Nr. 2f 5 Zweites Blatt________
England und die Luftfahrt
Von Stapitän z. 6. o. D. v Waldeyer-Hartz.
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Wenn heutzutage über irgendeinen Negerstaat j ein reicher Goldsegen hermederginge, und ein tat- l rüstiger Mann in diesem Staate käme auf den Ge- i danken, mit Hilfe dieses Goldsegens eine Luftttreit- mad)t für sein Daterland zu schossen, dann könnte eine Macht der Erde einen Rechiskitel finden, um diese Rüstungsmaßnahme zu verhindern. Allein Deutschland, einst eine Großmacht ersten Ron» qcs. ein Land, dein die Menschheit unendlich viel m Kultur und Zivilisation verdankt, ist durch einen Machtspruch, dem es sich gefügt hat, daran ver- i hindert, im Gebiet der Lust militärische Bedeutung II äu gewinnen. Unter allen Knebelungen, die 23er- || sailles uns auferlegt hat, ist vielleicht diese Knebe- I lang eine der schlimmsten. Denn es kann nicht dem ceringflen Zweifel unterliegen, daß wir in den । Anfängen der Luftschiffohrt stecken, und daß die Entwicklung nach ungeahnte Bahnen einschlagen wird. Troy Völkerbund und Pazifismus ist jede Großmacht daraus bedacht, ihre Luftrüstungen zu : vermehren, nicht zumindest England, das in ge- ; tniffem ©inne infolge Eroberung der Luft durch die ' Menschheit den Schuh seiner Insellage verloren hat. Seif Jahrhunderten ist jeder Brite darauf ein- ce schworen, daß im Grunde genommen nur sein Vaterland ein Anrecht auf ©eeherrschast habe. Neuerdings wird in England die Werbetrommel dafür gerührt, daß es sich auch in der Luft nur wenig anders verhielte. Der Brite ist davon durchdrungen, daß sein Volk das auserwählte sei, daß ihm von Rechts wegen der Thron der Weltherrschaft zustünde, und daß die anderen Völker in keiner Hinsicht mit dem Britentum wetteifern durften. Der Sag, daß Sie Entwicklung der Luftmacht für England wahr- icheinlia; wichtiger als für alle anderen Länder wäre, ist bereits im Unterhause vertreten worden. Und es geschieht alles, um diese Auffassung in Engend zur Herrschaft zu bringen Die britischen Luft- i'treitkräste sollen nach parlamentarischer Verlautbarung derart stark gemacht werden, daß ein jedes Solk es sich lange überlegen müsse, bevor es Eng- länb angriffe. Während des letzten Krieges konnte j man sich nicht genug daran tun, den deutschen Mili- , lärismus zu verunglimpfen. Die Entwicklung der ^uftschiftahrt bringt England dazu, diesen Militarismus im eigenen Lande nachdrücklichst einzubür- gern. Voller Erstaunen müssen wir erfahren, daß man bereits daran gegangen ist, die Unioersi- taten Oxford und Cambridge für militärische Zwecke heranzuziehen. In den beiden hochan- gesehenen Plätzen der Wissenschaft finden sich heute ,-ugzeutzgeschwader untergebracht, die dazu dienen tollen, die Studenten neben ihrem Studium für den Flugdienst auszubilden. Glückt der Ver»
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such, bann wird beabsichtigt, eine gleiche Einrichtung auf sämtlichen britischen Universitäten zu schaffen.
lußerdem plant die Regierung, zahlreiche Leicht- islugzeugklubs ins Leben zu rufen, um unter Aus- Nutzung sportlicher Interessen auch hier militärische Ziele zu verfolgen. Es liegt auf der Hand, daß auf diese Weise ohne große Kosten eine gewaltige Zahl von Flugzeug-Führern herangebildet werden kann, utib daß England somit Kriegsvorberei- I ii n g e n trifft, die die Maßnahmen seiner rein amtlichen Tätigkeit weit überschreiten. Um diesen Apparat in wchwung halten zu können, bedarf es uder auch besonderer organisatorischer Einrichtungen. Es kann daher nicht wundernehmen, daß der neue englische Marine-Etat eine Vergrößerung der Luftabteilung des Flottenstabes in der Admiralität Vorsicht. Beim englischen Heer ist man bereits soweit, besondere Reserveoffiziere für den Flugdienst auszubilden. Durch Ver- nnftaltung von Schauflügen der Luftstreitkräfte sorgt man dafür, daß das Interesse der Bevölke- rung wachbleibt. So wurde kürzlich ein Geschwa- dsrexerzieren und Evolutionieren von 36 Bombenflugzeugen oorgesührt. bei dem der König zugegen mar und von der Erde aus mittels Funkentele- graphie selbst die Befehle gab. Andererseits ist man aber auch darauf bedacht, Fortschritte in der Entwicklung der Luftfahrt nach Möglichkeit geheim zu halten. Was früher nur auf Truppenübungsplätzen geschah, spielt sich jetzt auch in der Luft ab; es werben größere Räume abgesperrt, um Geheim- »ersuche mit neuen Flugzcugmodel- len auszuführen.
