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sich auf dem Bormarsch gegen die Drusen befand, ist zum Rückzug nach Damaskus ge­zwungen worden. Während des Rückzugs, den sie durch die Syrische Wüste zu machen ge­zwungen war, wurde sic von Beduinen und einem Teil der Bevölkerung von Damaskus üb er fal­len und umzingelt. Nach einer Meldung aus Damaskus konnten sich 3000 Mann der Kolonne Gamelins nach Damaskus durchschlagen.

Line Erklärung des Reichskabinetts.

Derliu. 30. Oft. (WLD.) Wie die £ägl. Rundschau« mitteilt, ist auf einstimmi­gen Beschluß des Reichslabinetts den Regierun­gen in London, Paris, Brüssel und Rom eine Erklärung übermittelt worden, die die Versicherung enthält, daß das Reichskabi­nett an seinem bisherigen Stand­punkt festhält und daß sich an seiner Stel­lung zu dem Vertrage von Locarno nichts ge­ändert habe. Die Erklärung hält selbstverständ­lich die Vorbehalte aufrecht, die sich auf die Erfüllung derbekannten deut­schen Forderungen beziehen. Wie das ge­nannte Blatt schreibt, war dieser Schritt not­wendig, da es nach dem Ausscheiden der stärksten Regierungspartei einer erneuten Ver­sicherung bedurfte, um über die Hemmungen hinwegzukommen, die sich infolge der deutsch­nationalen Beschlüsse in außenpolitischen Ver­handlungen bemerkbar machten.

Die Haltung der Deutschnationalen. Berlin, 29. DEL Die Parteileitung der Deutsch­nationalen Bolkspartei gibt eine Erklärung aus, in der sie ihre gegenwärtige Haltung zu den Lo­carnoverträgen erläutert. Es heißt darin u. a.: Die De.Handlungen über den Sicherheitspakt sind durch das Memorandum vom 9. Februar o h n e W i s s e n der Deutschnationalen eingeleitet worden. Sobald wir von diesem Schritte Kenntnis erhielten, haben wir Einspruch erhoben. Wir haben uns an den weiteren Verhandlungen beteiligt, um zu verhindern, daß Deutschland unter Bedingungen, die seine Lebensinteressen nicht wahren, in Völker­bund und Sicherheitspakt verstrickt werde. Wir haben der Regierung und den Regierungsparteien die Festlegung von Richtlinien erleich­tert, die auch unseren Auffassungen entsprechen, und von deren Innehaltung unsere schließliche An­nahme der Verträge abhängig sein sollte. Das Werk von Locarno hat uns bitter enttäuscht. Die Richtlinien sind nicht erfüllt. Der Widerruf der Schuldlüge ist nicht zu voller Auswirkung ge­bracht und ein Verzicht auf deutsches Land und Volk nicht ausgeschlossen erklärt. Die deutsche Hand­lungsfreiheit gegen die Gefahren des Artikels 16 ist ebensowenig wie wahre Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit auf dem Gebiete des Heerwesens er- reicht. Garantie- und Schiedsverträge bringen Deutschland neue Fesseln. Für die besetzten Gebiete sind nur sog. Rückwirkungen in Aus­sicht gestellt, aber nicht gesichert. Die deutschen Delegierten haben das Werk von Locarno in un­erwarteter Ueberstürzung gegen unseren Einspruch und die getroffenen Abmachungen paraphiert. So mußte wir uns überzeugen, daß wir durch Ver­bleiben in der Regierung unser Ziel nicht mehr erreichen, sondern uns nur noch dem Scheine äus­seren könnten, als ob auch wir diese Ziele inner­lich aufgegeben hätten. Wir haben unseren Einfluß als Regierungspartei geopfert, um dem In- und Auslande volle Klarheit über den Ernft der Lage zu geben und Handlungsfreiheit zu ' erhalten ftir unser Ziel: die Freiheit des Vater- landes

F Das Ende der Optantenausweisungen.

