Abend! sanken herab. Der junge Gatte flüsterte eine Weile mit der Bäuerin, dann wurde die junge Frau der Berathung zugezogen, und man beschloß einstimmig, bis zum nächsten Tage hier zu verbleiben.
Wie lächerlich war es, daß die Hausfrau gar so viele Entschuldigungen wegen der Aermlichkeit des Stübchens vor
brachte, das sie den Gästen einräumte. Die Treppe war unbequem, doch die junge Frau hatte ja heute eine starke Männerhand als Stütze gewonnen. Wo in aller Welt gäbe es aber für junges Glück einen lauschigeren Aufenthalt, als hier beim Rauschen des Bächleins, hier beim Raunen des Lindenbaumes.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als die Gatten, enge umschlungen, in's Freie gingen. Heute von hier fortzuziehen, das wäre doch unmöglich! Morgen, ja morgen, in Gottes Namen, da wollen wir die Hochzeitsreise nach Paris antreten. Aber die Frist für die Abreise wurde immer weiter hinausgeschoben. Die Bäuerin trug viel Schuld daran. An jedem jungen Tage wußte sie von anderen reizenden Ausflügen zu sprechen, von einsamen Stellen, die nicht aufzusuchen eine Sünde wäre. Nie aber fand die Verführung so willige Opfer, als hier bei diesem Menschenpaare im selbstgeschaffenen Paradiese.
Das Datum eines Zeitungsblattes, das sich mit großer Verspätung hierher verirrt, brachte die höchst unwillkommene Nachricht, daß die für die Hochzeitsreise bestimmten vier Wochen vorüber seien, daß der Märchentraum vorüber, und es nun heiße, aus der seligen Betäubung zu erwachen und offenen Auges in die rauhe Wirklichkeit einzutreten.
Eine Depesche, von der Station abgesendet, brachte die Eltern zum Empfange auf den Bahnhof. Der Willkommgruß bestand in einer Fluth von Vorwürfen. Die ganze Zeit hindurch keine Zeile zu senden, das war entschieden böse und herzlos! Der verständige Vater trat vermittelnd auf. Er war ja selbst in Paris gewesen und wußte die richtige Entschuldigung. Wo so viel zu sehen, zu hören ist, vergißt man der Correspondenz Und, so schloß Papa, unser Kind wird uns nun mündlich erzählen, was es gesehen.
Die junge Frau schüttelte erröthend das Köpfchen: „Ach nein, Reisebeschreibungen giebt es aller Art, aber eine echte, rechte Hochzeitsfahrt vermag man nicht zu schildern. Ihr werdet es kaum glauben, doch mir ist von unserer Reise nichts im Sinne geblieben, als ein Lindenbaum und ein lustiger Singvogel."
Vermischtes.
Ein Trost. Tochter: „Niemals wirst Du mich zwingen, diesen Menschen zu heirathen, der brennend rothe Haare hat " — Vater (beschwichtigend): „Ich gebe zu, mein Kind, daß er lebhaft blonde Haare hat, allein Du mußt doch auch bemerkt haben, daß er auf dem Punkte steht, dieselben zu verlieren."
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Aus eigener Erfahrung. Professor: „Können Sie mir aus der Klasse der Kaltblütler noch eine andere Gattung nennen, welche eine solche staunenswerthe Vermehrungsfähigkeit besitzt?" — Candidat: „Die Gläubiger!"
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Die reizende Frau. Richter: „Herr Grimmig, Sie haben sich wegen thatfächlicher Mißhandlung Ihrer Frau zu verantworten!" — Grimmig: „Es ist eben ein Unglück, daß ich eine so reizende Frau habe." — Richter: „Nun deswegen werden Sie sie doch nicht geschlagen haben?" — Grimmig: „Jawohl, gerade deshalb; denn wissen Sie, Herr Amtsrichter, sie reizt mich immer so lange, bis ich Sie haue."
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Ein Zeitkind. Pepi (der soeben bestraft wurde): „Das ist keine Kunst, wenn ein so großer Vater so'n kleinen Buben schlägt."
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Aufrichtige Reue. „Herr Richter, ich bedauere von Herzen, daß ich mich verleiten ließ, die Uhr zu stehlen." — „Es freut mich, daß ein so alter Verbrecher noch Reue empfindet. Durch was wurden Sie verleitet?" — „Durch die Kette, die an der Uhr hing. Ich glaubte, sie sei von Gold, aber sie war nur von Messing."
Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


