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„Das ist ein großes Wort gelassen ausgesprochen! Mir hat er gesagt, Sie sollten diese Schmach mit dem Leben bezahlen, und wenn er mit Ihnen abgerechnet habe, dann wolle er von mir Genugthuung fordern."
„Genugthuung?" fragte der Hauptmann in hartem Tone. „Von ihm muß sie gefordert werden, und wie kann er sie geben!" Wenn er eine Forderung an Sie stellen sollte, dann verweisen Sie ihn an mich!"
„Sie dürfen nicht übersehen, daß ich Landwehr- Osficrer bin I"
„Muß ein LandwehoOfficier einem Ehrlosen Genugthuung geben?"
„Ich habe sie nicht zu geben, sondern zu fordern!"
„Das sind Wortklaubereien, Herr Referendar. Beantworten Sie meine Frage, wie ich sie gestellt habe!"
„Sie nennen Ackermann einen Ehrlosen —"
„Und wenn ich dies thue, dann werden Sie wohl nicht bezweifeln, daß ich ein Recht dazu habe."
„Und Sie wollen dies auch dem Landrath sagen?" 1
„Mit dürren Worten", nickte Herr von Görlitz, während er den Grog mischte und die Gläser füllte. Hätte ich früher gewußt, was ich heute weiß, so trüge ich jetzt den Arm nicht in der Binde —"
„Also der falsche Würfel —"
„Still, still, Ihnen darf ich meine Gründe nicht nennen, wenigstens heute noch nicht, und es ist fraglich, ob die Verhältnisse das jemals gestatten werden."
(Fortsetzung folgt.)
Die Brandstifterin.
Eriminal-Novelle von Andrö Hugo.
I.
Die Thal einer Macht.
„Sagen Sie, Herr Director, ist der Verfasser des hier in der „Gegenwart" mit so entschiedenem Lobe besprochenen Buches Ihr Lehrer Kirchner oder ist es em anderer?
Der Herr Amtsrichter Schäfer legte mit diesen Worten die Zeitschrift auf den Tisch und sah den Gefragten scharf an.
„So viel mir bekannt ist", entgegnete der Schul- director Grimm, ist der Autor des genannten Werkes allerdings der unter meiner Direction stehende Lehrer Kirchner. Der junge Mann hat sich auf dem speciellen Gebiete der Methodik schon manchen Preis geholt. Mlt einem ziemlich gewandten Stile ver- btndet er eine nicht zu unterschätzende Belesenheit und eingehende Sachkenntniß, die mir schon öfters impomrt hat. Absichtlich aber habe ich ihm diese meine Meinung nicht offen in's Gesicht gesagt, um ihn nicht eitel zu machen und dann auch deswegen,
/L111? 3U veranlassen von hier wegzugehen. Sie selbst, Herr Amtsrichter, wissen ja, wie schwer
es hält, bei den kärglich bemessenen Gchältertt unserer Elementarlehrer, diese auf den hiesigen Stellen zu behalten. Alle drängen mehr oder weniger nach der Residenz, da ihnen dort ein anständiges Gehalt und noch viele andere Annehmlichkeiten de« Lebens geboten «erden. Kirchner wäre wohl auch längst dort, wenn er sich durch seine Nebenbeschäftig- ungen nicht noch bester stände, als in der Residenz.
„Sie meinen seine literarische Thätigkeit?"
„Richt nur diese. Kirchner besitzt angeborene« musikalisches Talent und hat deshalb und durch seine hervorragende Technik im Klavierspiel viele und gute Klavierstunden und ebenso eine Anzahl Gesangvereine, denen er als Dirigent vorsteht."
„Leidet unter diesen vielseitigen Engagement« aber nicht seine amtliche Thätigkeit?"
„Bis jetzt habe ich noch nie die geringste Klage hierüber gehabt. Kirchner ist ein tüchtiger Arbeiter, con robustem Körperbau und stählernen Nerven, er thut seine Pflicht in pünktlichster Weise und habe ich deshalb keinen Grund, mich um sein außeramtliches Wirken zu kümmern."
„Ist er nicht auch verheirathet?"
„Gewiß. Er hat eine Putzmacherin geheirathet. Sie hat ihm zwar keine Reichthstmer mitgebracht, dafür aber ein paar rührige Hände, einen frohen aufgeweckten Sinn und ein Herz voller Liebe. Sie sieht ihm, wie man zu sagen pflegt, die geheimsten Wünsche von seinen Augen ab, kein Wunder, wenn da sein Schaffenstrieb ganz besonders angeregt wird. Auch sie verdient durch ihr Geschick noch manchen schönen Thaler und so befinden sich die Leutchen in recht guten Verhältnissen.
In der Schenkstube des Gasthofes zum „Goldenen Ring", in dem dieses Gespräch zwischen den beiden Männern geführt wurde, erschien jetzt die Wirthin.
Frau Bester, eine derbknochige Gestalt mit zwar nicht unschönen, aber harten Gefichtszügen und einem leidenschaftlichen Blicke, trat an das Buffet des Gastzimmers und ließ die schwarzen, feurigen Augen im Locale umherschweifen. Als sie die beiden Herren am Stammtische der Nebenstube erblickte, strich sie die kokett getragene weiße Schürze zurecht und ging auf denselben zu.
„Sprechen wir nicht weiter von Kirchner, wenn die Bester kommt", sagte der Director, als diese herantrat. Ein verständigender Blick des Amtsrichters folgte diesen Worten, dann begrüßte die Wirthin die beiden Gäste nach der in kleineren Provinzialstädten üblichen Weise und begann mit den Gästen über die Stadtneuigkeiten zu sprechen. Sie erzählte dann, daß ihr Mann nach dem benachbarten Orte gefahren sei und daß ihr, wie gewöhnlich, die ganze Last de« Hauswesens heute allein zufiele. Eben wollte sie in der Aufzählung ihrer Arbeiten weiter fortfahren, als der Hausknecht herein stürzte und mit verstörtem Gesichte nach der Hausherrin suchte.
„Was giebt's?" rief diese rasch aufspringend und auf den Angekommenen zueilend.
Statt einer Antwort winkte dieser nur und die


