274

meiner Seele trug. Ich könnte von all' diesen Dingen sprechen, denn meine Gedanken sind ganz und gar von Eurer Schönheit und Vollkommenheit erfüllt. Wenn ich rin Dichter wäre, hätte ich in Euch einen Gegenstand gefunden, um mich unsterblich zu machen. Wenn ich ein Maler wäre, würde Euer Bild meinen Namen bekannt machen, so lange die Kunst besteht. Wie soll ich jedoch in meiner Ein« fechheit dem, war ich fühle und denke, nur halben Ausdruck verleihen?"

Blanche erröthete von Neuem über und über. Dis überschwänglichen Ausdrücke von Lowder's Be­wunderung klangen ihren unerfahrenen Ohren wie die süßeste Musik. Sie hatte lange ein Ideal ge­liebt, das sie sich von Guy gemacht hatte und sie glaubte jetzt in Lowder den Helden ihrer Mädchen- träume zu erblicken.

Da sie nicht antwortete, deutete Lowder ihr Schweigen als Ermunterung und fuhr fort:

Blanche, ich kam nach Haufe in dem Gedanken, daß wir Beide einander nicht lieben sollten. Und bei dem ersten Blicke liebte ich Euch. Ich beabsich­tigte nicht, Euch das jetzt schon zu sagen, aber Jahre der Bekanntschaft könnten Euch nicht bester kennen oder mehr schätzen lasten. Ich glaube nicht, daß die Jahre weine Liebe für Euch vermehren könnten."

In diesem Augenblicke hörte man >inrn Wagen unten Vorfahren.

Blanche schaute in höchster Verwirrung au- dem Fenster.

Es sind die Egerion's", sagte sie.Sir Arthur hat Oberst Egerton vorgestern gesagt, daß er Eure Ankunst erwarte. Ich glaube, die jungen Egerton's werden ungeduldig sein, Euch zu begrüßen."

, Ich wünschte, sie hätten ihren Besuch noch eine Stunde verzögert", sagte Lowder.

Ich wollte Euch sagen"

In diesem Augenblicke erschien Sir Arthur. Ec hatte den Wagen vor dem Thore halten gesehen, ihn al« den seines Freundes und Nachbarn Oberst Egerton erkannt und ging jetzt hinaus, um seine Gäste zu empfangen. Einen Augenblick später kehrte cr zurück, mit einer rosenwangigen, schlanken, jungen Dame am Arm und gefolgt von drei Herren, von denen zwei noch sehr jung waren, und der dritte etwas älter und von militärischer Haltung.

Lowder sprang eifrigst vorwärts, während sich in seinem hübschen Gesichte großes Entzücken auszu­malen schien.

Mary Egerton", rief er aus.Ich kann mich nicht täuschen! Ihr seid fast unverändert!"

Er drückte ihre Hand herzlich und sie erwiderte seinen Gruß mit einer Wärme, welche bewies, daß sie wirklich Fräulein Egerton war.

Und hier find Fred und Will", erklärte Lowder mit scheinbarer Begeisterung.Ei, Freunde, Ihr habt Euch ebenso verändert wie ich!"

Er begrüßte Beide mit einer herzlichen Umar­mung, welche von den jungen Männern mit auf­richtiger Freude erwidert wurde.

Sie hatten offenbar keine Spur der Argwöhne«, daß Lowder nicht war, war er schien ihr kind- licher Spielgenosse und Jugendfreund Guy Tresstlian.

Oberst Egerton sieht so jung au«, wie immer", sagte Lowder, dem alten Herrn seine Hand reichend. Die Zeit ist an den indischen Helden schonend vor­übergezogen!"

Et, Sir Arthur", rief Oberst Egerton lächelnd sich an feinen Freund wendend,was habt Ihr mir unten denn von Schiffbruch, Krankheit und Verlust de« Gedächtnisses gesagt? Guy hat uns Alle, wie ich es voraus wußte, augenblicklich erkannt. Es liegt nicht in der Natur eines Tresstlian, einen Freund zu vergessen!"

Sir Arthur war überrascht und vergnügt, daß sein vermeinter Sohn seine Gäste so rasch erkannte; aber er war gleichzeitig verwirrt bei dem Gedanken, wie launenhaft diese Gedächtnißschwäche Guy'» wäre.

Mary beeilte sich, ihre Freundin, die Mündel des Baronets, zu umarmen, und sie setzte sich dann zu dem jungen Mädchen.

Ich glaube, Guy", sagte Fred Egerton, ein geistreicher, hübscher Mann,daß dir Schicklichkeit e« eigentlich erfordert hätte, daß wir zu Hause geblie­ben wären, bis wir die osficielle Anzeige Deiner Rückkehr erhalten hätten, aber doch wenigsten« bi« Du etwa« von der Reise ausgeruht wärst; aber Du wrißt, wir nehmen es mit der Etiquette nicht so i genau. In London hätten wir dem Zuge unser«» i Herzen» folgen dürfen; aber hier handelt man nach Gutdünken. Ich hörte auf der Station, daß Du gestern angekommen wärst, ritt nach Hause, ließ an­spannen, packte die Uebrigen in den Wagen und hier find wir."

Wir haben uns Alle so nach Deiner Rückkehr gesehnt, Guy", sagte Will Egerton.Seit Dein Brief au« Marseille gtkommen ist, hat e» im Tressi« lian-Hof und bet uns mehr al» ein ängstliche» Ge- müth gegeben. Du bist auf wunderbare Art dem Tode entgangen und wir gratuliren Dir dazu."

Gewiß thun wir das", sagte Oberst Egerton in seinem geradezu herzlichen Tone.Ihr habt Each sehr verändert, Guy. Ich glaubte, e» würde ein breitschulteriger Riese, wie Euer Vater er ist, au« Euch werden; aber diese jungen Leute entwickeln sich oft ganz ander», al« wir glauben. Wenn man Eure wunderbare Rettung bedenkt, so ist'« fast, al« ob Ihr au» dem Grabe wiederkehren würdet."

Tie Gäste setzten sich und überschütteten den Be­trüger mit Fragen, welche er alle mit Leichtigkeit beantwortete.

Lowder war genöthigt, einem ausrichtig theil« nehmenden Zuhörerkr-ise seine Abenteuer wieder zu erzählen.

Er berichtete, wie er auf seiner Rückreise von Cagliari nach Palermo gefahren sei und wie, al« sie sich schon dem Hafen näherten, ein heftiger Sturm sie ereilte, der sie von ihrer Richtung verschlug: wie sie Schiffbruch gelitten haben, wie er an's Land ge- schwcmmt und von gutherzigen Italienern gerettet

ö)01 Em den

in

zäh

ten gu! der des dai

flll ta; © D

dr G

rli se

bc 0«

m u W T if $ si d h

ei n n

d

fi

i

(

I 1 i