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Dann ging es weiter in dem mit vier tiunteren Gäulen bespannten Karren, einer wunderlichen Gauipage. bis Iangilchar, di« rein chinesische Dorstadt Kaschgars. mit ihrem Gewirr dvn engen und krummen Gasten und flutendem Lchen den Zug ausnahm, der sich an der Äaiw Ranserei von den mitreifenden Europäern trennte. 3m Stadttor von Kaschgar, das ftch wre ein HLllenvack>en hi der hohen, krenelierten Lehm- rauer öffnet, wurden fte bereits von ^Eten E russischen Konsulats erwartet, denn die Dach- von ihrem Äonrmen war von Taschbalik auS
ti wie ein Laufteuer vorangeeilt 3Kan Austien zu dem schwedischen Mlsftoirsgebaude, er Quartier nehmen wollte, und Gert nach
In einem Hain von Platanen urch Maul- •bäumen belegen en Konsulatsg c ba ul^ Dun kehrten auch Weltfreude und Humor tu t zurück Man kannte seinen Damen, man He, bah er gesucht worden, man freute sich.
der Verschollen« glücklich dem Tode ent- gen war. und nahen ihn mit fürstlicher Gast- ndschast auf. Er hatte noch seine Scherls A sich, die ihm eingewechselt wurden, und konnte ;i sarttschen Kaufleuten in den Dasaren seine vzrderobe in Ordnung bringen — auS dem i-cm irret senden schalte sich wieder der westliche Kulturmensch, wenn auch nicht nach dem letzten schnitt der Mode von London. Paris und Berlin. -■ doch als annehmbarer GenUeman. der sich >ach langer Dereinfamung rasch in die Welt der Bildung zurückzuftnden wutztc
Aber in seinem Chtnern regte sich schon wieder die "Ruhelosigkeit. Immerhin. eS war hier fraglich, es fehlt« auch nicht an wechselnder Unterhaltung. Dir Beamten des Konsulat- und tie fremden Missionare waren gebufbige und ^enswürdige Mchrer — man lernte dio narrische Ute Stadt an den beiden Ufern des Kaschgar- llusse« gründlich kennen, schacherte lachend unter den Strohdächern des Reaistcm. des Marktplatzes, ■nlt Chinesen. Türken. Lhorkanrrn und «irgisen.
Also weiter Globetrotter. "Rur ein bl HM bequem- licher als bisher. Und Sie wollen mtrfito über Auftland zurück
.Ich muh — kann vielleicht scheu fkreckon- weise die neue Bahnlinie bermner, sonst nehme ich die Post von Taschkent aus oder taufe nnr einen Tarantos ein russisches Wagelchm. in dem man immerhin noch bequemer reist. Morgen breche ich nach Äofan aui und da wollte ich denn Wschied von Ihnen nehmen."
Gert erhob sich. Herzlichkeit N» Empfindens durch strömte ihn unwillkürlich Fest druckte er die Hände Austiens.
.Leben Sie wohl, lieber Freund''. sagte er .Sie haben mir da- Leben retten helfen. Sie waren mir in trostloser Einsamkeit ein tmier Kamerad 3d> wünsche Ihnen aufrichtig. bah Sie das Glück finden mögen, auf das Sie hoffen Unb sollten wir uns nicht Wiedersehen — immer werde ich voll Dankbarkeit (XTnrr gedenken""
Und als er noch so sprach, kühlte ftch sein Gefühl. Austien fiel wieder zurück in die eigen tümliche Gemessenheit feines Wesens, die fast etwas Abwehrendes hatte.
.Behüt' Sie Gott, Graf Hora", sagte ei und ging. , .
Achselzuckend nahm Gert von neuem an feinem Schreibtische Platz. Dieser seltsame Mensch war nicht auszukennen. Aber er mochte zu ISrcnc paffen, zu ihrer Empfindsamkeit und Herzensein falt. Er konnte ihr Gott werden.
