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Lsgrs einen solchen HöZepankt aunahmkn, daß dis Arms in heftige Krämpfe Verfiel. Am andern Morgen wurde sie von einem tobten Knabm ent­bunden. Noch denselb n Abend trat ein starkes Fieber ein, das von Tag zu Tag zunahm und sie dis an dm Rand des Grabes führte; wochenlang schwebte die Kranke zwischen Tod und Leben, und als sie endlich nach Monaten so weit osnesm war, daß sie das Bett verlasim konnte, war das einst so schöne Weib nur noch ein Schattenbild, eine Ruine, ja, was das Maß des Entsetzlichen voll machte, war dis fürchterliche Entdeckung, daß sie in dieser unheil­vollen Krankheit ihre glockenhelle, vielbewunderte Stimme unwiederbringlich verloren hatte,' die durch keine der angewandten Kuren auf's Neue heroorge- zaubert werden konnte.

Ihr Gemaol hatte unierdeß sein wüstes Leben obne Unterbrechung forlges tzt; um die nöthigen Gelder hierfür zu beschaffen, verkaufte er hinter dem Rücken seiner Gattin ein Stück nach dem anderen von ihren, viele Tausende werthen Schmucksachen, ja rr hatte sogar, wie es sich später herausstMe, das ganze Ameublement der Villa verpfändet. Bis dahin war es mir nicht möglich gewesen, zur Hülse und Pflege der Kranken herbeizueilru, weil unsere, mit einem unheilbaren Leiden behaftete Mutter inem langsamen, aber sicheren Ende entgegenging und ich dieselbe nicht verlassen konnte. Nachdem der Him­mel sie endlich erlöst Ha ie, reiste ich sofort ab, aber wie rrschraä ich, als ich meine Schwester so furcht­bar verändert wiedersah."

Auguste Brandt unterbrach sich und sagte:

Doch ich bitte um Entschuldigung, Herr Geheim­rath, daß ich so weitschweifig geworden, es kann Sie unmöglich das traurige Schicksal meiner Schwester in der Weise interesstren, daß"

O, da irren Sie, liebes Fräulein", erwiderte Wolter,ich fühle eine herzliche Theilnahme mit der so schwer Geprüften und bitte darum, in Ihrer Er­zählung fonzufahren."

(Fortsetzung folgt.)

Km alles Lied.

Novellette von Elise Polko.

(Nachdruck verboten.)

Ach daß man nimmer halten kann.

WaS uns nur Freuden brachte, Und daß man nie vergessen kann, Was uns so elend machte."

M. Hartmann.

Za, die Nacht ist keiner Schlaflosen Freund, die stille Nacht mit den taufend und aber tausend Ge­danken, die sie ausscheucht, daß sie umh rflattern w'e scheue Vögel tm engen Käfig, mit der Qual dir Erinnerungen und jener grenzenlosen Sehnsucht nach Aflem, was uns unerreichbar fern, Auch die

mondscheindurchflimmerte Nacht wär es nicht, wie sie eben jetzt in den Prunkgemächern eines alten Florentiner Palastes auf leisen Sohlen einherschlich, mit großen, geheimnißvollen Augen in alle Winkel und Ecken schaute, und über den zauberischen Garten spielend ihrs silbernen Schleier warf. Di? mächtigen Pla­tanen und die dunklen, melancholischen Ulmen schauerten läse zusammen, die Orangeblathm tropften lautlos zu Boden und die Rosen zitterten, als die kühle Hand der Nacht über sie hinstrich, von dm Riesenpinien aber wehte es herüber wie schwere Seufzer. Auch der geisterhaft emporsteigend- Svring- brunnen unter dem geöffneten Al an im ersten Stockwerk des finstern Baus rauschte und plätscherte ganz anders wie im Hellen Tageslicht, er­zählte nur traurige Geschichten und summte nur selt­same vergessene Melodien ans längst vergangenen Zeiten, denen der gebrochene Mann, der in dem tiefen Sessel an der offenen Balkonthür ruhte, lauschen mußte, fort und fort, weil er keinen Schlaf finden kannte. Tief vergraben in bett Falten eines dunklen Sammetgewandes, das auf feine Füße niederfiel und die hohe Gestalt umhüllte, stützte er das ergrauen? e Haupt in die Hand und schaute hinaus in den eir» ssmen Garten mit ruhelosem Blick. Das waren Augen I Von goldig schimmerndem Braun war ihre Fa.be, die schwarzen Wimpern bogen sich an den Spitzen aufwärts, wie mit feinstem Pinsel gezeichnet erschienen die Brauen, die nach der Mitte der Stirn sich zusammendrängten. Ein Meer von Trauer und düsterem Fmer überfluthete aas ihren Blicken den mondbeleuchteten Garten.

Und da waren sie wieder, die Gespenster brr Erinnerungen, da zogen sie wieder ihre Kreise um ihn, aus denen es kein Entrinnen gab. So, genau so glitzernd hell und geyeimMvoll strahlend war jene schrecklichste Nacht seines Lebens gewesen, als sie, sein schönes blondes Weib ihm entfloh, um nie wieder zu ihm zurückzukehren, sie, die er g liebt mit verzehrender Leidenschaft, die er heute noch liebte, trotz allen Jammers, den sie über ihn gebracht. Ueber diesen breiten Weg, am Springbrunnen vor­bei, waren ihre kleinen Füße gewandert, seine Tropfen waren auf ihr dunkles Gewand niederge- stäubt wie Brillanten, sie hatte wohl noch ein­mal ihr stolzes, blühendes Antlitz im Rahmen de« üppigen Goldha r§ nach seinem Fenster gewandt, und die blauen Augen hatten dann wohl wie im Triumph geleuchtet, in dem Bewußtsein, daß die Freiheit jetzt winke, die Freiheit und das Glück der Liebe, die höchsten Güter des Lebens. Die end­liche Erlösung war ja aus der Gefangenschaft ein?» Ty rannen, eines Eifersüchtigen, eines Verkommenen. Keine Kinderhand war da, die Fliehende festzuhalten. Sie verließ ihren Gatten und sti b ihn zurück in die tiefe Einsamkeit, in eine endlose Nicht, der Mn Tag mehr folgen konnte.

Wie eine junge Königin hatte sie einst in den Marmorhallen des Palazzo Marefochi in Maeerra neben ihm gestandtn, die herrliche Gestalt, um ihr?