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glücklichen Erleichterung zu gewähren, wirb Seiner Majestät einen Tag des Schmerzes ersparen."
Doch nicht nur Hilfe, sondern auch Strafe wird von dem Kaiser verordnet. Denn am 8. Oktober hieß es in der „Pekinger Zeitung":
„Wir haben aus Tsten.Fu eine Denkschrift er« halten, in welcher berichtet wird, daß der „Gelbe Fluß" innerhalb Tscheng-tschen aus seinen Ufern ausgetreten ist und zehn Gemeinden überschwemmt hat, und in welchem darum nachgesucht wird, daß die für die Aufsicht über den Fluß verantwortlichen Beamten bestraft werden. Im September waren an den dortigen Flußbauten Anzeichen wahrnehmbar, die auf große Gefahr schließen ließen ... Die mit der Aussicht über die Flußbauken betrauten Beamten haben sich einer unverzeihlichen Nachlässigkeit schuldig gemacht, indem sie nicht rechtzeitige Vorsichtsmaßregeln trafen und der Generaldirektor, welcher die Absetzung derselben vyrschlug, hat eine weit zu geringe Form der Strafe beantragt. Wir befehlen, daß die folgenden Beamten abgesrtzt und in den cangue dem Flußufer entlang an den Pranger ge- stellt werden sollen: der Unterpräfekt und Bürgermeister von Schang-an, der asststirende Departementsbeamte von Tscheng'tschu und der Statthalter und zweite Sergeant der Station unterhalb Tscheng'tschu. Dem Intendant des Kai.Knei.tschen.Hü Gerichts, bezirkes soll sein Knopf genommen werden, und er ist dieser Beamte den Behörden zur Feststellung einer weiteren Strafe zu überliefern."
Die in dem obigen Dekret erwähnten „cangue“ finb schwere hölzerne Kragen, welche den Unglück- lichen Beamten um Hals und Schultern gelegt werden, und die dieselben tragen müssen, bis ihre Strafzeit, 14 Tage bis 3 Monate, beendet ist. Während der Sträfling mit diesem Halsschmucks versehen ist, kann er weder ohne Schmerzen liegen noch sich be- wegen. Zur Tageszeit wird der Gefangene an emem öffentlichen Orte an den Pranger gestellt und verkündet eine Inschrift an dem Kragen sein Ver- gehen in großen Buchstaben. Der Kragen ist von solchen Dimensionen, daß der Sträfling mit seinen Han. en nicht seinen Kops erreichen kann und der Pövel vermehrt gewöhnlich noch durch allerlei Schabernack die Qualen der ohnehin schon durch diese Einrichtung bitter leidenden Schuldigen.
Die Strafe scheint grausam; wenn man jedoch das ungeheure Elend bedenkt, dem Hundsrltausende durch die Fahrlässigkeit des bestraften Beamten ausgesetzt worden sind, so ist der Richtrrspruch des Kaisers sicherlich kein zu strenger, und dürfte es Niemand wundern, wenn über die Hauptschuldigen schließlich dar Todesurtheil ausgesprochen werden sollte; haben doch so viele unglückliche Familien in den Fluthen des Flusses ihren Tod gefunden, dessen Austreten durch die nöthigen Vorsichtsmaßregeln wahrscheinlich weit weniger verhängnißvoll hätte gemacht werder können.
Zur Ergänzung der bevorstehenden Mittheilungen,
welche aus einer Londoner Korrespondenz der „National-Ztg." herrühren, fügen wir noch einen Auszug aus einem Londoner Bericht dir „Köln. Zig.' hinzu:
Danach gingen eine Million Menschenleben nach der niedrigsten, sieben Millionen nach der höchsten Schätzung bei der jüngsten Ueberschwemmung des Hoang-Ho zu Grunde. Auf einer einzigen Strecke von 50 Quadratkilometer Ausdehnung verschwanden 1200 Dörfer. Die Ursachen des Unglücks sind die alten, welche schon sechs Mal in den letzten 2000 Jahren den Lauf des „Gelben Flusses" geradezu verändert haben. Das alte Bett, welches heute noch auf jeder Karts vermerkt ist, befand sich südlich von der Provinz Schangtung und das neue Bett entwickelte sich 400 Kilometer von der Mündung nordostwärts in den Busen von Petschili. Das jetzige neue Bett beginnt viel weiter stromaufwärts, wenigstens 500 Kilometer von der Mündung entfernt. Der Strom ist dort ungefähr 0 8 Kilometer breit und beschreibt einen Winkel, wobei die Strömung gegen das Südufer anprallt. Schwere zehntägige Regengüsse und stark« Windstöße verstärkten diesen Anprall, rissen die das Ufer schützenden Faschinen weg und brachen schließlich durch den Damm selbst. In wahnsinniger Hast suchten die Anwohner und Aufseher den Bruch zu stauen, so lange die Haupt- waflermasse im alten Bette verblieb. Al« aber letztere sich vollständig südwärts wandte und dem Bette des kleinen benachbarten Flusses Lu-tschtn folgte, war der Kampf vergebens. Dre Fluthen umgaben bald die ummauerte Stadt Tfchung-Mu, 30 Kilometer entfernt; sie ging unter; und nachdem beide, Hoang-Ho und Lu-tschina, sich noch einem dritten südlicheren Strom einverleibt, gewann die Ueberschwemmung eine Ausdehnung, welche ganze Provinzen umfaßte und sich in einer Wassermasse von 50 Kilometer Wette vorwärts ergoß. — Ob sich diese Urberschwemmungen ganz verhindern lassen, ist noch ein Räthsel. Europäer haben Massenbaum. Pflanzungen zur Festigung des Erdreichs ang-rathen; aber die Gefahr liegt anderswo. Der Hoang-Ho stürzt sich bekanntlich mit großer Schnelligkeit von der mongolischen Hochebene hinunter in die chinesische Ebene und schwemmt aus dem Nordwesten China's eine erstaunliche Schichte der gelben Erde mit sich, welche dort bis zu einer Tiefe von mehreren Hunderten von Fuß zu finden ist. Es ist diese gelbe Erde, welche dem Flusse seinen Beinamen gegeben. In Folge dessen steigen allmählich die Fluß- ufer Über die benachbarten Gefilde empor; zugleich aber hebt sich auch das Flußbett selbst, so daß schließlich nicht allein die Wasseroberfläche, sondern eben jenes Flußbett selbst durch die Anhäufung gelber Erde höher liegt, als das angrenzende Land. Wenn dann schließlich ein Bruch des Dammes erfolgt, stürzt das Wasser von der Höhe hinab in eine Ebene; daher die Möglichkeit der völligen Bettver
änderung.
Redaktion: A. Tcheyda, ■* Druck und Verlag der Brühl'schm DruScrsi (Fr. tzhr. Pietsch) in Gieße».