Berlin, 30. Oft. (TD.) Amtlich. Die polnische Regierung hat nach einer Mitteilung ' des polnischen Außenministers Grasen Skrzynski an den deutschen Gesandten in Warschau beschlossen, die weitere Ausweisung deutscher Optanten in Polen einz ust ellen. - Diese Maßnahme kommt zunächst denjenigen Op­tanten zugute, die bereits zum 1. August ab- wanderungSpflichtig waren, aber noch in Polen verblieben sind, sowie dem noch in Polen be­findlichen Teil der am 1. Rovember abwande- rungspflichtigen Optanten. Cs handelt sich hierbei um etwa 2000 Personen. Zu ihnen kommen dann noch 5000 Optanten, die am 1. Juli 1926 abwande­rungspflichtig sind. Sn Würdigung des erwähnten Schrittes der polnischen Regierung und um auch ihrerseits zur Besserung der Beziehungen zwi­schen Deutschland und Polen beizutragen, hat die deutsche Regierung in diesen Tagen die Einstellung der Ausweisung der pol­nischen Optanten aus Deutschland ver­anlaßt.

Amerika gegen eine europäische Union.

Reuhork, 30. Oft. (TD.) Schlagender als die Presse, die vielfach den Sicherheitspakt be­grüßt, fennÄeidynen in den letzten Tagen die erneut erhobenen Forderungen die wahre Lage, wonach Amerika Frankreich dadurch zur Schul­dentilgung zwingen wolle, daß man den Fran­ken weiter stürzen lasse, ohne daß Ame­rika es verhindere. Rur dadurch könne Frank­reich zur Abrüstung gezwungen werden. Daß weite Kreise Washingtons übrigens in Locarno eine Gefahr für Amerika sehen, wird bereits offen in Washingtoner Meldungen ausgesprochen. Der Sicherheitspakt und der Völkerbund mit Einschluß Deutschlands könnten Vorläufer einer europäischen Union sein. Diese aber müsse sich von selbst gegen Amerika richten. Diese Meinung wurde schon seit Wochen vielfach in hiesigen Bankkreisen vortreten. Rum- mehr findet sie auch in offiziellen Kreisen Washingtons Eingang.

Preußischer Landtag.

Berlin, 26. Oft. 3m Preußischen Land­tag nahm heute d'.e zweite Lesung der von den deutsch-nationalen und von dem Zentrum ein« gebrachten gleichlautenden Gesetzentwürfe betref­fend Aufbesserung der Pfarrer gehäl­ter eine unerwartete Wendung. Die Antrag­steller wollen dieser Aufbesserung eine gesetzliche Grundlage geben. 3n der Ausschußberatung waren beide Anträge abgelehnt worden. 3m Plenum aber ergab sich heute eine ansehnliche

Mehrheit für ein für drei 3ahre gültiges Pro- I v i s o r i u m, welches die Staatsbczüge festlegt. Gegen diese Regelung, die der Finanzminister Dr. Hoepker-Aschoff scharf bekämpfte, fand sich nur eine aus Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten bestehende MinderheiL Bei der Abstimmung über den 3ustizhaushalt nahm das HauS die Anträge des tzoefleausschusses an und überwies u. a. die Rotverordnung über die Amnestie mit den bezüglichen Anträgen aus dem Hause dem Rechtsausschuh. 3m übrigen fuhr daS Haus in der allgemeinen Besprechung über den Berghaushalt fort und hörte eine fast einstündige Rede des Handelsministers Dr. Schreiber, der sich eingehend über die ungünstige Lage des Steiirkohlenbergbaus, des Braunkohlen- und Kalibergbaues und über die mißliche Lage des Eisenerzbaues und des Dern- steinabsahes verbreitete. 3n den Abendstunden trat das Haus in die Einzelberatung des Derg- etats ein, die nichts Wesentliches erbrachte.

General Müller tödlich verunglückt.

