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Grünberg.

Aon Lehrer i. R. L a u b e r, Grünberg.

Zu den Städten in Hessen, die in den letzten 15u Jahren zu Landstädtchen herabgesunken sind, gehört auch Grünberg. Seine Bevölkerung, die gegenwärtig 2193 Seelen beträgt, hat sich im letzten Jahrhundert in diesen Grenzen gehalten, während andere Städte infolge ihrer günstigen Lage durch die Entwicklung der Industrie und die Anlage neuer Verkehrswege zu großen Städten sich ent­wickeln konnten. Doch hat auch Grünberg im Lause der Zeiten Glanzperioden und Zeiten der Not und des Niedergangs gehabt, die im allgemeinen durch das Wohl und Wehe des Vaterlandes bedingt wurden.

Im Jahre 1922 begingen die Bewohner in fest­licher Weise die 7OO°Jahrseier der Stadt. Grünberg verdankt seine Entstehung der Burg auf dem grünen Berge, die 1186 von Ludwig 111., Landgraf von Hessen und Thüringen, erbaut worden ist. Die schützende Burg lud zur Ansiedelung ein, und so bezeichnet uns schon eine Urkunde vom Jahre 1222 (Brünberg als Stadt. Am Heerwege vom Rhein zur Eder und Weser gelegen und entsprechend dieser handelspolitischen Bedeutung mit seinem Durch­gangsverkehr aus dem südlichen nach dem nördlichen Deutschland blühte es im weiteren Verlaufe des 13. Jahrhunderts zu einer der ersten Städte Hessens auf. Die Glanzperiode hielt aber nur bis Mitte des nächsten Jahrhunderts an. Hemmungen verschie- dcner Art: Fehden, Streitigkeiten der Bürger und besonders zwei große Feuersbrünste erschütterten das junge Gemeinwesen. In das Jahr 1481 fällt die Stiftung des Gallusmarktes, der heute noch das Städtchen über die Grenzen des Hessenlandes hin­aus bekannt macht. 1495 wurde die erste Wasser- Icitung gebaut, die als ein Wunder der Technik in der damaligen Zeit galt und die noch in Schul- büchern vom Jahre 1850 als Sehenswürdigkeit Grimbergs genannt wurde. Luther wohnte auf feiner Rückreise von dem Reichstage in Worms in Grünbergs Mauern, ein Jahrzehnt später wurde die Reformation eingeführt und die Klöster, deren es rnige besaß, aufgelöst. Unter Philipps des Großen Cohn, Ludwig Iv., gelangte unsere Stadt wieder zu Wohlstand. Der Aufschwung, die zweite Glanz- Scriobe, wurde unterbrochen durch das schwerste nglütf, den 30jährigen Krieg. Grünberg zählte an seinem Ende nur noch die Hälfte seiner Bewohner, und in den Jahren nach dem Friedensschluß wur­den noch 140 Häuser wegen Undewohcktseins nieder- gerissen. Nur langsam erholte sich das Städtchen, der Handel lag darnieder, Grünberg wurde ein ackerbautreibendes Städtchen. Auch im 7jährigen Kriege hatte die Stadt schwere Drangsale zu er­dulden. In dem Gefecht auf der Atzenycn'ner Heide 1761 fand der hannöverische General Ernst Fried­rich von Reden den Tod und wurde in der Kirche zu Grünberg beiaeletzt. Das Grabmal hinter der Kirche und die Tafel an der Mauer derselben halten die Erinnerung daran wach. Nicht minder hatte die Stadt durch die Kriegsstürme der französischen Re­volution zu leiden. Erwähnt sei noch der Einsturz des Kirchturms im Jahre 1816, der die alte schöne Kirche in Trümmer legte.

