ausspreche, wie jedes ändere, denn ich habe einst selbst seins Bitterkeit durchgekostet bis zur Hefe und weiß, daß man auch mit gebrochenem Herzen weiter leben muß, weiter leben der Pflicht und der Ehre."
Trotz all' seines eigenen Schmerzes blickte Doctor Fels voll tiefem Mitgefühl in das blaffe Antlitz der Gräfin, der das Glück so fremd zu sein schien, dann richtete er sich seufzend empor.
„Ich reise nächste Woche ab," sagte er dann leise, „gestatten Sie uns vorher noch das kurze Glück, uns einige Male im Schlöffe zu sehen und zu sprechen."
„O, Mama, nein, ich kann nicht von Arthur laffen," rief Therese, in krampfhaftes Schluchzen ausbrechend und schlang beide Arme um den Geliebten, als solle ihn Niemand ihr entreißen. „Wenn Ihr mich zwingt, den serbischen Fürsten zu heirathen, so kann ein Unglück passtren."
„Therese, Du wirst bedenken, was Du unserer Familie schuldig bist," mahnte die Gräfin streng, „die Frauen unseres Geschlechtes sind niemals schwach und feige gewesen — Du würdest die Erste sein, welche diese Schmach auf sich lüde. Ich werde sehen, was ich bei Papa thun kann, um die Werbung Fürst Serecos zu verhindern. Von Ihnen, Arthur, rede ich zu meinem Gemahls jetzt noch nicht, es würde die ganze Sache sogleich vernichten. Kommen Sie heute Abend wie immer auf's Schloß zum Thee; der Fürst kam vorhin an und muß ich Therese mit mir nehmen, damit wir dem Gaste die Honneurs machen können. Auf Wiedersehen I Ihr Herr Vater kommt doch mit Ihnen?"
Sie reichte dem jungen Manne freundlich die Hand und wandte sich zum Gehen, um den herzlichen Abschied der Liebenden nicht zu sehen. Ihr Mutterherz war so schwer, in den schönen Augen hing eine heiße Thräne und eine innere Stimme flüsterte fort und fort: „Mein armes Kind, weshalb muß es denselben Schmerz durchleben wie ich."
Schweigend kehrten die Damen in's Schloß zurück; an der Thür ihres Ankleidezimmers blieb Gräfin Weilern stehen und sagte gütig zu Therese: „Mache Dich zurecht, Kind, daß Du dabei sein kannst, wenn Fürst Sereco mir seinen Besuch macht; es ist so bester für Dich, als wenn Du ihn erst bei Tisch sähest."
Wortlos neigte sich dar junge Mädchen über die Hand der Mutter, um sie zu küflen, eine heiße Thräne fiel darauf.
„Mein armer Liebling," murmelte die Mutter und küßte die weiße Stirn Theresen». „Bete zum Allerhöchsten um Kraft I"
„Und ich laste doch nicht von ihm," sagte Therese, als sie nach beendeter Toilette vor dem Spiegel stand, um sich nochmals prüfend zu betrachten, „es ist fo herrlich, sich von einem edlen Manne geliebt zu misten, daß ich alle Wappenschilder und Stammbäume der Welt willig fahren laste, um ihm anzugehören. Weshalb sonst wäre diese Liebe aufgeblüht in meinem Innern, wenn sie mich fotodeselend machen sollte I"
Die junge Gräfin sah sehr lieblich aus in dem blauweißen seinen Sommerkletde, welches nur durch ein Sträußchen Wiesenblumen, Arthurs Geschenk, geschmückt wurde; die Wangen zeigten eine erhöhte Farbe, die Augen schimmerten in einem so besonderen Glanze, wie ihn nur die Liebe hervorbringt, Therese war schön wie eine frisch erblühte Rose.
„Durchlaucht Fürst von Sereco," meldete der Diener bald darauf und, einen leisen Seufzer ausstoßend, ging die Gräfin ihrem Gaste entgegen, während ihre Tochter mit beinahe angstvollen Blicken den soeben eintretenden Herrn musterte. Sie kannte ihn noch nicht, nur die Eltern waren mit ihm in der Residenz zusammengetroffen, wo sich der Serbe sogleich in The- resens Bild verliebt hatte.
Der Fürst war ein untersetzter, mittelgroßer Mann von circa 40 Jahren. Sein gebräuntes Antlitz mit starkem, schwarzem Schnurrbart und mandelförmig geschnittenen Augen, deren Weißes beinahe gespenstisch leuchtete, trug den slavtsch- mongoltschen Typus all' jener Völker de» Osten» und machte durch den sinnlich-stechenden Ausdruck des Blickes einen fast
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abstoßenden Eindruck, der noch erhöht wurde durch ein selt sames Lächeln, welches um die Lippen spielte.
