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Nnterchaltttirgsblatt zunr Gieszenev Anzeigen (Genepal-Anzeigev)
Nr. 14
1893.
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Dottnerstag, den 2. Februar.
Dämon Gold.
Original - Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung).
Ruth erhob sich, zitternd vor Aufregung. „Wie soll denn das Alles enden?" preßte sie mühsam hervor. „Ich glaube nicht, daß Hans Adam freiwillig den Tod suchen könnte; er ist vielleicht jetzt —"
„Mit etlichen gleichgestimmten Freunden auf einer Vergnügungsfahrt begriffen," ergänzte voll Bitterkeit der Gutsbesitzer. „Das halte ich für sehr wahrscheinlich, Fräulein Ruth! Wenn er zurückkommt, hat er Gelegenheit gefunden, weitere tausend Thaler schuldig zu werden."
Ruth schloß für eine Secunde die Augen. „Und dann?" fragte sie. „Ich sprach mit dem Gerichtsvollzieher über diese Wechselangelegenheiten."
„Und er sagte Ihnen, daß die Jnsolvenzerklärung außerordentlich schnell erfolgt, nicht wahr? Lassen Sie den Dingen ihren Lauf, Ruth. Je eher der Zusammenbruch eintritt, desto besser wird es sein."
„O (Sott — der Zusammenbruch!"
«Ja, ja, Fräulein Ruth. Es ist dem Moloch wahrlich genug geopfert worden, übergenug; das muß ich am besten wissen."
Das junge Mädchen erglühte purpurn. „All' Ihr Erspartes, Herr Wolfram," sagte sie schmerzlich weinend, „o, ich habe ja —"
„Lassen wir das," bat er. „Ich nehme den Kampf auf und werde ihn ausstreiten, Schritt für Schritt, aber sicher. Das Alles ist überwunden, es liegt hinter mir. — Neues, noch Aergeres soll indessen nicht hinzukommen. Ihr Schicksal muß bewahrt bleiben."
«Sie vergessen die Erbschaft, Herr Wolfram. Dies Geld würde mir immer eine gewisse Selbständigkeit sichern."
Er lächelte. „Einem Lissauer gegenüber? — Denken Sie nicht mehr an diese Frage, Ruth, lassen Sie uns von etwas Anderem sprechen."
Sie schüttelte leicht den Kopf. „Ob man jemals- auch in bester Absicht, den Bittenden wahrhaft beglücken kann, indem man ihm ein erbarmungsloses Nein entgegenhält, Herr Wolfram ?"
„Das steht dahin; aber wer seiner innersten Ueberzeugung gemäß handelt, der kann alle Folgen gelassen auf sich nehmen."
Und so schieden sie.
Die alte Haushälterin hatte für die Baronin noch ein Bouquet gebunden und in den Wagen gelegt, sie selbst stand
nickend an einem der Fenster und erhielt Ruths letzten Blick ehe Erich den Schlag verschloß.
„Wollen Sie mir nicht zum Abschied die Hand geben?" bat er mit veränderter, weicher Stimme. „Zürnen Sie mir so sehr, Ruth?"
Sie schüttelte den Kopf. „Ich zürne Ihnen nicht, aber das Herz ist mir zum Sterben schwer."
Er bückte sich und küßte ihre Hand. „Gott weiß, mit welcher Freude ich für Sie alle diese Widerwärtigkeiten ertragen würde, Ruth. Aber glauben Sie es mir, das, was Sie heute eine unbegründete Härte nennen, bewahrt Sie vor dem Unerträglichen, vor dem einen Tropfen, der den Kelch überfließen läßt."
Und als sie nicht antwortete, da gab er dem Kutscher ein Zeichen; der Wagen fuhr davon, während er mit schwerem Herzen in das Haus zurückging. —
Aus einiger Entfernung hatten zwei schwarze brennende Augen den ganzen Vorgang beobachtet. Eine Reiterin mit wallendem Schleier kam auf dem allen Bewohnern von Dornau wohlbekannten kleinen, ganz weißen Pferde die Landstraße herauf und sah das Wappen der Equipage von Moldt. In diesem Augenblick wurde plötzlich die Richtung verändert, der Schimmel verfolgte einen Seitenweg und hinter der Hecke hervor beobachtete die Reiterin den Wagen.
Ruth kam ohne Begleitung nach Dornau. Wie seltsam.
Der Schimmel rupfte das spärliche Gras, während seine Herrin tausend Vermuthungen aufstellte und wieder fallen ließ. Was bedeutet dieser Besuch? — Aha, da kam Fräulein Aß- mann wieder zum Vorschein und Erich begleitete sie. Wie tief er sich neigte, wie innig seine Lippen die Hand des jungen Mädchens berührten.
Ein spöttisches, zorniges Lächeln kräuselte die Mundwinkel der versteckten Lauscherin. „Eine vergebliche Mühe, Erich Wolfram, eine vergebliche Mühe. Es ist nicht Dein Bild, das in diesem Herzen lebt."
Dann fuhr der Wagen davon, und nun kam Leben in die Reiterin. Das weiße Pferd flog den Weg hinab, Kies und Staub emporwirbelnd, der Schleier glitt wie eine Schlange durch die Luft. Es galt einen kleinen See zu umreiten und auf offener Landstraße der Equipage entgegen zu kommen.
Die Bauern auf den nächsten Aeckern sahen einander an.
„Da ist sie wieder, die Hexe!"
„Und immer auf dem weißen Gaul."
„Wißt Ihr was?" rannte Einer. „Mit dem Spiere, spricht sie in einer fremden Sprache, es versteht sie und antwortet ihr durch allerlei Laute."
„Ein Wärwolf, ich habe es ja immer gesagt. Als wir