Nur langsam hob sich die Gesundung des Ge­meinwesens nach den Befreiungskriegen, nur all­mählich gelang es den Handwerkern, die Erzeugnisse ihrer Arbeit auf den Märkten in (Brünberg und der näheren und weiteren Entfernung abzufetzen. Die Schuhmacher z. B., deren es viele hier gab, be­suchten sogar die Märkte in Vilbel und Hom- burg o. d. H. Besser waren in dieser Hinsicht die Landwirte daran. Sie konnten ihre Produkte auf den Fruchtmärkten der Stadt, die auch aus der nahen und fernen Umgebung stark befahren wur­den, zum Verkauf anbieten. Eine Umwälzung auf diesem Gebiete erzwang die Einführung der Ma­schinen. Während sie den landwirtschaftlichen Be­trieben vielfach Erleichterung brachte, dezimierten sie sehr die Zahl der Handwerker und erzeugten das Anwachsen des Arbeiterstandes. An Fabrik- betrieben seien nur die Anlagen, die Terilwaren Herstellen, hervorgehoben. Ihre Erzeugnisse sind weit über die Grenzen des Hessenlandes vorteilhaft bekannt. Leider verloren die Frachtmärkte durch die Erbauung der Eisenbahnen die Teilstrecke der Linie GießenFulda von Gießen nach Grünberg wurde im November 1869 eröffnet ihre Be- k e. tung und gingen schließlich in den 90er Jahren l-jnt ein.

Für die geistige und körperliche Ausbildung des Heranwachsenden Geschlechts sorgt die 5klassige Volksschule. Nach dem Volksschulgesetz vom Jahre 'b74 wurde die Rektoratsstelle, die ein Geistlicher inne hatte, der zugleich Mitprediger war, aufge­hoben und einem Lehrer übertragen. Die Volks­schule bekam im Jahre 1888 ein neues Heim. In der Nachkriegszeit wurde auch der schulentlassenen Jugend größere Aufmerksamkeit gewidmet. Man kam zur Ueberzeuguna, daß mit einer bloßen Wiederholung des Dolksschulpensums den jungen Menschen nicht gedient sei. Neue Ziele wurden auf- gestellt, und die Fortbildungsschule auch bei uns entsprechend ausgebaut. Daneben besteht noch eine Ober-Realschule, die aus der Höheren Bürgerschule hervorgewachsen ist. Vordem vermittelte das Insti­tut und die Lateinschule die erweiterte Bildung. In den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfreute sich letztere eines guten Rufes. Die Realschule, deren

Elftes Blatt_________________________

Häusern die Gemeinde beteiligt ist. Man läßt sich dabei von dem Gedanken leiten, feine großen Mietshäuser, sondern Kleinwohnungsbauten für Höchstens zwei Familien zu errichten, um sie, wie Bereits bet den vor mehreren Jahren errichteten Wohnungsneubauten geschehen, unter günstigen Bedingungen an geeignete Liebhaber abzugeben. Hoffentlich wird auch auf dem außerordentlich schwierigen Gebiete der Wohnungsfürsorge das onzustrebende Ziel durch geeignete Maßnahmen er- reicht, um bann wieder zu normalen Verhältnissen zu gelangen, die es ermöglichen, anderen für ein Gemeinwesen ebenso wichtigen Fragen näher- zutreten.

Für die Stadt Hungen, die ihre eigene durch Wasserkraft und durch Benzinmotor betriebene Wasserleitung seit mehreren Jahrzehnten besitzt und für die sie vor einigen Jahren die elektrische Kraft in einem zweiten Werke dienstbar machte, kommt für die nächste Zeit u. a. auch besonders der weitere Ausbau der zum Teil schon bestehenden Kanalisation i.i Betracht. Der Anlage eines offenen Schwimm- Labes konnte burch ben Erwerb von zwei fürstlichen Weihern nähergetreten werden, sie befindet sich regenmärtig im Bau unb bürste ihr Teil zur Ge- j ndheitefördcrung beitragen und damit dem Zwecke Menen, der heute mehr denn je oberstes Gesetz fein soll unb muß unb sich in bem einem Wort aus­drück t: Volkswohlfahrt!

