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Zweites Blatt

(Siebener Anzeiger . Jubiläums-Ausgabe

Seite 15

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Schotten, Kirche.

bietet die Sammlung des Völkermuseums ein un­ersetzliches Hilfsmittel für die Erdkunde und ver­mag das gesprochene und gelesene Wort des geographischen Unterrichts aus das Lebendigste zu unterstützen. Eine nicht unwichtige Bedeutung be­kommt das Völkermuseum heute auch für die Politik, da es besonders gutes Material bietet, um den Wert der uns entrissenen Kolonien für Deutschland zu erweisen und uns in dem Verlangen nach Rück­gabe des Raubes zu stärken.

Das größte Museum an Raum und Inhalt ist dasjenige am Brandplak, das schon durch seinen NamenOberhessisches Museum" den Umkreis seiner Tättgkett aufzeigen will. Es ist im eigentlichen Sinne ein Heimatmuseum und will das Gefühl für den Wert unserer Heimat wachrufen und stärken: der Anblick all der Bilder, Trachten und Gebrauchsstücke soll im Beschauer das Bewußtsein wecken, daß er ein Glied in der langen Kette der Geschlechter ist, die vor ihm in der Heimat gelebt haben: er soll sehen, daß sein Dasein aufs engste mit der Vergangenheit oer- knüpft ist, er soll merken, was für eine Schicksals- gememschaftVolk und Scholle" für den Einzelnen und für die Gesamtheit bedeuten. Bürger und Bauer, Alt und Jung, Hoch und Niedrig, Ge­lehrter und Arbeiter, sie alle sehen hier die Fäden geknüpft, die sie an die Heimat binden. Unsere allzu raschlebige Zeit vergißt in dem Hasten des Tages gar leicht den Wert der Vergangenheit richtig einzuschätzen: im Museum kommt einem die ruhige Besinnlichkeit wieder, hier lernt man die stille Be­haglichkeit früherer Jahrhunderte verstehen und würdigen. Und wer dafür schwärmt, die großen Fortschritte der heutigen Kultur zu preisen, der kann im Museum rückschauend erkennen, aus welch einfachen Verhältnissen heraus sich die Jetztzeit entwickelt hat. So ist das Oberhessische Museum eine der wichtigsten Bildungsstätten unserer Stadt und bedarf deshalb immer von neuem der schon so oft bewährten Unterstützung aller, sei es an Geld, sei es an Gaben: es ist schon oben auf die großherzige Stiftung von W. Gail hingewiesen worden, die dem Museum durch Ein­gliederung seiner Sammlungen zuteil geworden ist. Auch die Stadtverwaltung, sowohl die Behörde

was

selbst als auch die Väter

größten und schauerlichsten aller Kriege erhält, alles, was die Not der Heimat widerspiegelt, alles, die Opferfreudigkeit des deutschen Volkes in jenen furchtbaren Jahren schildert.

haben in richtiger Würdigung des unschätzbaren Kulturgutes dieser Sammlungen die Mittel zu ihrer Erhaltung gegeben; möchten doch auch andere Kreise dem Museum ihr Wohlwollen zuwenden, wie es unter anderem die Provinzialoerwaltung feit Jahren tut!

Ganz anders steht es beim Dölkermuseum: cs dient der Wissenschaft und soll dem Beschauer eine lebendige Kenntnis der Kultur außereuropä- ischer Völker vermitteln: daher enthält es eine Fülle von seidenen und wollenen Gewändern aus Arabien, China und Japan, aus den uns ent­rissenen Kolonien und Amerika, aus dem Innern der Pamirländer und Australien. Dazu kommen Gebrauchsstücke des täglichen Lebens: Schüsseln, geflochtene Körbe, Messer, Kämme, Armbänder, Federschmuck und tausend andere Dinge: eine vor­nehme Japanerin fährt in einer Rickscha von einem tätowierten Kuli gezogen dahin, und ein Ausleger­boot zeigt uns das leichte und doch so sichere Fahr­zeug der Südsee. Hier bewundern wir den pracht­vollen Häuptlingsschmuck eines Indianers (auch ein Skalp ist vorhanden), dort stehen wir staunend vor den herrlichen Stickereien und Metallarbeiten Indiens. Aber auch die Kriegsgeräte fehlen nicht, mögen es nun die Speere afrikanischer Wilden oder die Bumerangs der Australneger, mögen es die Holzpanzer alter japanischer Helden oder die bunt­bemalten Lederschilde der Herero, mögen es die Bogen und Pfeile der Malaien oder die Baum­trommeln der Neger sein. Einen breiten Raum nehmen die Gegenstände des religiösen Kultus ein; namentlich die Tanzmasken der Priester mit ihren

grausigen Fratzen lassen seelische Verfassung der und Mütter der Stadt,

liegen die Dinge beim Kriegsmuseum: Es soll die Erinnerung an den großen Krieg, an die Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen und in der Heimat, an die Taten unserer Feldgrauen und ihrer Führer, es soll vor allem die Erinnerung an unsere Gefallenen wachhalten. So bilden die im Vorsaal und in den Glasschränken ausgestellten Gegen­stände eigentlich nur den Zugang zu den die ganze Breite der Rückwand bedeckenden beiden Tafeln, die die Bilder der toten Helden aus Gießen mit der kurzen Angabe ihres Lebensganges enthalten; die Würde der Umrahmung ist dem Ernst des Gegen­standes treffend angepaßt und spricht ergreifend zu dem Beschauer; unsere Gefallenen sollen uns unvergeßlich und lebendig sein und bleiben! In diesem Sinne ist auch der weitere Ausbau des Kriegsmuseums gedacht: Es will alles sammeln, was an Büchern und Karten, Waffen und Wehr, Bildern und Andenken das Gedächtnis an den

uns einen Blick in die Heidenvolker tun. So in Frankfurt a. M. zur Seite gestellt worden, die Römisch ° Germanische Kommission, die die Aufgabe hat, die Vorgeschichte Germaniens und die Hinterlassenschaft der Romer in diesem Lande aufzuklären; die Erforschung der Kunde der Vorzeit ist zu einem Zweig der Wissenschaft ge­worden und aus dem bloßen Sammeln von Fund-

