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Zweites Blatt

Giefiener Anzeiger - IubttaumsAusaobe

Seite 13

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Scholten.

lung, Textilwaren: vollständig eingerichtete Bauernstube. 7. Universität: Bilder der Professoren, zahlreiche Gegenstände, die sich auf das studentische Leben beziehen, Bestände des ehemaligen Gießener Karzers. 8. Waffen Halle mit Rüstungen und Waffen, die zum größten Teil aus dem ehemaligen Gießener Zeughaus stammen, so- wie solche aus den Bauernkriegen. 9. Die v o r - und früh geschichtlichen Sammlungen.

2. Das Völkermuseum.

Im Winter 1910 wurde durch Herrn Wilhelm Gail eine ethnographische Sammlung von etwa 1500 Gegenständen angekauft und damit der Grundstock zu einem Dölkermuseum gelegt. Es fand Aufnayme in dem großen Saal des untersten Stockwerks des sog. Neuen Schlosses am Landgraf» Philipp-Platz. Durch umfangreiche Ankäufe und Beteiligung an Expeditionen (Pamir und Kamerun) vermehrten sich die Sammlungen bis jetzt auf 4301 Nummern. Wertvolle Stiftungen wurden außer von Herrn Wilhelm Gail insbesondere von Frau Laubenheimer, Herrn Corl Gail» Kon­stanz und Herrn Hans Rausch» Romrod gemacht.

kriegsmuseum.

Im Jahre 1915 wurde das Kriegsmuseum, das sich in den oberen Räumen des Neuen Schlosses vefindet. durch Herrn Louis E m m e l i u s ins Leben gerufen: von ihm wurden die Heldentafeln zu Ehren der gefallenen Gießener Krieger und der Angehörigen des Inf.-Regts.Kaiser Wilhelm" (2. Grobherz. Hess.) Nr. 116 gestiftet. Rasch wuchs die Sammlung durch Geschenke von Privaten und durch Ueberweisung von Erinnerungen seitens unserer tapferen Feldgrauen. Alles, was auf den Weltkrieg Bezug hatte, wurde gesammelt: Bekannt» machunaen: Formulare der Feldpost, Telegraphie, und Eisenbahn: Ausrüstung und Bewaffnung der Feinde: Bilder der Kampfplätze und des Lebens im Felde: Kriegszeitungen: Zeitungsausschnitte mit Berichten von Oberhessen aus dem Felde, sowie zahlreiches Notgeld. Herr Adolf Noll stiftete mehrere Kriegerfiguren, darunter einen Gießener Landsturmmann Herr Heichelheim stellte die Mittel zum Ankauf der Kriegsauszeichnungen der deutschen und mit uns verbündeten Staaten. Der

Schotten, Kirche.

friedhof der fränkischen Zeit. Bier mächtige Toten­kisten aus Eichenholz mit Innensarg, Jrauenskelette enthaltend, standen etwa 3 Meter tief im flüssigen Ton. Die Toten waren mit reichern Schmuck aus Goid und anderem Metall, Perlen, Gefäßen, Gläsern und hölzernem Hausrat bestattet. Die Männer waren getrennt von den Frauen mit Wehr und Wafsen be­erdigt. Die umfangreiche Ausgrabung fand unter Leitimg von Herrn Kramer und tätiger Mitarbeit von Herrn Siegelt statt.

4. Lindener Mark: In der Lindener Mark, einem südlich von Gießen gelegenen Wald» gebiet, liegen viele hunderte Grabhügel und Flach» gröber. Bon ihnen sind mehrere Gräber ganz oder zum Teil geöffnet worden.

5. Lumda »Tal, Kr. Gießen: Bier Grab» Hügel auf dem Homberg bei Climbach wurden 1917 geöffnet. Aus den Fundergebnissen darf man schließen, daß die Bevölkerung ehemals aus Hirten und Jägern bestand. 1919 wurden zwölf Hügel am Schabenberg bei Mainzlar untersucht und aus ihnen Funde aller prähisto» rischen Zeitstufen entnommen').

