Der Nachwiitog und Abend verlief himmlisch wir waren Beide so lustig, wie nie zuvor; Lessing mußte eine Annonce zur Zeitung tragen, daß sofort ein Mädchen verlangt werde, er machte uns Thee, kochte Eier und besorgte später am Abend nach mei­ner Angabe noch einige Einkäufe für den nächsten Tag, bill'g und gut, wie die sparsamste Hausfrau, sagte ich meinem Arthur, und ganz anders, wie eine Perfekte.

Was für ein wundervoller Morgen war der nächste, Außen und Innen Heller Sonnenschein. Arthur ließ freiwillig einige Besorgnisse wegen des Mittagscher.s blicken und schlug vor, wir möchten zusammen in einer Restauration effen, aber davon wollte ich nichts hören. Kaum war er fort, so rannte ich eilfertig auf den Markt, um rechtzeitig zu Hause zu sein, wenn sich ein Mädchen melden würde. Lessing ging mit dem Korbe hinter mir; ich war nie in meinem Leden auf dem Wochenmarkte gr» wesen und es machte mir großen Sprß, ich kaufte Fleisch, Eier, Butter und Tauben, die billig waren. Sehr befriedigt mit dem Beginn meiner Thätigkeit kehrte ich heim.

Aber hier begegnete ich einem unerwarteten Di­lemma. Es wäre mir um Alles in der Welt nicht möglich gewesen, die Tauben zu schlachten, ich blickte zweifelnd auf Lessing, der Feuer machte, Kartoffeln schälte und geschäftig hin und her liif.

Da klingelte es.

L-ssing stürzte hinaus.

Gnädige Frau, da sind zwei Mädchen."

Zwei? Nun hcffentlich keine Perfekte", sagte ich innerlich.

Nein, Perfekte waren es nicht, sie hatten sogar noch niemals gekocht, das ging also auch nicht.

Als ich wieder in die Küche kam, hatte Lessing die Taubm dersi s geschlachtet, er war ein gut« müthiger Bauernjunge und an dergleichen gewöhnt. Ich war entzückt. Dieser Lessing war ein wahrer Schatz I

Im Lause des Vormittags, der mir diesmal sehr kurz erschien, gelangte ich noch in den Besitz eines Dienstmädchens, sie war ein harmloses, junges D.ng, blieb gleich da und stellte das Effen fertig.

Mit ungeduldiger Spannung sah ich Arthur entgegen, ihm meins Erlebnifle zu berichten, er lachte über meinen Eifer, das Effen schmeckte prächtig und Alles ging wundervoll.

MeineNeue" verstand nicht Alles, manches sogar machte sie geradezu verkehrt, wir verdarben zusammen einige Speisen, aber was schadet das, Arthur lachte mit mir, als unser erster Hasenbraten, der zuvor regelrecht zugesichtet war, auf der Braten- schussel wie eine Windmühle mit verschobenen Flügeln aussah, man lernt ja bald das Nöthige, ich hatte Freude an meiner Häuslichkeit, Frieden um mich und nie wieder Gelegenheit, bittere Thränen über mein A rsgabebuch zu weinen.

J e r m i s ch t e s.

Schnell gefreit. Aus Newyork wird der »Frkf. Ztg." geschrieben: Während Chicago, die be­rühmte Metropole von Illinois, in der Lieferung von raschen Eheschließungen und Scheidungen allen anderen Städten der Welt bisher den Rang ablief, kommt jetzt aus den vornehmen Kreisen Philadelphia's die Nachricht von einer Heirath, die an Schnelligkeit sicher alles Dagewesene übertrifft. Ein junger New- yorker, soeben in der Stadt der Bruderliebe zum Besuche angelangt, war von einer fashionablen Familie zum Besuch res Theaters eingeladen. Auch eine junge Tochter im rosigen Alter von sechszchn Jahren war von der Parthie, und Cupido fügte es, daß die beiden jungen Leutchen, die sich nie zuvor gesehen, nebeneinander zu sitzen kamen. Nach Schluß des ersten Aktes, in welchem ein Liebespaar (das sich natürlich im letzten Aktkriegt") auftrat, erklärte der Jüngling dem Backfisch seine Liebe. Nach dem zweiten Akt willigte sie ein, die Seine zu werden und zu Beginn des dritten Aktes flüsterten die Lieben­den zur großen Störung der Umsitzenden miteinander, worauf sie sich einer nach dem anderen entfernten. Sie hatten einen bekannten Seelsorger im Parterre entdeckt, den sie sogleich ins Foyer rufen und die Trauung dort auf der Stelle vornehmen ließen. Papier und Feder, um den heiligen Akt zu unterzeichnen, lieferte der Portier; dieser Würdige und die respektable Logenfrau unterschrieben sich auch als Trauzeugen. Inzwischenkriegten" sich auf der Bühne die beiden Liebenden und das Stück ging unter rauschendem Beifall zu Ende. Als Papa und Mama schon in der Garderobe standen und sich ungeduldig nach den jungen Leuten umsahen, schlenderten diese Arm in Arm daher und stellten sich den erstaunten Eltern alsMann und Frau" vor. Sie waren schneller noch zum Ziele gegangen, als jene Liebenden auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Moderne Jugend. Der verwittwete Amt­mann 3E. bewarb sich um die Hand eines reichen Mädchens und wie es schien, mit Glück. Plötzlich aber begünstigte sie einen andern, den sie auch hei- rathete. Ein Jahr darauf starb die junge Frau. Der Amtmann saß mit seinem achtjährigen Sohn beim Frühstück, als er die Nachricht las.Siehst Du", sagt er zu dem Knaben,es ist gut, daß ich Fräulein N. nicht geheirathet habe, gestern ist sie ä gestorben".Ja, Papa", entgegnete der Junge, isie wären wir los, aber ihr Geld hätten wir doch s eingesackt."

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Vor der Front. Feldwebel: Es ist schade, Kerl, daß man deine Dummheit dereinst nicht in Spiritus aufbewahren kann!

Redaktion: A, Sch eh da, Druck und Vertag der Brüht'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.