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er deutschen Turnens ist unter chen Verhältnisse andere Weg! im Ginne seines Begründer- hn lagen, üahn verstand unter mngen in ihrer Gesamtheit, er , Springen, Wersen, Wandern n, Segeln, Reiten, Fechten nd Wettkämpfe. Sie Leibe­rn ein Wittel zu einer völ­lig, unb er erftrebte von An

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Zehntes Blatt____________________

fang an nicht nur die Pflege des Körpers, sondern auch die der Seele und des Geistes. „Volkserziehung soll das Urbild eines vollkommenen Menschen, Bür­gers und Volksgliedes in jedem Einzelwesen ver­wirklichen."

Die Reaktion unter Metternich hat dieses frisch, fromm, fröhlich, freie Turnen von den Turnplätzen vertrieben. Es mußte sich hinter verschlossene Türen flüchten und führte hier ein stets bedrohtes, küm­merliches Dasein. Als endlich die Leibesübungen als ein notwendiger und unentbehrlicher Bestandteil der männlichen Erziehung förmlich anerkannt und in den Kreis der Volkserziehungsmittel ausgenommen wurden, war das Turnen zu einem reinen Hallen­turnen geworden. Don den Turnvereinen hatten nur zwei, die Hamburger Turnerschaft von 1818 und der Mainzer Turnverein von 1817, die Zeit der Turn­sperre von 1820 bis 1842 überdauert. Rach ihrer Beseitigung entstanden überall neue Vereine, die sich zusammenschlossen und im Jahre 1868 in Koburg die Deutsche Turnerschaft gründeten. Die von Turn­vater Jahn hochgehaltenen Ideale sind in der Deut­schen Turnerschaft stets lebendig geblieben, neben den Leibesübungen haben deutsche Freiheit und deutsche Einigkeit in ihr stets eifrige Verfechter ge­funden. Der Krieg von 1870/71, der das Deutsche Reich schuf, ließ den Traum F- L- Jahns von Deutschlands Einheit, wenn auch in engeren Gren­zen, zur Wirklichkeit werden. Aber nur langsam konnte der Turnbetrieb sich von den ihm aufgezwun- genen Fesseln befreien Das deutsche Turnen be­schränkte sich noch jahrzehntelang auf Ordnungs­übungen, Freiübungen und Geräteübungen.

Diese drei Uebungsarten wurden auch in das deutsche Schulturnen übernommen, dessen Einord­nung in den Lehrplan wir Adolf Spies verdanken, der von 1848 ab in Darmstadt wirkte. Doch ver­mochte diese auf rein pädagogischer Grundlage auf­gebaute Methode, die den physiologischen Wert der Hebungen zu wenig berücksichtigte, keine harmo= Nische Körperbildung zu erzielen, wie wir es vei den Griechen in so vorbildlicher Weise gesehen haben. Wohl wurden Knochen und Gelenke, Sehnen und Muskeln der Jugend gekräftigt und zum Wachstum angeregt und neben Kraft auch Geschicklichkeit und Gewandtheit erzielt, dagegen wurden lebenswichtige Organe, wie Herz und Lunge zu wenig geübt und daher nicht bis zu ihrer vollen Leistungsfähigkeit entwickelt. Besonders wurde aber ein Organ, die Haut, auf deren Pflege die Griechen ganz besonderen Wert legten, stiefmütterlich behandelt. Die Haut ist nicht nur die äußere Schutzdecke, sondern besorgt auch die Wärmeregulation des Körpers und macht die Sonnenenergien, worauf man erst in neuerer Zeit aufmerksam geworden ist, für den Körper dienstbar.

Das Turnen wurde auch in den Schulen, obwohl es als Pflichtfach eingeführt war, meist sehr lasch betrieben und selbst wohlgemeinte Verord­nungen konnten es nicht aus seiner Aschenbrödel­stellung emporheben. Auch die Aerztewelt war sich über die Notwendigkeit gesunder Leibesübungen für unsere Heranwachsende Jugend meist nicht genügend klar, wofür die häufigen Turnbefreiungen auf Grund ärzllicher Anordnung Zeugnis ablegen.