6. M u s ch e n h e i m , Kr. Gießen: Im M u schenheimer Dorderwold liegen geaen vierzig wohlerhaltene Grabhügel, die 19181920 fast sämtlich aufgedeckt wurden. Es handelt sich um ein mit der Bronzezeit beginnendes und durch alle vier Hallstattperioden weiter benutztes Toten­feld. Eine wichtige Ergänzung brachte die Auf- deckung durch die Feststellung von Latönegrübern ostgermanischen Ursprungs. Beachtlich ist sowohl die große Anzahl der Gefäße als auch die Fülle der prächtigsten Bronzegegenstände, die dem Museum zur größten Zierde gereichen, oona abgesehen von den hervorragenden wissenschaftlichen Ergebnissen, die die Grabungen gezeitigt habens.

7. N i e d e r» M o ck st a d t, Kr. Büdingen: Eine umfangreiche Totenstadt mit zahlreichen Grabhügeln, westlich des Ortes, wurde 19201922 durch das Oberhessische Museum gründlich durchforscht. Schon steinieitliche Bauern hatten hier ihren Sitz: in der ausgehenden Bronzezeit siedelten sich andere Stämme an. Die Hauptzahl der bisher geöffneten Gräber fällt jedoch der Hallstattzeit zu. Die Toten sind meist verbrannt. Die Ausgrabung bei Nieder-Mockstadt

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Ausgrabung am Westausgang von Leihgestern. Hier stieß man auf einen ausgedehnten Reihen-

theon beiletzen'). 3. Äusgesiorbene und aussterbende Hausindustrie Oberhessens: Kattun­druckerei, Weberei, Flachsbereitung, Knopf» und

Stecknadel-Anfertigung, Uhrmacherei, alte Schuster­werkstatt, Zunftladen und Zunftzeichen, Ofenkacheln und Anisformen. 4. Kirchlicbe Altertümer, befonders aus vorreformatoriskyer Zeit, Holzplastik

war sowohl in wissenschaftlicher als auch musealer Hinsicht eine der erfolgreichsten*).

Geschlossene Sammlungen des Museums: 1 Porzellan, Fayence und Steingut. 2. Kupfer st iche und Hand- zeichnungen von Johann Georg Wille. Er wurde in der Obermühle bei Rodheim an der

beste Freund. Seine Sammlungen, die nach seinem Ableben 1925 der Stadt zufielen, werden bei der Mit- und Nachwelt eine dankbare Erinnerung an ihn wachhalten. Auch der Stadt Gießen i t das Museum für die wiederholte Erwerbung von Prioatsammlungen zu lebhaftem Dank verpflichtet. (Dr. Klewitzfche Münzsammlung und Meis- k i s ch e Altertumssammlung, Ulrichstein.)

Eine der Hauptaufgaben des Museums ist die Erforschung des Siedlungswesens in den Kreisen Gießen, Schotten und Büdingen. Die Ergebnisse der Ausgrabungen, welche unter Leitung der Herren Bremer, Gundermann, Helmke, Kornemann, Kramer, Kun­kel, v. Schlemmer und Siegert im Laufe von Jahrzehnten stattfanden, sind in der vor- und frühzeillichen Abteilung des Museums niedergelegt; sie beweisen, daß wir uns wisienschaftlichen Museen von Ruf zur Seite stellen dürfen. Nur die Hauptausgrabungen seien kurz erwähnt.

1. Eberstadt, Kr. Gießen: Aufdeckung eines steinaeitllchen Dorfes, Gräber aller Perioden bis zur fränkischen Zeit.

2. Gießen: Der Exerzierplatz (Trieb) ist ein großes Gräberfeld, das von der Stein- bis einschließlich der entwickelten fränkischen Zeit be­nutzt worden ist. Hügel- und Flachgräber, Skelett- und Brandbestattungen sind in großer Zahl und mit hervorragendem, wissenschaftlichem Erfolg auf» gedeckt worden. Im Gießener Stadtwald, D i st r i k t ©anbberg an der Straße Gießen Rödgen, wurden Steinwerkzeuge, eine Wohngrube der Hallstattzeit, sowie besonders Brandgräber der römisch-germanischen Periode untersucht. Die Ge­wann Zollstockwald enthielt Gräber der Bronze- und Hallstattzeit, sowie eine große Anzahl eiserner Gebrauchsgegenstände, die der römisch- germanischen Zeit angehören.