3üterbog, 29. Okt. (WTD. Amtlich.) Bei einem heute nachmittag auf dem Truppen­übungsplatz Jüterbog aögehaltenen Scharf­schießen von Artillerie und Infanterie wurde der Kommandeur der vierten Division in Dresden, Generalleutnant Müller, durch ein verirrtes Ge­schoß, das ihm in den Anterleib drang, tödlich verletzt.

Der Unglücksfall hat sich folgendermaßen zuge­tragen: In den ersten Nachmittagsstunden sand eine Uebung gemischter Waffen statt. Bei dieser Hebung überschossen seitwärts und rückwärts in Stellung be­findliche schwere Maschinengewehre die vorderen Linien. In vorderster Linie der angreifen­den Infanterie befand sich die Uebungsleitunjj und die übrigen an der Hebung teilnehmenden Offiziere, mitten unter ihnen Generalleutnant Müller. Die Entfernung, auf die die Maschinengewehre die In­fanterie überschossen, betrug über 1000 Meter. Plötzlich traf Generalleutnant Müller, an der Seite getroffen,zusammen und verschied sofort. Der sich an Ort und Stelle befindende Sanitätsoffizier stellte fest, daß ein schweres Maschinengewehrgeschoß aus weiter Entfernung die Hauptschlagader durchschlagen und den sofortigen Tod herbeigeführt hatte. Ein Verschulden an dem Hnglückfall ist nach den bisherigen Feststellungen niemandem beizu­messen, da alle für derartige Schießübungen not­wendigen und vorgeschriebenen Sicherheits­maßnahmen getroffen waren. Man nimmt an, daß eine mit einer zu schwachen Pulverladung ver­sehene Patrone den Kurzschuß abgab. Einige Schritte von dem Befehlshaber entfernt, inmitten der übrigen Offiziere, befand sich auch Reichs- wehr Minister Gehler. Der Minister ließ nach dem Hnglücksfall die Hebung sofort abbrechen und ordnete eine eingehende Untersuchung an. Die Leiche des Generals ist jedoch von den Justizbehör­den bereits freigegeben worden. Generalleutnant Müller ist als Befehlshaber der sächsischen Truppen aus den kommunistischen Hnruhen bekannt. Er unterdrückte damals als Landeskommandant von Sachsen die Aufstandsbewegung und stellte im Lande die Ruhe und Ordnung wieder her.

Aus dem Hessischen Fincmzausstzutz.

Darmstadt, 29. Ott. Gestern trat der Finanzausschuß zu einer Tagungsperiode zu­sammen, die sich über eine Reihe von Sitzungen erstrecken wird. Der Vorsitzende des Ausschusses, der Abgeordnete Delp, widmete dem verstor­benen Zentrumsabgeordneten Hofmann- Seligenstadt, einen wannen Rachruf. Don den vielen Punkten der Tagesordnung befaßten sich die bemerkenswertesten mit der Entschädigung der Ausgewiesenen, der Dnterstützung des Bau­wesens, dem deutsch-spanischen Handelsvertrag und der Lage der Reichsbahnangestellten. Ein Antrag Böhm, der sich mit der Schadenersatz­leistung der Ausgewiesenen beschäftigt, wurde durch eine Regierungsantwort für erledigt er­klärt. Ein Antrag Angermaier zur Dnter- stützung von Sauluftigen durch Abgabe von Ge­lände wurde der Regierung als Material über­wiesen. Die Anträge zum deutsch-spanischen Han­delsvertrag wurden auf Grund der Erklärung der hessischen Regierung für erledigt erklärt. Ein Antrag Werner, der sich für die abgebauten Beamten der Reichsbahn im besetzten Gebiet einsetzt, wurde der Regierung in Form eines Ersuchens überwiesen. Mehrere Vorstellungen von Beamten wegen höherer Einstufung wurden ab­gelehnt.

Darmstadt, 29. Oft. Reichspräsident von Hindenburg wird am 12. und 13. Rov. nach Darmstadt kommen, um der hessischen Regierung einen Besuch abzustatten.