Wir stehen gegen diese Entwicklung völlig 3 Ii r ü <f. Deutschland ist jede militärische Tätigkeit in der Luft untersagt. Das Schlimmste ist, daß die Msse des deutschen Volkes sich hierüber nicht einmal Gedanken macht. Im Gegenteil, von Schwät- ujm. die ihre eigene Bedeutung himmelhoch über- schätzen, läßt sie noch immer sich verführen, dem 'ruggefpenft des Pazifismus nachzurennen. Was wird letzten Endes der Erfolg sein? Wir werden n e r w e i ch l i ch t u n d schlaff und müssen eines Tages voller Schrecken erkennen, daß die Lehren aller Theorie grau und unhaltbar sind, wenn über tu Menschheit wieder einmal eine schwere Erschütterung kommen sollte. Was nutzt uns ein fol- otr Pazifismus? Rur die deutschen Wolkenkuckucks, leimer glauben an ihn und verirren sich auf seine Bahnen. Als Erfolg kommt nur das Eine heraus: iDje Feindschaft im. eigenen Lande wächst, die ^Feindschaft zwischen den Anhängern dieses Pazi- ' smus und denen, die seine Wahngebilde durchhauen. UeberaU auf der Welt wird gerüstet, i veralt regen sich starke Kräfte. Nur in Deutschland i'irb der Ruf: „Nie wieder Krieg!" ernst genom- itn. Zu den Fesseln, die Versailles uns schlug, □gen wir aus Unverstand uns täglich neue hinzu!
Tschechoslowakische Herbststimmung.
Don unserem ständigen Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
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Prag, 25. August.
Die Regengüsse der letzten Tage mit ihren Ürberschwemmungen und Erntenöten Haden auch die Tschechoslowakei nicht verschont. Das Laub beginnt sich auch hier zu verfärben und leise fallen )i< Blätter; es will Herbst werden — das gilt nicht nur für die Natur.
Auch die schönen Tage Hfs ersten gewählten Ichechoslowakischen Parlaments sind gezählt. Jtod) herrscht in den Reihen der Regierungspar- eien selbst Unklarheit darüber, ob man es seine Jebensgeifter ganz allmählich aushauchen lassen über ob man ihm ein etwas vorzeitiges Ende Ac- citen soll. Die gesetzmäßige sechsjährige Paria- nentsdauer geht wohl erst im Frühjahr 1926, für
Senat sogar erst 1928 zu Ende. Aber allen Parteien, und nicht zuletzt denen der tschechischen Regierungsmehrheit steckt das Wahlfieber in
Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gderhessen)
Montag, 5(. August |925
den Knochen; jede hascht eifrigst nach dem geringsten Vorteil, der ihre Position den Herren Wah- lern gegenüber etwas günstiger erscheinen lallen könnte; es ist daher auch den ofidewährten Zauberkünsten J>es gewandten «ichechischen Ministerpräsidenten Schwehla nicht immer möglich öie mittlere Linie emzuhatten und, so wie bisher, auf dem Wege gegenseitiger Kompensationen seine häufig recht ungebärdigen Lämmlein zur Schweigsamkeit und in eine Front zu bringen.
