Einzelbild herunterladen

Seite 84

Giehener Anzeiger - Jubiläums-Ausgabe

Elftes Blatt

stehenden Ausbildungsbataillon Nr. 15 ausgenommen sind und auf das sorgfältigste gepflegt werden.

Besonders günstig liegt Marburg für das Wandern. Die Wälder reichen bis in die bewohnten Teile der Stadt hinunter und führen meilenweit ins Land hinein über das oberhesfische Bergland. Zum Dank für diese Gunst der Natur hat die Stadt eine Jugendherberge gebaut, die durch ihr Aeußeres und ihre gute Einrichtung viele im Lande übertrifft. Wenn die Wanderer nach den Höhen streben, so halten sie wohl zunächst an dem Schloß, um diese schönste mittelalter­liche Burg mit ihrer kunsthistorisch interessanten Kapelle und demRittersaal", der, nach Aufgabe seiner jetzigen Bestimmung, dereinst ein vornehmer Kongreßsaal zu werden verspricht. In dem Schloß ruhen die Schätze des Hessischen Staats- archivs. Dom Schloßberg geht es durch den von einem tüchtigen städtischen Gartenkünstler angelegten Stadtgarten zumDommelsberg". Don den Höhen dieser eichenbestandenen Kuppe genießt man un­vergeßliche Blicke ins Lahntal und Marbachtal. Am Ausgang des Marbachtals ragt die wuchtige Eli- sabethkirche empor, das Juwel deutscher Frühgotik, bei deren Anblick ein empfängliches Ge­müt wie von einem Haendelschen Chor ourchzittert wird.

Die vielen Besucher von auswärts kommen auf der Hauptverkehrsstrecke FrankfurtKassel, aber auch auf den Eisenbahnstrecken MarburgWar- bürg, MarburgBiedenkopfErndtebrück oder durch die Marburger Kreisbahn aus dem Ebsdorfer Grund hierher. Sie finden auch zum Verkehr innerhalb der Stadt eine städtische Straßenbahn. Sie ist da­durch bemerkenswert, daß sie von den Bahnen kleinerer Städte eine der wenigen war, die während des Krieges ihren vollen Betrieb aufrecht erhalten hat und die, insbesondere wohl infolge des Frem­denverkehrs, jährlich mehr als II Millionen Per­sonen befördert. Ihre Triebkraft bezieht sie aus einem städtischen Elektrizitätswerk, das unter Hinzu­nahme von Strom aus dem staatlichen Elektrizitäts­werk Borken nicht allein die Stadt, sondern auch den ganzen Landkreis Marburg mit elektrischer Energie versorgt. Die Ergänzung des Verkehrs soll demnächst durch eine Anzahl Postautolinien erfolgen.

Wie überall in Deutschland, so haben die Be­mühungen, den Verkehr zur Stadt und in der Stadt zu heben, durch den Krieg und die Nach­kriegszeit eine starke Unterbrechung erlitten. Auch sonst ist naturgemäß durch die unglückliche Zeit die frühere Wohlhabenheit der Marburger Bevölkerung stark beeinträchtigt. Zur Zeit sind 1520 Proz. der städtischen Bevölkerung unterstützungsbedürftig. Marburg hat 360 Sozialrentner, ober noch mehr Kleinrentner, nämlich 450, eine Zahl, die im Ver- hältnis zu seiner Einwohnerzahl sehr groß ist. Auch die Zahl der Erwerbslosen ist nicht gering, da in der Stadt wenig Arbeitsgelegenheit vorhanden ist und viele Arbeiter, die auswärts beschäftigt waren, dort feine Arbeit mehr finden und jetzt beschäf- tigungslos zu Hause sind. Wohl hat Marburg auch einige Industrien im Stadtbezirk, und zwar nicht unbedeutende: Die bekannten Behring-Werke A. G., ferner eine der größten Tapetenfabriken, Schreibwarenfabriken, Maschinenfabriken und Kunst- töpsereien u. a. Im Vergleich zu anderen Städten ist aber die Zahl der beschäftigten Arbeiter gering. Der Grund hierfür ist die natürliche Schönheit des Stadtbildes, zu deren Erhaltung man glaubte große