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Don der sozialdemokratischen Fraktion sind folgende Anträge beim Landtage gestellt worden: 1. Die Regierung zu ersuchen, den Beamten, Angestellten und Staatsarbeitern, die verheiratet sind oder eigenen Hausstand führen, zur Erleichterung ihrer wirtschaftlichen Lage zinslose Vorschüsse auf ihre Dienst« bezüge zur Beschaffung von Winter­vorräten zu gewähren. 2., die Regierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung dahin zu wir­ken, daß das Besvldungssperrgefetz aufgehoben wird.

Deutschlands Anspruch auf Kolonialbesitz.

Berlin, 29. Okt. (TH.) Der N e i ch s v e r ° band deutscher Auswanderer, Ham­burg, der Verein der Kameruner, Berlin, die In­teressenvertretung ehemaliger Südwestafrikaner, Berlin, der Ostafrikaneroerband, Berlin, die Ar­beitsgemeinschaft für Ausland- und Kolonialtechnik, Berlin, und andere Vereine und Gesellschaften haben eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der es heißt:Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, bereits vor der U n= terzeichnung des Locarnoabkommens an die Negierungen von England, Frankreich und Belgien bzw. an den Völkerbund den Antrag auf Hebertragung von Siedelungskolo- nien auf Deutschland zu richten.

Der hochwertige Aktivposten, den die starke Aus­wanderung für das deutsche Wirtschaftsleben dar­stellt, ist bisher nutzlos verloren gegangen. Er muß durch eine aktive und planvolle Auswanderungs­und Kolonialpolitik für Deutschland ausgewertet werden, d. h. durch eine staatliche Organi­sation der Auswanderung als Abhilfe für

die große wirtschaftliche Not, besonders auch des Arbetterstandes: dies kann nur durch die Ansied - I u n g der Auswanderer und Erwerbs­losen in eigenen Kolonien Deutschlands geschehen. Für diesen Zweck ist eine einheitliche Or­ganisation zu schaffen, durch die ein Zusammen­arbeiten der deutschen Reichsregierung mit privaten Kolonisationsgesellschaften nach dem Muster der inneren Kolonisation in Preußen ermöglicht werden muß unter Anpassung an die besonderen kolonialen Verhältnisse. Dazu ist erforderlich:

Einrichtung einer Siedlungsbehörde in der Kolonie. Diese Behörde erhält eine ähn­liche Stellung, wie sie die Siedlungsbehörden der inneren Kolonisation in Preußen haben. Die Siedelungsbehörde arbeitet mit ber Siedelungs- gesellschaft zusammen.

ülntcrstühung der deutschen gemeinnützigen Unternehmungen, die sich der kolonialen An­siedlung Deutscher trnbmen wollen, durch die deutsche Reichsregierung, jedoch ohne Verleihung von dauernden Landkonzessionen.

Gewährung von Erleichterungen für die ko­lonialen Auswanderer und Siedler, so z. B. durch Gewährung von Steuerfreiheit, Staaiskrediten usw. Erwerbslosen, die gewillt sind, sich in den deutschen Kolonien anzusiedlen, und die dafür erforderlichen Eigenschaften besitzen, wird auf ihren Antrag für die bisher erhaltene Ar­beitslosenunterstützung eine einmalige Ab­findung gewährt. Dasselbe gilt für die ver­triebenen Kolonialdeutschen und die deutschen Flüchtlinge aus Polen.