Vor allem sind es die Nachwirkungen der N u n t i u s a f f ä r e, die die tschechischen Gc- müter nicht zur Ruhe kommen lassen. Hie Hus — hie Rom — schallt der Kampfruf. Herr Mar- maggio verharrt grollend in Rom, wohin er Hals über Kopf abfuhr, als die rote Hulsitenfahne mit dem schwarzen Kelch auf dem Präsidentensitz am Hrodschin hochging. Die tschechoslowakifchen Bischöfe aller Nationen haben der Regierung in einem neuerlichen Hirtenbriese ordentlich die Leviten ge lesen und die Beleidigungen zurückgewiesen, die ihrer Ansicht nach mit der Regierungsteilnahme an der religiösen Husfeier der katholischen Kirche angetan wurde. Sie können sich dabei allerdings auf ein offizielles Merkbuchlein stützen, das an alle Soldaten der Tschechoslowakei verteilt wurde. Darin wird ausdrücklich heroorgehoben, daß der Präsident M a s a r y k das katholische Bekenntnis als ein „minderwertiges" ansehe. Die k a t h o . lische Dolkspartei, die treue Rompartei im Tschechenlager, muß daher wohl oder übel das Kriegsbeil ausgraben und ihre extremste Gegnerin,
lamcnt, — roepn auch als stärkste — infolge der brutalen Majorisierung aller ihrer Anträge (auch der bestehenden (auch der bestgemeinten und ver- nünftigen'i keine parlamentarischen Lorbeeren pflücken können. Ihre Wähler würdigen ihre schwie- rige Lage und werden sich dadurch nicht irre machen lasten; die Möglichkeit befiehl immerhin, daß trotz aller technischen Dahlkünste die Oppo- linon entgegen dem Wunsch der uchechischen Machthaber durch die kommende Wahl nicht ab- sondern '.unimmi. Das freilich nur dann, wenn die beut- schen politischen Parteien der Tschechoslowakei in kiihier sachlicher Uebcrlegung, mit dem Rechen- stifte in der Hand, die bevorstehende neue Wahl- Novelle überprüfen und ihre Wahltechnik danach cinridjten. fei es, daß sie eine deutsche Einheitsliste erscheinen lasten, sei es, daß sie andere taktische Mittel finden, um zu verhüten, daß bei der nächsten tschechoslowakischen Parlamentswahl auch nur eine deutsche Stimme verloren gehe.
Aus der Provinz.
Lkttvkrcis Gr V/u.
V Klein-Linden. 29. Aug. In dieser Woche tagte hier bas Oberschiedsgericht für die Reklamationen in Sachen der Feldbe- r e i n i g u n g. Eine gemeinschaftliche Reklamation, welche sich gegen den der Gemeinde ztigesprochenen Zuschlag für Baugelände richtete, wurde vor Ein
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die tschechische nattonalfozialistische Partei, auf das heftigste befehden. Deren Führer, der gewesene Minister Stribrny, der fein Eisenbahnportefeuille auf dem Altar des Husüismus geopfert hat, ist seinerseits auch nicht faul; er erklärte (nicht nur aus Brotneid), es sei eine Schande, daß es in einem tschechischen Ministerium überhaupt noch einen klerikalen katholischen Minister wie Herrn Pater S ch r a m e k gäbe. Der wieder antwortete schlagfertig, Herr Stribrny solle froh fein, daß er nicht sachlich untersuche, wessen Anwesenheit in der Regierung bis zu Stribmys Rücktritt die größere Schande gewesen ist. Und die tschechisch-katholische Presse wies schadenfroh darauf hin, daß ein Professor in der Tschechoslowakei wegen erbrachten Wahrheitsbeweises freigesvrochen worden war, obzwar er den gewesenen Eisenbahnminister beschuldigt hatte, einem Eisenbahnbeamten im Karten- spiel ein paar hunderttausend tschechische Kronen abgenommen zu haben, die sich jener durch eine Defraudation verschafft hätte. Der Professor wurde nun freilich im Disziplinarwege seines Postens enthoben, aber niemand weiß, was da noch alles an schmutziger Wäsche zum Vorschein kommen könnte, wenn man die Zeit zur Verwendung solcher , Wahlschlager" allzu lang ausdehnt.
