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Nr. 229 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gderhefsen)

Mittwoch, 50. September 25

Land und Leute in Persien.

DieStellunq der perfischenFrau.

R e s ch t (Persien). Sept. 1925.

Die größte Kluft, die zwischen europäischer und asiatischer Stultur vor allem mit Bezug aus Persien besteht, bildet wohl die Stellung und das Wesen der Frau. Immer und immer wieder vermag einen die asiatische Weltanschauung in ihren Eigentümlichkeiten und Merkwürdigkeiten zu er­greifen. wenn man diese weiblichen Geschöpfe, ooll- Ikommen eingehüllt in ihrenTschador" (Umhang), vor jedem Europäer das Gesicht vollständig ver­hüllend, die Straße entlano huschen sieht. Dieses Verhalten besonders einem Europäer aegenüber mag auch durch die auf die Zeit der Kreuzzüge zurückzuführende und gewissermaßen im Unter- bewußtsoin ließt eingeprägte Abneigung gegen den Ferengi (Franke) zu erklären sein.

Die Europäerin dürfte wohl in keiner Beziehung ihre persische Mitschwester um ihr Los zu beneiden haben. Äogesehen davon, daß diese Frauen ständig den auch vom hygienischen Standpunkt aus ver­werflichenTschador", der der Frau Lust und Be­wegung nimmt und sie gesundheiUich schädigen kann, in der Oeffentllchkeit tragen müßen, wickelt sich ihr Leben überaus nüchtern ab. Der größte Teil ihres Daseins liegt zwischen den vier Wanden ihresEn- derun" (Frauengemach), das natürlich kein Heim in unserem Sinne ist; denn die einzigen Möbelstücke in den weitaus meisten Häusern der Perser sind der Teekessel ein Tag ohne Tee ist undenkbar, der Topf zur Zubereitung der Reisspeise, der sog. Pillaw , und die Strohmatte zum Sitzen und zum Schlafen. Bett mit Riffen und Decke kennt der Perfer nicht. In der Oeffentlichkeit darf sich die Perserin nur in den notwendigsten Fällen fetjen lassen. Dann nur allein oder mit ihrer Dienenn, falls es sich um eine Perserin wohlhabenden Standes handelt. Der Mann darf mit seinerHanum" (Frau) nicht zusammengehen, höchstens geht er aus der anderen Seite der Straße. Bei Anbruch der Dunkelheit gilt es für den Perfer von oornherin für unsittlich, auf der Straße mit einer Frau zu gehen. Allerdings werden hier und da, besonders in Teheran, schon Ausnahmen gemacht, und vergeblich sucht oft der Idullah (Priester) gegen solcheUnsitten" einzu- schreiten. Die ganze inferiore Stellung der Frau erscheint aber noch krasser, wenn man bedenkt, daß im Falle einer Heirat niemals das Mädchen gefragt, vielmehr von den Verwandten des Mannes, der also feine Künftige sich selbst auch nicht aussuchen darf, erwählt wird. Allgemein sind Heiraten auf Probe, auf eine kürzere oder längere Zeit,auf Tage, Wochen ober Monate" gang und gäbe, ohne daß die Frau dadurch als entehrt gilt. Der Mann hat natiirlich das Recht, sich mehrere Frauen zu nehmen und jede Frau wieder wegzufchicken, sobald es ihm paßt, wobei er ihr eine nur für kurze Zeit reichende Entschädigung geben muß. Im übrigen ist die Frau, besonders auf dem Lande, dazu da, um zu arbeiten. Wenn eine Frau stirbt, dantt wird wenig Federlesens mit ihr gemacht. So rote sie ist, wird sie, in ein Tuch eingenäht, ohne irgendwelche Feierlichkeit auf dem Friedhof verscharrt. Dieser Friedhof in Persien bietet überall einen trostlosen Anblick. In Pahlevi ist es eine größere Sandfläche auf den Dünen. Nur einige hölzerne Kreuze zeigen in, daß hier Tote ruhen. Hier und da liegen Skelette herum ober ragen aus dem Sande hervor. Die foten werden nur wenig tief eingeftharrt, und des Anchts leisten Schakale, deren Heulen an jedem Drt. wenn der Abend anbricht, die Luft durchgellt, gcheuerliche Arbeit. Keine Blume, kein Baum, kein Strauch, nur eine wüste Sandfläche, das ist der persische Friedhof. In der Lust kreisen Aasgeier, die Arbeit der Schakale unterstützend.