Insonderheit machte sich bei unserer Jugend in den immer größer werdenden Städten und Indu­striezentren der Mangel an ausreichender Bewegung in frischer Luft unangenehm bemerkbar. In Eng-

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Gießener Anzeiger - Jubiläums-Ausgabe

land hatten sich diese Mißstände eines Industrie­landes schon weit früher bemerkbar gemacht und deshalb auch zu bewußten bzw. instinktiven Gegenmaßnahmen geführt. Der Volkssport war in England schon weit entwickelt, als das junge Deutsche Reich seinen industriellen Aufschwung zu nehmen begann.

Bald nach 1870 entstand Sportverein um Sport­verein, um die achtziger und neunziger Jahre sind die Gründerjahre der deutschen Volkssportverbände, des Ruder-, Radfahrer-, Eislauf- und Schwimm- verbandes und der Deutschen Sportbehörde für Ath­letik. Der Spielerlab des preußischen Ministers von Goßler vom Jahre 1882, der wohl in erster Linie auf den Einfluß Max von Schenkendorffs, des späteren Vorsitzenden des Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und Jugendspiele, zurückzu- führen ist, brachte deren Einführung in die Schule. Wohl fanden sich an einzelnen Anstalten Turnlehrer, die sich mit Feuereifer der körperlichen Erziehung unserer Jugend widmeten, im großen und ganzen aber hatte Der Erlaß nur wenig Erfolg.

Auch in der Deutschen Turnerschaft konnte sich die Spielbewegung nur langsam Geltung verschaffen und trat erst um die Wende des Jahrhunderts mehr in den Vordergrund. Das Jahr 1900 ist auch das Gründungsjahr des Deutschen Fußballbundes. Dieses Kampfspiel hat sich mit den Jahren zu einem wirk­

oerbunben. Ein Sportlaboratorium unter Leitung von Dr. med. Mallwitz führte unter Benutzung eines ausgedehnten wissenschaftlichen Rüstzeugs die ärztliche Untersuchung von Sportleuten durch.

Neben Turnen und Sport begann sich zu Be- ginn des neuen Jahrhunderts vielfach in schroffem Gegensatz zu diesen, besonders gegen das seelenlose Schulturnen, die rhythmische Gymnastik zu ent­wickeln. Zunächst waren es Jacques Dalcroze (Hellerau) und Isadora Duncan mit ihrer Schwester Elisabeth (Darmstadt), die den Weg zu einer mehr künstlerischen Körperschulung wiesen, welche sich frei hielt von krampfhaften, auf Kommando aus­geführten Massenübungen, das Streben nach Höchst- leiftungen verwarf und den Hauptwen aus stie­bende Körperbewegung legte, die angeregt durch Musik oder inneres Erleben im Spiel und Tanz ihren Ausdruck finden. Die Erneuerung des Lebens­und Körpergefühls, das sie anstreben, soll der Mechanisierung unserer Zeit entgegenwirken und nicht nur den Körper, sondern vorzüglich auch die Seele bilden.

Aus ähnlichem Geist heraus ist kurz vor der Wende des Jahrhunderts die Wandervogelbewe- gung entstanden, die sich gegen Schule und Eltern- haus wandte, gegen Autorität und gesellschaftliche Moral Sturm lief und dem Intellektualismus, der einseitigen Geistesbildung, den Krieg erklärte. Das

Friedberg, Tellanstcht.

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lieben deutschen Volksspiel entwickelt. Aus den 60 Gründunasvereinen wurden im Zeitraum von 13 Jahren 2000 Vereine mit rund 200 000 Mitgliedern, und heute gibt es wohl wenige ländliche oder städtische Gemeinwesen, in denen nicht dem Fuß­ballspiel gefrönt wird. Der Reiz des Wettkampfes hat aber nicht nur die Spieler, sondern vor allem auch die Zuschauer erfaßt, so daß sich zu den Fuß- ballwettspielen stets eine schaulustige und begeisterte Menge drängt. Auch die leichtathletischen Wett­kämpfe erfreuen sich neuerdings mehr und mehr der ® - -'•tung der Volksmasfe. Die leichtathletischen Uebungen: Lauf, Sprung, Speerwurf, Diskuswurf sind die Hauptübungen der griechischen Gymnastik und werden heute auch bei uns nach Möglichkeit nackt ausgeführt. Sie gestatten, besonders wenn noch als Fünftes das Ringen, das zur Schwerathletik ge­rechnet wird, hinzukommt, eine harmonische Aus­bildung des Körpers.