Also möchte der Ministerpräsident die Herbst- tagung so rasch als möglich eröffnen lassen und ihr zunächst eine „oemewerte" Wahlordnung vor- legen, nachdem die letzte infolge des einmütigen Widerstandes aller Parteien in den großen Pa- pierkorb des Abgeordnetenhauses verschwunden ist; die einen, bas heißt die Tschechen, waren damit unzufrieden, weil sie die übrigen Rationen zu anständig behandelt hätte; die kleinen Parteien schrien, weil sie ihnen überhaupt den Garaus machen sollte; und die Deutschen mit den anderen Minderheiten witterten darin die Gefahr, ihren Besitzstand an Mandaten zugunsten der Tschechen zu beschneiden. Kein Zweifel, daß die neue Wahlreform, die nach Parlamentsbeginn das Licht der Welt erblicken soll, zehnmal ärger für die letzteren fein wird, als die erste war. Ist sie einmal beschlossen — dazu gehört angesichts der tschechoslowakischen Geschäftsordnung für das Parlament und angesichts der starken Parlamentswache gar keine Hexerei — dann wird man eben ver- suchen, mit der durcheinander geratenen Koalition noch die Staatsbeamtenoorlagen, ein Budgetpro- oisorium und eine Steuerreform zu erledigen, die ein altes Petit der überlasteten Steuerträger ist; geht, so gut; geht es nicht, desto besser — dann hat man die Möglichkeit, auf Grund der neuen Wahlordnung sich ein neues Parlament wählen zu lassen, dessen rocher de bronce eine verjüngte, durch das Wahlstahlbad gehärtete und durch die „kleinen Korrekturen" an dem Verhältniswahl- recht (so möchte Schwehla es wenigstens haben), vielleicht sogar verstärkte alltschechische Regierungs- Koalition sein soll. Vielleicht, daß das Bäder- gesetz, mit dessen Hilfe der tschechische Leu soeben im Begriff ist, das schöne Marienbad mit all seinen Quellen und Wäldern zu verschlucken, sozusagen als Zuckerl noch vorher dazu dient, um seinen Grimm zu dämpfen und die Selbstzerflei- schung hintan zu halten. Aber auch wenn das der Fall fein sollte, so müssen, meint Herr Schwehla. sich hie Leute eben wieder einmal gegenseitig gründlich ausscyimpfen; gebe man ihnen also die Gelegenheit dazu, aber rasch und kurz; nachher findet sich dann vielleicht das bisher unmöglich er- scheinende Kompromiß zwischen Kelch und Krummstab.
Und die Deutschen? Sie haben als Minderheit im ersten tschechoslowakischen Paria
tritt in die Verhandlungen zurückgezogen, da die Interessenten belehrt wurden, daß das Oberschieds- gcricht in dieser Angelegenheit nicht zuständig sei. Eine weitere Reklamation forderte die Einschiebung eines drei Meter breiten Weges, da die Abfahrt der betr. Grundstücke nach der Kreisstraße Klein- Linden—Lützellinden sich nicht gut ermöglichen liehe. Das Oberschiedsgericht wird hoffentlich die im allgemeinen Interesse liegende Entscheidung in dieser Frage zur Zufriedenheit aller Beteiligten regeln. Das Oberschiedsgericht dürfte als höchste Instanz das letzte Wort gesprochen haben, so daß in Kürze die Ueberroeifung der Grundstücke für vollziehbar erklärt werden und somit die Feldberei- nigung ihren Abschluß gefunden haben wird. — Während der Ferien ist der eine große Schulsaal unserer Schule durch eine schalldämpfende Zwischenwand abgeteilt worden, so daß dem Uebelftanb der sog. Wanderklasse abgeholfen ist. Die durch den Umbau gewonnenen Räume sind ausreichend. In den nächsten Ferien sollen die noch rückständigen Weißbinderarbeiten ausgeführt werden.
* Beuern, 27. Aug. Don schönem Wetter begünstigt. fanden heute auf dem Reiskirchener Sportplatz die Reichsjugenbwettkämpfe berDolks- schulen von Beuern, Burkhardsfelden, Grvhen- Buseck und Reiskirchen statt. Es gelangte ein Di erkämpf zum Austrag, an dem sich 120 Knaben der genannten Orte beteiligten. Die Hebungen bestanden in Weitsprung (2 Meter = 0 Puntte), deutschem Dreisprung (5,50 Meter — 0 Punkte), Ballwurf (30 Meter — 0 Punkte) und Hundert- Meter-Laus (19 Sekunden — 0 Punkte). Die guten Leistungen, die erzielt wurden, lassen darauf schließen, daß in unserem Bezirk tüchtig an der Erstarkung unserer Jugend gearbeitet wird. Die drei ersten Preise an dem Dterkampf entfallen auf folgende Knaben: 1. Preis Heinrich Ruhl, Beuern, 92 Punkte. 2 Reinhold Delloff. Beuern. 84 Punkte, 3. Christian Rühl, Burkhardsfelden, 81 Punkte. Anschließend an den Wettkampf wurde eine 6mall00-Meter-Stafette gelaufen, die von den Schülern von Grohen- Duseck gewonnen wurde.
