Genugthuurrg von Ihnen zu fordern; nun aber be- reits ein Anderer Sie zur Rechenschaft gezogen hat, kann ich wohl darauf verzichten."

Und das wagen Sie mir zu sagen?" rief Ackermann, der seinem Jähzorn nicht mehr gebieten konnte.Wissen Sie, wer ich bin?"

Nicht mehr das, was Sie waren!" antwortete Rommel, immer seine Ruhe behauptend.Die Maske, mit der Sie Jahre lang Ihre Umaebung getäuscht haben, ist gefallen, in Ihren bisherigen Kreisen werden Sie binnen Kurzem unmöglich ge­worden sein."

Sobald ich mit Ihrem Freunde abgerechnet habe, werden Sie mir diese Worte etwas näher er­klären !"

Ich stehe jederzeit zu Diensten!"

Sie werden weiter von mir hören; auf Wieder­sehen!"

Der Referendar sah ihm eine geraume Weile nach, dann trat er kopfschüttelnd den Heimweg an.

Es fiel ihm jetzt schwer auf die Seele, daß er sich in eine Sache eingelassen hatte, die sehr unglück­lich für ihn enden konnte; indessen es war ge­schehen, und es ließ sich nun nicht mehr ändern.

Ackermann hatte offenbar den Streit gesucht, das bewiesen nicht nur seine rohen Aeußerungen über die Sängerin ein fernerer Beweis dafür mußte auch darin gefunden werden, daß er bis zur Abfahrt der Signora im Theater zurübgeblieben war.

Er mußte durch irgend eine Aeußerung den Zorn des Hauptmanns herausgefordert haben, und daß dies absichtlich geschehen war, konnte wohl keinem Zweifel unterliegen.

Aber daß Herr von Görlitz, dieser sonst so ruhige Mann, sich zu einem thätlichen Angriff hatte hinreißen lassen, das begriff der Referendar nicht.

Es war ihm lieb, daß die Damen bei seiner Rückkehr sich schon in ihre Zimmer zurückgezogen hatten; er ging ohne Verzug in die Stube des Hauptmanns, der sich bereits zu Hause befand.

Bitte, schließen Sie die Thür und setzen Sie sich hierher zu mir", sagte Herr von Görlitz, während er die Spirituslampe anzündete.Damit wir ganz ungestört sind, habe ich meinen Burschen zu Bett ge­schickt; unfern Grog können wir Beide ja auch ohne ihn bereiten."

Rommel kam der Aufforderung nach. Die Ruhe, die der Hauptmann äußerlich zeigte, machte auf ihn einen unheimlichen Eindruck.

Das war ein aufregender Abend!" erwiderte er, an seine goldene Brille drückend.

Aufregend? Dadurch vielleicht, daß ich mich gezwungen sah, einen Butzen zu züchtigen?" spottete Herr von Görlitz.Die Sache war sehr rasch ge­ordnet"

Aber wie kamen Sie dazu?"

Ackermann hatte schon während der Vorstellung meine Braut beleidigt"

Hat Ihnen Maiwind das gesagt?"

Was sollte er mir sagen?" fragte Görlitz rasch

und sein Blick heftete sich forschend aus das Antlitz des Referendars, der seins Verlegenheit nicht ver­bergen konnte.Sie und Maiwind waren ja mit Ackermann in derselben Loge; hat er auch Be­merkungen geäußert, die für meine Braut beleidigend waren?"

Ich muß diese Frage leider bejahen", nickte Rommel.Rach der Vorstellung wartete ich vor dem Theater auf ihn, um wegen dieser Beleidigungen Genugthuung von ihm zu fordern."

Ein bitteres, verächtliches Lächeln umzuckte die I Lippen des Hauptmanns.

Er würde das Alles nicht gethan haben, wenn er wüßte aber lassen wir das!" brach er plötzlich ab, als er dem erwartungsvollen Blick des Freundes begegnete.Er kann die Demüthigung, die meine Braut und ich ihm bereiteten, nicht vergessen, und dann liegt seinem Haß gegen mich auch noch eine andere Ursache zu Grunde. Im Zwischenacte kam er hinter die Coulissen; er blieb dort bis zum Schluß der Vorstellung, und so oft meine Braut in seine Nähe kam, mußte sie Worte vernehmen, die sie nur auf sich beziehen konnte, und die im höchsten Grade beleidigend für sie waren. Sie hatte mir das am Schlüsse der Vorstellung im Fluge mitge- theilt, und in demselben Augenblick hörte ich auch schon die Stimme des Unverschämten hinter mir. Was dann geschah, habe ich gesehen; seine rohe Aeußerung verdiente die Erwiderung, die ich ihm gab. Aufrichtig gesagt, begreife ich sein Benehmen nicht. Ackermann hatte bisher stets das Auftreten eines vollendeten CavalierS; er muß sich seit einiger Zeit in einer furchtbar gereizten Stimmung befinden."

Die sich immerhin erklären läßt", erwiderte der Referendar.Er hat sich genöthigt gesehen, sein Amt niederzulegen."

Das that er freiwillig!"

Hm, Sie kennen ja die Redensart: Abgegangen worden! Um der Absetzung zu entgehen, kommt man freiwillig um seine Entlassung ein. Ich weiß au- guter Quelle, daß man sehr unzufrieden mit ihm war und die Rothwendigkeit seiner Entlassung be­reits ausgesprochen hatte. Run mag's ihn wurmen, daß er den Schritt thun mußte, und daß sein Ab­schiedsgesuch so rasch und ohne Ordensverleihung be­antwortet wurde. Sodann ist sein ganzes Vermögen in den Händen eines Mannes, von dem man be­hauptet, daß er vor dem Bankerott stehe; und seine Gattin steht im Begriff, sich auf immer von ihm zu trennen; und da ist's kein Wunder, wenn er sich in gereizter Stimmung befindet. Freilich entschuldigt ihn das nicht im Gegentheil, er sollte unter solchen Verhältnissen sich den Personen, die er haßt, fern halten; aber es rast der See und will sein Opfer haben!"

Diesmal wird er auf das Opfer verzichten müssen!"

Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; was wird nun geschehen?"

Nichts!"