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Don Jose nahm den Zettel und überlas ihn flüchtig.
„Und Don Juan ist die Nacht nicht nach Hause zurückgekehrt?" frug er endlich.
„Nein," sagte Don Augustin mit zitternder Stimme. „Anfangs sorgten wir uns auch nicht deshalb. Wir glaubten, er hätte nur den letzten Zug versäumt, und da er kein Pferd mitgenommen, vorgezogen, die Nacht hier in irgend einem Hotel zu verbringen. Wir erwarteten ihn deshalb in aller Ruhe mit dem ersten Zug. Statt dessen aber kam dieser Brief und ich bin jetzt in Todesangst hereingeeilt, um das Nähere von Ihnen zu erfahren. Weiß denn Ihre Frau — Ihre Tochter?"
„Nein, Nichts!" sagte Don Jose. „Sie fühlen sich nur beunruhigt, daß Juan heute Morgen nicht gekommen ist, und Sie statt seiner. Sie ahnen auch wohl, daß irgend etwas vorgefallen, aber nicht das Richtige.
„Und was ist vorgefallen?" rief Sennor Guitierrez in furchtbarster Aufregung; „um der heiligen Jungfrau willen, Don Jose, spannen Sie mich nicht noch auf die Folter, sondern lassen Sie mich Alles wissen."
'„Sic müssen Alles wissen," sagte Arvila ruhig; „denn nur dadurch kommen wir zu einem Ziel. Hier diesen Brief erhielt ich heute Morgen. Bitte, lesen Sie ihn ruhig durch — ich glaube auch noch immer, daß es nur ein Schreckschuß ist, denn die ganze Sache scheint mir zu undenkbar, aber lesen Sie nur."
Don Augustin suchte in allen Taschen nach seiner Brille. Er befand sich in einer so furchtbaren Aufregung, daß er sich nicht einmal auf seinen Füßen Balten konnte, sondern einen Stuhl suchen mußte. Endlich fand er seine Gläser und las jetzt mit halblauter, mir von einzelnen erschreckten Ausrufungen unterbrochenen Stimme, das mit fester und entschiedener Hand geschriebene Schriftstück. Es lautete:
„Sennor I Wenn es der Unterzeichnete wagt, Ihnen mit einer Bitte zu nahen, so geschieht es nur in der festen Ueberzeugung, daß Sie, wie Ihr Freund und baldiger Verwandter, Sennor Guitierrez, dieselbe mit allen Nebenbedingungen auf das Sorgfältigste und Prompteste erfüllen werden. Doch lassen Sie mich zur Sache kommen: Sennor Don Juan Guitierrez, der Bräutigam Ihrer einzigen Tochter Dolores ist in unserer Gewalt. Wie sich das gemacht hat, thut hier Nichts zur Sache. Wir bedauern es vielleicht jetzt selber, denn es war ein etwas gewagtes Spiel und wir werden, wenn wir ihn wieder freigebcn, zu gleicher Zeit unser Heimathland, unser schönes Mexiko verlassen müssen, um uus nicht späteren Unannehmlichkeiten auszusetzen. Zu diesem Zweck brauchen wir aber Geld — viel Geld, denn wir sind gewohnt, anständig zu leben, und dürfen unserem Vaterland im Ausland keine Schande machen. Wir ersuchen Sie deshalb, uns in guten und in Vera-Cruz schon acceptirten Wechseln, so daß wir sie in irgend einer anderen amerikanischen Hafenstadt verkaufen können — und zwar in verschiedenen Wechseln 100,000 Pesos, also jeden Wechsel zu 25,000 Pesos zu überliefern. Ich bemerke Ihnen dabei, daß wir mit der Unterschrift der verschiedenen großen Häuser in Mexiko und Vera-Cruz nicht allein selber vertraut sind, sondern hier auch noch Freunde haben, bei denen wir uns Gewißheit verschaffen können."
„Erst wenn wir darüber vollkommene Sicherheit haben, wird Don Juan freigegeben werden, und wir sind dabei überzeugt, daß Sie, mit einigem guten Willen, das ganze Geschäft in acht Tagen sehr leicht reguliren können, damit der arme junge Manu den Armen seiner sich vielleicht um ihn ängstigenden Braut zurückgegeben wird."
„Glauben Sie auch ja nicht in anderer Weise irgend etwas zu seiner Befreiung beitragen zu können. Er befindet sich, wenn diese Zeilen in Ihre Hände gelangen, schon außer dem Bereich Ihrer Nachforschungen und in den Gebirgen. Sollten Sie uns aber gar in der Zahlung täuschen wollen, oder noch schlimmer, mit polizeilicher Hilfe unsere Spur zu finden suchen, so — es thut mir wirklich