Mancherlei Enttäuschungen und Ernüchterungen erlebt der Europäer in bezug auf den Charakter )?g Volkes.Edlen Genuß aus dem Verkehr mit Persern wird der Europäer ernten, wenn er sich uor allem an den Gedanken au gewöhnen versucht, haß er es nicht mit Wilden, sondern mit einer ur­alten Gesittung zu tun hat, die noch jetzt in vieler Beziehung höher steht al» unsere moderne eure- päifche Hast", so steht in einem persischen Sprach- fthrbuch zu lesen. Man hüte sich allerdings, mit

) SieheG. A." Nr. 208 vom 5. September, Rr. 214 vom 12. Sept, und Nr. 220 vom 19. Sept.

Persiens Iukunftsrnöglichkeiten.')

europäischem Maßstab und Vorurteil Wesen und Charakter der Perser zu messen; denn Denken und Fühlen sind von europäischer Weltaustassung so grundverschieden, daß man die Seele des Persers als Europäer nie ergründen wird. Aber eines muß ausgesprochen werden: Das Intriguenfoiel der M ä ch t e, Englands und des früheren Ruß­lands, die ein Intereffe daran hatten, das Volk zu zerklüften, gegenseitig auszuheyen und ihm jede Selbständigkeil zu nehmen, Hal den Dolkscharakter mit verderben helfen. Der im Grunde gute Charakter des Persers, der, wie eingangs erwähnt, sich nie am Leben und Eigentum seiner Mitmenschen au» Raubabsichten vergreifen wird, weshalb man nir­gends wohl so sicher wie in Persien reifen kann, ist, besonders in den Städten, vergiftet. Derfprechungen, Abmachungen, Verträge werden nicht gehalten, da­von kann jeder Europäer, der mit Persern zufarn- menzuorbeiten gezwungen ist, ein Lied fingen. Auch Fortschritte irgendwelcher Art brechen sich nur lang (am Bahn. So z.B. hat die Junkers Luft­verkehrs A.-G. monatelang auf eigenes Risiko praktisch bargelegt, welche ungeheuren Vorteile der Luftverkehr gerade in Persien in bezug auf Post und Passagiere hat, wenn man berücksichtigt, daß das Flugzeug von Baku nach Enseli rund zwei Stunden, der Dampfer ober 2448 Stunden, das Flugzeug von Enseli nach Teheran gleichfalls zwei Stunden, das Auto aber zwei Tage und zwei Nachte braucht. Seit Monaten ist dieser probeweise unter­haltene Luftverkehr unterbrochen, da sich die persische Regierung bis jetzt nicht entschließen konnle, ihre Mitarbeit und Unterstützung zur Einrichtung des regelmäßigen Luftverkehrs zu leihen.

Wenn auch aus den vorstehend angebeuteten Gründen ein Arbeiten der Europäer in Persien sich sehr schwierig gestaltet, so ist doch viel zu erreichen, allerdings, wenn einer vollständig auf sich allein an­gewiesen sein kann. Es ist ein Land, das auch von Deutschland nicht beiseite gelaßen werden sollte. Als Haupterträgniße liefert Persien gegenwärtig Früchte, Baumwolle, Wolle, Felle, Leder u. a.

Eine weit gewaltigere Bedeutung wird Persien aber in der Zukunft haben, und besonders Nord- persien kann zu einer wahren Goldgrube werden, wenn die Verbindungen besser werden. Die Reich­tümer, die im Boden liegen, vor allem an Erzen und Erdölen, sind ungeheuer. Ganz Persien ist ein Dellager, das erst erschlossen werden muh. Gute landwirtschaftliche Erträgnisse liefert Nordpersien, vor allem die Provinz Maßanderan, aber die Aus- nutzungsmöalichkeiten müßen erst geschasten werden, dann kann Persien ein rechtes Eldorado werden.

