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Hüns in die seine zu legen, die deutsche strahlende Braut, ein fürstliches Diadem in den Locken, im weißen silbergesticktm Atlasgewande, dessen weithin üder den kostbaren Teppich und dir Blumenfülle hinflseßende Schleppe von zwei Pagen getragen wurde. Weiß, wie die Orangenblüthen in ihrem Goldhase, schimmerten Hals und Nacken mit dem kostbaren Perlenschmuck und stolz war der Blick, der nach der Trauung jenen Mann streifte, dem sie nun üZigehörte. Ach, er war damals schon ihrer Jugend und Schönheit nicht mehr würdig. Verfallen Antlitz und Gestalt — durch das Haar zogen sich schon S lberfädm, nur die Augen leuchteien noch mit jenem alten dämonischen Zauber, wie die Sage ihn den Augen der Valois und — der Stuarts zuschreibt. Wer das Alles doch vergessen könnte, was einst ge- wesen! Die Fluthsn des irdischen Lethestrom- , zu dem er sich niederbeugte, der feurige Wein, der fort und fort seine Lippen netzte, brachte nur Betäubung, Sun Vergessen und die Nacht brachte keinen Schlaf. Dir Freunde hatten ihn verlassen — wie sollte er fttu verfehltes Leben ertragen?! Wer half ihm?! So fragte er jeden Abend und jeden Morgen. — Ec horchte auf den Springbrunnen unter dem Altan. Leise wogte es zu ihm herüber und sang und klang — aus einzelnen Tömn und abgebrochenen Takten setzte sich ein Lied zusammen — eine süße, fröhliche Melodie, die sie in dem fernen Schottland dem letzten Swart einst gesungen:
„Prince Charlie is my darling, Te young Chevalier!“
Warum stöhnte der einsame Mann in der Nacht so verzweifelt auf und barg sein Gesicht in seine bleichen schlanken Hände?"
Wie Nebel zerriß es plötzlich vor seiner von Gram umnachteten Seele — ein Helles Bild stieg empor. . .
Es war im Jahrs 1745, als man jener Jubel- lisd, dessen Melodie der Springbrunnen summte, zu« erst sang — der junge Kriegsheld von Preston Pans, Kurl Edwart Stuart, war an der schottischen Küste gelandet. Das Volk der Schotten strömte dem Prätendenten der Krone in Schaaren entgegen — umringte ihn, küßte ihm Hände und Füße und streute Blumen vor die Huss seines Pferdes. Und ein junges reizendes Mädchen von kaum 16 Jahren, ein Köpfchen, wie von dem Pinsel eines Watteau gemalt, rosig und weiß mit hazel eyes, tauchte dicht neben ihm auf, einen großen Slrautz blauer Glocken« blumen in den Händen jener berühmten blue bells of Scottland, die das Glück bringen. Mit bezauberndsten Lächeln reichte sie dem Ltzten der Stuarts den Strauß hinauf und er nahm ihn lächelnd und bankend und führte ihn ritterlich an dis Lippen. Dann mischte die junge Geberin, heiß erröthend, ihre silber« Helle Stimme wieder in den Chor, der brausend da« hinströmte:
hatten die Truppen Georg's II. aus Flandern die Anhänger des L-tzten der Stuarts bei Culloden ge« schlagen und der jugendliche Prätendent der schottischen Krone war nichts mehr als - ein heimathloser Flüchtling auf fremdem Boden. Aber er war nicht verlassen und einsam — ein junges lieblichesr'Wesen theilie mit ihm die Verbannung; die blue bells of Scottland hatten in der That Glück gebracht, da, stille verschwiegene Glück -einer opferwilligen, bis in den Tod getreuen Liebe. Die Spenderin der blauen Blumen, Mary Walkinshaw, gehörte in heimlicher Ehe ihrem vielbewunderten Prinzen ohne Land an. I« dem Siebe von den blue bells of Scottland lautet ja die eine Strophe zu ihrem Preise, daß sie:
„an emblem that her daugthers tre modest loyal and true —*
Mary's süße Stimme sang ihm zu tausend Malen jenes Willkommen-Lied des schottischen Volkes zu seinem Trost, und ihre junge warme Schönheit entzückte seine Augen und sein Herz in der kalten Fremde, er nannte sie nur seine Glockenblume.
t Jahrelang blühte sie an seinen irren Wegen, in dem Lichte der Stuartaugen, nichts begehrend, als Armuth und Gefahr mit ihm thrilen zu dürfen, ihn hegend, pflegend und tröstend. Sie welkte endlich in feinen Armen, in Rom, nachdem sie einer Tochter das Leben gegeben.
„Unser Kind wird leben, um Dich zu lieben und zu pflegen, wenn ich nicht mehr bei Dir bin auf Erden", — flüsterte sie sterbend — „die frommen Nonnen werden sie fromm für Dich erziehen!"
Eine entfernte Verwandte des Letzten der Stuarts nahm sich des kleinen Wesens an nach dem Tode der Mutter, und brachte e» später in das Kloster der barmherzigen Schwestern nach Paris. Als der trostlose Gatte an dem Sterbelager der geliebten Frau kuirte, da schwebte von den fieberglühenden Lippen Mary's noch einmal — leise wie ein Hauch — das Triumyhlied:
„Prince Charlie is my darling!“
Die kleinen Hände hoben sich, wie damals, als sie ihm den Strauß hingereicht, jenes geheimnißvolle Lächeln, wie es nur der Anblick der himmlischen Herrlichkeit auf den Lippen der Scheidenden erblühen läßt, schwebte um den süßen Mund, der nur Worte der Liebe und des Trostes für den Verbannten ge« hab!, noch ein Seufzer — und sein guter irdischer Schutzengel war von dem Letzten der Stuarts gewichen.
Da eben geschah es, daß der Vereinsamte, ohne Halt, ohne Hoffnung, ohne Glauben, nach jenem Lethesirom schrie, in dessen Wellen nur zu bald seine Kcaft, sein Stotz, seine Schönheit rettungslos versanken. —
„Prince Charlie is my darling!“ sang und rauschte der Springbrunnen weiter in jener schlaflosen Er-nnerungt-Nachr. —
(Fortsetzung folgt.)
„Prince Charlie is my darling!“
Armer Prinz Charlie! Kaum ein Jahr später ;
Rcdaction: A. Scheyda. — Druck und
Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gieße».