Die Finanzierung der kolonialen An­siedlung erfolgt wie die der inneren Koloni­sation in Preußen aus sich fe I b ft heraus. Es muß also der Preis für das von der Regie­rung in der Kolonie verkaufte Siedlungsland so hoch bemessen werden, daß aus dem Erlöse die gesamten Kosten der Auswanderung und An- ftedlung für die Regierung und für die Sied­lungsgesellschaft erstattet werden. Darüber hin­aus ist außerdem aus dem Erlöse des ver­kauften Siedlungslandes ein kolonialer Landfondv für die Regierung zu bilden, aus dem die Auswanderung und Ansiedlung von mittellosen Angehörigen des Arbeiterstandes von der Regierung unterstützt wird. Die Rück­erstattung der von der Regierung an mittel­lose Auswanderer und Ansiedler gewährten Staatskredite erfolgt durch eine in einem län­geren Zeiträume an den Staat von dem Siedler aus dem Siedlungsgrundstücke (Rentengut) zu zahlende niedrige Rente.

Wie Samoa herunter- gewirtscha tet wird.

Die »Times" berichtet soeben aus Genf, daß die Vertreter des Dominiums Reuseeland vor der ständigen Mandatskommission des Völker­bundessehr interessante Angaben" über die der neuseeländischen Regierung anvertraute Ver­waltung der deutschen Kolonie Sa­moa gemacht hätten. Die Angaben laufen auf ein Eigenlob der neuseeländischen Verwaltung hin­aus. wobei hervorgehoben wurde, daß man stets für das leibliche und geistige Wohl der Samoaner Sorge getragen habe und tragen werde. Die Wirtschaftskrise, die den guten Absichten Reusee- lands früher hinderlich gewesen sei, dürfe als üLertounben gelten, und der sozialen Hygiene werde besondere Rücksicht zuteil.

Dagegen ist zu bemerken, daß Reuseeland sich unfähig erwiesen hat, die Einschleppung der spanischen Grippe zu verhüten. Durch diese Seuche wurde etwa ein Viertel der Eingeborenen dahingerafft. Reusee­land war infolge seiner mangelhaften fanitären Einrichtungen das ganzeDominium" zählt überhaupt nur knapp eine Million Einwohner nicht einmal imstande, die notwendigen Aerzte, Pflegepersonen und Medikamente zu beschaffen, sondern mußte eine Hilfsexpedition von Australien erbitten, die dann z u spät kam. Ferner geht aus obiger Meldung hervor, daß Reusee.'and (unerlaubterweife) die Erlöse der in Samoa liquidierten deutschen Güter, Rechte und Sntcieffen zur Deckung der Mandatverwaltungskosten verwenden will. Es ist zu erwarten, daß die deutsche Re<^ gicrung dagegen Verwahrung einlegen wird, da diese Erlöse gemäß Artikel 297 h Deutschland auf Reparationskonto gutgeschrie^ den werden müssen. Reuseeland will auf diese Art bemänteln, daß es außerstande ist, die Ko­lonie so zu verwalten, daß sie sich selbst erhält, was unter deutscher Verwaltung der Fall war.

Der Bürgerkrieg in China.

Paris, 30. Oft. (WTD. Funkspruck.) Dach einer Meldung desRewyork - Heralo" aus Schanghai hat General Tschang-Tso-Lin Haitscho einen bedeutenden Hafen nördlich von Kiangsu, eingenommen. Dieser Sieg sei ein beträchtlicher Erfolg und werde den Rückzug der Tschang-Tso-Lin entgegenftehenden Truppen zur <5olge haben. Es werde angenommen, daß unter den Tschang-Tso-Lin feindlichen Führern Meinungsverschiedenheiten bestehen, trotz ihrer Proklamation der nationalen Allianz, die sie kürzlich erlassen hätten. 3n der Provinz H o n a n herrschen die furchtbarsten Zustände. Schlecht be­waffnete und indisziplinierte Truppew dir ohne Sold geblieben sind, ziehen durch die Städte und Dörfer und drangsalieren die Bevöl­kerung mit ihren Requisitionen. 3n der hun­gernden Bevölkerung herrscht die größte Ver­zweiflung, da die herrenlosen Soldaten nicht einmal vor Mordtaten an eigenen Volksgenossen zurückschrecken. Aleberall werden Galgen errichtet, wo alle, die nicht freiwillig den Truppen Lebens­mittel bringen, sofort gehängt werden. Man be­fürchtet, daß der Militärgouverneur von Honan auch in den Bürgerkrieg eingreifen wird. Doch besteht bei seinen älnterfübrern Zwist, ob sie sich für oder gegen Du-Pei-Fu entscheiden sollen.