Industriegebäude ausschließen zu müssen, und nicht zum wenigsten die Rücksichtnahme auf die Uni­versität, deren Angehörige begreiflicherweise das Leben in einer reinen Wohnstadt oorziehen. Solche Rücksichtnahme war wohl nötig, aber sie hat dazu geführt, daß namentlich bei der Entwicklung der Steuergesetzgebung, welche die großen Gemeinden und namentlich die Gemeinden mit großen In- dustriebetrieben stark begünstigt, die Mittel zur Er- füllung der kulturellen und sozialen Pflichten der Stadt allzu knapp bemessen sind. Neuerdings sucht der preußische Staat in der Erkennt­nis dieser Ungleichheit Abhilfe durch Ein- richtung von Ausgleichsfonds zu schaffen, gegen die aber die großen Städte, da sie an ihnen nur aktiv beteiligt sind, eine große Abneigung haben. Am wirksamsten ist natürlich in solcher Lage die Selbsthilfe. Wenn in richtiger Lage und in an- gemessener Entfernung von den Wohnstätten ge­eignete Industrien anzusiedeln sind, so ist das zu erstreben. Freilich dürfen gerade mit Rücksicht auf die Unterbringung von Industrie in geeigneter Lage der Vergrößerung d»s räumlich viel zu kleinen Stadtgebietes nicht solche Schwierigkeiten entgegengesetzt werden, wie das bisher der Fall war.

An der Beseitigung der namentlich durch den Krieg entstandenen Schwierigkeiten zu arbeiten, entspricht aber dem tatkräftigen und zähen und doch bescheidenen Charakter der Marburger Bürger. Alle Nöte des Krieges und der Nachkriegszeit, die großen Verluste an Vermögen und die starken Be­schränkungen des Einkommens des größten Teiles der Bevölkerung haben niemals vermocht, die Liebe zur Heimat einzudämmen. Der Gedanke, am Aufbau des Vaterlandes mitzuarbeiten, ist nirgends stärker als hier.

Im Rahmen eines Zeitungsartikels läßt sich nicht eine Stadtgeschichte schreiben, nur die Grund­linien der Entwicklung können angebeutet und ein­zelne Besonderheiten können hervorgehoben werden. Daß die Redaktion desGießener Anzeigers" dies angeregt hat, ist sehr verdienstlich. Das gegenseitige Interesse der Nachbarstädte an ihren Einrichtungen, an ihren Vorzügen und an ihren Schwierigkeiten wird geweckt und gestärkt und es wird wahrschein­lich ein Fragen hinüber und herüber entstehen, wo man etwas besseres vermutet, als das ist, was man selbst besitzt. Wenn dadurch die hessischen Städte und ihre Nachbarn in ihrer Entwicklung gefördert werden, so wird das der Heimat und dem Vater­lande nützen. Dies mit allen Mitteln zu erstreben, ist Pflicht der Städte. Mit der Erfüllung vieler Pflicht wird auch der Wunsch desGießener An­zeigers" erfüllt, der in den 175 Jahren seines Bestehens so gern und erfolgreich der Heimatpflege und der Heimatliebe gedient hat.

Wetzlar.

Don Bürgermeister Dr. Kühn, Wetzlar.

Wenn von der Entwicklung eines Gemeinwesens in den letzten 25 Jahren gesprochen werden soll, wird man insbesondere die wirtschaftliche und kommunalpolitische Seite derselben berücksichtigen müßen. Mauern und Türme sind gefallen, die alte städtische Kriegsverfassung, welche durch das Gegen- einander der Städte, der weltlichen und geistlichen Herren bedingt war, ist verschwunden. Die staatliche, kapitalistisch-liberale Epoche hat dem Städtebild

ihren Stempel aufgedrückt. Dieser Entfaltungs- prozeß prägt sich im Stadtbilde Wetzlars deutlich aus. Nach allen Seiten hat das Leben über die Mauern Wetzlars hinausgedrängt. Jndu- strielle Werke, Schienenwege, Dillen und breite Straßen haben sich der wehrhaften Altstadt vor­gelagert. Sie selbst in ihrer historischen Ehrwürdig­keit wird immer mehr zum Hemmnis in jeglicher Hinsicht. Das Jahr 1900 sand unser Gemeinwesen mitten in diesem wirtschaftlichen Entwicklungsprozeß, welcher sich dann in ungleich weiteren Ausmaßen vollzog, als in den benachbarten Städten und Kreisen. Mit einer Bevölkerungszunahme von 21,69 Proz. in der Zeit von 18901910 stand der Kreis Wetzlar übet den Kreisen Limburg (14,86 Proz.), Unterlahn (5,35 Proz.), Oberlahn (1,47 Proz.) und Westerburg (0,85 Proz.-). Die Ein- wohnerzahl der Stadt Wetzlar Vtrug am 1. De­zember 1900: 8906 Köpfe, am 15. Oktober 1913: 14 513 Köpfe. Schon 1899 übertraf der Eisenbahn­güterverkehr Wetzlars denjenigen Gießens erheblich. 1913 stand es mit einer Güter-Umfchlagsziffer von 748 282 Tonnen (442 233 i. I. 1899) bereits an zweiter Stelle im Direktionsbezirk Frankfurt a. M. Die entsprechenden Ziffern für den Personenverkehr betragen 250 777 Fahrkarten (1900) und 421 431 Fahrkarten 1912. Diese wirtschaftliche Vorwärts- entwicklung wurde weiter durch steigende Produk- tions-, Arbeiter- und Vermögensziffern, durch stan- dige Betriebserweiterungen, insbesondere der Walz- Werksanlagen und der optischen Industrie, gekenn­zeichnet. Die Eisensteinförderung im Kreise Wetz­lar stieg von 256 499 Tonnen i. I. 1900 auf 351 610 Tonnen i. I. 1911. Die Roheisenerzeugung von 105 820 Tonnen (1900) auf 143 205 Tonnen (1911). Die Zahl der Bergarbeiter im gleichen Zeitraum von 1778 auf 2092, der Hüttenarbeiter von 349 auf 2878.