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bad), deren Nutznießung der Kirche zufiel. Landgraf Heinrich von Hessen fällte 1344 in Homberg ein Urteil. 1348 verpfändete Landgraf Heinrich II. Homberg unb Neustabt dem Johann von Eisenbach und Volprecht von Dernbach wegen einer Schuld. Ueberhaupt wurde in biefer Zeit Homberg öfters von den Landgrafen verpfändet. Am 27. März 1349 setzte Henne Schausuß, Schultheiß des Gerichts Homberg, Heinrich von Ehringshausen auf feine Klage gegen Henne von Umfingen in die ihm von demselben für 186 (Bulben verpfändete Hube zu Oppertshausen ein. In der Mitte des 14. Jahr­hunderts ist ein Teil der Kirche erbaut roorben, an einem Chorbogen steht bie Jahreszahl 1361. Am 14. Dezember 1361 bekennt Johann Niedcsel unb feine Frau, baß Lanbgras Heinrich von Hessen ein Drittel feiner Schuld wieder zurückbezahlt hat und damit ein Drittel von seinem Schloß roicbcr frei sei. Hermann von Schweinsberg bekennt am 12. No­vember 1365, baß die seiner Zeit von Landgraf Heinrich ihm verkauften Gerichte und Dörfer zu Homberg von Landgrafen Heinrich wieder zurück- gekauft sind. Am 20. Januar 1367 verkaufte Johann Kesselring, Burgmann zu Homberg, an Pete? von Hirzenhain, alle seine Güter zu Einhausen. Am 8. Juni 1370 bekennt Johann Riebcsel, Ritter, und seine Frau,, baß Landgraf Heinrich bei ihm Burg unb Stadt Hobinburg versetzt hat auf sieben Jahre. Milcheling Schutzger, Ritter, unb feine Frau be­kennen, daß Landgraf Heinrich das halbe Teil, das er Johann Riedefel versetzt hatte, für 3540 Pfund Heller bei ihm auf 7 Jahre versetzt habe. Am 2. April 1371 bekennen Curt und Otte, Brüder von Erfurtshaufen, das; sick) Landgraf Heinrich mit ihnen gütlich verglichen, sie und ihre Erben zu Burg- mannen gemacht und ihm Homberg zu Burglehen gegeben habe. Am 3. Mai 1371 schenkt Sibold Rotz- mull, Psarrer zu Homberg unb Kaplan bcs Land­grafen Heinrich, mit dessen Bewilligung 2 Bene- sizien für Altäre in ber Walpurgiskirche in Alsfeld. Die miteinander verwandten Geschlechter Schaufus; und Rotsmule (Rotsmann) gehörten 1514 der hes­sischen Ritterschaft an. Die Familie Rotsmann wurde später in den Freiherrnstand erhoben. 1372 nahm Landgraf Heinrich II. Hermann den Gelehrten als Mitregenten an. Damals hielt Heinrich II. einen Landtag der getreuen Städte in Oberhessen unb Niederhessen zu Marburg ab, wo auf dem Markte sämtliche Abgeordnete der Städte, darunter Als­feld, Gießen, Homberg, Ulrichstein, Romrod unb Altenburg erklärten,baß sie Leib und Leben bei ihrem Dienst einfetzen und tüt und lebendig bei ihm bleiben wollten". Am 17. Juli bekannte Dietrich Schutzger, Ritter, daß Landgraf Hermann ihn zu seinem Amtmann ernannt habe mit Schloß Grünberg unb Homberg als Amtssitz. Er beschwor, baß er alle Bräuche in Homberg treulich halten wolle. Am 3 September 1397 hat Landgraf Hermann mit Hennen von Eisenbach einen Vertrag abgeschlossen, wonach er von verschiedenen Schlössern ihm einen Geldbetrag zukommen läßt, so auch von Homberg (50 (Bulben). 1114 hat Homberg bem zwölfjährigen Landgrafen Ludwig die Erbhuldigung geleistet. Landgraf Ludwig I. belehnte im selben Jahre ben Peter von Hirzenhain mit einem halben Hof von Oberofleiden unb gab ihm zu Burglehen 4 Pfb. des Geldes von einer Mühle bei Homberg, 1 Pfd. Heller von einem Gut zu Nicderohmen, ein Gut zu Fri manen (a. O.) unb ben Burgsitz zu Homberg.