Kleine politische Nachrichten.

Am Dienstag, dem 3. Rovember, wird Reichsauhenminister Dr. St res em an n im Berliner Rundfunk einen Vortrag über die Bedeutung des Vertrages von Locarno halten. Dieser Vortrag wird auch auf eine große Zahl anderer deutscher Sender übertragen.

Die deutsch-österreichischen Sjan- delsve-tragsverhandlungen sollen am 9. Roden wer in Berlin beginnen, und zwar auf Grundlage der gegenseitigen tarifarischen Er­mäßigungen. Die österreichischen Unterbänöler be­geben sich bereits Ende der nächsten Woche nach Berlin.

Wettervoraussage.

Wechselnd wolkig und milde, südliche Winde, Niederschläge.

Gestrige Tagestemperatur: Maximum 17,6 Grad Eelsius, Minimum 3,7 Grad Celsius. Niederschläge 0,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 4,6 Grad Celsius.

Donnerstagabend ist die polnischeHan- delsvertrags-Delegativn nach Berlin abgereift.

Der König von England hat der Ernennung des Parlamentsmitgliedes Edward F. Lindley- Wood zum Bizekönig und Generalgouver- neur von Indien als Nachfolger von Lord Rea­ding, der im April des nächsten Jahres zurück­tritt, seine Zustimmung erteilt.

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Aus Batavia wird gemeldet, daß vier Kom­pagnien der holländischen Kolonialtruppen bei der Landung in Bakongan-Atschin von Atschinesen überfallen wurden. Es entspann sich ein Feuer- gefeftt, in dem 14 Atschinesen getötet wurden. Gegen die Atschinesen ist- eine Strafexpedition ausgesandt worden.

Aus aller Welt.

Von einer Granate zerrissen.

Auf dem früheren Artillerieubungsplatz in 21 m mendorf bei Leipzig fanden Kinder eine Gra­nate, die explodierte. Ein lOjähriger Knabe wurde auf der Stelle zerrissen, ein anderer lebens­gefährlich verletzt.

Funde aus spatfränkischer Zeit.

Bei Planierungsarbeiten stieß man in Ober­kassel auf fünf Basaltgrabstätten, die wahrscheinlich aus spätfränkischer Zeit stammen, in denen teilweise sehr gut erhaltene Skelette mit dem Gesicht nach Osten liegen. Waffen ober Schmuckgegenstände wurden nicht vorgefunden.

Aeberftihrung der Leiche Richthofens.

Wie der Lokalanzeiger" meldet, werden die sterblichen Ueberrefte be£ deutschen Kampf­fliegers Freiherrn v. Richthvfen wahrscheinlich am Bußtag, den 18. Rovember, in die Heimat überführt worden. Der Transport wird über Frankfurt a. M.G ieße nKassel nach Berlin erfolgen, wo die Leiche in der Gnadenkirche aufgebahrt und am 20. Rovember auf dem Snvalidenfriedhof brigesetzt werden wird.

Ein weibliches Parlament.

3n Hoppstädten (Birkenfeld), wurden bei der jüngsten Gemeinderatswahl von neun Gemeinderatsmitgliedern sechs Frauen ge­wählt; damit haben also die 'Frauen die Mehr­heit. Cs fehlten nur zehn Stimmen, dann wäre auch die siebente Frau gewählt worden.

Kunst und Wissenschaft.

Jahrhundertfeier der Technischen Hochschule Karlsruhe.