Sinken der Säuglings­sterblichkeit in Hessen.

Verfolgt man seit der Gründung des Reiches die für den Zeitraum eines IahreS oder eines Jahrfünfts errechneten Sterbeziffern der Säuglinge (Kinder unter einem Jahr), so darf man mit Genugtuung ein langsames, aber stetiges Qlb f Infen der Säuglingssterblichkeit seststellen. Sie ist von etwa 21 auf 1000 Lebend­geborene in den Jahren 1870 bis 1875 auf un­gefähr 17 von 1000 kurz vor dem Kriege ge­sunken. Zum Teil ist das eine Erscheinung deS Olbs inkens der allgemeinen Sterb­lichkeit Überhaupt. Zum andern Teil ist der Olbfall zurückzuführen auf den gleichzeitigen Rückgang der Geburtenziffer. Man hat von jeher die Beobachtung gemacht, daß zwischen der Zahl der Lebendgebvrenen und der Säuglingssterblich­keit ein gewisser ziffernmäßiger Zusammenhang besteht. Werden viele Kinder geboren, so wird aus wirtschaftlichen Momenten ober Gründen der Trägheit und Unachtsamkeit vieles in der Pflege der Lehtgeborenen einer Familie verabsäumt, so daß diese Kinder einer höheren Sterblichkeit ausgesetzt ftnZ>. Bleibt eine Geschwisterreihe zahlenmäßig klein, dann kommt daS Mehr an Sorgfalt, welches ihrer Pflege getoibn*t wird, in einer geringeren Sterblichkeit zum Ausdruck.

Das genügt aber nicht, um das ganz auf­fällig rasche Absinken der Säuglingssterblichkeit

Der gefesselte Strom,

gtoman von Hermann Stegemann.

23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ruth war verwandelt. Sie leitete den großen Haushalt mit derselben Sicherheit, die sie sich in Yen letzten Jahren erworben hatte, aber chr Wesen war freier und milder geworden.

SS ist mehr Sonne In ihr," sagte Engelhardt zu Frau von Äothammer, die mit ihm über die sichtbare Entfaltung ihres bisher verschlossen ge- Siebenen Innenlebens sprach. Heber die Gründe dieser Qkränberung gab er sich keine Rechen­schaft

Hermann Ingold hatte den Weg zu Lo nicht wieder gefunden. . _

Da war Ruth mit Frau Manderfeld ms Haus des FifchmeisterS gegangen und hatte den Dater gebeten, den Knaben zu ihr zu schicken.

Der Bub ist rin Träumer geworden er hat lein Qluge mehr für den Rhein. Aber ich bmd ihm den Willen nicht. Sr sitzt über feinen Bü­chern, und der Rektor sagt, eS stecke etwas Be­sonderes in ihm. Dielleicht hat der Rektor recht, aber ich habe auch schon ein Dutzend Fische cis Lachse inS Dey schießen sehen, und alS ich sie in den Händen wog, waren eS grätige Rasen. gerade gut für daS Salzfaß."

Lächelnd erwiderte Ruch:

QTber einmal war eS ein schönes Mädchen. Herr Fischmeister, und wer weih, ob In dem Knaben nicht damals die wahre Ola tut erwacht ift, alS der Rhein chm sein erstes Erlebnis be­scherte. Schicken Sie ihn zu Lo. In vierzehn Tagen reist sie ab.*

Ach ja, bitte, Herr Ingold, schicken Eie un8 den Jungen, wir wissen ja, daß ihn keine Schuld trifft. Weine Tochter ist in den letzten vier Wochen so aufgeblüht, daß man auf den Ge­danken kommen könnte, daS unfreiwillige Rhein- bad habe dazu den Anstoß gegeben."

Frau Manderfeld mußte chre Stimme an- tzrengen, denn chre rasche norddeutsche Sprech­weise war im Hause deS FischmeisterS imterm Lausten kaum verständlich.

Das rauscht ja in dem Haus wie in einer Weerrnuschel", sagte sie dann auf dem Heimwege zu Ruth.