Leider legen unsere Sportvereine hieraus noch viel zu wenig Gewicht. Das Streben nach Höchst­leistungen geht ihnen vor der allseitigen körper­lichen Ausbildung ihrer Mitglieder und wir sehen nicht feilen, daß für ein Spezialsportgebiet gut veranlagte junge Leute nur dieses betreiben, um es auf diesem Gebiete zur möglichsten Vollen­dung zu bringen. Häufig fehlt ihnen aber die Aus- dildung lebenswichtiger Organe, deren volle Lei­stungsfähigkeit erst Höchstleistungen auf diesem Spezialgebiete ermöglichen. So wird bei uns z. B das Fußballspiel meist ohne vorherige genügende körperliche Durchbildung betrieben, bevor noch die Organe die nötige Leistungsfähigkeit erlangt haben, so daß es im Eifer des Wettkampfes zu lieber« anftrengungen und Gesundheitsschädigung kommen kann, besonders im jugendlichen Alter, bevor das Wachstum abgeschlossen ist.

Demgegenüber sahen wir in Griechenland Fach­leute die körperliche Ausbildung der Jugend leiten und sich auch die Aerzte mit der Gymnastik beschäf­tigen. Schon vor dem Kriege haben weitblickende deutsche Aerzte auf die Notwendigkeit gesunder Leibesübungen hingewiesen. Vor allem ist der Hygieniker Hueppe für eine richtige körperliche Er­ziehung und einen vernünftigen Betrieb der Kör­perübungen durch alle Lebensalter hindurch im Rahmen einer zielbewußten aufbauenden sozialen Hygiene eingetreten. Mit der Hygieneausstellung in Dresden 1911 war auch eine Sportausstellung

Wandern, das der Bewegung den Namen gab, wurde zwar eifrig betrieben, doch liegt das Haupt- gewicht dieser Jugendbewegung weniger auf kör­perlichem als auf seelischem Gebiete. Es war das Aufbäumen einer gefunden Jugend gegen das seelenlose System, die Auswüchse der Zivilisation und die Unmoral der heutigen Gesellschaft. Sie bekannte sich im Gegensatz zu dem Immer mehr überhand nehmenden Luxus au einfacher Lebens­weise, zu derber Kost und grober Kleidung, wandte sich gegen Alkohol und Nikotin und suchte fernab von den Wegen der Kultur und der Wirklichkeit durch Schwärmen und Wandern, Singen und Tanzen sich ihr Leben am Busen der Natur zu ge­stalten. Ihren Höhepunkt hat die Wandervogelbewe­gung mit der Jugendtagung auf dem Hohen Meißner im Jahre 1913 erreicht. Da sie kein posi- tives Ziel vor Auaen hatte, beginnt sie seitdem allmählich zu verebben, doch werden ihre Spuren nicht verwehen, denn sie hat auf Jugenderziehung unb Jugendpflege weitgehenden Einfluß geübt, und es ist zu hoffen, daß der gute Kern, der ihr inne- wohnt, noch Blüten und Früchte treiben wird.

Das Bedürfnis, gegen die die Gesundheit schä­digende Wirkung der sitzenden Lebensweise, zu der ein großer Teil unserer Bevölkerung heute ge­zwungen ist, ein Gegengewicht zu schaffen, hat weiterhin eine ganze Anzahl Gymnastiksysteme ins Leben gerufen. Das bekannteste ist wohl „Mein System" von I. P. Müller, das später auch für Frauen und Kinder erschienen ist und bei uns in Deutschland viele Anhänger zählt. Ferner sind zu nennen „Die Körperkultur der Frau" von Beß Mensendieck und „Kindersport" von Neumann-Neu- rode. Während I. P. Müller als Däne von der schwedischen Gymnastik ausgeht, folgt das Mensen- diecksystem hauptsächlich amerikanischen Vorbildern. Andere Zimmergymnastiksysteme, deren es eine ganze Anzahl gibt, hier aufzuzählen, erübrigt sich.

Jedenfalls sehen wir, daß besonders seit der Jahrhundertwende auch in Deutschland der Körper­pflege ein vielseitiges Interesse entgegengebracht wird und daß dabei völlig neue Gesichtspunkte auf= getaucht sind.