„Meine gnädige Gräfin, ich bin entzückt, Sie hier in Ihrem reizenden Heim begrüßen zu können," sagte er lächelnd und zog die Hand der Dame an die Lippen. „Bei meiner Durchreise konnte ich mir die Freude nicht versagen, der liebenswürdigen Aufforderung Ihres Herrn Gemahls nachzukommen und Sie hier aufzusuchen. Ach, das ist Ihre Comteß Tochter!"
Er klemmte das Monocle in's Auge und blickte so un- genirt in Theresens Antlitz, daß diese erröthend und zornig die Augen senkte.
„Darf ich bitten, Durchlaucht," — die Stimme der Gräfin klang etwas scharf, — „Sie müssen mir noch erzählen, was Sie unternommen haben, nachdem wir Sie in der Residenz gesehen!"
Das Gespräch wurde dann auch von dem Fürsten mit aller Gewandtheit fortgesührt, er erzählte unterhaltend, er zog auch Therese oft in die Unterhaltung und verwischte bei der Gräfin bald den unangenehmen Eindruck der ersten Erscheinens, aber nicht bei dem jungen Mädchen. Comteß Therese saß wie im Traume und hörte auf diese schnarrende Stimme, die oft durch ein fatales Lachen unterbrochen wurde; dabei stieg der unendlich bittere Gedanke in ihr auf: Diesem Manne sollst Du geopfert werden! —
Am Abend fand sich wie gewöhnlich der Oberförster Fels mit seinem Sohne zum Thee im Schlosse ein. Doctor Arthur Fels war eine ebenso stattliche, als vornehme Erscheinung, die einem Jeden imponiren mußte. Das ernste Auge, das edel- geschnittene Antlitz, welches ein kurzer, dunkelblonder Vollbart umgab, die hohe, elegante Gestalt ließen ihn vortheilhaft vor dem kleinen, breitschultrigen Fürsten Sereco hervortreten, sodaß Theresens Herz stolz aufwallte. Der Oberförster Fels war ein hagerer, strengblickender Herr, dem man den unbeugsamen Character sogleich ansah.
Therese schenkte den Thee ein und der junge Doctor trat wie von ungefähr neben sie, wobei Fürst Serecos Auge plötzlich herumflog wie ein Luchs. Gleich darauf stand er ebenfalls am Theetifch und begann eine tändelnde Converfation mit der jungen Dame, die nur einsilbig darauf antwortete.
„Sie sind noch nicht in der Residenz in Gesellschaft gewesen, Comteß?" fragte er, ohne Fels zu beachten. „Aber lange dürfen Sie uns nun nicht mehr nach Ihrem Anblicke schmachten lassen; die Saison war vorzüglich, selbst ich habe noch viel getanzt."
„Das könnte die jungen Herren beschämen," konnte Therese sich nicht enthalten zu bemerken, „denn sie sind meistens tanzfaul."
Der Fürst zog etwas die Augenbrauen in die Höhe; er hatte eine schmeichelhafte Bemerkung über sein Alter erwartet und hörte nun, wie man ihn kaltblütig aus den Reihen der jungen Leute auswies.
Doctor Fels konnte sich eines leichten Lächeln» nicht enthalten und sagte scherzhaft: „Es geht mir wie all' den anderen Tanzlustigen, ich ziehe mich zurück, sobald der Walzer beginnt. Durchlaucht stehen glänzend da in treuer Pflichterfüllung."
Fürst Sereco maß den Sprecher mit geringschätzigem Blicke und erwiderte: „Hm ja — es gehört eben in unseren Kreisen zum guten Ton, zu tanzen."
Der Diener meldete, daß angerichtet sei, und als sich die junge Dame erhob, bot der Fürst ihr galant den Arm, doch sie neigte dankend das Haupt und sagte mit einem leicht wetterleuchtenden Blick: „Ich danke Ihnen, Durchlaucht, Herr Doctor Fels sührt mich zu Tisch I"
Der Serbe verneigte sich tief, er wurde einen Moment braunroth vor Zorn, sagte aber nichts, sondern schritt leicht conversirend an Theresens rechter Seite dahin. Erstaunt sah der Graf die Drei ankommen. Wenn auch seine Zornesader schwoll, konnte er doch nichts ändern, er trat nur hastig zu dem Fürsten und sagte leise zu ihm: „Vergeben Sie, Durchlaucht, meine Tochter ahnt nicht, daß Sie sich für sie in- teresstren."
„Der junge Fant scheint hier ganz sicher im Sattel zu


