Ausgabe 
21.12.1886
 
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zu erleichtern suchen. Wir meinen dieDeutsche Literaturgeschichte von Robert Königs, Leipzig und Bielefeld bei Velhagen und Klasing, 840 S. gr. 8, die jetzt in der 18. Auflage, die übrigens mit der 16. und 17. übereinstimmt, vor­liegt. Denn dieses Buch hat einen der größten Er­folge errungen, den der deutsche Buchhandel der Neuzeit zu verzeichnen hat. Im Jahre 1879 er­schien es zum ersten Male und hat also im Lauf von 7 Jahren die angegebene große Zahl von Auf­lagen erlebt, was für ein Werk von solchem Umfang wohl beispiellos und auch um deswillen bemerkens- werth ist, weil es neben sehr anerkennenden Urtheilen auch an übelwollender Kritik über dasselbe nicht ge­fehlt hat. Nicht an gelehrte Fachkreise, sondern an das deutsche Haus, die deutsche gebildete Familie wendete sich der Verfasser mit seiner Arbeit in erster Linie, um sie für die genauere Kenntniß unserer vaterländischen Literatur zu erwärmen und ihr zu­gleich eine anregende, im besten Sinne des Worts erfreuende und geistig fördernde Unterhaltung zu ge­währen. Diesem Zweck gemäß gestaltete er den dar­legenden und erzählenden Text, und um das Inter­esse und das Verständniß desselben zu beleben und zu fördern fügte er ein Jllustrationsmaterial hinzu, das in dieser Weise noch in keinem ähnlichen Werke so vereint aufgetreten war. Der Verfasser hatte damit einen höchst glücklichen Griff gethan, und die alle Erwartung übersteigende günstige Aufnahme, die sein Buch trotz rmncher Konkurrenz, die es hervorrief, bis jetzt in den Kreisen, für die es berechnet war, gefunden hat, läßt gewiß den Schluß berechtigt er­scheinen, daß es einem tief empfundenen Bedürfniß entgegen gekommen und daß die darin eingeschlagene Weise, in ein Gebiet einzuführen, deffen nähere Kenntniß für ein dringendes Erforderniß allgemeiner Bildung gilt, eine wohlgelungene ist und des Bei­falls der überwiegenden Menge der Gebildeten unseres Volks sich erfreut. Und so ist dennKönigs Literaturgeschichte", wenn ja auch Manches darin eine etwas andere Auffassung und Darstellung zu­lassen und von anderem Standpunkte aus manches Urtheil auch anders ausfallen mag, jetzt schon ein sehr werthvoller lehrreicher, Kenntniß, Urtheil und Geschmack bildender Schatz in der Hausbibliothek unzählicher deutscher Familien gewordW und verdient noch auf lange Zeit hinaus, ein Lieblingsbuch in denselben zu bleiben. Denn der seit der 9. Auflage schon beträchtlich erweiterte und vrrmehrte Text, der die Entwicklung des deutschen Schristthums von den ältesten Epochen an bis auf die neueste Zeit hin, in ansprechender, allgemein verständlicher Sprache mit steter Berücksichtigung der neueren wissenschaftlichen Forschung trefflich darlegt, ist in der vorliegenden Aus­gabe nicht nur auf der früheren Höhe geblieben, sondern hat an wissenschaftlicher Vertiefung und hie und da an zweckmäßigerer Fassung noch gewonnen, indem dabei bie Winke einer berechtigten Kritik nicht

bildliche Schmuck, der eine Eigenart des Buchs aus­macht, einen entsprechenden Zuwachs erfahren. Denn die 18. Auflage enthält nicht weniger als 263 Ab­bildungen und 43 zum Theil farbige Beilagen. Es sind dies nicht willkürlich von einem Zeichner zur Erläuterung des Textes Phantasiegebilde oder , hier und da zusammen gesuchte Clichös, sondern eines» theilS authentische, kunstvoll in der ganzen Pracht ihrer Farben nach den Originalen gefertigte Nach- bildungen alter Handschriften und Miniaturen aus der Zeit von Gutenberg (es sei hier allein nur an die prachtvolle Textprobe aus Ulfilas codex argenteus erinnert), anderntheils getreue Imitationen alter Drucke mit Titelkupfern und Titelblättern der ersten Ausgaben sowie von Faesimiles erhaltener berühmter Manuscripte und Schriftproben aus neuerer Zeit (z. B. von Lessing, Göthe, Schiller, Uhland, Chamisso, Lenau, Reuter, Scheffel u. v. a>), denen sich endlich eine große Menge interessanter, meist wohlgelungener Portraits von deutschen Dichtern und Schriftstellern aus alter und neuer Zeit nach den seltensten Stichen anreihen, die das Interesse an den Geisteswerken dieser Persönlichkeiten nur noch mehr fesseln und er­höhen können. Auf diese Weise gewährt Königs Arbeit nicht nur ein farbenreiches und umfassendes Bild von dem, was unsere Altvordern in den ver­schiedenen Zeiträumen unserer literarischen Vergangen­heit, gedacht, gefühlt, gesagt und gesungen, sondern zeigt auch aufs anschaulichste und fesselnste, wie sie ihre Geistesproducte vervielfältigt, wie sie Bücher geschrieben, gedruckt und geschmückt und der Nach­welt überliefert haben. Bei solcher Reichhaltigkeit und Gediegenheit vermag dir Beschäftigung mit diesem typographisch glänzend ausgestatteten Buch, das in Halbiaffian gebunden zu dem mäßigen Preis von 18 JL. zu haben ist, den edelsten Genuß zu ge- währen und darum können wir nur wünschen, daß es an dem bevorstehenden Feste, das ja meist auch der Familienbibliothek irgendwelche Bereicherung zu bringen pflegt, auch bei uns unter recht vielen Weibnachtsbäumen gefunden werden möge. Wer es wählt, trifft, des sind wir gewiß, eine gute Wahl, die ihn schwerlich gereuen wird.

Schließlich bemerken wir noch, daß von Herrn Dr. König ganz neuerdings mit Anlehnung an das vorliegende, umfangreichere Werk noch ein kurzer Abriß der deutschen Literaturgeschichte" als Hilfsbuch für Schule und Haus, mit 13 Beilagen und 67 Abbildungen im Text eigens bearbeitet worden und in demselben Verlag und der­selben Ausstattung (202 S. stark, gr. 8, zu dem Preis von 2 M. 50 H) erschienen ist, der sowohl im Hinblick auf die sehr geschickte Auswahl, Behand­lung und Gruppirung des Stoffs wie des illustrativen Beiwerks als recht brauchbare Vorschule für die größere Literaturgeschichte Schülern und Schülerinnen reiferen Alters wie auch andern jüngern Familien­angehörigen aufs Wärmste empfohlen werden darf.

unbeachtet geblieben sind. Und ebenso hat auch der

Reduktion: A. Schetzda. Druck und Verleg der Brühl'schm Druckerei Gr. Shr. Pietsch) in Gießen.