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Kopfe merkwürdig hin- und herwackelnd, hatte sich James bis auf etwa zehn Schritte genähert, mit einem wilden Schrei, in dm die Andern einstimmten, sprang er in die Höhe und legte taumelnd die Büchse auf das Büffelkalb an. Da drang von dem Büffelkalb ein gellender Ruf her, es stürzte zu Boden, fast in demselben Augenblicke wurde James Büchse zur Seite geschleudert und gleich darauf erhielt er von einer kräftigen Hand ein paar Ohrfeigen, daß es ihm in seinen Gehörorganen ordentlich summte, während eine zornige Frauenstimme ausrief:
„Ihr habt mir einen Todesschreck eingeprgt, Ihr langer Schlagtodt Ihr und dafür mußte ich Euch doch ein paar hinter die Ohren geben, Ihr habt's redlich verdient?'
Var dem völlig verblüfften James stand ein junges Mädchen, welches vielleicht 19 bis 20 Jahre zählen mochte, am Boden aber lag eine Büffelhaut, an der sich noch der Kopf mit dm Hörnern befand und den Jägern, die sich allmälig um die Beiden sammelten, ward es nun klar, daß das Mädchen in der Büffelhaut gesteckt hatte. Auf die sehr erklärliche Frage, wie sie in die Büffelhaut komme, erwiderte die offenbar sehr couragirle Person, indem sie mit der Hand auf eine dunkle Masse in der Ferne deutete:
„Seht, dort komme ich her, wo ich mit meiner Mutter und meinen beiden Brüdern auf 'nem klemm Stück Land lebe. Red ist erst zwölf Jahre alt und kann noch nicht auf die Jagd gehen und Bill, der ein paar Jahre älter ist und das immer besorgte, hat sich schon vor einiger Zeit mit dem Veil , bös in den Fuß gehauen. Na, da wir doch frisches Fleisch haben mußten, so ging ich für Bill auf die Jagd; wie man die Büchse führt, hatte mich schon mein verstorbener Vater gelehrt, außerdem unterrichtete er mich darin, wie es die Indianer machen, um sich Nachts an die Büffel zu schleichen; ich lernte, mich in ein hergerichietes Vüffelfell stecken und ben Gang dieser Thiere nachahmen; dann braucht man nur, wenn die Büffel kommen, sich unter sie zu mischen, sich einen feisten Burschen herauszusuchen und ihm ein langes, schweres Messer in das richtige Fleckchen zu stoßen. So habe ich's auch heute gemacht und ich glaube, neun oder zehn Stück muffen hier herum liegen. Ein bischen riskirt ist die Sache freilich, aber an so 'was muß man sich hier draußen auf der Prairie gewöhnen. Ich konnte Euch natürlich nicht sehen, da Ihr ja im Grase lagt, d'rum ging ich so unbekümmert hier auf diese Stelle zu, da ich nachsehen wollte, ob auch alle Büffel tobt seien. Ihr könnt Euch denken, daß ich keinen kleinen Schreck kriegte, als ich plötzlich die Büchse von dem langen Menschen da auf mich gerichtet sah, ich hab's ihm aber auch gleich einge- trünkt."
„Na, das will ich meinen", gestand James ausrichtig und rieb sich die ein klein wenig geschwollene
Wange, „man sollte nicht denken, daß ein Frauen- zimmer so mordsmäßig zuschlagen könnte — und wo Ihr nur die Courage her habt, Euch so mitten unter die Büffel zu wagen - Ihr seid wirklich em Teufelsmädel."
Die Genossen James' stimmten in dieses ehrlich gemeinte Lob ein, die Gefeierte aber sagte:
„Ach, bleibt mir mit Euerm dummen Schnack vom Leibe und helft mir lieber die Büffel zerlegen und nach- Hause schaffen, Mutter wird Euch nett tüchtigen Kaffee kochen, vielleicht stndet sich auch noch ein guter Whiskey vor."
Alle griffen bereitwilligst zu, am meisten aber James, dem übrigens die unerwartete Ohrfeige ganz seine sonstige Schüchternheit gegen das weibliche Geschlecht genommen zu haben schien, denn er hielt sich, als die ganze Gesellschaft, die besten Stucke der Büffel und die Häute auf die Pferde gepackt, sich nach der kleinen Farm hin bewegte, auf welcher Miß Tompkins mit ihrer Mutter und ihren Brudern wohnte, immer an der Seite des Mädchens. Mit Wohlgefallen hingen seine Blicke an der scrstamen, biegsamen und doch krästigen Gestalt, die etwas über Mittklhöhe war und wenn der Pinge Mann Harriet — ihren Vornamen hatte James natürlich auch schon erfahren — in die schönen dunkeln Augen schaute, die aus dem ovalen, sein geschnittenen Gesichte so ernst und doch auch manchmal wieder Io neckisch hervorblickten, da gestand sich James, daß hier wohl das Ende seiner Brautschau gekommen sein könnte, wenn ... ja wenn ihn das Mädchen leiden könnte. — Nun, darüber holte sich James noch am andern Morgen, als sich eben die ^agoge- sellschaft rüstete, Mrs. Tompkins Farm, wo die Jäger eine sehr gastliche Aufnahme gefunden, wieder zu verlassen, von Harriet Gewißheit. Unter einer Gruppe von Platanen, die etwas seitlich von dem Hause stand, hatte James ein anscheinend sehr wichtiges und lebhaftes Gespräch mit dem pingen Mädchen — wo der Schlingel ans einmal nur all die Beredsamkeit her hatte! Was die Beiden da mit einander verhandelt haben, wissen wir nicht, das aber ist Factum, daß etwa nach drei Wochen James Thompson, diesmal in Begleitung seines „Alten", wieder bei Mrs. Tompkin vorritt und daß Thompson senior, nachdem er Harriet gesehen und gesprochen, erklärte, daß sein James einen „höllisch guten Geschmack" habe. Nun, das Ende vom Liede war, daß der alte Thompson für James im nächsten Frühjahr am Rio Brazo, also in dem gesegnetsten Striche von Texas, ein schönes Stück Land aussuchte und kaufte, auf welchem sich James mit seiner geliebten Vüffeljägerin niederließ, die nun freilich die Büffeljagd an den Nagel hing. Mit Behagen pflegt James, wenn ihn einmal ein guter Bekannter besucht, von seiner merkwürdigen Brantsahrt zu erzählen und wenn er hierbei meint, daß heutzutage ! den jungen Leuten solche besonderliche Geschichten I nicht mehr passirteu, so kann er wohl Recht haben.
Mdgciwa; A- Scheyda, — Diack und B-rlitg der Brühl'sche» Druckerei (Fr, fc hr. Pietsch) in Eteßen.


