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und erfreu en uns in den Pausen durch e-ven kleinen Vortrag, ich erbiete Mich, Sie auf dem Flügel zu begleiten. Auch zürnen wir Ihnen nicht, wenn Sie Klaviernoten mitbringen, denn der Herr Profeflor hat mir gesagt, daß er sich nicht entscheiden könne, welches Instrument Sie am sichersten beherrschten, die Geige oder das Klavier!

«Frieda 1* rief sie ihrer Stieftochter zu,wir müssen uns beeilen! Ich habe eine Anzahl Damen und Herren zu einer vorläufigen Besprechung ge- laden, sie könnten eintreffen, bevor wir zurück find; diejenigen Sänger und Sängerinnen nämlich, deren Stimme ich würdig halte, Theil zu nehmen! Ach", fügte sie lachend hinzu,das wird noch bei Vielen böses Blut setzen, bei solchen, die sich für eine Patti oder Lucca halten und nun keine Aufforderung er­halten haben!"

So empfehle ich mich denn", fuhr sie fort, reichte Marquardt die Hand, verbeugte sich vor Siegfried, ebenso vor Frau Rohdenberg, ergriff Frieda's Hand, die für Alle eine kurze Verbeugung hatte, und verließ, von der Besitzerin der Wohnung bis auf dm Flur begleitet, das Zimmer.

Der Profeffor ging sogleich auf Siegfried zu, topfte ihm auf dis Schulter und sagte:Du kannst Dir gratuliren, mein Junge, nicht allein bei der Frau Wolter überhaupt eingrführt zu sein, sondern dort einen so ehrenvollen Posten bekleiden zu sollen. E- ist ein Glück, wie es nur wenigen so jungen I und unbekannten Künstlern zu Theil wird. Ich sage, es ist ein Glück, denn Glück gehört nun ein» ms! dazu, bei allem Können rasch in Ruf zu kommen. Und diese Bekanntschaft wird Dir vielleicht die Wege bahnen!"

Frau Rohdenberg trat in diesem Augenblick ins Zimmer und machte ein niedergeschlagener Gesicht.

Sie sehen aber wirtlich aus, meine wsrthe Frau Rohdenberg", rief Marquardt mit etwas ver­stärktem Baßorgan zu,als wenn Ihnen die Peter­silie verhagelt sei! Ich finde, daß Sie dazu nicht den mindesten Grund haben, sondern, daß Sie sich freuen müßten über das, was dem Friedel pafsirt ist. Ich sage noch einmal, es ist em Glück, daß er in diesem Hause Zutritt gewonnen und unter so günstigen Auspicien. Was hilft alle Meisterschaft, wenn sich zu wenig Gelegenheit bietet, sie zu zeigen, und wenn der Ruf einer jungen Künstlers nicht über dar Weichbild unserer Stadt hinaus dringt. Sie legen dem Umstande, bei der Frau Wolter zu verkehren, viel zu wenig Bedeutung bei. Ohne etwas Protection und ohne Bekanntschaften zu machen ist es schwer, vorwärts zu kommen. Was erscheint nicht Alles im Salon der Frau Geheimräthin? Richt allein die einheimischen Celebritäten der Kunst und was noch wichtiger ist, der Kritik, sondern auch fremde werden stets dort eingeführt. Im vorigen Winter traf ich zwei maßgebende Berliner Kritiker. Und Siegfrieds Streben für die nächste Zukunft muß sein, sich in Berlin die Sporen zu verdienen. Aber wie schwer ist in dieser Stadt anzukommen I

und in einem Concert sich produc^ren zu können! Das macht sich leichter, wenn er hier schon maß- gebende Persönlichkeiten Lmtien lernt. Beachtung wird er schon finden, wenn die Frau Geheimrath ihn als den Director ihres Gesangvereins vorstellt, und Gelegenheit, vor diesen Leuten zu spielen, wird sich dann auch schon bieten! Ich versichere Sie, es geht mancher hochbegabte Künstler, der daffelbe leistet, wie Siegfried, daran zu Grunde, daß er nie Gelegenheit gefunden, vor einflußreichen Personen seine Kunst zu zeigen! Und was nun Ihre Phantasien betrifft, liebe Freundin, so bitte ich Sie, dieselben zu ver­scheuchen und sich keine unnöthigen Sorgen zu machen; und selbst wenn Sie Recht hätten, was ich durchaus bestreite, so ist Ihr Enkel Mann genug, um sich zu schützen."

Ich habe mich schon ergeben, Herr Proffeffor", erwiderte Frau Rohdenberg,nachdem ich gesehen, mit welcher Begeisterung Siegfried die Offerte an­nahm."

Das habe ich auch gethan, Großmutter", er­widerte Siegfried,und ich bekenne offen, daß ich mich sehr freue, von nun an häufiger da» Haus des Geheimen Kommerzienraths Wolter betreten zu dürfen."

Gleich darauf sagte er:Sie kommen ja häufiger dorthin, Herr Professor, ist das Fräulein immer so stumm wie heute? Sie hat keine Silbe ge­sprochen."

War sollte sie wohl! Ich habe sie allerdings nicht oft gesehen, aber mich sehr lebhaft mit ihr unterhalten; sie ist durchaus nicht stumm, und wenn sie auch nicht eine so strahlende Schönheit, wie ihre Frau Mama, ist, so ist sie doch ein liebreizende» Geschöpf, da» mit ihrem aschblonden Haar und ihrer gracilen Figur einem Maler oder Bildhauer zum Prototyp einer Hebe dienen könnte."

Ich habe nie Augen gesehen, aus denen so deutlich eine herrliche, reine Seele hervorschaut."

Siegfried mußte diese Worte wohl in einem eigenartigen Tour gesprochen haben. Frau Rohden- berg warf einen raschen Blick auf ihn und al» sie in seinem Gesicht einen Ausdruck gewahrte, der diesem Tone entsprach, da sagte sie zu sich selber: Wie? Sollte das junge, hübsche Mädchen einen plötzlichen Eindruck auf ihn gemacht haben? Da» wäre allerdings die beste Schutzwehr gegen eine andere Eventualität, aber auch hier sehe ich kein Heil, der reiche Geheimrath wird niemals fein einziges Kind an einen armen Künstler geben."

Dori» trat ins Zimmer und sagte:

Der Herr Langenbach ist da und wünscht den jungen Herrn zu sprechen."

Hast Du ihn in mein Zimmer geführt, Dortchen?"

Ja, Herr Siegfrird."

Herr Professor", fuhr Siegfried fort,Sie ent­schuldigen mich wohl, wenn ich fortgehe, mein Freund hat mir sicher etwa« mitzutheilen, sonst hätte er mich heute nicht mehr ausgesucht!"