Olls Hermann Ingold von feinem Dater auf- gefordert wurde, nach St. Joseph zu gehen und as Mädchen zu besuchen, daß durch ihn in den Rhein gestürzt worden sei, rauschte in seinen Ohren das Blut, und er fühlte, tote ihm das Herz in den Fingerspitzen schlug.

An einem Dachmittag ging er hin. Wie zum Richtplatz. Qlber er ging. Er hatte die Flscher­jacke -In den letzten Wochen nur getragen, toenn er dem Dater helfen mußte. Hnb das war selten der Fall, denn die große Zeit war vorbei. Den Hecht fing Ingold mit der Schleppschnur und sah dann allein in dem kleinen Einbaum, der, aus einem Stück gehöhlt, tote ein Trog im Wasser lag. aber weit oberhalb der Schnellen von einem einzigen kurzen Schaufelruder be­wegt werden konnte und wie ein Baumstamm dahintrieb, vor dem bet Hecht auch am hellen Tag nicht scheute.

Hermann hatte die langen Haare schön ge­scheitelt und mit einer feuchten Dürste fest- gedrückt. Schneeweiß erschien der Ansatz seiner hohen Stirn unter dem braunroten Haar. Auf der kurzen Oberlippe unter der schmalen hoch­rückigen Olafe glitzerte der erste Flaum. Der schwarze Anzug machte einen jungen Herrn aus ihm.

Silberglänzende Wollen ballten sich über dem Schwarzwald. Die Sonne stach, und die Fische sprangen.

Im Garten zu St. Joseph war es still. Dur zuweilen klangen die Krockethämmer vom Spiel­platz herüber, wo Lo über ein paar Damen, die als freiwillige ParMer eingesprungen waren, und einem Herrn von Gaggenau, den sie dazu gepreßt hatte, den Zepter schwang

Sie sind b'ran, Herr Hauptmann, schieben gilt nicht! Frei auS der Hand schlagen. Herr von Gaggenau!"

Sie schlug die Kugel zurück, die et mit vor- gesetztem Fuß durch die Glocke geschoben hatte.

Fräulein Lo, Sie sind mein Todl* seufzte et. "®a hat man sich auf dem Exerzierplatz die

in den letzten 15 Jahren, besonders in Hessen zu erklären. Man sollte von vornherein anneh­men, daß die wirtschaftlichen, 'eelifchen und körperlichen Auswirkungen der überstandenen Kriegejahre außer in der rapiden Abnahme der Lebendgeburten in und nach dem Kriege auch in einer erhöhten Säugiingssierblichke l ihren ziffern­mäßigen Ausdruck fänden, und die Korrelation zwilchen Lebendgeburten und Säuglingssterblich­keit gelöst hätten. Ein Blick in die E.erblichkeits- ziffem der letzten Jahre belehrt aber darüber, daß das Gegenteil der Fall ist, und das Tempo des AbftnkenS der Säuglings- wie der Kinder­sterblichkeit raicher noch als früher vor sich geht. Während die Säuglingssterblichleit in Heften, die sich schon immer unter dem Reichsdurchfchnilt hielt, noch 1911/12 121,6 pro Tausend betrug, war sie 1918^19 nur noch 181,2 auf Taufend; 1923 24 ist sie auf 82 abgcfunlen, und damit ganz nahe an die schon immer geringste Säug­lingssterblichkeit der nordischen Länder heran- gekommen.

Diese Zahlen beweisen, daß noch ein weiterer, recht erheblicher Faktor für ihr Absinken ver­antwortlich gemacht werden darf, lind wir gehen nicht fehl, wenn wir ihn in der Einrichtung der allgemeinen Säuglingsfürforge, im Besonderen derHessischen Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürforge" erblicken. Sie erntet hier reichsten Lohn für ihre praktische und aufklärend wirkende Tätigkeit.