Gr schrieb an sie — vielleicht zum letzten Male, vielleicht war eS ein Abschiedsbrief. An sanglich hatte er die Absicht gel-abl. ihr ausführ sicher seine Abenteuer zu schildern. "Das wurde chm langweilig. So begnügte er sich denn mb wenigen freundlichen Zellen, in denen er ihr meldete, daß er trotz mancherlei Ungemach und langer Gefangenschaft bei einem kalmückischen Stamme noch lebe und nun in Balde den Heimweg anzutreten gedenke. Sr fügte Grüfte an alles Grüftdarc und die Mitteilung bei. daft er gleich zeitig auch einen Dries an Hellmut von Mevd'ng adsende. (Fortsetzung folgt)
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mit der ganzen bunten Händlerwett, die hier Gold- und Silberstoffe, Daumwvll-, Leinen- und Seidenzeuge. Decken und Teppiche, Stzwaren und "Aaschwerk feilbot drängte sich durch Kamel- karawanen und Züge von Lasteseln, zwischen schreienden "Dasserrrägern. verschleierten und gesichtsfreien Frauen. Medrefseschülern und Gebetvorlesern hindurch, die in weiften, blauen, schwarzen und violetten Kaftanen in ihre Moscheen eilten, und vergab auch nicht, vor dem halbverfallenen Denkmal Adolf LchlagintweitS den Hut zu lüften, des berühmten deutschen "Reisenden, dem hier der Fanatismus der Singeborenen den Tod brachte. Man fuhr und ritt in die Umgegend, in die Ausläufer der Berge, in die an xorn und Früchten strotzende Landschaft — man verlebte gemütliche Abende im Generalkonsulat unter liebenswerten Menschen, wurde auch einmal in den Barnen deS Gouverneurs geladen zu einem echt chinesischen Diner von sechunddreiftig Gängen, mit tanzenden Änabzn und einem Schattenspiel. bei dem ein Senegalneger hätte erröten können .Man war in einem Stück Morgenlande, in das die Kultur erst scheu und schüchtern bin1 einspähte. man stand auf blutgedüngtem Boden, sauf dem durch die Jahrhunderte Chinesen. Türken, Tataren. Kalmücken und Kirgisen ihre Kräfte gemessen hatten, man war in der alten Hauptstadt Sahib Begs. deS ehemaligen Tänzers, der Herrscher von Kaschgarien und Chan von Ost-"Turkestan geworden war. Man hätte die Phantasie beflügeln und Zauber empfinden können — wenn es weniger schmutzig gewesen wäre .
Und dazu nahte der asiatische Sommer, helft brütete schon die Luft. Staubwolken wirbelten durch die Gassen, die Haut der nackt umhertollenden Kinder färbte sich dunkelbraun, die Krrtp- pel und Bettler an Weg und Steg zeigten Schwären und Wunden .die sich in der Sonne entzündeten.
Aber Gert lüstete es nicht nach den kühlen Iväldem der Heimat und dem Quellgeriesel des Harzes. An einem Nachmittag .an dem ein rasche- Detter über die Stadt gezogen war und frische Luft in die Glut gebracht hatte, sah er am Schreibtisch in seinem Terrassenzimmer des Generalkonsulats, als der bedienende Kosak den Bruder DvrotheuS meldete. ________
.Hallo", rief Gert ihm entgegen. .Sie kommen grade zurecht! Ich will an Freye schreiben, wollen Sie einen Gruft hinzufügen?"
.An Frehe?" fragte Austien m leichter Verwunderung
.Setzen Sie sich und zünden Sie sich eine Papytos an. 3a. an Freye. Ich weift ja nicht. Freund. lebt meine Foau noch oder ist sie ihrer Krankheit erlegen. Kann ich Die Mdgllchkeit zulassen, an eine Tote zu schreiben? Zuweilen bin und über Indien nach Hause will, und daft Theda an. aber da stockte di« Feder. Ich fing Briefe an meinen Vater und Schwiegervater an, da tarn ich nicht weiter. i.ch zerrift sie. Aun will ich der Freve schreiben, daft ich noch da bin und über Indien nach Hause will und daft ich gesund heimzukehren hoffe, wenn mich in Afghanistan nicht eine Giftschlange beißt oder im Pmidfchab ein Tiger frißt.“
Austien hatte Platz genommen, drehte btc Zigarette zwischen den Fingern und schaute auS dem geöffneten Fenster in das Dipfelgrün der Platanen, durch das bunte Vögel huschten.
.Schreiben Sie ihr", antwortete er sinnend, „aber erwähnen Sie meiner nicht. Mit keinem Dort, wenn ich bitten darf. Sie tagen. Sie wüßten nicht, ob Ihre Gattin noch lebt ober tot ist Ich wieder weih nicht, ob Freye noch mein ift oder ob sie nicht schon vor Jahr und Tag das Deib eines andern wurde Ich muft nod) nach Kappietsch. um letzten Bericht zu erstatten und mein Verhältnis zu der Gemeinde zu losen. Das ist rasch geschehen, und höre ich da. daft Freye verheiratet ist und vielleicht gar nicht mehr im Hause ihrer Mutter wohnt, so reise ich ungesäumt wieder ab. Das soll ich ihr in diesem Falle mit einem brieflichen Erinnern an mich daS Leben beschweren?“
."Recht so. Sie sind feinfühliger alS ich.“
,.AH nein, nur menschlich. Aber sagen Sie: Dollen Sie wirklich noch nach Indien?"'
„Ja. Cs eilt mir nicht mit der Heimat. Ach Gott' Austi- was soll ich noch wiederholen, daft die Lockung gering ist — wir sprachen unS ja schon bui-uuec ausl Ich wlll von Margelan auS die Ferghanabahn bis Samarkand benützen und zusehen, wie ich bann weiterkomme. Geld
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