t Grünberg. 28. Aug Eine Gemeinde unserer ilmgegenb wollte durch eigenes Brennen von Feldsteinen zu ihrem Reubau die Kosten desselben verbilligen. Sei es durch Aufschichtung der Steine zu einem Ofen durch Richtfachleute, fei es durch zu wenig Kohlen verursacht, jedenfalls waren die Steine nach dem Brennen unbrauchbar, und der Gemeinde ist ein großer Schaden dadurch entstanden.
Kreis Büdingen.
y. Bad-Salzhausen. 28. Aug. Heute sand in dem hiesigen Konzertsaale die Dorsüh- rung des berühmten Lehrfilms „Der Amazon en- ström" durch Ingenieur Detter aus Darmstadt, einem Bruder des für die Volksbildung schon jahrelang eifrig wirkenden Studienrats Dr. Detter bafclbft, für die Realschule Ridda und die Volksschulen von Ridda. Borsdors, Ober- Widdersheim, Geiß-Ridda, Ober-Schmitten und Michelnau statt. Morgen werden weitere Schulen der ilmgegenb die Dorführung besuchen. Der ebenso lehrreiche als interessante Film zeigt die wundervollen, abwechslungsreichen Ufer dieses wasserreichsten aller Ströme, den Derkehr auf der Wasserstraße, die seltenen Wal sortiere und Fische, ferner b;e wichtigsten Erwerbsquellen der Bewohner durch Kautschuk- und Kakaogewinnung und Handel, den ungeheuren Holzreichtum und die wichtigsten Handelsplätze. Zum Schlüsse werden Vertreter der wilden Bolksstamme und ihre
Trachten, ihre Feste unb DolkStänzc vorgesühtt. Am nächsten Sonntag werden fie für Erwachsene auf Wunsch der Kurgäste wiederholt werden.
Z1 Aus dem Kreise Büdingen. 29 Aug. «Beigeordnetenwablen 1 In Wolf wurde Landwirt Konrad Ragel mit 117 Stimmen gewählt. Sein ®cgncr Heinrich Graul erhielt 107 Stimmen. 3n Effolderbach wurde der Kaufinann Jakob Häufet- mit 135 Stimmen gewählt. Sein Gegner Robert Lenz erhielt C6 Stimmen 3n Heegheim wurde der Land- toit t Adolf Luther nnt 76 Stimmen einstimmig gewählt. In Bobenhausen siegte der seitherige Beigeordnete Al brand mit 105 Stimmen. der Gegenkandidat Otto Wacker erhielt 50 Stimmen. An Bellmuth wurde der seitherige Beigeordnete August Scherer mit großer Mehrheit wiedergewählt
7" Unftr-Cd) mitten. 29 Aug. Da- Dordringen der Stechmücken, die der To Hirn unb irrtümlicherweise mit ..Schnaken" bezeichnet, nach dem Dogeisberge zu, macht sich von Jahr -u Jahr mehr bemerkbar. Salzhaufen hat bereits feit Jahren unter dieser Plage zu leiden. PAuch hier wie in den angrenzenden Otten zeigen sich die nächtlichen Quälgeister und Ruhestörer ganz besonder- in diesem Jahre und tl ist. anzunehmen, daß sie weiter ihren Weg nordwärts finden werden, ohne sich von der zunehmenden Höhe deS Geländes abfchrecken zu lassen. Gerade die großen H a r b t e i ch e unb bic Teiche in unmittelbarer Rahe Salzhausens mit ihrem stillftehenben Wasser find die Brutstätte dieses lästigen Ungeziefers und tragen dazu bei, seine Zahl ins Ungeheure zu vermehren. Man sollte dem Beispiele Rheinhessens folgen unb schon jetzt, bevor weitere Strecken verseucht sind, an ernstliche, allgemeine Maßnahmen zur Bekämpfung der Plagegeister denken - Bei der am Sonntag stattgehabten Wahl wurde der langjährige Beigeordnete Ulrich einstimmig wiedergewählt, was in einer Dachseier gebührend begangen wurde.