Während des Weltkrieges ruhte der Turn- und Sportbetrieb in der Heimat fast ganz, dagegen wur­den hinter der Front sehr eifrig turnerische und sportliche Wettkämpfe ausgetragen. Die Schäden, die der Weltkrieg und die Hungerblockade der deutschen I

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Volkskraft und insonderheit unserer Heranwachsen­den Jugend zugefügt hat, haben die Notwendigkeit einer durchgreifenden Körperbildung auf hygienischer Grundlage auch weiteren Kreisen tlargemacht. Und gerade als ob der an sich gesunde Volkskörper gegen die ihm drohenden Gefahren selbst Front machen und Abhilfe schaffen will, hat die Pflege der Leibes­übungen nach dem Kriege einen ungeahnten Auf­schwung genommen und zu Turnen, Spiel und Sport strömt die Jugend in Scharen. Von Be­rufenen und Unberufenen, die wohl den guten Willen, aber häufig weder die pädagogischen noch biologischen Kenntnisse mitbrachten, wurde eine ganze Reihe neuer Gymnastiksysteme und -schulen gegründet, die mehr oder weniger Anhänger fanden. Hier Spreu vom Weizen zu sondern, wird die Auf- gäbe der nächsten Zukunft sein müssen.

Glücklicherweise beginnen endlich auch Staat und Kommune sich ihrer Pflicht auf diesem wichtigen Gebiete der Volksgesundheit bewußt zu werden. Leider fehlen vielfach Turn- und Spielplätze, wo die Jugend in Licht und Luft ihrer. Körper bilden unb pflegen unb zu gefunben, kräftigen Volksgenossen heranwachsen kann. Vor allem aber macht sich ber Mangel an gut ausgebilbeten Turnlehrern unb Aerzten geltend, die, wie einst im alten Griechen- land, die Erziehung unserer Jugend auf physiolo- gischer Grundlage leiten können.

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen die Deutsche Hochschule für Leibesübungen ins Leben gerufen, die in sechssemestrigen Kursen Turn- und Sportlehrer hauptsächlich für den Bedarf ber ihm angeschlossenen Vereine ausbilbet. Der preußische Staat hat aus ber Preußischen Turnlehrerbilbungsanstalt in Spanbau eine preußische Hochschule für Leibesübungen ge­macht. Ebenso haben bie anberen großen bentschen Bundesstaaten, Bayern, Sachsen unb Baben, bie hochschulmäßige Ausbilbung ihrer Turnlehrer ge­regelt. Hessen, bas schon seit dem Jahre 1920 ein Institut für Körperkultur an ber Landesuniversität besitzt, kann sich leider noch immer nicht entschließen, diesen Weg zu betreten und die Turnlehrerausbil- bung im mobernen Sinne zu regeln. Den Kandi- baten für bas höhere Lehrfach ist an vielen beut« schen Universitäten bie Möglichkeit gegeben, das Turnlehrerexamen zu machen. Doch entspricht ber akabemische Turnlehrerkursus keineswegs ben An- forberungen, bie man an bie Ausbilbung eines Turnlehrers heute stellen muß.

Der befruchtenbe Einfluß biologischer Kenntnisse auf bie körperliche Erziehung ber Jugend macht sich schon bemerkbar. Der kürzlich nach München be­rufene Privatbozent Dr E. Matthias, ber sich als erster für bas Fach ber Körpererziehung an einer beutschen Universität habilitierte, hat die gegen­wärtigen Unterrichts- und Erziehungsmethoden einer eingehenden Betrachtung im Lichte der Biologie unterzogen Das neue österreichische Volksschul- turnen ijt von Gaulhofcr und Streicher auf völlig biologischer Grundlage aufgebaut und bedeutet einen großen Fortschritt auf dem Wege zu einer harmo­nischen Körperbildung. Gerade für die Volksschüler, die später meist werktätigen Berufen zuströmen, ist eine gute körperliche Durchbildung dringendes Er­fordernis in dem jetzt so schweren Kamps ums Dasein.

Neben der Heranbildung eines vollwertigen Turnlehrerpersonals brauchen wir aber Aerzte, die

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