1458 verleiht Landgraf Ludwig zu Hessen bem Heinrich von Ehringshausen bas früher von Wigand Foch besessene Burglehen zu Rumeraide und einen Burgsitz auf ber Burg Homberg. 1459 verleiht Land­graf Lubwig zu Hessen ben Brübern unb Vettern Hengkeln unb Hennen, Schenken zu Schweinsberg, ein Burglehen von 9 Pfb. Geldes zu Homberg. Am 5. Mai 1470freiet" Landgraf Heinrich dem Kon­rad von Ehringshausen seinen Burgsitz zu Homberg. Das Rathaus ist 1539 auf bem Markt erbauet wor­den. Landgraf Philipp der Großmütige zu Kassel verlieh am 20. August der Stadt zwei freie Jahr­märkte, den Johannis- und Simonismarkt. Es soll dabei auf dem Rathaus eine Fahne herausgehängt werden, wie das in anderen Städten auch geschieht. Dom 29. Dezember 1572 sind erläuternde Berichte über Stadt- unb Lcmbgebräuche von verschiedenen Orten, so auch von Homberg. Darin werden haupt­sächlich Erbangelegenheiten festgelegt. Im Jahre 1597 brannte ein großer Teil ber Stadt ab. Darüber heißt es in Merians Topographie Hassiae:Im Jahre 1597 in der Erndten Zeit ist in der Stadt ein Feuer aufgegangen und fast ber halbe Teil gegen ber Stadtpforten von ber Untergaffen an bis hinausf- werts gegen dem Schloß eingeäschert worden, wobei denn dieses besonders notabel, daß die Stärke in wehrendem Brandt, zu einem Hauß, woraus sie ihr Nest gehabt, Wasser im Mund herbeigesührt, und in ben Brand abgespeyet, gleichfamb baburch ihre Her- berg zu falöiren."

Bis zu Anfang bcs 19. Jahrhunberts war bie Altstabt mit Ringmauern umgeben. Reste bavon sinb nod) vorhanben. Die Tore und die 4 Türme find im Laufe des 19. Jahrhunderts beseitigt worden bis auf einen Turm, den Brauhausturm. In der Dor­stadt befanden sich zwei Pforten: die Trankpfort und Georgenpfort. Am Vortor war die Lindenpfort. Das Hohe Tor muß sick) da befunden haben, wo jetzt bas Volksschulgebciude (1830 erbaut) steht. Neben bem Brauhausturm befinbet sich bas ehemals städtische Brauhaus, auf besten Giebelseite bas städtische Wappen ist. Der Brauhausturm ist das Wahrzeichen der Stadt und findet sich auch im städti­schen Wappen. In früheren Zeiten diente er In seinem unteren Teile als Haftlokal. In der Nähe des erwähnten Brauhausturmes befindet sich eben­falls ein sehr altertümliches Gebäude, bas in früheren Zeiten als ein Mönchskloster benutzt würbe, welches, weil aus Stein erbaut, dem großen Brande von 1597 nicht zum Opfer fiel, wie auch bas Rathaus unb bie Kirche. Das Schloß ist heute noch von Rinamauern umgeben, bie sich früher an die der Stadt cmschlosten. 1836 wurde es renoviert. Der große Pferbestall, westlich des Schloßhofes, welcher bis in bie vierziger Jahre bes vorigen Jahrhunderts als Fruchtfpeicher diente, sowie die südöstlich ge­legene Scheuer mit Stall wurden zu Ende der sechziger Jahre abgebrochen. Die nordöstlich stehende sogenannte alte Kirche wurde zu derselben Zeit bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ebenfalls als herrschaftlicher Fruchtspeicher benutzt unb bann in Defonomiegebäube umgeroanbelt. Der sübwestlich gelegene große Wehr- unb Wachtturm ist im Jahre 1646 bei einer Belagerung von ben Hessen in bie Lust gesprengt worben. In ber Nähe Hombergs lagen mehrere Orte, bie jetzt nicht mehr vorhanden sind. Ost wird behauptet, sie seien im 30jährigen Kriege zerstört worden, was jedoch nicht für alle zutrifft, denn die meisten davon waren schon bei Beginn des Krieges nicht mehr zu finden. Die meisten ihrer ehemaligen Bewohner sind nach Homberg gezogen, wo sie hinter ben hohen Ring­mauern Schutz vor den räuberischen Ueberfäöcn der Raubritter unb Vagabunben fanben.