Fraglos werden wir auf dem Wege der Aufklärung,der dauernden sachgemäßen Be­lehrung der werdenden und gewordenen Mütter über die wissenschaftlich und praktisch alS richtig anerkannten Grundsätze vernünftiger Behandlung und Ernährung des Kindes im zartesten Lebens­alter", noch weiter kommen unb die Säuglings­sterblichkeit noch weiter herabdrücken können. Gibt eS doch kaum ein Gebiet menschlicher Krank­heiten, auf dem sich so viel Aberglaube, über­kommene, widersinnige Dehandlungsweife und Unfenntnid naturgemäßer Dorgänge und Er­scheinungen breit macht, als in der Pflege urtZ> Behandlung des Angeborenen und deS Säug­lings! Hier bietet sich noch auf lange Jahre hinaus ein reiches Betätigungsfeld für die im Dienste der Säuglingsfürforge stehenden Per­sonen. Leider sind ihrem Wirken durch die ge­ringen zur Verfügung stehenden Mittel, die eine größere Verwendung von Helferinnen in der praktischen Kleinarbeit und Fürsorge nicht zu­lassen. Schranken gesetzt. Es bedeutet aber ein ehrendes Zeugnis für ihre Tätigkeit, wenn bei dem Schreiber dieser Zeilen ein Aücklicher Vater sich beschwerte, daß ein Kind kaum geboren sei und schon werde die Mutter von der Fürsorgerin besucht und beraten. Der schroffe Ausspruch ent­spricht leider nicht der Wirklichkeit. Die ge­ringe Zahl der Helferinnen läßt, wie schon ge­sagt, ein Ausspinnen der praktischen Einzel­fürsorge auf breitester Grundlage nicht zu. Um fo mehr muß hier die Vorsorge eintreten: die Belehrung weiter Schichten durch Anschau­ungsmaterial.

Diese Forderung sucht nun die Wander­ausstellungMutter und Säugling" des Deutschen DuttemplerordenS. die wir in eini­gen Wochen in Gießen begrüßen dürfen, zu erfüllen.

Die ist zu Anfang des Jahres 1914 auS dein Bewußtsein heraus, daßvor allem für uns Deutsche, deren Vollstum schon damals bedroht war und deren VollSgefundheit bedenkllch schwan­kend geworden ist", und daßgerade auf dem Ge­biete der Mutter- und Säuglingspflege schon mit der bloßen Aufllärung sehr schnell ein verhältnis­mäßig sehr großer Erfolg errungen werden kann", gegründet worden. Ihrer aufklärenden Tätigkeit Dürfen wir einen nicht geringen Anteil am Sinken der Säuglingssterblichkeit gutschreiben. In sieben Abteilungen führt sie den Beschauer von den körperlichen und seelischen Bedingungen zur Elternschaft, über die Vorbereitung des WeibeS zur Mutterschaft, die Grundlagen des Der- erbungSmechanismus, über Schwangerschaft, Ge­burt und Wochenbett zur Entwicklung und Pflege des Säuglings und zur Kenntnis der ihm dro­henden Gefahren. Drei weitere Abteilungen bie­ten statistisches Material über den Geburten­rückgang und die Ursachen der Säuglingssterblich­

keit, sowie über t* Organisation der Wuttee- und Säuglingsfürsorge unb ihr« Erfolge

Die Ausstellung bietet eine Fülle von bild­lichem, plastischem und Anschauungsmaterial in Tabesieiftorm zum SZugltngselenb, zu seinen Ur- fachen, ihrer Vermeidung und zur Aufzucht eineS gefunden Nachwuchses. Wan dars hoffen, daß sie sich auch hier des gleichen regen BefuchS und der Aufmerkfamkeit erfreut, die ihr in einet großen hessischen Stadt vor kurzer Zeit erst zu­teil wurde. O.

Ehe, Geburt und Tod in Hessen 1924.

