1893

Nr. 39

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Nntevhaltungsblatt znin Gietzenev Anzeigev (Geneval-Anzeigev)

Sonntag, den 2. April.

Irühkingsgruß.

Erwachet! Der liebliche Frühling ist da Mit seinen hellstrahlenden Sonnen!

Die Kinder frohlocken und rufen Hurrah, Die herrliche Zeit hat begonnen!

Allüberall pochet so freundlich er an Mit blühenden, duftigen Zweigen, Streut Blüthen und Blumen auf unsere Bahn, Die düsteren Schatten entweichen.

Zu Ostern, da knospet und blüht die Natur, Hoch schlagen die Herzen in Freude;

Da lächelt so lieblich die grünende Flur, Erfreut uns das Ostsrgeläute!

Die Bögelein stngen's in bläulichen Höh'n

Und jubeln es laut in die Ferne:

Der Frühling ist da und die Welt ist so schön, Wir lauschen dem Sange so gerne.

Die Blümchen, sie nicken und lispeln uns zu: Gelobet sei Gott in der Höhe,

Im blühenden Thals wohnt Frieden und Ruh', Da wohnet kein Schmerz und kein Wehe!

Die Winde, sie rauschen durch Bäume dahin, Verkünden ein göttliches Walten, Begrüßen das duftige, schwellende Grün, Das herrliche Blühn und Entfalten!

Sie rütteln die Knospen nach eisiger Nacht Früh Morgens im sonnigen Strahle, Zu Ostern doch Alles zum Leben erwacht, Die Veilchen süß duften im Thale!

Vom Tode erwacht war der göttliche Geist, Der Herrscher des Grabes bezwungen, Der ewig die Bahnen dec Welten umkreist, Der göttliche Geist fei besungen!

Die ewige Liebe, die nie und nie ruht, Die Berge und Thäler zu schmücken, Sie sendet den Frühling, ein himmlisches Gut, Und füllt uns das Herz mit Entzücken.

D'rum grüßen wir dich, o du herrliche Zeit, Mit allen den Freuden und Scherzen;

Wir grüßen dich froh in dem blühenden Kleid, Hauchst Hoffnung in leidende Herzen!

Th. Loos.

Tante Hannas Geheimniß.

Original-Roman von E. v. Linden-

(Fortsetzung).

Marbach hatte bei der naiven Erzählung des Poliers den Maler mit einem gewissen Triumph angesehen und dieser war tief erblaßt.

Es ist jedenfalls nur ein kleiner Rastrfchnitt gewesen,"' bemerkte Marbach gleichgültig.

Na, aber ein ganz gehöriger," behauptete Schulze,eine lange rothe Narbe quer zwischen Mund und Kinn, gewiß soll es Fräulein Holten nicht wissen, meint wohl, es schadet seiner Schönheit, ja, ja, die liebe Eitelkeit!"

Dann sagen Sie auch nur nichts mehr davon an An­dere," rieth ihm Marbach lächelnd, jetzt eiligst, als brenne ihm der Boden unter den Füßen, weiterschreitend. Plötzlich blieb ct fielen.

Was riecht denn hier so brenzlich? Sie haben doch keine brennende Cigarre sortgeworfen?" wandte er sich an Schulze, der umherschnuppernd die Nase hochhob.

I, wie sollt' ich denn, Herr Marbach! Werde mich doch hüten, die ausgedorrten Tannen in Brand zu setzen. Aber wahr ist es, es riecht hier ordentlich schweflig, nicht wahr, Herr Reinhardt?"

Kann auch vom Thal heraufsteigen und so in der Luft haften," meinte dieser naserümpfend- Er war bei diesen Wor­ten dicht hinter Marbach getreten, um denselben zum Weiter­gehen anzutreiben, als plötzlich eine kurze, aber heftige Detona­tion die Luft erschütterte und die beiden Freunde mit einem lauten Aufschrei niederstürzten.

Der Polier, dem ein starker Baumast das Gesicht ver­wundet hatte, stand aufrecht, vor Schmerz, Schreck und Ent- setzen ganz betäubt. Endlich aber erholte er sich, wischte sich