Diesem Gange der Dinge mußten die öffentlichen Anstalten und Einrichtungen folgen. Unabweisbar erwies sich die Erweiterung des Bahn­hofs, welche in langen Jahren von 1905 ab mit einem Kostenaufwande von 4 Millionen Mark be- werkstelligt wurde. Im übrigen ging man nach den damals herrschenden Grundsätzen der unbedingten Sparsamkeit ziemlich behutsam vor. Eine Unzahl von Bauprojekten tauchte auf, namentlich war das Verlangen nach besseren lokalen Verbindungen innerhalb des Kreises und der Stadt stark, auch trug man sich bereits mit dem Gedanken der Lahn- fanalifierung. Aus alledem schälte sich als Faktum der Bahnbau WetzlarUfingen heraus (eingeweiht 1. November 1912). Der Vermittler aller dieser Wünsche wurde die 1900 gegründete Handels­kammer für den Kreis Wetzlar. Der Kommunal- verwaltung erwuchsen aus der Bevölkerungs- Zunahme (Eingemeindung von Niedergirmes 1903), Der sozialen Umschichtung und dem Anwachsen des Verkehrs und Verbrauchs zahlreiche Aufgaben. Wir würden heute wünschen, man hätte damals noch größeres Gewicht auf die gestaltenden Aufgaben ge­legt, ohne daß das Geleistete verkannt werden soll. Den gesteigerten Bedürfnissen des Verkehrs diente der Ausbau zahlreicher Straßen (Frankfurter-, Frieden-, Brühlsbach-, Turm-, Bannstraße, Schwa­nengasse und Dillbrücken). Die Licht- und Kraftver- forgung wurde durch den Bau eines neuen Gas­werks (1907) und eines Elektrizitätswerks mit Ueberlandzentrale (1911) zureichend gelöst. Das Wasserwerk mußte erweitert werden. Auch wurden

die Straßenreinigunasmittel und die Feuer-Alarm- einrichtungen verbessert, die Anlagen verschönert, insbesondere aber der Volksgesundheit durch die Er­richtung eines großen, modern ausgeftatteten Volks- bades mit Schwimmhalle, Wannen-, Brause- und Heilbädern ein großer Dienst erwiesen (1908). An größeren Bauten entstanden neu die Christus- kirche in Niedergirmes, das Lehrerseminar, das Bezirkskommando, das Amtsgericht und besonders die Unteroffizierschule, welche auf wiederholtes Er- suchen seitens der Stadt von Biebrich nach hier verlegt wurde. (Einweihung 1. April 1914.) Das großzügig angelegte Werk der Wiederherstellung des altehrwürdigen Domes fand am 10. und 11. De­zember 1910 nach lOjähriger Arbeit seinen Abschluß.

Diese .wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung sand durch den Krieg, was die hauptsächlichsten Pro- duktionszweige anbetrifft, eine starke Förderung. Sie fanden in der Lieferung für den Heeresbedarf erschöpfende Beschäftigung und lohnenden Gewinn. Wenige Zahlen mögen dies erhellen. Die Eisenstein­förderung der Buderusschen Eisenwerke stieg von 19141917 von 255 877 Tonnen auf 302 793 Tonnen, bte Roheisenerzeugung im gleichen Zeit­raum von 125 298 Tonnen auf 192 116 Tonnen, die Erzeugung von elektrischem Licht für fremde Ab­nehmer von 1691 114 Kilowattstunden i. I. 1914 auf 6 993 166 Kilowattstunden i. J^ N48, die An- gestellten- und Arbeiterzahl von 8000 auf 9000 und der Umsatz von 24 375 000, im Jahre 1914 auf 60 536 822. M. i. I. 1918. Nicht ungünstiger stand die optisch-mechanische Industrie, die Leder- und die Kugellaaerindustrie da, hatte sich doch die Ar­beiterzahl des größten damals anwesenden Leder­werks von 19141919 mehr als verdreifacht. Ein­zelne Fabrikationszweige hatten naturgemäß unter dem herrschenden Rohstoffmangel sehr zu leiden, so bie Handschuh, und Filzfabrikation. Desgl. waren der Groß- und Kleinhandel, namentlich in Lebens­mitteln und Textilien, durch die Zwangswirtschaft in der Ausdehnung ihrer Geschäfte stark beschrankt, fiel doch z. B. der Umsatz des Konsumvereins e. G. m. b. H. von 979 138,66 i. I. 1913/14 auf 686 151,91 Mark in 1916/17 bei steigender' Mitgliederzahl.