3. Leihgestern, Kr. Gießen: Eine uralte Siedelung ist südlich von Gießen die Gemarkung Leihgestern. Hier wurde 1908 eine ausgedehnte Niederlassung der Steinzeit aufgedeckt. Zwei Men- schenskelette von zierlicher Gestalt lagen unter dem Fußboden einer Wohnung. 1910 wurde südwestlich des Ortes auf der Haardt eine Siedelung der Hall­stattzeit gefunden und eigenartige Gefäße ge­borgen. Das größte Interesse beansprucht eine

Der Rektor der Hessischen Ludwigs-Universität Gießen, Herr Geheimer Kirchenrat Professor D. Dr. Krüger:

DemGießener Anzeiger zu seinem Jubelfest die Grüße der Landesuniversität zu übermitteln, ist mir eine gern erfüllte Aufgabe. Als einer der ältesten und am längsten wirkenden Lehrer unserer Hochschule habe ich seine engen Beziehungen zur Ludovlciana seit Jahrzehnten verfolgen dürfen und weiß von unserem freundschaftlichen Verhältnis Zeugnis abzulegen. Eine Anstalt wie die Landesuniversität, deren mannigfach ver­zweigten Belange sie mit allen Seiten des öffentlichen Lebens in Stadt und Land in engster Fühlung halten, ist auf das wohlwollende Verständnis der Presse angewiesen. Schriftleitung und Verlag desAnzeigers haben dieses Verständnis stets gezeigt und gelegentliche kleine Reibungen haben die Freundschaft nur stärken und festigen können. DerAnzeiger hat die Universität in Freud und Leid mit warmem Wort begleitet. Wenn es Feste zu feiern galt, wenn denkwürdige Ereignisse als Marksteine unserer Geschichte zu würdigen waren, wenn einer unserer Kollegen an einem wichtigen Abschnitt seines Lebens anlangte oder der Tod ihn von uns riß, derAnzeiger hat zu Gruß, Glückwunsch und Gedächtnis seine Spalten stets bereitwillig offen gehalten. Mit besonderer Aufmerksamkeit ist er der Entwickelung der Lehrstühle, der Institute, der Einrichtungen aller Art gefolgt, die, im letzten Vierteljahrhundert zumal, einen so bedeutsamen Aufschwung genommen haben. So haben wir allen Anlaß, seines Ehren­tages dankbar zu gedenken und ihn mit herzlichen Wünschen in den nächsten Abschnitt seiner reichen Geschichte zu geleiten.

*) Veröffentlicht durch Oberbessisches Museum und der Gailschen Sammlungen, Abt. f. Borg., Heft 2 (Kunkel, Hügelgräberseld am Homberg).

) Teilbericht: Veröffentlichung des Oberhefsischen Museums und der Gailschen Sammlungen, Heft 2 (Helmke, Hügelgräber im Vorderwald von Muschenheim).

Bieder 1715 geboren und war einer der besten Kupferstecher Europas. Er lebte und wirkte in Paris, starb dort blind und im Elend 93jährig. Seine sterblichen Ueberrefte ließ Napoleon im Pan-

) Friedberger Geschichtsblätter 1924, 6. Heft. (Eine Totenstadt in der Wetterau von Dr. Otto Kunkel-Gießen.)

und kirchliche Geräte. 5. Ansichten der Stadt Gießen. Bilder der Schöffen und Syndici aus dem 17 bis 19. Jahrhundert; Wehr, Waffen und Fahnen der Gießener Bürgerwehr aus 1848/49. 6. Reiche oberhesfifche Trachtensamm-

*) Dergl.Heimat im Bild", Beilage zum Gießener Anzeiger. Jahrg. 1925, Nr. 19.

König von Bulgarien fchenkte dem Museum die bulgarischen Kriegsorden. Nachdem am 25. September 1918 die Eröffnung stattgefunden hatte, wurde das Kriegsmuseum der Stadt Gießen übergeben.

Die drei Museen verfolgen ganz verschiedene Zwecke, wie sie auch ganz verschiedenen Grün­den ihre Entstehung verdanken. Am einfachsten

HEINRICH HOCHSTÄTTER

Brandplatz 1, gegenüber dem Alten Schloß Gegründet 1837 Fernsprecher Nummer 36

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