Hichener IsamiüenbMter.
Belletristisches Beiblatt ?um Gießener Anzeiger.
Nr. 141.
Donnerstag, bett 29. November.
1888.
Dunkel!
Erzählung von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
„Nun, Herr Birger, Ihre Zunge ist ja jetzt be# redt geworden", sprach der Doktor wieder mit jenem etwas höhnenden Ausdrucke. „Nun werden Sie sich wohl allein verständlich machen und ich kann gehen."
Ec verließ das Zimmer, ohne eine Antwort ab» zuwarten.
Prulas Schweigen machte Berger ängstlich. Er kannte ein Mädchenherz noch zu wenig.
„Nehmen Sie mir nicht alle Hoffnung, Paula", rief er. ,Jch meine es ehrlich. Ich habe mein Herz geprüft, es ist treu - stoßen Sie mich nicht zurück!"
Paula hatte sich gesammelt.
„Ich weiß, daß Sie es ehrlich meinen", erwi« \ bette sie, — „hier — hier!"
Sie streckte ihm die Hand entgegen.
Dieses schnelle, leichte Erfüllen seiner liebsten j Hoffnung setzte Berger im ersten Augenblick in Ver- \ Wirrung. Dann ergriff et hastig thte Hand.
„Paula — Paula! Und diese Hand soll mein eigen sein — mein für immer?"
Zustimmend nickte sie mit dem Kopfe.
„Du liebst mich — Du liebst mich!" tief er jubelnd. Er wartete ihre Antwort nicht ab, ungestüm umschlang er sie mit beiden Armen und sie ließ es geschehe-!.
„Ja, ich liebe Dich", erwiderte sie, „sonst würde ich nimmer Dir das Versprechen gegeben haben, die Deinige zu werden!"
Eine Zeit lang war Berger von seinem Glück | berauscht. Er konnte es nicht faffrn, daß es wahr; fei, daß Paula ihm wirklich ihr Jawort gegeben, i daß sie die ©einige werden wolle. Aber er saß ja ! neben ihr und hielt ihre Rechte mit beiden Händen j umfaßt. Er sah ihr in die Augen und sie schlug j sie nicht mehr nieder, Liebe und Glück leuchtete ihm > aus denselben entgegen.
„Sich', Paula", sprach Berger, „Du äußertest f einst gegen mich, wenn Du Dir ein Leben ganz , nach Deinem Wunsche zu wählen hättest, so würdest * Du auf dem Lande in der Nähe der Stadt leben, i auf einem Gute, wenn es auch noch so klein sei, - wenn es nur ausreiche, Dich vor Noth und Sorge - zu schützen. Ich habe diese Worte noch nicht ver- i gesien. Ich bin mit dem Besitzer des Gutes in Alldorf - in Verbindung getreten — cs liegt ja nicht eins
Stunde von hier entfernt, es liegt schön, das Wohn« hau» ist rings vom herrlichsten Gatten umgeben — ich habe mit ihm schon unterhandelt, bin über bett Preis de» Gute« mit ihm einig, nur abgeschlossen habe ich den Kauf noch nicht. Das hing ja von Deiner Antwort ab, von Deinem Ja! ode; Nein! Nun eile ich heute noch zu ihm — das Gut ist mein — Dein — ich trage die erste Abschlagssumme bei mir — sobald ich sie übergeben, bin ich Besitzer der Guter. Es soll Dir gehören, Paula. Dort wollen wir zusammen leben. Auch ich sehne mich au» dem kaufmännischen Leben und Treiben heraus — ich werde es aufgeben, um ganz ungestört Dir leben zu können!"
Paula war überrascht. Sie kannte das Gut. In einem Thale gelegen, bildete es den schönsten Punkt in der ganzen Gegend. Oester war der Wunsch in ihr aufgesttegen, dort leben zu können, und nun sollte der Wunsch mit einem Male erfüllt werden — erfüllt wie durch eine Zaubermacht.
Auch sie erzählte dem Geliebten, wie ihr Vater ihr auf seinem Sterbebette an's Herz gelegt, ihm ihre Hand zu reichen, wenn er um sie anhalten sollte.
Sie tauschten Liebe um Liebe und Geheimniß um Geheimniß, es war ja Bedürfniß für ihre Herzen, sich gegenseitig zu offenbaren und mit vollem Ver- trauen einander hinzugeben.
Der Abend brach bereits herein, als Berger von Paula sich trennte. Er bestand darauf, noch nach Alldorf zu eilen, um den Kauf des Gutes abzuschließen.
„Laß es bis morgen, Hugo", bat Paula. „Es wird schon Abend."
„Für mich gisbt es heute keinen Abend!" rief Berger scherzend. „Heute noch muß das Gut unser gehören, dies ist ja ein Tag des Glückes für mich, den muß ich ausnutzen!" Er eilte fort.
Paula blieb auf ihrem Zimmer. Sie fühlte das Bedürfniß, allein zu fein. Auch sie fühlte sich glücklich und sie wollte dies Glück erst allein durchkosten. Den Wunsch ihres sterbenden Vaters hatte sie erfüllt und es war ihr, als ob er befriedigt auf sie herabblicke.
Wohl war sie öfter mit sich in Zweifel gewesen, ob sie Berger oder Hellmann mehr liebe — jetzt, wo die Entscheidung an sie herangetreten war, zweifelte sie nicht mehr, jetzt war sie sich bewußt, daß ihr Herz stet» Berger mehr geliebt hatte.
Der Abend war völlig hereingebrochen — sie bemerkte es nicht. Träumend saß sie da. Eine neue