In Hessen wurden im Jahre 1924 10 048 Ehen geschloßen (1923 12 957): ihnen stehen 505 Eheschei­dungen gegenüber (1923 408). Die Zahl der Lebend- geborenen betrug 27 095 (27 43«); davon sind 24 791 ehelich und 2304 unehelich. Torgeboren waren ehe­lich 781. unehelich 99. Die Zahl der Gestorbenen (ohne Totgeborene) bellet sich auf 15 287 (1928 16 206). davon waren Säuglinge 2070 = 7,6 Pro-. (1923 2434 8,9 Proz.). Die meisten Ehen wurden im Dezember geschlossen, dann folgen mit ziemlich gleichen Ziffern November, Juni unb April; die geringste Zahl der Eheschließungen hat der Januar aufzuweisen. Die Geburtenzahl weicht in den ein­zelnen Monaten nicht wesentlich voneinander ab (März 2654 Höchstzahl und August 2132 Mindest- tahl). Den im Januar 1616 Gestorbenen stehen 967 im September gegenüber; auch die Säuglingssterb­lichkeit war im Januar am größten. Don den Ehe­schließungen waren 5800 evangelisch, 2292 katho­lisch, 21 andere christliche, 109 israelitische, 10 sonstige. Die Hahl der Mischehen betrug 1816; davon war. bei em em evangelischen Manne, die Frau in 768 Fällen katholisch, in 22 ander» christlich, in 8 israe- littsch, in 32 sonstig; bei einem römisch-katholischen Manne war die Frau in 823 Fällen evangelisch, in 5 ander» christlich, in 6 israelitisch, in 8 sonstig. Nach dem Familienstand der Eheschsießenden waren in 8639 Fällen Mann und Frau ledig, in 186 die Frcm verwitwet, in 124 die Frau geschieden; in 599 Fällen war der Mann ucrroitroct und die Frau lebig, in 207 die Frau verwitwet, in 52 die Frau geschieden; in 159 Füllen der Mann geschieden unb die Frau ledig, in 36 die Frau verwitwet und in 46 die Frau geschieden. Nach dem Alter her Eheschlie- fjenben waren Mann und Frau zumeist in den Altersklassen von 20 bis zu 30 Jahren. Die Statistik verzeichnet aber auch die folgenden absonderlichen Fälle von Ehen; bei einem Alter des Mannes unter 20 Jahren war die Frau in 27 Fällen unter 20 Jahre alt, in 24 2024 unb in 5 2530 Iabre. Bei einem Alter des Mannes von mehr als 60 Jahren war die Frau alt: Imal unter 20 Jahre, 3mal 2024, 6mal 2529, 7mal 3034, 7mal 3539, 26mal 4049, 23mal 5059 unb 13mal 60 unb mehr Jahre. Von den Nieberkünften bes Jahres 1924 waren (Scbenbgeborene) 26 465 einfach, 618 Zwil- lingsgeburten unb 12 Drillingsgeburten. Die Tobe»- fälle trafen am meisten bie Altersklassen von 70 unb mehr Jahren; unter ben Tobesursachen stand Alters­schwache voran, bann folgen Lungentuberkulose unb Lungenentzünbung. Die Zahl her Selbstmorde be­lief sich auf 275.

Wirtschaft.

Französische Industriekäufe t m Rheinland. DerKölnischen Zeitung" zufolge sind die Verhandsirngen, die zwischen der Fried­rich Krupp A. G. und der französischen Inter- efsentengruppe über den Verkauf der der Firma Krupp gehörenden Gewerkschaft .Dorddeutsch- lcmd" geführt wurden, zum Abschluß gelangt Die Gewerkschaft sei jetzt zu einem für Krupp günstigen Preise in den Besitz der französischen Gruppe über gegangen.

* Günstiger Geschäftsgang in der Rheinischen Draunkoylen-Inbustrie. Wie dieKöln. Zeitung" erfährt, ist das Rheinische Braunkohlensyndikat bi» zum nächsten Frühjahr ausverkauft. Der Abruf gestaltet sich nach wie vor sehr flott, und die Nachfrage in Briketts übersteigt die Erzeugung. Der Rheinische Braunkohlenbergbau hat in ben Sommermonaten roeber einen Teil seiner Erzeugung auf Lager nehmen, noch Feier­schichten einfuhren müßen.

* Eine große Werftanlage von I Blohm & Boß am Rhein Hernekanal.

Verven ruiniert, um hier Krocketgriffe zu klopfen! Bin ich denn 7wch nicht gestraft genug?"

