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Aber wie ein Schrei des Entsetzens drang es doch durch alle deutschen Gaue, als die Wiener Zahlen bekannt wurden, die ein großes Elend darlegten.

In einem Aufrufe, welchen der damalige Bürgermeister der Stadt Wien, Dr. Uhi, in den Wiener Blättern erließ, hieß es, daß von den 90,000 Schulkindern mehr als 2500 der genügenden Nahrung entbehren und wegen der Armuth ihrer Eltern oft nur mit trockenem Brode ihren Hunger stillen können. Die Zeitungen brachten damals es sind jetzt etwa fünf Jahre her aus den Berichten der Schulleiter selbst folgende Einzelheiten: 119 Schulkinder erhielten überhaupt kein Mittags« mahl, 324 erhielten öfter kein Mittagsmahl, 585 hatten im Allgemeinen Nahrungsmangel, 266 hatten Mittags nur ein Stück Brod, 184 hatten kein warmes Mittagsmahl und 900 hatten Mittags blos Brod und Kaffee oder Gemüse.

Die Privat-Mildthätigkeit Wiens nahm sich dieses Noth- standes in energischer Weise an und ein HülfSverein wurde gebildet. DieserCentralverein zur Beköstigung armer Schul­kinder" beschloß, in jenen Wiener Bezirken, in welchen durch die bestehenden Volksküchen die Ausspeisung armer Schulkinder stattfinden könne, drei Mal wöchentlich Fleisch, Gemüse, Brod, ein Mal Milch oder Mehlspeise und Brod an die Kinder zu verabreichen. Was seine segensreiche Thätigkeit betrifft, so wurden im Jahre 1887/88: 2600, 1888/89: 2881, 1889/90: 2869 und 1890/91: 2926 arme Schulkinder auf Vereinskosten verpflegt. Die Kosten pro Jahr betrugen etwa 25,000 fl. Daß die vorhandenen Mittel leider nicht ausreichten, um eine Beköstigung aller bedürftigen Kinder vorzunehmen, darf nicht verschwiegen werden. Man schätzte die Zahl der im Winter mehr oder weniger nothleidenden Wiener Kinder auf mehr als 10,000.

Angesichts dieser Thatsache wird die Bitte gerechtfertigt sein, daß ein Jeder nach seinen Kräften, wie zum Fonds für die Feriencolonien, auch zu dem Fonds für die Ernährung hungernder Schulkinder beisteuern möge- Des Wetteren muß der Wunsch ausgesprochen werden, daß in jeder Commune Er­hebungen angestellt werden, ob und in welchem Umfange ein Nothstand unter den Schulkindern herrsche. Es dürften da vielfach bis jetzt verborgene Uebelstände zu Tage treten, deren Beseitigung im allgemeinen Interesse zu fordern ist. Denn nicht blos das Menschlichkeitsgefühl, sondern auch das öffent­liche Interesse ist an der Lösung der Frage betheiligt. Ein hungerndes, kraftloses Schulkind hat keinen Nutzen von dem Unterricht, und man kann das drastische, aber nur zu wahre Wort aussprechen, daß das Geld für Schulen hinaus­geworfen ist, wenn die Schulkinder hungern-

Ob aus communalen oder privaten Mitteln die Hülfe ge­leistet wird, ist für die ganze Frage ohne Belang. Daß eine gänzliche oder theilweife Bereitstellung öffentlicher Mittel für diesen Zweck gerechtfertigt ist, beweist obiger Satz: gegenüber dm viel höheren Kosten für die Erhaltung der Schule selbst können die verhältnißmäßig geringfügigen Summen für das Mittagessen der hungernden Kinder nicht das Gleichgewicht des communalen Budgets stören. Aber es empfiehlt sich jedenfalls, auch die Privatwohlthätigkeit zu einer Betheiligung auf diesem Gebiete zu veranlassen.