Gießener Anzeiger « Iubiläums-Ausyabe

Schülerzahl sich durch bie Rührigkeit ihrer Direktion unb bie günstigen Zugverbindungen mit den um- liegenden Orten rasch vergrößerte, erhielt 1911 ein neues Heim. In die Nachkriegszeit fällt bann bie Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule. Sie ist gut besucht, hat aber bis heute noch kein eigenes Herrn, sondern ist im Volksschulgebäude untergebracht. Für anderweitige Räume wird die Stadtverwaltung In der allernächsten Zeit Sorge tragen müssen, wenn auch die Geldbeschaffung hierzu gegenwärtig auf die größten Schwierigkeiten stößt. Alle diese Einrichtungen zeugen von einem großen Bildungstrieb weiter Kreise der Bevölkerung (Brünbergs und der Umgebung. Möge mit ihrer Hilfe ein neudß Geschlecht heranreifen, das befähigt ist, mit dazu beantragen, die Ernährung bcs Volkes auf eigene Füße zu stellen, das Nationalbewußtsein zu heben und Deutschland aus seiner Not zu be­freien.

Homberg in grauer Vorzeit.

Don Lehrer Allendorffer, Homberg a. d. Ohm.

Homberg an der Ohm, im Kreise Alsfeld gelegen, nach der letzten Volkszählung 1414 Einwohner zäh- lend, ist ein sehr altes Städtchen. Gelegentlich der Dölk"rwanderung haben sich die Selten an ben Ufern ber Ohm niedergelassen, was heute noch manche Namen beweisen. Der Name Ohm ist kel­tischen Ursprungs, wie der Amöneburgs. Auch die Hünengräber, Steinwaffen und andere Werkzeuge bezeugen uns, daß bie Kelten in hiesiger Gegend wohnten. Die in ber Nähe gelegene Hunnenburg war eine keltische Niederlassung. Die Germanen drängten später die Kelten nach Westen und nahmen deren Land in Besitz. Die fischreiche Ohm, sowie bie ausgedehnten Wälder, in denen Bären, Auerochsen und anderes Wild hausten, gaben ihnen reichlich Nahrung. Die Vorfahren ber Hessen, bie Chatten, ursprünglich zwischen Main, Rhein, Lahn, Eber unb Fulba wohnenb, würben in ben Kriegen mit ben Römern wieberholt in ihr Lanb zurückgeworfen, zur Seßhaftigkeit gezwungen und genötigt, Ackerbau zu treiben. Durch Trockenlegung ber Sümpfe unb Ausroben ber Wälder schufen sie sich brauchbaren Boben.

Im 8. Jahrhundert muß sick) durch das Auf­treten des Bonifatius lehr reges Leben entfaltet haben. Er hatte im nahen Amöneburg fein erstes Kloster gegründet. Das Christentum war zwar in hiesiger Gegend schon bekannt; denn irische Mönche hatten oorgearbeitet, unb Bonifatius fand im Jahre 722 zu Amöneburg schon Christen vor. Er gewann diese für sich und besetzte das von ihm gegründete Kloster mit mehreren Benediktinermönchen aus seiner Begleitung. Reicher Segen strömte von diesem Kloster aus, denn die Mönche waren nickst nur in geistiger Hinsicht ein Vorbild, sondern leisteten auch Ersprießliches in der Landwirtschaft.