Aber er war gar nicht so unglücklich. Dok­tor Engelhardt hatte ihm zuerst Aspirin und Phramidon abgewöhnt. Joseph Hotz ihn ge­wickelt und geknetet, die Sonne tm RheinkteS ihn bestrahlt und zuletzt die Welle zwischen den Faschinen ihn mit kräftigem Wurf stromab getragen, bis er das Behagen wiederkehren fühlte und die Rerven sich entspannten und lösten. Run spielte er alS Kompagniechef im zweiten Bataillon deS zwölften badischen In­fanterieregiments und Vater von zwei Kindern mit einem grätigen Backfisch und zwei mittel­alterlichen Damen Krocket und befand sich dabei so wohl wie nie. Das Mädel war aber auch eine Augenweide! Gr mußte immer an Lena denken, Lena vor siebzehn Jahren! Mit einem Knall fuhr Los roter Ball seinem grünen in die Flanke.

Donnerwetter, Sie sind ja der reine Bom- benschmeiher!" rief er ausschreckend und zog den geprellten Fuß hoch wie ein Gaul.

Los Gesicht war zart gebräunt, und in ihrer linken Wange lachte ein Grübchen. Sie wollte gerade mit raschen Schritten zu ihm bin, da wurde sie plötzlich blaß, dann rot, blieb stehen und ließ den Hammer sinken.

Ruth kam mit Hermann Ingold den Kies­weg entlang auf sie zu.

ES war doch Hermann Ingold? 2a. er war's, fte spürte, wie sie rot wurde, und warf hochmütig den Kopf zurück.

Lo und Hermann hatten sich auf das Wiedersehen vorbereitet. Doch nun kam alle- ander-,

Lo drückte ihm einen Hammer in die Hand, und einen Augenblick später schlug et, ohne zu wissen, wozu und warum, einen roten Ball btS in die Rhabarberstauden.

Ra. nun hat ja Reserve Ruh'", sagte Hauptmann von Gaggenau zu Ruth.

Hnb aus einmal standen Lo und Hermann allein auf dem geschorenen Rasen zwischen den verlassenen Torbogen. Roch zwei, drei Schläge, und ihre Befangenheit wurde so groß, daß ihnen auch oaS Krocket nicht mehr half.

. Lo warf den Hammer weg. Sr folgte ihr wie ein Schatten.

Krocket ist fad. Spielen Sie Tennis?" fragte Lo und riß im Weitergehen die Blätter von den Johannisbeersträuchern.

Hermann blickte auf ihre weißen Schuh« und antwortete leise:Rein."

Sofort ftürate sich Lo in eine zungenfertig« Lobpreisung ihres LieblingsspieleS. aber sie sprach nur. um keine anderen Fragen aufkommen zu lassen, und riß dabei immer heftiger an den Blättern.

Sie waren in die wildaufgeschossenen BuchS- baumhecken geraten. Der Schatten der tvpaS- farbenen Gewitterwolken rann auf sie herab. An den Pappeln begannen die Blätter aufgeregt zu zischeln. Lauter und näher klang daS Rauschen des RheinS.

Plötzlich blieb Hermann stehen.

Sind Sie mir böse, Fräulein Lv?" fragt« er leise.

Sie verstummte, zerbiß ein Blatt, verzoa den Mund und spuckte bie bitteren Reste rasch auS.

Ree waren Sie schon einmal da oben?"

Und ohne seine Antwort abzuwarten, ging sie auf den Hügel zu, auf dem der schwarze Ho- lunderbaum kauerte.

Als er oben ankam, saß sie auf dem Tisch und schlenderte mit den Beinen. Sie hatte den Zopf kurz gebunden und eine große schwarze Masche darin, die stand rechts und links hervor und rahmte ihr schmales Gesicht mit den dunklen Augen und dem blahroten Mund köstlich ein.

Die Sonne war hinter den Wollen ver­schwunden. deren Ränder wie Gold glänzten, der Himmel tiefblau und der Lauffen kreidigweiß. AlleS. waS sonst grün war, erschien beinah« schwarz.

Die gedeckte Drücke hing tote ein lang­gestreckter Sarg über dem kochenden Strom.

In vierzehn Tagen reisen wir nach Hause", sagte Lo nach einer Weile.

Hermann tat, als wäre bafi noch ring Ewigkeit,

. (Fortsetzung MöW . /