Viele wissenschaftliche Arbeit steckt besonders in der Abteilung, die die Ausgrabungen umfaßt; hier ist in übersichtlicher Weise aufgestellt, was in mühevoller und oft entsagungsreicher Arbeit von den Museumsbeamten dem Erdboden entnommen worden ist. Die Arbeit des Spatens ist heutzutage o verfeinert und durchgebildet, daß sie eine be= andere Wissenschaft bedeutet, die nur durch lange lebung, klaren Blick und reiches Wissen gewonnen werden kann. Hat sich das deutsche Archäo­logische Institut früher mit je einer Ab­teilung in Athen und Rom begnügt, so ist ihnen seit einer Reihe von Jahren eine dritte mit dem Sitze

stücken, wie es die Museen früher betrieben, her­ausgetreten. In diesem Sinne arbeitet das Ober- hessische Museum schon seit Jahren: Die Aus­grabungen werden unter sorgfältigster Beobachtung und der scheinbar geringfügigsten Umstände aus- geführt, Fundbeschreibungen an Ort und Stelle ausgenommen, die Funde selbst gewissenhaft ge­borgen und im Museum eingegliedert; dazu kommen genaue Pläne und Skizzen, sowie die Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften. Es darf ohne Ueberhebung gesagt werden, daß die (Sammlungen des Museums bedeutenden Ruf in der Welt der Wissenschaft genießen.

Schotten, Am Nathane.

Wenn nun das Oberhessische Museum seine Auf­gabe auf der einen Seite darin sieht, der Wissen­schaft zu dienen, so vernachlässigt es auch nicht die Pflicht, der wissensdurstigen Menge möglichst klare Aufklärung über die Fragen nach der fernen Ver­gangenheit unseres Landes zu vermitteln. Dazu dient vor allem die lückenlose und übersichtliche Aufstellung der Fundgegenstände nach Zeitperioden, wobei besonders auf die geschlossene Zusammen- gehorigkeit jeder Grabung geachtet wird. Ader do diese Dinge dem Laien nur wenig sagen können, so ist nicht nur jedes Stück einzeln beschriftet, sondern es sind auch überall mit knappen aber bestimmten Worten Angaben über die zeitliche Einstufung, die Eigentümlichkeiten und Merkmale, sowie besondere §unbumftänbe beigefügt. Dazu kommen ferner eidjnungen mit genauer Eintragung jebes Fund- platzes unb seiner Lage im großen Gelänbe; außer- bem ist burch zahlreiche Abbildungen von Fund- stücken aus anberen Museen die Möglichkeit zum Vergleich gegeben. Vor allem aber sehen es die Museumsbeamten als ihre vornehmste Aufgabe an, durch Führungen und Erklärungen an Schulen, Vereine, Gruppen und Einzelpersonen nach Mag- lichkeit das Verständnis für die Vorgeschichte unseres Landes zu wecken unb zu vertiefen. Es ist erfreulich zu sehen, wie gern davon Gebrauch gemacht wirb, unb wie bie Zahl berjenigen, namentlich ber Lehrer, wächst, bie nun nach empfangener unb vertiefter Aufklärung selbst bie Erläuterung übernehmen können. Ems freilich fehlt noch; bas ist ein umfafsenber Katalog, oer bem Beschauer als Wegweiser bienen kann; wenn er an Hand bes Inventarverzeichnisses ver­hältnismäßig leicht hergestellt werben kann, so ist er boch burch bie mißlichen Zeitumstänbe, sowie burch bie oster erfolgten Umsieblungen unb nicht zum wenigsten durch die oielseittge Jnanspruch- nähme der Museumsleitung noch nicht zur Aus- führung gelangt. Immerhin wird dies für die nächsten Jahre eine der wichtigsten Aufgaben fein.

So sind die Ziele, die die Gießener Museen ver­folgen, kurz umschrieben: von der allseitigen Unter- stützung wird es abhängen, ob es gelingt, ihnen immer näher zu kommen; an der Arbeitsfreudig« feit der zuständigen Beamten wird es nicht fehlen.

Rannst du's nennen?

von Lari Lrnst Lnodt.

Leise tritt der rote Abend durch das schmale Giebelfenfter zu den Dingen, die im Stüblein seiner warten . . . Wie Gespenster stehn die Möbel, die vertrauten, an den schattentiefen Wanden. Ltwas rührt mit leisen Händen an jedwedes nahe Stück, und weit, weit tritt es zurück.

Bilder, die wie Freunde schauten, sehn mich fremd und fragend an, alles liegt in einem Dann wie Dornröschens Schloß vor Seite», und ich höre Füße schreiten durch den feierstillen Raum.

Ist's der Tritt der Nacht?... Lin Traum?...

*

Jemand ist jetzt eingetreten!

Lannst du's nennen?... Ich muß beten...!

FRANZ NEUMEIER - GIESSEN

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