Mreiö Schotten.
)—( Ruppertsburg. 27. Aug Am letzten Sonntag feierten die hiesigen Schulklassen auf dem schön gelegenen Sportplätze, dem sog Loh. ihr 3 u g enbf eft, daS zugleich al« Rheinlands eier gedacht war. Die Einwohnerschaft beteiligte sich zahlreich daran 3n einer Ansprache schilderte der Lehrer der 1. Klasse die Bedeutung der Iahrtaufendfeier der Rheinlande unb gab einen Ueberblick über die tausendjährige Geschichte dieses Gebietes, dessen Bevölkerung in dieser langen Zeit trotz unsäglicher Leiden stets treudeutsche Gesinnung gezeigt hat und noch bewahrt. Die Ansprache war umrahmt von Dater- lands- und Rheinliedern und Deklamationen der Älnber. Dovausgegangen war bereits ein Ell- botenlauf der Knaben, bei dem zwei Kilometer in 6Vi Minuten zurückgelegt wurden ES folgten bann verschiedene Wettspiele, wie Wettlauf der Jungen, Sierlaus der Mädchen und Ochwebe- baumlaufen. wobei Geldpreise zur Verteilung tarnen, bic die Ehern. Fabrik Friedrichshütte in dankenswerter Weife gestiftet hatte.
Kreis AlsfclV.
!*! Alsfeld, 30. Aug. Die Feier zum 400jährigen Gedächtnis der Einführung der Reformation in Alsfeld fand unter außerordentlich starker Beteiligung der Be- oölkerung von Alsfeld und aus der Umgegend statt. Als Festplatz hatte man die wunderbar gelegene sog. Stcmfaufc gewählt, die inmitten mächtiger Laubbäume einen schönen Festplatz bot und sich außerordentlich gut eignete für die Ausführung des Freilichtspiels. Eröffnet wurde die Feier durch die Vorträge der Posaunenchöre von Hattendorf und Immichenhain und Gesangsoorträge des hiesigen Kirchengesangvereins. Danach sprach Pfarrer H e ch- I e r herzliche Begrüßungsworte, die Feier solle ein fröhliches Bekenntnis zu dem Erbe der Reformation (ein. Die Festrede hielt Pfarrer Berk aus Roßdorf über das Thema: „Evangelisches Bekenntnis". Er überbrachte die Grüße des Evangelischen Bundes für Hessen unb dankte der alten Lutherstadt Alsfeld für die Einladung. Anschließend an Kaulbachs Bild schildert er Luthers Leden und fein Be- fenntnis zum Evangelium. Gewisfensrecht und Gottesglaube, Gemeinsinn,Gemeinschaftsgefühl und praktische Gemeinbearbeit müßten wir von dem ?roßen Reformator lernen. Das evangelische Be- enntnis müsse zur Tat führen, so wie es uns das heutige Festspiel „Glaube und Heimat" zeigen werde. Er schloß mit dem Gelöbnis: Hie gut evangelisch allewege! Hie treu deutsch allewege! Dann sang die Gemeinde das Lied „Ein feste Bura ist unser Gott". Nach kurzer Pause erfolgte die Ausführung von „Glaube und Heima t", Ira- Sbbie eines Volkes von Karl Schönherr, durch Mitglieder der evangelischen Gemeinde Alsfeld, unter Leitung des Schauspielers Bechstein. Das Stück, welches in der Zeit der furchtbaren Gegenreformation in Oesterreich spielte, wurde von den Als- felbern in wirklich vorbilblicher Weise zur Auf- ftihrung gebracht. — Die Einführung der Refor- mation in unserer Stadt geschah im Jahre 1525 durch Luthers Freund lieleinann Schnabel.
t Lehnheim, 28. August Das hier im Orte vor einiger Zeit ins Leben gerufene Musikkorps. beffen Leiter ein Grunberger Herr ist. hat so bebeutenbe Fortschritte gemacht unb ist baburch so bekannt geworben, baß eS nicht allein ben örtlichen Wünschen gerecht wer-
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