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Anrede, von der die Wenigsten was verstehe«, Ehren- Jungfrauen im weißen Staat mit Gedichten und Sträuben und so weiter, ist der gewohnte Rummel, kann man beschreiben, ohne was davon gesehen zu haben?'
„Na, na", meinte Luttmann kopfschüttelnd, „schneid' nur nicht auf —"
„N'cht so hitzig, nicht so hitzigl würde der alte Semmel sagen'', fiel Thorsen leise lachend ein, „er könnte doch immerhin etwas pasfiren, woran man nicht denkt."
Sein Blick schweifte bei diesen Worten zu dem Kranken hinüber, dessen Augen, weit geöffnet, auf ihn gerichtet waren.
„Mir ist wirklich etwa» Curioses aufgefallen, was ich freilich für die Zeitung nicht gebrauchen kann", fuhr er etwas lauter fort, „hast Du den jungen Herrn von Jmmendorf gekannt?"
„Das nicht, aber doch genug von ihm gehört, auch von dem lahmen Freifräulein, da» ein Graf hat sitzen lassen."
Thorsen beobachtete den Kranken, der kein Zeichen der Erregung zsigte. Der Name war ihm also unbekannt.
„Na ja, der junge Jmmendorf lief vor vielen Jahren in die weite Welt und ist jetzt heimgekchrt", fuhr Thorsen langsam fort, „ich war nicht wenig erstaunt, ihn im Gefolge des Fürsten zu sehen."
„Was ist denn dabei zu staunen?" meinte Lütt« mann, „er ist nach dem Tode seines Vaters der Freiherr und Erbe von Allem, was an solchem Namen bimmelt und bammelt. Die Jmmendorfs waren bei Hofe immer angesehen."
„Ja so, das habe ich nicht gewußt, — mir kam'» wunderlich vor. Er war kurios anzusehen, als der Fürst und seine Gemahlin zu dem lahmen Freifräu- lein, das ihren Leichnam -n's Fenster hatte tragen lassen zur gefälligen Ansicht, wie einige Witzbolde meinten, hinaufgrüßten und die kleine Person allerlei Capriolen machte, um hosmäßig wieder zu grüßen. Dann schrie plötzlich einer, al» da» Gefolge kam, mit fürchterlicher Stimme den Namen „Adam Sturm!" worüber der junge Jmmendorf beinahe aus dem Wagen gefallen wäre."
„Ach Unfinn, närrischer Kerl!" lachte Lüttmann. „Alle Wetter!" unterbrach er sich, auf'» Bett zn- fpringend, wo der Kranke aufrecht saß und mit angstvollem Ausdruck um sich schaute.
„Legt Euch nieder, Mann!" sagte der Wärter, ihn vorsichtig um die Schulter fassend, „macht keine Dummheiten, hört Ihr?"
Thorsen trat aufgeregt zu Füßen des Kranken, der sich mit einem Seufzer in'« Kissen zurücksinken ließ.
„Wer seid Ihr?" fragte er leise.
„Aha, wir kommen wieder zur Besinnung", rief Lüttmann erfreut, „sind im Hospital und ich bin Euer Wärter. Nun aber liegt ganz still."
„Wer nannte vorhin den Namen Adam Sturm?" fragte der Kranke, ihn ängstlich anblickend.
„Heißt Ihr vielleicht so, mein Lieber?"
„Nein, nein, wer weiß von ihm?"
„Na, Ihr habt ihn oft genug im Fieber genannt. Wer ist denn dieser Adam Sturm, vielleicht Euer Angreifer, ober wenn'» der Herrgott zugelaflen hätte, Euer Mörder?"
Der Kranke schwieg.
,Hrt man ihn festgenommen?" fragte er endlich mühsam.
„Der Bursche ist wieder entwischt, wird wohl schon in Sicherheit sein. Aber nun still, nicht mehr geschwatzt, könnt da» Uebrige dem Richter später mitiheilen, jetzt müßt Ihr ruhig sein und schlafen, dann flicken wir Euch noch wieder heraus. Ja, ja", wandte er sich triumphirend an Thorsen, „der Alte ist ein rechter Wunderthäter, ein Schwerenölher, wenn es gilt, dem Sensenmann ein Leben zu entreißen."
„Das muß wahr sein", versetzte Thorsen, „weiß es aus Erfahrung. Erlaubt mir noch eine Frage, Lüttmann! — Ihr wäret mit jenem Adam Sturm in Amerika, wie?"
Bei diesen Worten heftete er den Blick forschend auf den Verwundeten, welcher ihn mit weitgeöffneten Augen anstarrte.
„Nein", versetzte dieser ängstlich, „ist nicht wahr, hab' ihn nur einmal gesprochen — vor langen Iah. ren, er hat mir nichts gettzan, war ein guter Kerl!"
„Aber wer war's denn, vor dem Ihr an jenem Abend wie ein Haase ausrisset, Mann?" fuhr Thorsen ungeduldig fort.
„Weiß nicht, kannte ihn ni*t", brummte der Kranke jetzt trotzig, „gehört Ihr zur Polizei?"
„Nein, er ist nur ein alter Kamerad von mir", mischte sich Lüttmann jetzt ein, indem er feine Auto- ritätsmiene aufsetzte. „Laß ihn in Ruh', Thorsen, ich darf'» nun nicht länger mehr leiben, geh' gefälligst Deiner Wege, hörst Du, mein Junge?"
„Ja, ja, ich gehe schon", sprach der Detectiv ruhig, indem er dem Wärter einen Wink gab, „Du kennst meine Neugierde, Kamerad!"
Lüttmann folgte ihm bis zur Thür, wo Thorsen ihm leise zuraunte: „Der Bursche hat ein schlechte» Gewissen, suche ihn auszuforschen, e« soll Dein Schaden nicht sein."
Er klimperte mit Geldstücken in der Tasche und ging. Lüttmann blickte fast erschreckt vor sich hin.
„Zum Kukuk auch", murmelte er, „das kommt mir verdächtig vor mit meinem Schulkameraden, was geht ihn Adam Sturm an? Will doch den Portier mal fragen, unter welcher Firma der gute Junge sich hier eingeschmuggelt hat."
Der Detectiv ahnte nichts von diesem rebellischen Mißtrauen de» ehrlichen Lütmann» sondern schritt mit gerunzelten Brauen nach Hause, um hier seinen ganzen Scharfsinn aufzubieten, einen neuen Opera- tionsplan zu ersinnen. Als Resultat desselben blieb nur die eine entmuthigende Tharsache, daß er erst die Genesung des Verwundeten abwarten müsse, um durch diesen die Identität de» Adam Sturm mit