Homberg wird schon im Jahre 1065 urkundlich erwähnt. In diesem Jahre schenkte König Hein­rich IV. der Abtei Hersfeld aus Bitten seiner Mutter 10 Machen zu Hohumburch, im Oberlahngau ge­

legen. Im Jahre 1146 schenkte König Konrad III. an die Abtei Hersfeld weiter die Hälfte seines Allods in Hohumburch mit allem Zubehör, aber mit Ausnahme des Berges Hohumburch selbst, woraus sich schließen läßt, daß damals auf diesem als Reichsburg eine Befestigung stand. Homberg ver­bau» einer Burg feine Entstehung. Als nämlich im Jahre 1124 bie Üanbgrafen von Thüringen in ben Besitz von Hessen gelangten, kam es oft zu Streitig- feiten zwischen diesen und den Erzbischöfen von Mainz. Diese machten als geistliche Oberhirten von Hessen Ansprüche auf einen großen Teil Hessens. Die Streitigkeiten dauerten viele Jahre fort, und ihr Haupttummelplatz war Hessen. Zur besseren Ver- teibigung bauten bie Landgrafen Burgen, und so mag auch die Burg Homberg entstanden sein. Die Burgmannen lagen zur Verteidigung darin, mußten abwechselnd eine Zeit lang dort wohnen und wurden dafür mit Burggütern belehnt. Nun geschah es, daß manche aus niederem Adelstande, gemeine Freie, selbst Leibeigene innerhalb ober in ber Nähe der Burg ihren Wohnsitz aufschlugen, weil sie hier ben Schutz derselben genossen. Die Herren ber Burg erlaubten dies gern, weil sic im Notfälle dadurch die Verteidigung der Burg verstärken konnten. Die um die Burg Wohnenden wurden später durch eine Mauer mit letzterer verbunden. Erhob sich eine Burg zur Stadt, so blieben bie sog. Burgrncmnen nicht nur Schirmherren derselben, sondern sie bildeten auch zum größten Teil ben Rat ber Stabt, inbem aus ihrer Mitte Bürgermeister unb Schöffen gewählt würben.

Wann Homberg zur Stabt erhoben würbe, läßt sich nicht mehr ermitteln. Am 6. November 1234 wirb bie Stabt zum ersten Male erwähnt. Ver­mutlich erhielt sie in den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts Städterechte. Wir hären 1254, daß Landgräfin Sophie, als sie jährlich 400 Mk. an den Herzog von Braunschweig zu zahlen hatte, hiervon 10 Mk. auf Homberg ausschlug. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1289 schlichteten Ritter unb Burg- männcr zu Grünberg, Merlau unb Homberg mit einigen Schössen von (Brünenberg einen Streit bcs Klosters Werbers mit Ruprecht von Langenstein über bie von besten Eltern ihm verkauften Güter zu Blibenrob. ßanbgraf Heinrich I., ber erste hes- fische Landgraf, verzichtet auf einen gewissen Teil von Hessen und erhält dafür einen Teil des Waldes zu Hohindurg. Am 26. März 1314 gebieten die Richter des Mainzer Stuhles den Pfarrern von Ehringshausen und Homberg, den gebannten Edel­knecht Johann von Ehringshausen allsonntäglich in verschärfter Form für exkommuniziert zu erklären. Aus einer Urkunde vom 18. November 1314 ersehen wir, daß Heinrich von Ehringshausen, Bürger zu Homberg, dem Kloster Haina einige Güter zu Hole an dem Ohm übergibt. Dies geschah wahrscheinlich, um sich bei der Kirche wieder in ein gutes Licht zu stellen. Im Jahre 1328 errichtete Landgraf Hein­rich II. von Hessen zu Marburg in ber hiesigen Burgkirche St. Georg einen Altar, ber Jungfrau Maria unb der heiligen Elisabeth zu Ehren, unb begab ihn mit Gütern zu Homberg, Ehringshausen, Appenrod, Oberndorf, Riedergemünben und Hain-

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