Karlsruhe. 28. Ott. Die Karlsruher Technische Hochschule, die älteste technische Hoch­schule Deutschlands, begeht in diesen Tagen das Fest ihres 100jährigen Bestehens. Die Hoch schule zählte in den 100 Fahren ihres Bestehens eine große Anzahl führender Männer der Tech- nif zu ihrem Lehrkörper, darunter Sulla, den Bändiger des Oberrhems", den Architekten Weinbrenner und Heinrich Hertz, den be­rühmten Physiker und Entdecker der nach ihm benannten elektrischen Wellen, die für die draht­lose Telegraphie und Telephvnie grundlegend geworden sind. Während der 3uviläumsfeier wird ein Denkmal des letzteren enthüllt werden, das von den Physikern und der deutschen Funk­industrie gestiftet worden ist.

Die Feier begann mit einem Festakt im badischen Landestheater. 3n den ersten Stuhl­reihen hatten Rektor und Senat der 3u- biläumshvchschule und zahlreiche Vertreter aller übrigen deutschen Hochschulen im festlichen Ornat Platz gefunden, im Hintergrund und auf den Seiten umschlossen von den Chargierten der Stu­dentenschaft im vollen Wichs und mit ihren Fahnen. 3m Zuschauer raum bemerkte man den Staatspräsidenten Dr. Hellpach mit den Mitgliedern der badischen Regierung, die Vertreter aller staatlichen und städtischen 'Be­hörden ,die Chrensenatoren und Ehrenbürger dec Technischen Hochschule, darunter die hervorra­gendsten Vertreter der Wissenschaft Deutschlands und des Auslandes. Der Rektor teilte u.a. mit, daß Dr. Sven Hedin, dem treuen Freund des Deutschtums, die Würde eines Ehrenbürgers der Fridericiana verstehen worden ist. Dann folgte eine große Reihe von Ansprachen. Zunächst sprach Staatspräsi­dent Dr. Hellpach namens der badischen Staatsregierung der Hochschule den Glückwunsch zu dem heutigen 3ubitäum aus. Das Staats- Ministerium hat beschlossen, eine Staatsstiftung im Kapitalbetrage von 150 000 Mark zu errichten, deren Zinsertrag ausschließlich für die Förderung würdiger und bedürftiger Studierender der Hoch­schule Fridericiana durch Stipendien verwandt werden soll. An die Rede HellpachS schlossen sich weitere Ansprachen von Vertretern anderer Län­derregierungen, darunter auch des Vertreters des Reichskanzlers, an.

Die Jahresarbeit des Roten Kreuzes.

Am 27. Oktober fand in Berlin unter dem Vor­sitz des Präsidenten des Roten Kreuzes, Land« gerichtsdirektor von W i n t c r f e 11, die diesjäh­rige Mitgliederversammlung des Deutschen Rotm Kreuzes statt. Aus dem von dem Generalsekretär Freiherrn von Rotenhahn erstatteten Jahres­bericht ging die weitreichende Volksarbeit dieser großen deutschen neutralen Wohlfahrtsorganisation hervor. Das deutsche Rote Kreuz, so führte der Ge­neralsekretär u. ci. aus, umschließt gegenwärtig 4528 Zweigvereine mit 1,2 Millionen Mitgliedern, 2055 Sanitätskolonnen mit 68 700 Sanitätsmän- nern; 54 Mutterhäuser mit 6800 Schwestern ge­hören ihm an. 214 Krankenanstalten und Heime mit 20 000 Betten werden von ihm unterhalten. Tausende von Krippen, Beratungsstellen, Ge- meinderrankenpslegestationen stehen unter seiner Obhut. Kraft seiner eigenen national und inter­national bedingten Stellung hat cs die amtliche Fürsorge im besetzten Gebiet und für Ausgewic- sene und Verdrängte, letzthin im Optantenlager in Schneidsmühl, durchgeführt. Die Schaffung eines I u g e nd - R o t c n - K r e u z e s mit dem Ziel, die Idee und das Ideal der Roien-Kreuz-Arbeit als Ergänzung und Stütze der körperlichen und siu-