Diese exorbitante Entwicklung während der Kriegsbeil fand durch die Revolution und den ungünstigen Friedensschluß eine starke Be­schränkung. Das Aufhören des Heeresbedarfes, der Abtransport der Gefangenen, die trostlose Derkehrs- lage der Eisenbahnen, der Rohstoffmangel, die natürliche Ermüdungsaktion nach dieser über­mäßigen Kräfteanspannung und die anarchisch- revolutionäre Psychose brachten zunächst starke Pro­duktionsrückgänge und Absatzstockungen. Die Eisen­erzgewinnung der Buderusschen Werke ging bereits 1918 um 25 Proz. zurück, die Kalksteingewinnung um 15 Proz., von 5 Hochöfen brannte im November 1919 nur noch einer, desgl. ein Siemens-Martin- Ofen von dreien. Auch in der Folgezeit wurden die Verhältnisse in der Schwerindustrie nicht besser. Große Streiks und die Ruhrbesetzung führten zu Stillegungen von Gruben, Stembrüchen und den damit verbundenen Arbeiterentlassungen. Die Stabilisierung der Währung zeigte bij? über­mäßig gesteigerten Selbstkosten und damit die Kon­kurrenzunfähigkeit unserer heimischen Industrie in einem hellen Lichte. Man beklagt sich insbesondere über die hohen Frachtensätze und die billige Kon- kurrenz der Franzosen und Belgier, welche infolge des Tiefttandes ihrer Wahrungen unter den deut-

Dreischneider-

Ecken-

MASCHINENFABRIK

LEIPZIG-REUDNITZ

KOHLGARTENSTRASSE

RÜG UST FD MM

konto: All Bahnhof -

KONTOR: KOHLGARTENSTRASSE NR.

UND LUTHERSTRASSE NR.

gemeine Deutsche Creditanstalt- Bahnstation: Telegramm-Schlüssel: ABC-Code Ausgabe

Ritzen, Rillen, Nuten und Biegen von Pappe

Fernruf Nr. 21139 und 24174 Postscheckkonto

Nr. 3142 Bank- .eipzig, Dresdner und VI, Mosse-

Code, Hillgers Depeschenkürzer, Staudt & Hundius Telegramm-Adresse: Maschinfomm

Blind- und Farbdruckpressen Spezialmaschinen für Buchbindereien, Buchdruckereien, Geschäftsbücher­fabriken -Ausstanzmaschinen- Packpressen, Steindruck­handpressen, Walzwerke Maschinen zum Schneiden,

nd Ausstoßmaschinen-Schlitzeinschneid-

Faltschachtel-Stanzmaschinen

W MG

kauf von gut Molkerei mit gehoben. Au Jahres 1917 1800 Liter a Kartoffeln un Missionen auf verteilt, die Kc Stadt oorberc Liefervagsver und Trvckena mäßige Dich Die Mhm'iil scheu übrig, l lieserung seit angewiesen i Hindu ng mit zuglich der £ die 'Jelie/en GiäbtejnMfx von dort-für cblllge Versag, die Stadl 191 hoses schreiten, heute aut bew vergrögert wi gleich zu Krie bewilligt zur von Kriegstei schlissen, Beih teln usw.), o Pachtung vai mit dem Sr hier eines für bie Kric 1014 wurde neten stehenl waren es n Mittagspvrti der reger T durch 6inrid genehmen Ä Arbeiter mal H Die Q mH 1916 n MW«, Ntn der Le '/Wiege Ä 'n MW ZL

Lj N W» T. m. Ole neue ® Teschostrjah von 532315 r. gesa [panntefte |, öobnfen,

in R der flrC Sh $

& I?e,er und L'hler des 3hr

?°Ier (auf Uzen fr A"ge, die 7 greine, Qr:

StadtZ M mit s

Ä* Ä E%|tenUfl|