vm Triumphbögen und Ehrenpforten herzustellen, während die Tannen ihre immergrünen Reiser, die Treibhäuser ihre Blumen und Zierpflanzen opfern mußten zu Ehren des festlichen Tages.
Zwar zeigte der Himmel noch immer ein gries- grämigss Gesicht, er hatte sich mit einem aschgrauen Nebelschleier umhüllt und weinte melancholische Thrä- nett, welche die undankbaren Erdenkinder mit Verdruß und Ungeduld erfüllten.
In dem Jmmkndorf'sHen Hause ging nach Ulrichs Abreise Alles wie bisher seinen geordneten Gang. Mochte Ulrike auch von innerer Unruhe und Angst erfüllt sein, Niemand sah'» ihr an oder vermochte die leiseste Veränderung in ihrem ganzen Wesen zu bemerken.
Heute war zur Veränderung einmal große Eon, ferenz bei Tante Irmgard, die wie gewöhnlich wie ein schön geschmücktes Opferlamm auf ihrem Ruhebett lag, das wachsbleiche Gesicht von einer zarten hekti« scheu Röthe überbaucht, welche bett guten Baron Lerchenheim mit Entzücken erfüllte.
Außer ihm befanden sich heute Tante Ulrike und Hedwiga bei der Kranken, welche den Vorsitz führte und durch häufigen Husten unterbrochen, ihre Vor- schläge oder vielmehr Befehle ertheiüe.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
Vom deutschen Nationallaster. Die! deutschen Chronisten aus der „alten guten Zeit" j wissen manch' seltsam Stücklein von der Zechluft unserer Altvordern zu erzählen; wir wollen hier nur einige Züge aus diesem für uns Deutsche leider nicht allzurühmenswerthen Bilde wiedergeben. Besonders auf den deutschen Universitäten ist von jeher stark „geknippen" worden. Ganz absonderlich muß es früher jedoch in Tübingen zugegangen sein, denn ein Chronikenschreiber aus Schwaben berichtet, der akademische Senat der Tübinger alma mater habe sich zu derartig scharfen Maßregeln gegen die jungen Studenten ob ihrer Trunksucht veranlaßt gesehen, daß die letzteren es schließlich vorzogen, ihren Bierdurst in Rottenburg zu stillen. Daß das zarte Geschlecht damals mit dem starken um die Wette getrunken hat, geht aus verschiedenen Berichten jener Zeit hervor, und ein Tübinger Visitationsreceß von 1591 rügt sogar, daß die Frauen der Professoren selbst oft ein Gläschen über den Durst trinken, daß z. B. „Frau Profesior Crusius und Frau Professor Hom- berger sich gar ungebührlich halten, daß sie gar übel fluchen und schwören, dem Trünke sich ergeben, sonderlich des Crusius Weib, gehen selten zur Kirche, ziehen oftmals auf die umliegenden Dörfer und erweisen sich allda ziemlich verdächtig." In Schwäbisch-Hall gingen im Jahre 1532 drei Schwestern zusammen
nach Münkheim in des damaligen Mühlmichels Haus, wo sie 32 halbe Maß des besten Weins tranken, dann die Zeche bezahlten und Abends ruhig nach Hause wanderten, als ob sie gar nichts weiter genosten hätten. Die „Weiberzechen" waren in vielen Orten Württembergs bis in das vorige Jahrhundert hinein üblich, so in Ochsenbach, Güglingen, Mühlheun bet Sulz, Wertheim bei Tübingen u. s. w. und dre Bürgermeister und Schultheißen mußten bei diesen Zechgelagen der Weiber aufwarten. Um jene Zeit wurden in den Städten fast jeden Morgen Betrunkene in den Straßen schlafend aufgefunden und in Nürnberg wurde vom Magistrate ein besonderer Wagen gehalten, um die schlafenden Trunkenen nach Hause oder auch nach dem Stockhause zu fahren. Aber auch in den höchsten Kreisen sah es nicht besser aus und wie hier gezecht wurde, erhellt z. B. aus einer Regensburger Chronik, der zufolge in Regensburg bei einer Fürften- versammlung, die Kaiser Karl V. abhielt, nicht weniger als 3000 Eimer des besten Weins ausgetrunken wurden und ein Erzherzog von Oesterreich ließ sich auf einer Reise einntal über 2000 Eimer Wein nur für seine Tafel nachführen.
Jeder von seinem Standpunkt. Gast: „Was kostet eine Portion Rehbraten?" — Kellner: „1 Mark 50 Pfg." — Gast: „Bringen Sie nur eine Portion!" — (Der Kellner geht in dre Küche, wo ihm gesagt wird, daß kein Rehbraten mehr da ist.) Kellner: „Rehbraten giebts nicht mehr. Wisftn Sie was, essen Sie drei Portionen Kalbsbraten — die kosten gerade so viel!"
Das Erkennungszeichen. „Wie empfängt Sie nun Ihre Frau, wenn Sie zu spät nach Hause l kommen?" — „O, das seh' ich schon in der Küche. | „Woran denn?" — „Am Besen, wenn der da steht, | ist Alles gut." — „Und sonst?" — „Sonst — sonst hat die Alte ihn mit 'reingenommen."
Aus der Jnstruktionsstunde. Feldwebel! „Ihr wißt doch, daß der Herr Oberst es gerne hört, wenn man ihn den Vater des Regiments heißt: wenn also bei der Inspektion der H 'rr General z. B. fragen würde, wie Ihr den Herrn Oberst unter Euch so im Allgemeinen nennt, was würden Sie zur Antwort geben, Grandhuber?" Soldat Grandhuber: „Au j Krawattelfuchser, Herr Feldwebel!"
S e l b st g e f ü h l. Lieutenant (mit seiner Braut | am Meeresstrand): „Rich' wahr, Minna, ein jott- voller Anblick? — Aber so furchtbar aufjeregt sst das Meer, als hätte es noch nie einen Jarde-Offizier jeseh'n."
Mozart, der lebensheitere, konnte mitunter recht scharf sein. Als einer seiner Freunde, Namens Gebauer, ihm gelegentlich eine Composition mit der Bitte um Correctur übersandte, schickte er das Manuskript unverändert wieder zurück, auf die erste ? Seite hatte er geschrieben: „Geh' Bauer" (Gebauer).
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