Ein Mißbrauch und eine demoralisirende Wirkung auf die Kinder ist ausgeschlossen, wenn das bei Besprechung der Lon­doner Verhältnisse erwähnte Grundprincip festgehalten wird, daß eine geringfügige Bezahlung überall da gefordert wird, wo die Verhältnisse der Eltern es gestatten- Diese Wohlthat, zu einem geringeren als dem Selbstkostenpreise ein gutes Essen zu erhalten, müßte jedem Kinde offen stehen, da hier stets das Gedeihen des Kindes in erster Linie, die Gefahr, daß sorglose oder habgierige, aber nicht bedürftige Eltern von dieser Ein­richtung Gebrauch machen könnten, in zweiter Linie stehen muß. Durch Vertheilung von Freitischen in umfassendster und liberal« ftr Weise, aber doch auf Grund vorhandener Bedürftigkeit wäre dann den wirklich Armen zu helfen. Nur auf dieser Grundlage wird man eine dauernde, segensreich wirkende

Institution schaffen können, deren socialistischer Beigeschmack wohl keinen Menschenfreund abschrecken dürfte. Bei vorüber­gehender Unterstützung, etwa zur Winterszeit, wäre sreilich das allgemeine Wohlthätigkeitsprincip, den Bedürftigen nach Maß­gabe der Mittel zu geben, angebrachter. Denn einer solchen zeitweiligen Unterstützung werden, selbst wenn sie in orgamsir« ten Formen auftritt, nur selten so ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, daß Hülfe in weitgehendstem Maße gewährt werden kann.

Welchen Modus man aber auch vorziehen mag: die stän­dige Einrichtung der Gewährung von Mahlzeiten an arme Schulkinder oder die zeitweilige Sättigung hungernder Schulkinder das Gefühl der Theilnahme für die unglück­lichen Geschöpfe, die in zartem Alter des Lebens Pein schon so schwer empfinden müssen, wird das treibende Moment der Hülfeleistung jsein. Welch' ein schneidender Hohn aus unsere Cultur und Gesittung liegt in den zwei Worten:Hungernde Schulkinder!" Auf der einen Seite der Zwang, die Schule zu besuchen, auf der anderen die Ohnmacht, dem Körper ge­nügende Nahrung zu bieten- Moralische und physische Ver­kommenheit, Verbrechen und Krankheit sind die Folgen solchen Elends. Jeder Versuch, demselben zu steuern, ist ein Schritt vorwärts zur Herbeiführung vernünftiger socialer Verhältnisse.

Vermischtes.

Die Hasenfalle.Ihr seid beschuldigt, auf Eurem Felde einen Hasen todtgeschlagen zu haben!"Nee, Herr Amtmann, nee, des hab' ich nit gethan."Na, das ist ja nicht so schlimm mit so einem Hasen; 's wird halt ein kleiner Hase gewesen sein, so wie 'ne Katze etwa?"Nee, Herr Amtmann, nee, ich bin unschuldig."Oder noch kleiner wie 'ne kleine Katze oder wie 'ne große Ratte?"Nee, Herr Amtmann!"Du mein Gott, es liegt so wenig an so einem kleinen Biest; 's wird halt ein ganz, ganz kleines Häschen gewesen sein, so wie 'ne Maus oder gar nur 'n Mäuschen, na, Flachsbauer, wie 'n ganz, ganz kleines Mäuschen?"Nun ja, Herr Amtmann, so groß war'«, aber größer nit!"So, na dann müßt Ihr halt zwanzig Mark Strafe zahlen. Hase bleibt Hase."

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Spottvogel. Mann (zu einem Knaben):Was macht Dein Vater, Fritzel?" Fritz:Er hat's Reißen in den Beenen" Mann:Was, und das sagst Du so freudig?" Fritz:Weil er mich nicht mehr drüber legen kann."

* »

Der passendste Hut. Geck:Ich möchte äh einen Hut kaufen, aber äh, äh einen, der für meinen Kopf paßt!" Huthändler:Fritz, geben Sie 'mal einen Strohhut 'runter!"

* t *

Ach so! Vater (erfreut):Drei Liter Petroleum hat mein Sohn vergangenen Monat verbraucht, das hätte ich gär nicht erwartet!" Wirthin:Na, das können Sie sich ja leicht ausrechnen, anderthalb Liter faßt die Lampe und zwei­mal hat er sie Rachts heruntergeschmissen!"

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Feine Kritik. A-:Wie finden Sie die Reden unseres neuen Vorstehers?" - B.:Der Redner hat leider drei Fehler: Erstens liest er seine Reden vor, zweitens liest er sie schlecht vor und drittens sind sie gar nicht werth, vorgelesen zu werden."

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Geschäftsgeheimnis Lehrer:Nun, Hans, weißt Du noch ein Thier, das auf der Weide ernährt wird?" - Hans schweigt.Nun, wovon macht Dein Vater Wurst?" Hans:Das darf ich nicht sagen, sonst haut er mich!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.

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